{"corpus":"steiner","locus":"GA 96/1907-02-28/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir uns klarmachen wollen, wie dieser unbewußte Zustand ein bewußter wird, so müssen wir jenen Zwischenzustand betrachten, den der Mensch ja außerdem kennt, den traumerfüllten Schlaf, der uns die gewöhnlichen, alltäglichen Wahrnehmungen oder die inneren Zustände der Seele in Sinnbildern zeigt. Diese Bildlichkeit, die der Traum zeigt, können Sie aber auch finden, wenn Sie das Bewußtsein des Eingeweihten studieren, wenn er in der geistigen Welt weilt. Er sieht die Dinge in der geistigen Welt in Bildern. Allerdings sind dies nicht so chaotische Bilder, wie sie der Traum Ihnen zeigt. Sie haben mit den Bildern des Traumes nur das gemein, daß sie sich fortwährend verwandeln. Der Tisch und der Stuhl zeigen immer diese Gestalt, so wie sie einmal da sind. Die Pflanzen und Menschen, sofern sie äußere Gegenstände sind, zeigen die Gestalt, die sie einmal haben. Aber je mehr wir ins Reich des Bewußten hinüberkommen, finden wir Verwandlungen. Die Pflanze, die aus dem Keim aufsprießt und Stamm, Blätter, Blüte und Frucht entfaltet, das Tier, das seine Willkür ausdrückt, die menschliche Wesenheit - im Verändern der Gesten und der Physiognomie sehen wir sie in Bewegung. Das alles aber ist etwas Bleibendes gegenüber dem, was ein Mensch in einem höheren Zustande in der Welt des Devachan erlebt. Da sehen wir eine fortwährende Verwandlung. Wer durch die betreffenden Übungen seinen Eintritt in die geistige Welt findet, lernt dort, wie sich die Farbe einer Pflanze wie eine Flamme heraushebt aus der Pflanze. Er lernt erkennen, wie die Farben im freien Raum auf- und absteigende Gebilde sind. Eine richtige Anschauung hat er aber erst, wenn er imstande ist, Farben und Töne für sich zu sehen und sie zu bestimmten Wesenheiten hinzuleiten. Fortwährend sind derartige Wesenheiten um uns. Wenn Sie das Violett dieser Blume herausholen könnten, daß sich das Violett frei hinbewegt im Raum, so haben Sie darin den Ausdruck für das Leben einer geistigen Innenwelt der Pflanze. So wirkt auch die menschliche Aura, und das, was wir Astralkörper nennen. Alle menschlichen Neigungen, Gefühle der Eitelkeit und des Egoismus, drücken sich darin durch ganz bestimmte Farbenströmungen aus, so daß wir sagen können: Inneres seelisches Erleben drückt sich in der menschlichen Aura aus. Die Aura ist niemals still, nichts ist da stationär, wie es hier in der Sinnenwelt Stationäres gibt. Und wenn ein Wesen in der geistigen Welt einen Gefühls- oder Willensimpuls hat, können Sie immer sehen, wie das in ganz bestimmten Veränderungen der Farben und Töne zum Ausdruck kommt. Die ewige Bewegung ist das Wesentliche der höheren Welten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Vaterunser","site_heading":null,"date":"1907-02-28","location":null,"word_count":412,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/96/1907-02-28/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/96/1907-02-28/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/96/1907-02-28/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}