Die Reinigung des Blutes von der Ich-Sucht Durch das Mysterium von Golgatha
Denken Sie noch einmal daran, was geschehen mußte, als die Mysterien des Sohnes herankamen: hingedeutet mußte werden darauf, daß das Blut die Bindung an die Blutsbande verlieren muß. Die Blutsbande würden einst dem Menschen weniger bedeuten als der Egoismus. Indem der Christus Jesus hinblickte auf die künftige Mission des Christentums, fühlte er, daß diese nur erreicht werden könne durch sein Opfer. Es mußte so sein. Denn Zeiten würden kommen, wo die Menschen immer egoistischer und egoistischer werden, um zur Freiheit zu gelangen. Deshalb mußte das überschüssige egoistische Blut durch eine kosmische Tat geopfert werden, damit die Menschen, trotz der Selbständigkeit, einst zu dem großen Bruderbund vereinigt werden können. Was da ist, gerade durch die Menschheit, und was durch das Christentum vergeistigt, veredelt werden soll, das egoistische Element, es ist immer größer und größer geworden. Die Menschen werden dadurch immer selbständiger und selbständiger. Aber überblicken wir einmal das, was seither den Erdball umsponnen hat, überblicken wir die äußeren Verkehrsmittel: Was sind sie anderes als Veranstaltungen zur Befriedigung des Egoismus? Alles, was Verstand und Vernunft ersonnen haben, ist nur ersonnen zur Befriedigung des Egoismus, wenn auch auf Umwegen. Weniger egoistisch war die Menschheit, als man das Getreide noch mit zwei Steinen mahlte. Weil aber die Menschheit selbständig werden mußte, so mußte sie auch durch den Egoismus hindurchgehen, und unsere ganze materielle Kultur ist die Unterlage dazu.
Cite:
GA 96/1907-04-01_02/p046 · edition original