Das Mysterium von Golgatha
Das war die Initiation, wie sie im alten Judentum vor sich ging. Der Eingeweihte erlebte während des dreitägigen Aufenthaltes in den höheren Welten den Gang der ganzen künftigen Menschheitsentwickelung, was ihm bevorstand in der zukünftigen Menschheitsentwickelung. Während des Schauens in den drei Tagen wurden in der Regel die zukünftigen Menschheitsstufen nicht in abstrakter Weise gesehen, sondern jede Stufe wurde durch eine Persönlichkeit dargestellt. Der Schauende sah zwölf Persönlichkeiten. Sie stellten die zwölf Stufen der Seelenentwickelung dar. So zeigten sich vor ihm die Seelenkräfte wie äußere Persönlichkeiten. Da sah der Eingeweihte in einem gewissen Zeitpunkte eine ganz bestimmte Szene sich abspielen: Er sah seine eigene Individualität verklärt bis zu jener Stufe, wo die ganze Menschheit von Buddhi erfüllt ist - wo sie also verchristet sein wird. Den Gott sah er als sich selbst, und die Seelenkräfte dahinterstehen. Unmittelbar hinter ihm stand Johannes, der als letzte Gestalt seine Vollendung ankündigt. Sich selbst sah er verklärt, in einem Zustand, den er erlangen wird, wenn er vollendet sein wird; seine Seelenkräfte personifiziert, als deren letzte Vollkommenheitsstufe die Persönlichkeit des Johannes, welcher die Christus-Stufe verkündigt. Dann bildeten sich diese zwölf Gestalten im Jogaschlaf so, daß sie sich zu dem gruppierten, was man das mystische Gemeinsamkeitsmahl nannte. Das stellt folgendes dar. Wenn der Mensch dasitzt, umgeben von den Seelenkräften, sagt er sich: Diese sind mit mir eins; sie haben mich durch die Erdentwikkelung hindurchgeführt. Ich bin weitergeschritten mit den Füßen dieser Apostel. -— Das Mahl drückt die Gemeinsamkeit der zwölf Seelenkräfte mit dem Menschen aus.
Cite:
GA 97/1906-12-02_02/p024 · edition original