Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Erziehungsfrage

GA 97/1907-01-12/p018 ·1907-01-12 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Notizen von einunddreißig Einzelvorträgen mit sechs Fragenbeantwortungen» (Notes of thirty-one single lectures with six question-answerings). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Gegen das siebente Jahr, im Verfolg des allmählichen Zahnwechsels, lösen sich die Umhüllungen des Ätherleibes, und jetzt muß der Erzieher alles heranbringen, was den Ätherleib ausbildet, was auf denselben entwickelnd wirkt. Aber er muß sich noch hüten, zu großen Wert darauf zu legen, daß die Vernunft und der Verstand ausgebildet werden. In dieser Zeit, zwischen dem siebenten und zwölften Jahre des Kindes, handelt es sich vorzugsweise um Autorität, Glauben, Vertrauen, Ehrfurcht. Wichtig für die ganze spätere Lebensentwickelung ist es, daß das Kind möglichst viele Momente erlebt habe wie den folgenden: Das Kind sieht mit einer gewissen heiligen Scheu zu einer verehrten Person auf, es hat Ehrfurcht im tiefsten Inneren, die ihm verbietet, irgendeinen Gedanken von Kritik oder Opposition ihr gegenüber aufkommen zu lassen. Da steht es eines Tages vor der Türe dieser verehrten Person und empfindet eine heilige Scheu, auf die Klinke zu drücken und das Zimmer zu betreten, das ihm ein Heiligtum ist. Diese Momente der Ehrfurcht sind Kräfte für das spätere Leben, und von ungeheurer Bedeutung ist, daß der Erzieher selbst dem Kinde Autorität sei. Die Menschen, die das Kind umgeben, die es sieht und hört, müssen seine Ideale sein. Aus der Geschichte und Literatur sollte sich jedes Kind einen Helden wählen, zu dem es mit Bewunderung und Ehrfurcht aufsieht. Es ist ganz falsch, wenn die materialistische Weltanschauung sich gegen die Autorität ausspricht und das Gefühl der Hingebung und Verehrung mißachtet. Wichtig ist, daß in dieser Zeit das Gedächtnis herausgebildet wird. Und zwar geschieht das zunächst am besten auf ganz mechanische Weise. Nicht die Rechenmaschine sollte benützt werden, sondern Zahlen und Gedichte und so weiter sollten gelernt und dadurch das Gedächtnis entwickelt werden.

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