Des Menschen Verhältnis zur Natur

GA 98/the_relation_of_the_human_being_to_nature/p011 ·1907-12-07 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Hörernotizen von achtzehn Vorträgen» (Listeners' notes of eighteen lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Wenn wir jetzt die Sache so betrachten und nicht beim bloßen Begriff bleiben, dann erst bekommt sie Leben, dann erst haben wir sie in der richtigen Weise erfaßt, denn dann wissen wir, daß, was wir an der Pflanze tun, etwas Ähnliches hervorbringt wie das, was wir am Menschen tun. Wenn wir einem Menschen einen Schlag versetzen, tut ihm das weh, weil er einen Astralleib hat. Der Ätherleib kann nicht Freude und Schmerz empfinden. Der einzelnen Pflanze, weil nicht alle einzelnen Pflanzen einen Astralleib haben, tut es nicht weh, wenn man sie drückt. Aber die Erde hat den gemeinschaftlichen Astralleib der Pflanzen, der tut das weh, was man mit der Pflanze tut. Und im Mittelpunkt der Erde sind die Iche der Pflanzen. Dort kommt es zum Bewußtsein, was man an der Pflanze tut. Wenn wir diese Lehre als dasjenige erfassen, was wir mit allen Kräften unserer Seele aufnehmen, so gehen wir anders über die Oberfläche der Erde hin. Dadurch wird ein jeder Schritt in unserem Leben ein Verkehr mit der Erde als mit einem bewußten Wesen und wir wissen, daß diese Erde Lust und Leid und Freude und Schmerz empfindet als Ganzes. Nur müssen wir das in der richtigen Weise empfinden. Man könnte glauben, wenn wir eine Pflanze abschneiden, tue das der Erde weh. Das ist nicht der Fall. Über die Einzelheiten kann nur derjenige, der hineinschauen kann in die Art und Weise, wie der Astralleib der Erde wirkt, Auskunft geben. Wenn Sie eine Blüte abreißen, ist das ein Gefühl, wie wenn ein Kalb an der Mutterkuh Milch saugt, was der Kuh eine Art von Wohlgefühl bereitet. Was die Erde an Pflanzen hervorsprießen läßt, ist zu vergleichen mit dem Hervorgehen der Milch aus dem Tier, so daß Sie Blumen pflücken können, und das verursacht der Erde ein Wohlgefühl. Reißen Sie sie aber mit der Wurzel aus, so tut das der Erde weh, wie wenn Sie in das Fleisch hineinschneiden. Nehmen Sie das lebensvoll, dann merken Sie, welches seelische Verhältnis Sie zur Erde gewinnen. Wenn die Sense durch die Halme fährt, dann sieht der Hellseher über die Erde, über die Äcker Wohlgefühle dahinstreichen. Indem ein Acker gemäht wird, streichen über den Acker Fluten von Wohlgefühlen über die Erde dahin. Wunderbar vertieft sich unser Verhältnis zur Welt, wenn wir uns in diese Wahrheiten hineinleben. Und wir fühlen, wenn wir der Erde entreißen ihre Pflanzen, wie das der Erde weh tut, wie wenn uns ein Haar ausgerissen wird.

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