Des Menschen Verhältnis zur Natur
Einmal war unsere Erde so, daß alle Metalle glutflüssig waren. Dann entstanden die ersten Inselbildungen. Das war mit gewaltigen Schmerzen verbunden. Daß die Erde unser Wohnplatz werden konnte, das ging unter Schmerzen vor sich und das, was in der Naturwissenschaft geschildert wird — nach und nach diese Verfestigung der Erde -, bedeutet zugleich seelische Prozesse. Wenn derjenige, der die Dinge durchschaut, zum Beispiel einen Vulkanausbruch erlebt, wie die gelösten Massen herausfluten und sich verfestigen, dann sieht er Ströme von Leiden der Lavaseele über den Berg herunterfließen. So durchseelt sich für uns die ganze Natur, wenn wir diese Dinge wissen. Das ist es aber auch immer, was die Eingeweihten der Menschheit vorgehalten haben. Die Aussprüche der Eingeweihten haben in der Regel tiefe Bedeutung und tiefen Wert und manchmal nicht nur eine Bedeutung. Verstehen Sie, daß die Erde einst ein feuerflüssiiger Körper war, daß dieses Gesteinsreich sich verfestigt und zusammengeballt hat. Unter Leiden hat sich die Erde zu unserem Wohnplatz herausgebildet. Nur durch Leiden des Gesteinsreiches konnten wir zu einem gewissen Entwickelungszustand kommen. Diese Leiden des Gesteins werden erst aufhören, wenn der Endzustand der Erde kommen wird, wenn die Erde wieder weicher, wenn sie wieder geistig werden wird. Versetzen Sie sich in diesen Gang der Erde: feurig-flüssige Erde, die Menschen noch geistig darin. Die Gesteinsmassen verfestigen sich. Fortwährende Schmerzen und Leiden zum Fortschritt des Menschengeschlechts im leblosen Gesteinsreich. Wie kann man das besser sagen als: «Denn alle Kreatur seufzt unter Schmerzen, harrend der Annahme an Kindesstatt.» Man kann nicht tief genug gehen, wenn man wirklich Aussprüche der Eingeweihten verstehen will.
Cite:
GA 98/the_relation_of_the_human_being_to_nature/p015 · edition original