{"corpus":"steiner","locus":"GA 99/1907-06-05/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist das Ziel, dem das sechste Zeitalter der Menschheit entgegenstreben wird: die Popularisierung der okkulten Wahrheit im weitesten Umkreise. Das ist die Mission dieses Zeitalters. Und diejenige Gesellschaft, die sich spirituell vereint, hat die Aufgabe, diese okkulte Wahrheit überall hineinzutragen in das Leben und unmittelbar dort anzuwenden. Das ist es ja gerade, was unserem Zeitalter fehlt. Sehen Sie nur, wie unser Zeitalter sucht und wie niemand das Richtige finden kann. Es gibt unzählige Fragen, die Erziehungsfrage, die Frauenfrage, die Medizin, die soziale Frage, die Ernährungsfrage. Und da doktert man herum an diesen Fragen, und zahlreiche Artikel und Bücher werden geschrieben, und jeder redet von seinem Standpunkte aus, ohne daß er das, was das Zentrale ist, die okkulte Wahrheit, studieren will. Nicht darum handelt es sich, abstrakt etwas zu wissen über geisteswissenschaftliche Wahrheiten, sondern sie unmittelbar hineinzutragen in das Leben, zu studieren die sozialen Fragen, die Erziehungsfragen, ja das ganze Menschenleben vom Standpunkte der wirklichen okkulten Weisheit. — Aber da muß man doch die höchste Weisheit erkennen! könnte man einwenden. Das geht von dem Irrtum aus, als ob man immer das wirklich erkennen müßte, was man im Leben anwendet. Das aber ist nicht nötig; das Erkennen der höchsten Prinzipien kommt oft viel später, als man sie anwendet. Wenn die Menschheit hätte warten wollen mit der Verdauung, bis man die Gesetze der Verdauung erkannt hätte, dann wäre die Entwickelung der Menschheit nicht möglich gewesen. So braucht man auch nicht alle geistigen Gesetze zu erkennen, um die Geisteswissenschaft einfließen zu lassen in das tägliche Leben. Das gerade ist die Art, wie die rosenkreuzerische Methode das Geistige behandeln will: weniger Abstraktion, dafür die Betrachtung der alltäglichen Lebensfragen. Darauf kommt es nicht an, daß man sagt: Geisteswissenschaft ist Geisteswissenschaft —, sondern daß man im unmittelbaren Leben ernst damit macht. Glauben Sie, daß das Kind alle grammatischen Regeln der Sprache kennt, wenn es sprechen gelernt hat? Erst lernt es sprechen und dann die Grammatik. Daher muß Wert darauf gelegt werden, daß der Mensch erst mit Hilfe der spirituellen Lehren sich mit dem beschäftigt, was ihn unmittelbar umgibt, ehe er an das geht, was in den höchsten Welten zu finden ist, was über den astralen Plan, über den devachanischen Plan Kenntnis verbreitet. Denn nur dadurch verstehen wir, was in unserer Umgebung existiert und wo wir selber eingreifen müssen. Daher ist es die konkrete Aufgabe, die zerklüftete Menschheit, die aus den alten Bluts- und Stammesverbänden herausgerissen ist, zu verbinden durch die einheitliche okkulte spirituelle Weisheit.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1907-06-05","location":null,"word_count":408,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/99/1907-06-05/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/99/1907-06-05/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/99/1907-06-05/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}