{"corpus":"steiner","locus":"GA 1/l06/p004","lang":"en","edition":"MP1988","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"text":"On the one hand, theology demands the blind subjection of thinking to the statements of the church; on the other, science demands blind subjection to the statements of sense observation. Here as there, independent thinking that penetrates into the depths counts as nothing. The science of experience forgets only one thing. Thousands and thousands of people have looked at a sense-perceptible fact and passed it by without noting anything striking about it. Then someone came along who looked at it and became aware of an important law about it. How? This can only stem from the fact that the discoverer knew how to look differently than his predecessors. He saw the fact with different eyes than his fellow men. In looking, he had a definite thought as to *how* one must bring the fact into relationship with other facts, what is significant for it and what is not. And so, thinking, he set the matter in order and saw more than the others. *He saw with the eyes of the spirit*. All scientific discoveries rest on the fact that the observer knows how to observe in a way governed by the right thought. *Thinking* must naturally guide observation. It cannot do so if the researcher has lost his belief in thinking, if he does not know what to make of thinking's significance. The science of experience wanders helplessly about in the world of phenomena; the sense world becomes a confusing manifoldness for it, because it does not have enough energy in thinking to penetrate into the center.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"6. Goethe's Way of Knowledge","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":257,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/1/l06/p004","alignment_confidence":"medium","alignment_reason":"beads:length","two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["MP1988"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/1/l06/p004"},{"lang":"en","edition":"MP1988","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/1/l06/p004","paragraph_aligned":true}],"german_anchor":{"de_prefix":"l06","de_passages":[{"locus":"GA 1/l06/p003","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/1/l06/p003"}],"bead_confidence":"medium","pairing_state":"proposed","verified":false,"length_check":{"de_words":533,"en_words":594,"ratio":1.11,"partial":false},"correspondence":"established","note":"English passage numbering is edition-relative, so the same number need not name the same paragraph in the German. The German original passage(s) above are the edition-invariant anchor — fetch them (lang='de') to verify wording before quoting across editions."},"paired_german":{"status":"paired","german":[{"locus":"GA 1/l06/p003","passage_number":3,"text":"Es ist ja richtig: Wir haben auf allen Gebieten der Kultur Fortschritte zu verzeichnen. Daß das aber Fortschritte *in die Tiefe* sind, kann kaum behauptet werden. Für den Gehalt eines Zeitalters sind aber doch nur die Fortschritte *in die Tiefe* maßgebend. Unsere Zeit möchte man aber am besten damit bezeichnen, daß man sagt: Sie weist überhaupt Fortschritte in die Tiefe als für den Menschen unerreichbar zurück. Wir sind mutlos auf allen Gebieten geworden, besonders aber auf jenem des Denkens und des Wollens. Was das Denken betrifft: Man beobachtet endlos, speichert die Beobachtungen auf und hat nicht den Mut, sie zu einer wissenschaftlichen Gesamtauffassung der Wirklichkeit zu gestalten. Die deutsche idealistische Philosophie aber zeiht man der Unwissenschaftlichkeit, weil sie diesen Mut hatte. Man will heute nur sinnlich *schauen,* nicht *denken.* Man hat alles Vertrauen in das Denken verloren. Man hält es nicht für ausreichend, in die Geheimnisse der Welt und des Lebens einzudringen; man verzichtet überhaupt auf jegliche Lösung der großen Rätselfragen des Daseins. Das einzige, was man für möglich hält, ist: *die Aussagen der Erfahrung in ein System zu bringen.* Dabei vergißt man nur, daß man sich mit dieser Ansicht einem Standpunkt nähert, den man längst für überwunden hält. Die Abweisung alles Denkens und das Pochen auf die sinnliche Erfahrung ist, tiefer erfaßt, doch nichts als der blinde Offenbarungsglaube der Religionen. Der letztere beruht doch nur darauf, daß die Kirche fertige Wahrheiten überliefert, an die man zu glauben hat. Das Denken mag sich abmühen, in ihren tieferen Sinn einzudringen; benommen aber ist es ihm, die *Wahrheit selbst zu prüfen,* aus eigener Kraft in die Tiefen der Welt zu dringen. Und die Erfahrungswissenschaft: was fordert *sie* vom Denken? Daß es lausche, was die Tatsachen sagen, und diese Aussagen auslege, ordne usw. Selbständig in den Kern der Welt einzudringen, versagt auch sie dem Denken. Dort fordert die Theologie blinde Unterwerfung des Denkens unter die Aussprüche der Kirche, hier die Wissenschaft blinde Unterwerfung unter die Aussprüche der Sinnenbeobachtung. Da wie dort gilt das selbständige, in die Tiefen dringende Denken nichts. Die Erfahrungswissenschaft vergißt nur eins. Tausende und aber Tausende schauten eine sinnenfällige Tatsache und gingen an ihr vorüber, ohne etwas Auffälliges an ihr zu merken. Dann kam einer, der sie anblickte und ein wichtiges Gesetz an ihr gewahr wurde. Woher kommt das? Doch nur davon, weil der Entdecker anders zu schauen verstand als seine Vorgänger. Er sah die Tatsache mit andern Augen an als seine Mitmenschen. Er hatte bei dem Schauen einen bestimmten Gedanken, *wie* man die Tatsache mit andern in Zusammenhang bringen müsse, was für sie bedeutsam sei, was nicht. Und so legte er sich *denkend* die Sache zurecht und er sah mehr als die andern. *Er sah mit den Augen des Geistes.* Alle wissenschaftlichen Entdeckungen beruhen darauf, daß der Beobachter in der durch den richtigen Gedanken geregelten Weise zu beobachten versteht. Das *Denken* muß die Beobachtung naturgemäß leiten. Das kann es nicht, wenn der Forscher den Glauben an das Denken verloren hat, wenn er nicht weiß, was er von dessen Tragweite zu halten hat. Die Erfahrungswissenschaft irrt ratlos in der Welt der Erscheinungen umher; die Sinnenwelt wird ihr eine verwirrende Mannigfaltigkeit, weil sie nicht die Energie im Denken hat, in das Zentrum zu dringen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":533,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/1/l06/p003"}],"english":["GA 1/l06/p003","GA 1/l06/p004"],"method":"length","confidence":"medium","correspondence":"established","length_check":{"de_words":533,"en_words":594,"ratio":1.11,"partial":false},"pairing_state":"proposed","verified":false},"witness_completeness":{"ratio":1.14,"band":"comparable","note":null,"word_count":2523,"original_word_count":2219,"may_be_abridged":false},"witness_quality":{"translator":{"status":"unknown","warning":"No translator is recorded for this edition. An unattributed translation cannot be weighed as a witness: you cannot tell which hand made the choices in it. 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