{"corpus":"steiner","locus":"GA 146/1913-05-28/p018","lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"text":"Now let him stand before us in the hours that preceded his entrance into the spiritual worlds. There he is, surrounded by his disciples, and in the face of death he speaks to them of the immortality of the soul. Many people read this wonderful discourse that Plato has given us in order to describe the scene of his dying teacher. But people in these days read only words, only concepts and ideas. There are even those—I do not mean to censure them—in whom this wonderful scene of Plato arouses questions as to the logical justification of what the dying Socrates sets forth to his disciples. They cannot feel there is something more for the human soul, that something more important lives there, of far greater significance than logical proofs and scientific arguments. Let us imagine all that Socrates says on immortality to be spoken by a man of great culture, depth and refinement, in the circle of his pupils, but in a different situation from that of Socrates, under different circumstances. Even if the words of this man were a hundred times more logically sound than those of Socrates, in spite of all they will perhaps have a hundred times less value. This will only be fully grasped when people begin to understand that there is something for the human soul of more value, even if less plausible, than the most strictly correct logical demonstrations. If any highly educated and cultured man speaks to his pupils on the immortality of the soul, it can indeed have significance. But its significance is not revealed in what he says—I know I am now saying something paradoxical but it is true—its significance depends also on the fact that the teacher, having spoken these words to his pupils, passes on to look after the ordinary affairs of life, and his pupils do the same. But Socrates speaks in the hour that immediately precedes his passage through the gates of death. He gives out his teaching in a moment when in the next instant his soul is to be severed from his bodily form.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Lecture I","site_heading":"Ancient Clairvoyance and the Birth of Individual Ego","site_heading_note":"A heading the site wrote for this unit from a summary of it; not in the edition, and not the words of Rudolf Steiner or of the translator. 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Er spricht im Angesichte des Todes von der Unsterblichkeit der Seele. Viele lesen dieses wunderbare Gespräch von der Unsterblichkeit, das Plato uns gegeben hat, um gerade diese Szene seines sterbenden Lehrers zu schildern. Aber es lesen heute die Menschen nur Worte, Begriffe und Ideen. Es gibt sogar Menschen — und sie sollen nicht getadelt werden — die sich gegenüber dieser herrlichen Schilderung Platos fragen nach den logischen Berechtigungen desjenigen, was der sterbende Sokrates seinen Schülern auseinandersetzt. Es sind das diejenigen Menschen, die nicht empfinden können, daß es mehr gibt für die Menschenseele, daß Wichtigeres, Bedeutungsvolleres als logische Beweise, als wissenschaftliche Auseinandersetzungen in unseren Seelen lebt. Lassen wir ganz dasjenige, was Sokrates über die Unsterblichkeit sagt, lassen wir den allergebildetsten, den allertiefsten, den allerfeinsten Menschen im Kreise seiner Schüler in einer anderen Situation das sagen, was Sokrates seinen Schülern sagt, lassen wir es ihn unter anderen Umständen sagen, ja lassen wir hundertmal mehr das, was dieser feinste, logischste, gebildetste Mensch sagt, besser logisch begründet sein, als dies bei Sokrates ist: und trotzdem hat es vielleicht einen hundertmal geringeren Wert! Dies wird man erst voll einsehen, wenn man beginnen wird gründlich zu verstehen, daß es etwas für die Menschenseele gibt, was mehr wert ist, wenn es auch unscheinbarer scheint, als die stichhaltigsten logischen Beweise. Wenn irgendein gebildeter, feiner Mensch in irgendeiner Stunde zu seinen Schülern von der Unsterblichkeit der Seele spricht, so kann das wohl sehr bedeutsam sein. Aber die eigentliche Bedeutung wird nicht enthüllt durch das, was gesagt wird - ich weiß, ich spreche jetzt etwas sehr Paradoxes aus, aber etwas sehr Wahres -, sondern es wirkt der Umstand mit, daß dieser Lehrer seinen Schülern etwas sagt, hinterher aber die gewöhnlichen Angelegenheiten seines Lebens weiter besorgt und seine Schüler auch. Sokrates sagt die Dinge seinen Schülern in der Stunde, die seinem Durchschreiten der Todespforte vorangeht. Er spricht die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele aus in dem Augenblicke, da in dem nächsten sich seine Seele von dem äußeren Leibe trennen wird. Es ist etwas anderes, in der Todesstunde, die nicht als unbestimmt vom Schicksal ihm entgegenkommt, zu den zurückbleibenden Schülern von der Unsterblichkeit zu sprechen, etwas anderes, nach diesem den gewöhnlichen Tagesgeschäften nachzugehen. Es ist etwas anderes, nach einem solchen Gespräche auch wirklich einzugehen in die Welten, die hinter der Todespforte liegen. Nicht die Worte des Sokrates sollen vorzugsweise auf uns wirken, die Situation soll es tun. Aber nehmen wir alle Stärke desjenigen, was eben versucht worden ist zu charakterisieren, nehmen wir all das, was uns in dem Gespräch des Sokrates zu seinen Schülern über die Unsterblichkeit wie ein Hauch entgegentritt, nehmen wir die ganze, unmittelbare Kraft dieses Bildes, was haben wir da vor uns? Die griechische Welt, die Welt der griechischen Alltäglichkeit haben wir vor uns, jene Welt, in der des Lebens Alltagskämpfe dazu geführt haben, den besten der Söhne des Landes mit dem Schierlingsbecher zu bedenken. Wir haben vor uns die letzten Erdenworte dieses edlen Griechen, die letzten Worte, die er nur dazu bestimmte, die Menschen, die um ihn herumstehen, dahin zu bringen, daß ihre Seelen glauben an dasjenige, von dem sie ein Wissen nicht mehr haben können, daß ihre Seelen glauben an das, was für sie ein Jenseits ist, an die geistige Welt. Daß ein Sokrates notwendig ist, um mit den stärksten Gründen, nämlich durch die Tat, Erdenseelen dazu zu bringen, daß sich für sie ein Ausblick ergibt in die spirituellen Welten, in denen die Seele lebt, wenn sie durch die Todespforte gegangen ist, das zaubert vor unsere Seele ein Bild hin, das westländischen Seelen wohl verständlich ist. Sokrateskultur ist westländischen Seelen wohl verständlich. Sokrates vor seinen Schülern stehend, die so unmittelbar vor der Wirklichkeit des Todes stehen: dieses Bild ist allerdings abendländischen Seelen verständlich. Wir begreifen abendländische Kultur nur dann recht, wenn wir wissen, daß sie in diesem Sinne doch sokratische Kultur durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende war.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":751,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/146/1913-05-28/p014"}],"english":["GA 146/1913-05-28/p017","GA 146/1913-05-28/p018","GA 146/1913-05-28/p019"],"method":"length","confidence":"high","correspondence":"established","length_check":{"de_words":751,"en_words":699,"ratio":0.93,"partial":false},"pairing_state":"proposed","verified":false},"witness_completeness":{"ratio":0.93,"band":"comparable","note":null,"word_count":4999,"original_word_count":5398,"may_be_abridged":false},"witness_quality":{"translator":{"scope":"unit","status":"recorded","translator":"George Adams and Mary Adams","identified_edition":"AP1968","book_title":"The Occult Significance of the Bhagavad Gita","publisher":"Anthroposophic Press","publisher_inferred":true,"match_score":1.0,"source_url":"https://www.rsarchive.org/Lectures/GA146/English/AP1968/19130528p01.html","evidence":"lecture_list_row","publisher_note":"The publisher is inferred from the edition code in this lecture's source URL, not stated by the source page. 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