{"corpus":"steiner","locus":"GA 169/1916-06-27/p037","lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"text":"As I have emphasized before, the ancient Greeks represented what they saw differently than we do now. This was because the Greeks still had something within them. We know the Greeks had developed their intellectual or mind soul. Our I is directed to the outside while our intellectual or mind soul is oriented to the inside and perceives our inner balance and the inner mobility of our body. The ancient Greeks lived more within themselves than we do. Consequently, the artists in ancient Greece did not work with their models as modern artists do. Instead, when the artist wanted to represent an arm, he felt within himself the shape and form of the muscle. And when he wanted to represent a movement, he felt what it is like to perform the movement himself. 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Derjenige, der heute im grob materialistischen Sinne denkt, sagt: Die Griechen haben halt besser gesehen, sie haben ja auch den menschlichen Körper gesehen bei ihren Spielen; und man hat nicht übel Lust, diese Spiele wieder nachzumachen. - Nun, diejenigen, die heute griechische Spiele nachmachen, werden schon keine Griechen werden, darauf können Sie sich verlassen; aber die Äußerlichkeiten macht man ja vielfach nach. Ich habe es ja schon hervorgehoben, daß der Grieche in einer anderen Weise nachbildete, als ein moderner europäischer Mensch. Das beruht darauf, daß der Grieche noch etwas im Innern hatte. Wir wissen, daß der Grieche ausgebildet hatte die Verstandes- oder Gemütsseele; bei uns ist das Ich nach außen gerichtet, die Verstandes- oder Gemütsseele aber ist nach innen gerichtet, erfaßt mehr das innere Gleichgewicht und die innere Bewegungsfähigkeit des Leibes. Der Mensch steckt noch mehr in sich als Grieche, denn als moderner Mensch. Der Grieche hat daher auch nicht in derselben Weise wie der moderne Künstler mit dem Modell gearbeitet, sondern wenn er den Arm zu bilden hatte, dann fühlte er in sich die Form des Muskels, fühlte in sich die Gestalt, er fühlte, wenn er eine Bewegung bilden sollte, wenn er selbst die Bewegung machte, wie das ist. Ja, er konnte noch mehr, der Grieche, weil er noch drinnen steckte. Sie wissen, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit wurde ausgebildet die Empfindungsseele, in der griechisch-lateinischen Zeit die Verstandes- oder Gemütsseele. Sie steckt aber noch darinnen. Erst das Ich tritt heraus, sieht die Außenwelt an. Wenn der Grieche sich einen Vogel anschaute, so konnte er in seiner eigenen Armbewegung, wenn er den Flug des Vogels nachahmte, fühlen, wie er die Flügel gestalten mußte, während der moderne Mensch ein Modell braucht, sich einen Vogel irgendwo anheftet und dann den nachmalt oder nachbildet. Dieses innerliche Erleben ist der modernen Menschheit mit Recht verlorengegangen. Aber wissen muß man das und würdigen muß man das: Dieses innerliche plastische Verständnis, das der Grieche hatte, hat der moderne Mensch nicht. Wir müssen verstehen, daß, wenn der Grieche einen Menschen in Bewegung in der Plastik nachbildete, er aus innerem Wissen, nicht von äußerlichem Anschauen nach dem Modell wußte, wie er das Bein, die Zehe, die Finger, wie er das alles zu stellen hatte. Der moderne Mensch kann eigentlich im Grunde genommen einen Vogel, der fliegt, nicht malen. Auf modernen Bildern schweben die Vögel, sie fliegen nicht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":466,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-06-27/p017"},{"locus":"GA 169/1916-06-27/p018","passage_number":18,"text":"Daß das so ist, das ist schon richtig, man muß es nur verstehen. Man muß an den heutigen Menschen nicht die Anforderungen stellen, die man an den griechischen Menschen stellte. Es mußte abgedämpft werden dieses innerliche Erfühlen, damit der Mensch das Ich nach außen richten konnte. Man darf eben nicht die Menschheitsentwickelung so betrachten, wie sie die modernen materialistischen Darwinisten betrachten, daß man nur ausgeht von dem unvollkommenen und heraufgeht zum vollkommenen Menschen, sondern man muß die geistige Entwickelung daneben haben, die hinuntersteigt von dem in der geistigen Welt vollkommenen zum immer mehr und mehr dem physischen Organismus sich anpassenden Menschen. Zwei Entwickelungsströmungen haben wir verlaufend, nicht bloß eine. Daher können wir sagen: Wir konnten in modernem Anschauen etwas aufnehmen, was beim früheren Anschauen nicht der Fall war. 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