{"corpus":"steiner","locus":"GA 30/35_chaos/p008","lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"text":"Paul Mongré's mathematical thinking has now led him to such extravagances of the concept. The mathematician separates time and space from the other content of the world in his thoughts and then deals with them as abstract entities. He can speak of the passage of time that exists *alongside* the sequence: father - son - grandson. But in reality, this passage of time does not exist as such at all. It is not separate from the *content* of the sequence: father - son - grandson. The son is only possible as a consequence of the father and the grandson only as a consequence of the son. They give themselves the time sequence. And the latter has no meaning at all without them, is an empty abstraction. Another observer of the world may, for my sake, see the grandson first, then the son, then the father. This does not change the fact that the order which he does not give to the three members, but which they give to themselves, remains the same. Paul Mongré first separates his many conceivable worlds from our real one through abstraction. They are conceivable. But that does nothing. They are only conceivable as abstractions from the real one. They are nothing without it. No matter how boldly we speculate, we cannot leave our world. We remain within it. We cannot be dealing with a majority of worlds, but only with the one, with our cosmos. And because this is the case, this cosmos is also *necessary*, it has its lawfulness in itself through *itself*. It is not a single case out of an immeasurable number; it is the unity, the direction and cause, which also has the reason for its existence in itself. Paul Mongré's conclusion can also be illustrated by the following comparison. A ruler governs his people according to certain laws, which have grown out of the feelings, habits and so on of the people. They only endure because of the latter. Now someone comes along and says: Let us detach the ruler from the laws. These can now also be others. We can *think* of countless possibilities; how he governs his people is just one case of countless possible ones. Here everyone immediately sees the inadmissibility of the conclusion. We can indeed think of infinite possibilities for the ruler, but such thinking takes place in a complete void. How *this* ruler rules is only possible in one way due to the peculiarity of the people. Paul Mongré's entire conclusion is inadmissible. It must not be drawn at all.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"35. Chaos","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":426,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/30/35_chaos/p008","alignment_confidence":"medium","alignment_reason":"beads:embedding","two_voice_volume":false,"translation_credit":{"scope":"unit","status":"established","translator":"Steiner Online Library","identified_edition":"SOL2024","book_title":null,"publisher":"Steiner Online Library","publisher_inferred":true,"match_score":1.0,"source_url":"https://www.rsarchive.org/Articles/GA030/English/SOL2024/35_Chaos.html","evidence":"lecture_page_line","publisher_note":"The publisher is inferred from the edition code in this lecture's source URL, not stated by the source page. The translator IS verified for this lecture: its own source names the translator (evidence: the lecture's page, rsarchive's lecture list, or the cover of the book it was published in), and that page's text was matched against this unit (see match_score and source_url). 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Wir können uns vorstellen, daß es irgendeinen Weltbeschauer gebe, der nicht wie wir vorwärts, sondern rückwärts sehe, also: Enkel — Sohn — Vater. Wieder einen anderen Beschauer könnten wir denken, der folgenden Ablauf sehe: Sohn — Enkel — Vater, einen weiteren: Enkel — Vater — Sohn. So stellt sich, was wir sehen, nur als ein Spezialfall von anderen möglichen, in abstrakto denkbaren Fällen dar. Dehnen wir nun diese Betrachtung in der mannigfachsten Weise auf die ganze uns vorliegende Erfahrungswelt aus, so können wir uns vorstellen, daß alle Geregeltheit, die wir als kosmischen Zusammenhang wahrnehmen, nur ein spezieller Einzelfall unendlich vieler denkbarer Welten sich darstellte. Alle Gesetze, alle Begriffe, die wir auf unsere Welt anwenden, sind nur Spezialfälle. Wohin kommen wir, wenn wir alle kosmische Gesetzmäßigkeit in dieser Weise als Spezialfall vorstellen? Wir kommen dazu, daß in der Unsumme von allgemeinen Welten keines der in unserer geltenden Gesetze statthat, daß darin keiner unserer Begriffe gilt. Wir kommen dazu, sagen zu müssen, daß, wenn wir aus unserer Welt hinaus- und in eine andere hineingehen, wir in die Gesetz- und Regellosigkeit, in das Chaos einmünden. Und zuletzt kommen wir noch weiter. Nichts nötigt die verschiedenen außer uns bestehenden Möglichkeiten (in unserem Beispiel: Sohn — Enkel — Vater; Enkel — Vater — Sohn und so weiter), gerade die bestimmte für uns gegebene besondere Daseinsform anzunehmen (in unserem Beispiele: Vater — Sohn — Enkel zu werden). Ja, es braucht gar keine der denkbaren Möglichkeiten zu existieren. Und da für das Denken die unsrige gar keinen Vorzug hat vor den anderen denkbaren, so braucht auch unsere nicht notwendig zu existieren. Unsere ganze Welt, die wir wahrnehmen, braucht also vor einer höheren Instanz (im transzendenten Sinne, wie es in Paul Mongrés Terminologie heißt) nicht zu existieren. «Warum den Namen scheuen? Unser Idealismus läuft hier, wenn es die letzte Konsequenz gilt, in die scharfe und gefährliche Spitze eines transzendenten Nihilismus aus» (S. 188).","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":417,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/30/35_chaos/p009"},{"locus":"GA 30/35_chaos/p010","passage_number":10,"text":"Zu solchen Extravaganzen des Begriffes hat nun Paul Mongré sein mathematisches Denken verführt. Der Mathematiker sondert im Gedanken die Zeit, den Raum von dem andern Gehalt der Welt ab und hantiert dann mit ihnen als mit abstrakten Gebilden. Er kann von dem Zeitablauf sprechen, der *neben* der Folge: Vater — Sohn — Enkel existiert. Aber in Wirklichkeit ist dieser Zeitablauf überhaupt nicht als solcher vorhanden. Er ist nicht getrennt von der *inhaltlichen* Folge: Vater — Sohn — Enkel. Der Sohn ist nur möglich als Folge des Vaters und der Enkel nur als Folge des Sohnes. Sie geben sich selbst die Zeitfolge. Und diese letztere hat ohne sie gar keinen Sinn, ist ein leeres Abstraktum. Ein anderer Weltbeschauer mag meinerwegen zuerst den Enkel, dann den Sohn, dann den Vater sehen. Das ändert nichts daran, daß die Reihenfolge, die nicht er den drei Gliedern gibt, sondern die sie sich selbst geben, dieselbe bleibt. Paul Mongré sondert erst seine vielen denkbaren Welten durch Abstraktion aus unserer wirklichen heraus. Sie sind denkbar. Aber das tut nichts. Sie sind nur als Abstraktionen.aus der wirklichen denkbar. Sie sind ohne sie nichts. Wir können mit noch so kühnen Spekulationen nicht aus unserer Welt hinaus. Wir bleiben innerhalb derselben. Wir können es gar nicht mit einer Mehrheit von Welten zu tun haben, sondern nur mit der einen, mit unserem Kosmos. Und weil das so ist, so ist auch dieser Kosmos *notwendig*, so hat er durch *sich* seine Gesetzmäßigkeit in sich. Er ist kein Einzelfall aus unermeßlich vielen; er ist die Einheit, die Richtung und Ursache, die aber auch den Grund ihrer Existenz in sich hat. Paul Mongrés Schlußfolgerung können wir auch durch folgenden Vergleich anschaulich machen. Ein Herrscher regiere sein Volk im Sinne bestimmter Gesetze, Diese sind herausgewachsen aus den Empfindungen, Gewohnheiten und so weiter des Volkes. Sie haben nur durch letzteres Bestand. Nun komme jemand und sage: Sondern wir den Herrscher von den Gesetzen ab. Diese können nun auch andere sein. Wir können uns unzählige Möglichkeiten *denken*; wie er sein Volk regiert, ist nur ein Einzelfall von unzähligen möglichen. Hier sieht wohl jeder sofort das Unzulässige der Schlußfolgerung. Wir können uns zwar unendliche Möglichkeiten des Herrschers denken, aber ein solches Denken spielt im vollständig Leeren. Wie *dieser* Herrscher regiert, ist durch die Eigenheit des Volkstums nur auf die eine Weise möglich. Paul Mongrés ganze Schlußfolgerung ist unstatthaft. Sie darf gar nicht angestellt werden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":396,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/30/35_chaos/p010"}],"english":["GA 30/35_chaos/p007","GA 30/35_chaos/p008"],"method":"embedding","confidence":"medium","correspondence":"established","length_check":{"de_words":813,"en_words":880,"ratio":1.08,"partial":false},"pairing_state":"verified","verified":true,"evidence":["anchors","reader"],"reader_german":["GA 30/35_chaos/p010"]},"witness_completeness":{"ratio":0.91,"band":"comparable","note":null,"word_count":2635,"original_word_count":2885,"may_be_abridged":false},"witness_quality":{"translator":{"scope":"unit","status":"recorded","translator":"Steiner Online Library","identified_edition":"SOL2024","book_title":null,"publisher":"Steiner Online Library","publisher_inferred":true,"match_score":1.0,"source_url":"https://www.rsarchive.org/Articles/GA030/English/SOL2024/35_Chaos.html","evidence":"lecture_page_line","publisher_note":"The publisher is inferred from the edition code in this lecture's source URL, not stated by the source page. 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