{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/gnostics_and_montanists/p028","lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"text":"On the one hand the question could be answered by the Gnosis, and on the other hand it could be answered by an imagination towards the Pistis, which then came to Montanism in a visionary manner. The writer of the St John's Gospel was continuously placed in the middle, between these two, and we feel every word, every sentence only intimately if we do it in such a way as it flowed out of the course of the times, and in such a way that you feel the course of time during the Mystery of Golgotha as if it can be experienced forever in the human soul. With an anthroposophic gaze we can look back at the turning point in time, to the most important turning point in the earth, when one wanted to have this experience of adoration of the St John's Gospel. The day before yesterday I said to you, one has, and must, have an experience when one reads the Gospels with an anthroposophical approach, by reading them time and time again. This admiration of the reader is always renewed with each reading by the conviction that one can never learn everything from the Gospels because they go into immeasurable depths. In Gnosis, my dear friends, you can learn everything because it adheres to outer nature and cosmic symbols. In Montanism one can learn all about it because everyone who is familiar with such things knows what a tremendous suggestive persuasiveness all this has, that can be experienced through microcosmic visions, stronger than any outer impression. You must first learn, my dear friends, in order to be able to talk someone out of a vision, you first need to learn how to do it. You could, if you want to convince a person religiously, rather talk him out of what he has experienced with his outer senses, than anything he has experienced as visions, as atavistic clairvoyance, because atavistic visions are far deeper in a person. By allowing atavistic visions into a person, he is far more connected to them than to his sense impressions. It is far easier to determine an error in sense impressions than an error related to visions. Visions are deeply imbedded in the microcosm. Out of such depths everything originated which the writer of John's Gospel saw from the other side, the side of the Montanists.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"XIV. Gnostics and Montanists","site_heading":null,"date":"1921-10-03","location":null,"word_count":394,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/gnostics_and_montanists/p028","alignment_confidence":"high","alignment_reason":"beads:length","two_voice_volume":false,"translation_credit":{"scope":"unit","status":"established","translator":"Hanna von Maltitz","identified_edition":"SOL2018","book_title":"The Foundation Course","publisher":"Steiner Online Library","publisher_inferred":true,"match_score":1.0,"source_url":"https://www.rsarchive.org/Lectures/GA343/English/SOL2018/Lecture_14_4616a.html","evidence":"lecture_list_row","publisher_note":"The publisher is inferred from the edition code in this lecture's source URL, not stated by the source page. 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Wie kommt er auf der anderen Seite zum [Verstehen] des Urständens der Seele im Physisch-Leiblichen? - Die eine Seite [der Frage] konnte beantworten die Gnosis, die andere Seite konnte beantworten die zur Imagination werdende Pistis, die dann im Montanismus in visionärer Weise zutagegetreten ist. Der Schreiber des Johannes-Evangeliums war durchaus in die Mitte dieser [beiden] hineingestellt, und wir empfinden jedes Wort, jeden Satz nur intim, wenn wir ihn so empfinden, wie er herausgeflossen ist aus dem Gang der Zeit, und zwar so, wie sich im Gange der Zeit zur Zeit des Mysteriums von Golgatha das Ewige in den menschlichen Seelen einleben konnte. Mit anthroposophischem Blick muß man wieder zurückschauen in die Zeitenwende, in die wichtigste Erdenzeitenwende, wenn man dieses Gefühl der Bewunderung des Johannes-Evangeliums empfinden will. Ich habe Ihnen vorgestern gesagt, eine Empfindung hat man und muß man haben, gerade wenn man sich anthroposophisch dem Lesen der Evangelien nähert und dieses Lesen immer wieder und wiederum wiederholt. Das ist die aus der Bewunderung, aus der bei jedem Lesen sich immer erneuernden Bewunderung des Evangeliums sich einstellende Überzeugung, daß man an den Evangelien niemals auslernen kann, weil sie in unermeßliche Tiefen hineinführen. Und in der Gnosis, meine lieben Freunde, konnte man auslernen, weil sie sich hält an äußere Natur- und kosmische Symbole, im Montanismus konnte man auslernen, denn das weiß jeder, der mit solchen Dingen bekannt ist, welch ungeheuere suggestive Überzeugungskraft alles dasjenige hat, was man im Mikrokosmos als Vision erlebt, stärker als jeder äußere Eindruck. Einem Menschen eine Vision auszureden, meine lieben Freunde, das müssen Sie nur erst gelernt haben. Sie können, wenn Sie einen Menschen religiös überzeugen wollen, ihm viel eher das ausreden, was er mit seinen äußeren Sinnen erlebt hat, als irgend etwas, was er als Visionen, als atavistisches Hellsehen erlebt hat, weil Visionen atavistischer Art tiefer als die Sinne im Menschen sitzen. Sitzen heute Visionen atavistischer Art im Menschen, dann ist der ganze Mensch viel tiefer mit ihnen verbunden, als er mit seinen Sinneseindrücken verbunden ist. Sie kommen viel leichter zurecht, einen Irrtum festzustellen in bezug auf Sinneseindrücke, als einen Irrtum, der sich bezieht auf Visionen. Die Visionen sitzen tief unten im Mikrokosmos. Und aus solchen Tiefen ist alles dasjenige hervorgegangen, was nun der Schreiber des Johannes-Evangeliums nach der anderen Seite[, der Seite des Montanismus] gesehen hat. Der Montanismus war die Seite der Charybdis, während die Gnosis die Seite der Skylla war. Zwischen beiden mußte er hindurch. Und ich empfinde es einmal als das Tragische unserer Zeit, daß unsere Zeit genötigt war — nun wiederum aus eben der oberflächlichen Ehrlichkeit, die heute auf solchen Gebieten waltet —, das Johannes-Evangelium mehr oder weniger ganz auszuschalten und nur die Synoptiker hinzunehmen. Wenn man das erlebt, wie man die Evangelien immer mehr und bewundernd erlebt bei jedem erneuten Lesen, und wenn man dazu kommt, immer tiefer und tiefer erlebend in die Evangelien einzudringen, dann ergibt sich einem der Zusammenklang der Evangelien. Sie haben das Zusammenklingen der Evangelien erst, wenn Sie auch das Johannes-Evangelium durchdrungen haben, weil das Ganze nicht ein Dreiklang, sondern ein Vierklang ist. Und Sie werden nicht zu dem kommen, meine lieben Freunde, was Sie sich vorgenommen haben, indem Sie zu diesen Besprechungen sich entschlossen haben, hinzuschauen auf dasjenige, was zur religiösen Erneuerung in der Gegenwart drängt, wenn Sie nicht dazu kommen, die ganze Tiefe, die unermeßliche Tiefe gerade des Johannes-Evangeliums zu empfinden. Aus dem Zusammenklang des Johannes-Evangeliums mit den sogenannten synoptischen Evangelien muß etwas anderes heute zustandekommen, als die Theologie zustandegebracht hat. Es muß schon das zustandekommen, was innerlich als ein Zusammenklang an den vier Evangelien wirklich erlebt werden kann als der lebendige Weg, die lebendige Wahrheit und dadurch eben das Leben selber. Aus der Empfindung heraus, aber aus jener Empfindung heraus, die vertieft und erwärmt ist an der Entstehungsgeschichte des Christentums, aus dieser Empfindung heraus muß die religiöse Erneuerung erfolgen. 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