{"corpus":"steiner","locus":"GA 61/1912-01-25/p028","lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"text":"In my book entitled *Christianity as Mystical Fact*, I have presented a somewhat detailed account of those ancient rites which were conducted by the priests in connection with the soul. These ceremonies took place in the various Temples of the Mysteries, as they were then considered to be, but which in this lecture we will regard more as Temples assigned to spiritual instruction. What actually took place in these sanctuaries may be briefly outlined as follows:—By means of certain methods and observances the soul was freed from its bodily covering, and it was made possible for it to remain for a time in a condition similar to, though in many ways differing from, the ordinary sleep-state.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"VI. Christ and the 20th Century","site_heading":null,"date":"1912-01-25","location":null,"word_count":116,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/61/1912-01-25/p028","alignment_confidence":"low","alignment_reason":"count_diverges","two_voice_volume":false,"translation_credit":{"scope":"unit","status":"established","translator":"Walter F. 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Stellen wir dagegen die ganze Art und Weise von geschichtlicher Weltauffassung, wie sie zum Beispiel durch Leopold von Ranke und andere in die Welt gekommen ist, so muß man sagen: Das Höchste, wozu sich die Geschichtswissenschaft noch aufschwingt, ist, daß sie von historischen Ideen spricht, als ob in den Gang der Menschheitsentwickelung, wie sie sich über Völker und Staaten hin abspielt, sozusagen äußere abstrakte Ideen eingreifen würden. Das ist das Äußerste, woran man glaubt. Aber Ideen sind nicht etwas — auch nicht wie die Geschichtsschreiber sie verstehen —, was Kraft entwickelt, was Macht entfaltet, Der ganze Entwickelungsgang der Menschheit wäre geistlos, wenn Sie geschichtlich forschten, wenn nicht die Ideen, die sich in die Menschenseelen hineindrängen, der Ausdruck wären von wesenhaften Impulsen, die unsichtbar, übersinnlich das ganze geschichtliche Werden durchwalten, so daß hinter dem, was die äußere Geschichte erzählt, das noch steht, was nur mit den Mitteln der geisteswissenschaftlichen, der übersinnlichen Forschung, wie sie bereits in einem Vortrage dargestellt ist und noch dargestellt werden soll, zu erreichen ist. Und da könnte ich zeigen, wie sich der christliche Impuls in die Menschheitsentwickelung geschichtlich hereinstellt, indem er sich als eine Fortsetzung dessen erweist, was sich für die geistige Menschheitsentwickelung in den alten Mysterien abgespielt hat. Was die Mysterien eigentlich sind, das wird heute noch im Grunde genommen wenig verstanden. Was in den alten vorchristlichen Zeiten für die geistigen Grundlagen aller Völkerentwickelung in den Mysterien geleistet worden ist, das kann nur der verstehen, der durch die moderne Geisteswissenschaft einen Einblick in jene Entwickelung der Seele tut, welche diese Seele zu dem umgestaltet, wovon auch hier schon öfters die Rede war, zu einem Instrumente der Wahrnehmung dessen, was als geistige Welt hinter der sinnlichen steht. Wir wissen, daß der Mensch heute in einer gewissen Weise, rein auf sein Inneres beschränkt, ganz und gar zurückgezogen auf die Intimitäten seines seelischen Erlebens, über sich selber hinaufsteigen kann zu einer gewissen höheren Ausgestaltung seines Seelenwesens, so daß dieses Seelenwesen in einer geistigen Welt ebenso lebt, wie das Menschenwesen, das im Körper verleiblicht ist, in einer physischen Welt lebt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":426,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/61/1912-01-25/p013"},{"locus":"GA 61/1912-01-25/p014","passage_number":14,"text":"Die geisteswissenschaftliche Betrachtung der Geschichte zeigt nun, daß diese Möglichkeit, durch rein innere, intime Seelenentwickelung in die geistige Welt emporzusteigen, erst im Laufe der Zeit in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist, daß sie keineswegs in alten Zeiten schon vorhanden war. Wenn heute die Seele, indem sie innerhalb ihrer selbst stehenbleibt, völlig frei durch ihre eigenen Maßnahmen sich zu einem Geistesschauen erhebt, so konnte die Seele im wesentlichen in vorchristlichen Zeiten dieses nicht, sondern da war sie angewiesen auf gewisse Maßnahmen, welche in den Mysterien-Heiligtümern mit ihr vorgenommen worden sind. Wenn wir, was genauer in meinem «Christentum als mystische Tatsache» dargestellt ist, kurz skizzieren wollen, was in den Mysterientempeln, die im alten Sinne dies waren, was wir heute als geistige Lehrstätten auffassen würden, von den Leitern dieser Mysterientempel mit der Seele vorgenommen wurde, so kann man es in folgender Weise zusammenfassen. Es wurde die Seele durch äußere Maßnahmen von ihrer Leiblichkeit befreit. Es wurde ihr die Möglichkeit gegeben, durch eine gewisse Zeit hindurch in einem Zustande zu verharren, der dem Schlafzustande ähnlich und doch wieder ganz verschieden von ihm war. Wenn wir heute nach den Ergebnissen der Geisteswissenschaft den Schlafzustand betrachten, so müssen wir uns denken, daß die äußere Leiblichkeit des Menschen im Bette liegen bleibt, während der eigentliche geistig-seelische Wesenskern des Menschen außerhalb dessen verharrt, was im Bette bleibt. Aber die Kräfte, das eigentliche innere Wesen dieses geistig-seelischen Kernes ist im schlafenden Zustande von so geringer Intensität, daß Bewußtlosigkeit eintritt und Finsternis um den geistig-seelischen Kern des Menschen herum ist. Die Maßnahmen, die in den alten Mysterien mit der menschlichen Seele vorgenommen wurden, sind die, daß durch den Einfluß anderer, vorgeschrittener Persönlichkeiten, die für sich schon diese Mysterien-Einweihung durchgemacht hatten, für die Seele eine Art von Schlafzustand herbeigeführt worden ist, aber so, daß dieser Seele gleichzeitig ihre inneren Kräfte geschärft und gestärkt worden sind, so daß sie ihren Leib in einem schlafenden, ja todähnlichen Zustande zurückließ, aber in einem seelischen Dasein durch eine gewisse Zeit hindurch in die geistige Welt hineinschauen konnte, bewußt also ein Schlafleben führte und sich in diesem Schlafleben eine Überzeugung von dem verschaffen konnte, was sie als ein Bürger der geistigen Welt ist. Wenn dann eine solche Seele nach einiger Zeit wieder in den gewöhnlichen Menschenzustand zurückgeführt worden war, so trat in ihr eine Erinnerung an das auf, was sie in der Wahrnehmung außerhalb ihres Leibes erlebt hatte, und eine solche Seele konnte dann wie ein prophetischer Geist vor die Volksgemeinschaft hintreten und davon Zeugnis ablegen, daß es eine geistige Welt und einen ewigen Bestand der Menschheit gibt. Eine solche Seele hatte dadurch teilgenommen an dem Leben im Geistigen, und in den Mysterien wurden die Vorschriften gegeben, denen sich eine solche Seele in einem langen Leben zu unterwerfen hatte, damit dann durch die Leiter der alten Mysterienstätten der letzte Akt hinzugefügt wurde. Werfen wir also die Frage auf: Woher rühren die alten Weistümer, die uns in der Menschenentwickelung von den Völkern des Erdenrundes überbracht sind, von ihrem göttlichen Ursprung und der Ewigkeit der Menschenseele? — Aus der Geisteswissenschaft heraus müssen wir uns die Antwort geben: Sie rühren von den auf diese Weise Eingeweihten oder Initiierten, wie man sie auch nennt, her. — In einer eigenartigen Weise treten uns allerdings diese alten Weistümer zutage. In Mythen, Legenden und allerlei bildhaften Darstellungen und Erzählungen ist das gegeben, was wie in einem lebendigen Traume der zu Initiierende in diesen Mysterienstätten erlebte. Ja, man versteht die Mythologien nur, wenn man die in denselben uns entgegentretenden Gestalten als bildliche Ausgestaltungen dessen auffaßt, was die Eingeweihten der Mysterien während ihrer Einweihung schauten. Man muß also, wenn man zu den alten Religionslehren ein Verhältnis gewinnen will, bis zu den Mysterien zurückgehen, muß in den Mysterien das sehen, was sich allerdings für die äußere profane Welt verborgen hat, was nur die erreichen konnten, die sich durch strenge Prüfungen und auch durch Schweigsamkeit, die aus Umständen geboten war, die heute nicht besprochen werden können, für die Einweihung vorbereitet hatten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":653,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/61/1912-01-25/p014"},{"locus":"GA 61/1912-01-25/p015","passage_number":15,"text":"So läuft die menschliche Geistesentwickelung, wenn wir sie in vorchristliche Zeiten zurückverfolgen, in das Dunkel der Mysterien hinein. Dazu war die Menschenseele in jenen alten Zeiten noch nicht reif, um in sich selber, nur gestützt auf ihre eigenen intimen Kräfte, ohne die unfreie Zutat der Tempelpriester, in die geistige Welt hinaufzusteigen. Daß aber etwas geschah, während sich die äußeren Taten der Geschichte abspielten, das sollte in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» gezeigt werden. Da sollte gezeigt werden, daß der ganze Sinn der Menschheitsentwikkelung der ist, daß die Menschheit durch alles, was sie während der wiederholten Verkörperungen aufgenommen und erfahren hatte, auch von ihren Initiierten erfahren hatte über die geistige Welt, um jene Zeitenwende, in welcher das Christentum seinen Anfang nimmt, so reif war, daß nun diejenige Zeit eintreten konnte, in welcher sich die Menschen ohne äußeren Einfluß, ohne die Maßnahmen, die in den alten Zeiten in den Mysterien gepflogen worden sind, nur im intimsten Inneren als Seelen in eine geistige Welt erheben konnten. Das ist, wie wir jetzt auch über das Ereignis, das sich in Palästina abgespielt hat, denken wollen, der große Fortschritt, der sich nach und nach, vielleicht im Verlaufe von Jahrhunderten, aber doch um die Zeitenwende, in welche der Beginn des Christentums fällt, vollzogen hat, daß die Menschenseele sozusagen zur «Selbsteinweihung» reif wurde, einfach unter Anleitung derer, die da wußten, was die Menschenseele durchzumachen hat, aber ohne Zutun äußerer Tempelleiter oder Mysterienleiter. Dasjenige aber, was sich sonst im Inneren der Mysterientempel abgespielt hat, hunderte und hunderte Male, und wovon uns in den Legenden und Mythen und Mythologien der Völker Kunde erhalten ist, trat durch die Begründung des Christentums auf den großen Plan der Weltgeschichte. Und man kann, wenn man die Evangelien verstehen will, einfach so verfahren, daß man fragt: Was mußte ein Kandidat der Einweihung durchmachen, der zum Beispiel bei dem alten persischen oder dem ägyptischen Volke seine Seele hinaufbringen sollte zum unmittelbaren Hineinschauen in die geistige Welt? — Die Vorschriften darüber, was er durchmachen mußte von einem gewissen Vorgang, der als «Taufe», und einem anderen, der als «Versuchung» bezeichnet wurde, bis zu dem, wo die Seele hinausgeführt wurde zu einem Wahrnehmen der geistigen Welt, waren beschrieben, bildeten sozusagen das Ritual der Einweihung. Wenn man solche Ritualien nimmt und mit der Hauptsachein deneinzelnenEvangelien vergleicht — das konnte ich in meinem schon erwähnten Buche zeigen -, so sieht man, wie uns in den Evangelien die wiedererstandenen Beschreibungen der alten Einweihungszeremonien entgegentreten, nur angewendet auf das große geschichtliche Individuum des Jesus von Nazareth. Man sieht dann, wie, während früher die Kandidaten der Einweihung in der Abgeschlossenheit der Mysterientempel in die geistige Welt hinaufgeführt wurden, durch das, was sich in der Geschichte selber zutrug, der Jesus von Nazareth bis zu dem Punkte geführt wurde, wo er nun nicht bloß so weit hinaufgeführt wurde, daß er in der Erinnerung von einer geistigen Welt Kunde geben konnte, sondern wo er sich mit einer Wesenheit vereinigen konnte, die sich vorher wirklich noch nicht mit einer menschlichen Wesenheit vereinigt hatte: mit der Christus-Wesenheit. So herrscht eine große Übereinstimmung zwischen den Erzählungen des Werdeganges des Jesus von Nazareth bis dahin, wo der Christus von seiner Seele Besitz nahm, und der dann auch noch durch die nächsten drei Jahre hindurch von dieser Seele Besitz genommen hatte, und den Beschreibungen der alten Einweihungsvorgänge. In der Darstellung dessen, was der Jesus von Nazareth da durchgemacht hat, tritt uns entgegen — am genauesten ist das am Johannes-Evangelium zu sehen — die Einweihung, die unmittelbar durch die großen, der Geschichte zugrunde liegenden geistig-göttlichen Tatsachen selber gegeben war. Unzählige Kandidaten waren vorher eingeweiht worden, aber nur so weit, daß sie Zeugnis ablegen konnten: Es gibt eine geistige Welt, und die Menschenseele gehört einer solchen geistigen Welt an. — Mit dem bedeutsamsten Wesen aber, an welches sie sich erinnern konnten, konnte sich, als sich weltgeschichtlich die Einweihung an ihm zutrug, das innere Wesen des Jesus von Nazareth vereinigen. Das war eine Einweihung, zu der alle alten Einweihungen hintendierten, hingeordnet waren.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":659,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/61/1912-01-25/p015"}],"english":["GA 61/1912-01-25/p026","GA 61/1912-01-25/p027","GA 61/1912-01-25/p028","GA 61/1912-01-25/p029","GA 61/1912-01-25/p030","GA 61/1912-01-25/p031","GA 61/1912-01-25/p032","GA 61/1912-01-25/p033","GA 61/1912-01-25/p034"],"method":"reader","confidence":"high","correspondence":"established","length_check":{"de_words":1738,"en_words":1927,"ratio":1.11,"partial":false},"pairing_state":"verified","verified":true,"evidence":["reader"],"reader_german":["GA 61/1912-01-25/p014"],"reader_part":true},"witness_completeness":{"ratio":1.26,"band":"comparable","note":null,"word_count":10270,"original_word_count":8148,"may_be_abridged":false},"witness_quality":{"translator":{"scope":"unit","status":"recorded","translator":"Walter F. 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