Der Seelen Erwachen — Personen, Gestalten und Vorgänge
GA 14
Die geistigen und seelischen Vorgänge, welche in «Der Seelen Erwachen» dargestellt sind, sollen so gedacht werden, daß sie etwa ein Jahr nach denjenigen erfolgen, welche in dem früher erschienenen «Hüter der Schwelle» gezeichnet sind. In «Der Seelen Erwachen» kommen für die Vorgänge die folgenden Personen und Wesen in Betracht: I. DIE TRÄGER DES GEISTIGEN ELEMENTES i. Benedictus, die Persönlichkeit, in welcher eine Anzahl seiner «Schüler» den Kenner tiefer geistiger Zusammenhänge sieht. (Er ist in den vorhergehenden Seelengemälden «Die Pforte der Einweihung» und «Die Prüfung der Seele» als Führer des «Sonnentempels» dargestellt. Im «Hüter der Schwelle» bringt sich in ihm die Geistesströmung zum Ausdruck, welche lebendig-gegenwärtiges Geistesleben an die Stelle des bloß traditionellen setzen will, wie es von dem dort vorkommenden «Mystenbund» behütet wird.) In «Der Seelen Erwachen» ist Benedictus nicht mehr bloß über seinen Schülern stehend zu denken, sondern mit seinem eigenen Seelenschicksale in die Seelenerlebnisse seiner Schüler verwoben. 2. Hilarius Gottgetreu. Der Kenner traditionellen Geisteslebens, das sich bei ihm mit eigenen Geist-Erlebnissen verbindet. (Dieselbe Individualität, welche in dem vorher erschienenen Seelengemälde «Die Prüfung der Seele» als Großmeister eines «Mystenbundes» dargestellt ist.) 3. Der Bürochef des Hilarius Gottgetreu. 4. Der Sekretär des Hilarius Gottgetreu. (Dieselbe Persönlichkeit, die im «Hüter der Schwelle» als Friedrich Geist vorkommt.) II. DIE TRÄGER DES ELEMENTES DER HINGABE 1. Magnus Bellicosus. (In der «Pforte der Einweihung» German genannt. In der «Prüfung der Seele» und dem «Hüter der Schwelle» Präzeptor eines Mystenbundes.) 2. Albert Torquatus. (In der «Pforte der Einweihung» «Theodosius» genannt. In der «Prüfung der Seele» kommt dieselbe Individualität als erster Zeremonienmeister des dort gezeichneten «Mystenbundes» vor.) 3. Professor Capesius. (In der «Prüfung der Seele» kommt seine Individualität als erster Präzeptor vor.) 4. Felix Bälde. (In der «Pforte der Einweihung» als Träger einer gewissen Naturmystik; hier im «Erwachen» Träger der subjektiven Mystik. Die Individualität Felix Baldes kommt als «Joseph Kujine» in der «Prüfung der Seele» vor.) III. DIE TRÄGER DES WILLENSELEMENTES 1. Romanus (wird hier wieder mit diesem in der «Pforte der Einweihung» für ihn gebrauchten Namen eingeführt, weil dieser seiner inneren Wesenheit entspricht, zu der er sich in den Jahren hindurchgearbeitet hat, welche zwischen der «Pforte der Einweihung» und dem «Erwachen» liegen. Im «Hüter der Schwelle» wird für ihn der Name gebraucht, welcher als sein Name in der äußeren Welt gedacht ist. Er wird da mit diesem Namen eingeführt, weil er innerhalb der vorkommenden Vorgänge mit seinem Innenleben nur eine geringe Bedeutung hat. Seine Individualität kommt in der «Prüfung der Seele» als der zweite Zeremonienmeister des mittelalterlichen «Mystenbundes» vor). 2. Doktor Strader. (Seine Individualität kommt in der «Prüfung der Seele» als «Jude Simon» vor.) 3. Die Pflegerin des Doktor Strader. (Ist dieselbe Persönlichkeit, welche im «Hüter der Schwelle» Maria Treufels genannt wird. In der «Pforte der Einweihung» heißt sie «Die andre Maria», weil die imaginative Erkenntnis des Johannes Thomasius die Imagination gewisser Naturgewalten in ihrem Bilde gestaltet. Ihre Individualität kommt in der «Prüfung der Seele» als «Berta», die Tochter Kühnes, vor.) 4. Frau Bälde. (Ihre Individualität kommt in der «Prüfung der Seele» als «Frau Kühne» vor.) Personen, Gestalten und Vorgänge IV. DIE TRÄGER DES SEELISCHEN ELEMENTES i. Maria (Ihre Individualität kommt in der «Prüfung der Seele» als «Mönch» vor.) 2. Johannes Thomasius. (Seine Individualität kommt in der «Prüfung der Seele» als «Thomas» vor.) 3. Die Frau des Hilarius Gottgetreu. V. WESEN AUS DER GEISTWELT 1. Lucifer 3 Gnomen 2. Ahriman 4. Sylphen VI. WESEN DES MENSCHLICHEN GEISTELEMENTES 1. Philia ] die geistigen Wesenheiten, welche die 2. Astrid ' Verbindung der menschlichen Seelenkräfte 3. Luna J mit dem Kosmos vermitteln. 4. Die andre Philia, die Trägerin des Elementes der Liebe in der Welt, welcher die geistige Persönlichkeit angehört. 5. Die Seele der Theodora. (Ihre Individualität kommt in der «Prüfung der Seele» als «Cäcilia», Kühnes Pflegetochter und Schwester des «Thomas» vor, der die Individualität des Johannes Thomasius darstellt.) 6. Der Hüter der Schwelle. 7. Der Doppelgänger des Johannes Thomasius. 8. Der Geist von Johannes Thomasius' Jugend. 9. Die Seele des Ferdinand Reinecke bei Ahriman: 12. Bild (kommt als «Ferdinand Reinecke» nur im «Hüter der Schwelle» vor). VII. Die Persönlichkeiten des Benedictus und der Maria werden auch als Gedankenerlebnisse eingeführt, und zwar im zweiten Bilde als solche des Johannes Thomasius; im dritten Bilde als solche Straders. Im zehnten Bilde ist Maria als Gedankenerlebnis des Johannes Thomasius eingeführt. VIII. Die Individualitäten von Benedictus, Hilarius Gottgetreu, Magnus Bellicosus, Albert Torquatus, Strader, Capesius, Felix Bälde, Frau Bälde, Romanus, Maria, Johannes Thomasius und Theodora erscheinen im Geistgebiet (des fünften und sechsten Bildes des «Erwachens») als «Seelen», und im Tempel {des siebenten und achten Bildes des «Erwachens») als Persönlichkeiten einer weit zurückliegenden Vergangenheit. Auch gegenüber «Der Seelen Erwachen» sei eine Bemerkung gemacht, welche ähnlich schon für die vorangegangenen Seelengemälde vorgebracht worden ist. Es sind weder die geistigen und seelischen Vorgänge noch die geistigen Wesenheiten bloß symbolisch oder allegorisch gemeint. Wer sie so auffassen wollte, dem bliebe die reale Wesenheit der geistigen Welt ferne. Auch in dem Erscheinen der Gedankenerlebnisse (des zweiten, dritten und zehnten Bildes) ist nichts bloß Symbolisches dargestellt, sondern reale Seelenerlebnisse, welche für denjenigen, der an der geistigen Welt Anteil hat, so wirklich sind wie Personen oder Vorgänge der Sinnenwelt. Für einen solchen stellt dies «Erwachen» durchaus ein «realistisches» Seelengemälde dar. Käme es auf Symbolik oder Allegorie an, so unterließe ich ganz gewiß diese Darstellung. Auf mancherlei Fragen hin habe ich auch diesmal wieder den Versuch begonnen, für «nachträgliche Bemerkungen» einiges Erklärende zu diesem «Seelengemälde» hinzuzufügen. Wie früher, so unterdrücke ich auch diesmal wieder den Versuch. Es widerstrebt mir, dem Gemälde, das durch sich selbst sprechen soll, derartiges hinzuzufügen. Bei der Konzeption und der Ausarbeitung des Gemäldes können dergleichen Abstraktionen gar keine Rolle spielen. Sie würden da nur störend wirken. Die geistige Wirklichkeit, die nachgebildet ist, stellt sich mit derselben Notwendigkeit vor die Seele hin wie die Dinge der physischen Wahrnehmung. Naturgemäß ist dabei, daß die Bilder der Geist-Wahrnehmung von der gesunden Geistesschau anders auf ihre Wesenheiten und Vorgänge bezogen werden als die Wahrnehmungen der physischen Welt auf die entsprechenden Wesenheiten und Vorgänge. Andrerseits muß gesagt werden, daß die Art, wie die geistigen Vorgänge sich vor die wahrnehmende Seele hinstellen, zugleich die Disposition und Komposition eines solchen Gemäldes mitenthält. Besonders erwähnt soll werden, daß die musikalischen Beigaben für die Aufführungen der vier Dramen von Adolf Arenson herrühren. München, August 1913. R. St.