Supplements to Member Lectures

GA 246 — 9 February 1909, Stuttgart

Rhythmen in der Menschennatur

Die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib kann man sich durch die Zeiger einer Uhr versinnbildlichen. Ihre Wirkung erkennen wir in der Tatsache, dass bei einer Lungenentzündung der Eintritt und das Nachlassen des Fiebers vom Rhythmus bestimmt wird, indem nach sieben Fiebertagen die Krisis eintritt. Der Ätherleib leitet als Heilungsprozess das Fieber ein. Nach sieben Tagen steht der Astralleib über einem Viertel des Ätherleibes, und diese Viertel bewirken die Einwirkung der beiden Leiber aufeinander. Ist es dem Fieber nach sieben Tagen nicht gelungen, die Schädigung der Lunge zu überwinden, so ist das eine Todesursache.

Einen noch längeren Kreislauf macht der physische Leib durch. Dieser Kreislauf entspricht dem alten Sonnen-Jahr (Mondenjahr?), dem Umlauf der Erde (des Mondes?) um die Sonne (Erde?) in 280 Tagen, in zehn siderischen Monaten, an die der Mensch noch heute gebunden ist. In 10 mal 4 mal 7 Tagen hat der physische Leib gleichzeitig mit der Erde (dem Monde) einen Kreislauf beendet. Den Zeitraum der alten Jahreslänge braucht der Mensch sowohl zur Regeneration wie zur Verdoppelung seines Körpers. Zehn siderische Monate - wie die Wissenschaft in Reminiszenz an die vergangenen kosmischen Verhältnisse sagt - liegen zwischen Empfängnis und Geburt des Menschen.

Der Atlantier besonders war noch so sehr an den Weltenrhythmus gebunden, dass die Empfängnis im Mutterleibe nur zu bestimmter Zeit des Jahres erfolgen konnte. Wie heute das Tier, so war der Rhythmus 10 mal 4 mal 7 abhängig. Anstatt der Zahl 10 müsste freilich beim Manne, um den Rhythmus seines physischen Leibes auszudrücken, die Zahl 12 stehen. Der Ätherleib des Mannes ist weiblich, der des Weibes männlich.

Beim Atlantier, der so sehr den Rhythmus in sich empfand, trat auch ein rhythmischer Zustand seines Gefühlslebens ein. Dieser hing also von den wechselnden Mondphasen ab (Vollmond - Neumond). Der Vollmond erweckte das Liebesgefühl. Unsere Mondscheinpoesie erinnert lebhaft daran. Heute würde man einen Menschen krank nennen, dessen Gemütszustände sich rhythmisch abspielen.

Alte Bauernkalender, wie man sie in der Schweiz noch häufig verblasst und vergilbt in Schaufenstern findet, bewahren wichtige, sehr interessante Anweisungen für den landwirtschaftlichen Haushalt, welche auf der Bedeutung der Jahreszeiten fußen.

Heute machen wir die Nacht zum Tage, ohne uns wesentlich zu schaden. In uralter Zeit konnte jedoch, wie das Maiglöckchen im Mai, auch der Mensch nur in einer bestimmten Zeit des Jahres geboren werden. Der innere Rhythmus ist geblieben, aber er hat sich herausgeschoben aus dem Rhythmus der Weltenkörper. Der Mensch ist ja eine kleine Welt für sich, ein Mikrokosmos, und braucht seinen Rhythmus unbedingt. Dass der Rhythmus sich verschoben hat, hat dem Menschen seine Freiheit gegeben. Der Verschiebung verdankt es der Mensch, dass sein Ich selbstständig geworden ist. Seit der Mitte der atlantischen Zeit ist das Sonnenjahr länger geworden und damit trat die Abweichung des menschlichen und kosmischen Rhythmus im gleichen Verhältnis ein.

Ganz frei vom kosmischen Rhythmus sind wir noch lange nicht, aber der Mensch ist bestimmt, sich aus den Naturverhältnissen heraus zu entwickeln. Die Zusammenstimmung wird mehr und mehr schwinden. In Verkennung dieser notwendigen Entwicklungsbedingung treten heute Ansichten auf, die den Menschen zurückzwingen wollen zum Angliedern an den kosmischen Rhythmus. Wohl ist der Rhythmus unentbehrlich. Ohne Rhythmus kein Leben, ohne Rhythmus keine Möglichkeit des Lebens. Wenn der Kosmos den Menschen entlässt, was muss da entstehen? Er muss eine andere Möglichkeit finden, sich einen inneren Rhythmus einzupflanzen. Woher kommt der Zukunftsrhythmus? Das Zahlengeheimnis des Lebens ist tief bedeutungsvoll!

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann ein besonders starkes sich Hinwegsetzen über den kosmischen Rhythmus. Dieser Umschwung bedeutet einen der Gründe, warum der Materialismus aufgetreten ist. Aus dem Heraustreten aus dem Rhythmus, aus dem Auftreten des Materialismus, welches die geistigen Führer der Menschheit erkannten, entwickelte sich die Notwendigkeit des Auftretens der theosophischen Bewegung. Das war auch eines der Zeichen der Zeit. Hier musste die spirituelle Lehre einsetzen, um den neuen Rhythmus anzubahnen.

Was heute gesagt wird, lässt sich kaum mit dem Abe der Sprache vergleichen, denn es kann auch das meiste nicht gesagt werden obwohl in der Art, wie die Theosophie wirkt, schon viel liegt, was seine rhythmische Wirkung ausübt, wie der an die Glastafel angelegte Bogen den aufgestreuten Sand zu Figuren gruppiert. Der Vortrag des theosophischen Führers ist nach dem Zukunftsrhythmus angelegt. In der Anordnung der Sätze und Worte herrscht wirkliche Wahrheit und Weisheit. Das Wissen wird nach dem Rhythmus gegliedert.

So muss ein Gedankenrhythmus der Ausgangspunkt sein für den Zukunftsrhythmus. Der Rhythmus von 4:7 liegt wie im menschlichen Astral- und Ätherleib so auch im Vortrag des theosophischen Lehrers. Die Aufgabe des Ich-Menschen liegt im Rhythmus von 4:7(?) von 7:4(?), welcher als Vatergrund wirkt. Rhythmisches Denken muss gepflegt werden, um das Zahlengeheimnis offenbar zu machen. Die Überwindung der Materie liegt im Rhythmus. Die Materie wird beherrscht durch den Rhythmus, wie uns das Bild der Klangfiguren eine Vorstellung davon gibt. Das ist ein Teil der groRen Aufgabe. Die theosophische Bewegung geht zu den Quellen des Lebens zurück, auf die Quellen alles Seins.

Nachtrag:

Als Heilmittel - außer der äußerlichen - werden bei Erkenntnis und Beobachtung der Bedürfnisse der unsichtbaren Glieder der menschlichen Natur Farben, Töne, Gedanken und so weiter angewandt werden. Durch das Wahrnehmen bestimmter Farben werden heilende Prozesse eingeleitet. Außer der beruhigenden Wirkung des Blau und der erregenden Wirkung des Rot sieht der astralische Leib durch Erregung der Vorstellung, der Empfindung, welche die Farbe bewirkt, in gewisse geistige Zustände. Es ist wesentlich, welchen Vorstellungen sich der Mensch in Bezug auf die Außenwelt hingibt. Bewegen sich seine Vorstellungen nur in Fotografien der äußeren Wirklichkeit, so untergräbt dies die geistige Gesundheit, während die Vorstellungen, die durch den menschlichen Geist produziert werden, innere harmonische Gesetzmäßigkeit bewirken, welche die Bedingungen der Gesundheit enthalten. Es kommt auf die Lenkung der Interessen und Aufmerksamkeiten an, denn wer sich für das Richtige in der Welt interessiert, kann nicht krank werden. In diesem Sinn ist Geisteswissenschaft ein Urheilmittel. Wer in sich den Quell für alle Interessen findet, macht sich darin frei von der Außenwelt. Es gibt nur einen Mittelpunkt der Welt, und dieser ist die Geisteswissenschaft.

Gesetz: Alles das, was der Mensch nur als sinnlichen Genuss empfindet und anschaut, wirkt auf die verdorrenden Kräfte in ihm. Alles dasjenige, was der Mensch genießt als Geistiges, wirkt auf die bleibenden, wachsenden, regsamen Kräfte.

German original of Rhythms in Human Nature · ← Previous · Next →