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GA 246 — 15 May 1909, Oslo
Über Novalis
[Im] letzten Drittel [des] achtzehnten Jahrhunderts [war das] Kolorit des Geisteslebens sehr verschieden im Norden und Süden Deutschlands. Einerseits die Wolff’sche Philosophie, der trotz ihrer Verdienste der Geist der Theosophie gefehlt.
Hamann (Freund von Herder ), der geschrieben [Lücke in der Mitschrift]
Herder selber ahnte von den Metamorphosen der spirituellen Wahrheit. Herder hat in sein Buch über die hebräische Urkunde (?) [Lücke in der Mitschrift]
Schöpfung der Welt empfinden aufs Neue in jedem Sonnenaufgang. Scharf stand seine Spiritualität [im Gegensatz] mit dem verkörperten Rationalismus und besonders zu Kant.
Nachklänge der Philosophie Jakob Böhmes gab es in vielen Kreisen und Schulen, woraus manches strömte, worin sich hereinergoss die Rosenkreuzer-Weisheit, siehe zum Beispiel Lessings «Erziehung des Menschgeschlechts»: «Ist nicht die ganze Ewigkeit mein®, rief er aus als Testament. - So in Norddeutschland.
In Süddeutschland ganz anders, namentlich in Württemberg. Die tief inspirierte Persönlichkeit Bengel (durch höhere Individuen inspiriert), er wurde spiritueller Lehrer des Christoph Oetinger. Philosophia sacra nannten sie ihre Theosophie.
1772 - nicht jeder hätte verstehen können seine Schriften, aber viel spirituelles Leben war darin ausgeströmt.
«Über Harmonie der Töne» hat dann Fricker geschrieben. Swedenborg wurde auch von Fricker inspiriert.
Novalis [wurde] in diesem Milieu geboren, wo beide Strömungen zusammenflossen. In Franken geboren. Schelling- und Hegelwarenauch Süddeutsche. In Tübingen gab es einen Stift: Zentrum, wo in Philosophie gegossen [wurde], was im Süden als spirituelle Weisheit strömte.
Da lebten auch Hölderlin und Oetinger. Theosophie lebte in den Gesprächen dieser Männer.
In Mitteldeutschland war Markus Völker (Zentrallicht der aus sich heraus alles wusste), wies alles von sich, was logische Verbindung war, weil Hellseher.
Zwölf Jahre vor Oetingers Tode wurde Novalis geboren. Sein Leben: Erinnerung an frühere Leben. Damals in Jena Gassen erfüllt von philosophischen Unterhaltungen. Fichte hatte recht zu sagen: Was man als ein Philosoph ist, das hängt davon ab, was man für eine Persönlichkeit ist. [Fichte hatte] Verständnis für Symbolik: Zwei Kerzen, Licht vor Vortrag löschte er aus. Weihevolle Stimmung ging von ihm und Schiller auf Novalis aus.
In Leipzig lernte er kennen Schlegel.
Gnosis, Mathesis genannt, weil sie so sicher auf Grundlage sich stütze wie Mathematik. Diese Mathematik wurde für Novalis ein großes Gedicht. Er konnte die Linien füllen mit spirituellem Leben und Liebe; wie ein großes göttliches Weltengedicht von Zahlen und Formen.
Novalis meint: Schlafen ist Seelenverdauen. Wachen: Seelengenuss.
Geognosie: Heute etwas Abstraktes, wie das Knochensystem der Erde. Wie der Mensch die Knochen nicht versteht, ohne ihren Zusammenhang mit dem ganzen Menschen. Novalis nennt Goethe deshalb einen Anthropognosten.
Wenn unsere Seele elastisch genug [wäre, dann] würde Mensch sich immer in geistiger Welt fühlen. Weiser Unterschied zwischen alter und neuer Initiation.
Erstens: Physischer Leib geschwächt. Zweitens: Geist gestärkt. Askesce — Charakteristikum der alten und neuen Einweihung.