Supplements to Member Lectures
GA 246 — 13 May 1910, Bremen
Über das Künftige Ätherische Hellsehen
[Der ungefähre Zeitabschnitt], wo das Tor in die geistige Welt geschlossen wurde, wo dem lichtvollen Zeitalter das finstere Zeitalter folgte, wo nur der Verstand blieb, [erstreckt sich vom] Jahr 3101 bis 1899. Jetzt wird vorbereitet ein gewisses Hellsehen in unserer Zeit. Neue Seelentätigkeiten werden erwachen in einer geringen Anzahl von Menschen, die noch anderes sehen werden als andere Menschen unter normalen Verhältnissen; sie werden sehen den Ätherleib an Tieren und Menschen. Nicht nur durch die Arbeit an der Seele, die gab es immer. Auch nicht durch Erbschaft von der Zeit vor dem Kali Yuga; sondern neue Fähigkeiten ohne Schulung, wie die elementarsten Anschauungen. Sie werden spüren einen Antrieb, wenn sie irgendetwas getan haben, etwas an sich zu tun. Ein Bild werden sie in sich haben, wie etwas, das noch nie gesehen worden ist; den karmischen Ausgleich werden sie sehen, was sie einst in Folge dessen verrichten müssen, und das nicht als Träumer, sondern klar und nüchtern. Sie werden an dieses herangehen können wie an Bäume. Das und manches andere noch, worauf wird hingewiesen werden wie durch den Täufer. Die Theosophie ist da, um vorzubereiten auf das, was kommt. Trotzdem könnte es missverstanden oder unterdrückt werden, weil nicht verstanden wird, was für eine Bewandtnis es damit hat. Als Narren, als Phantasten wird man angeschen, wenn man sagt: Es soll anderes kommen durch ein heiliges Feuer der Begeisterung, wie der Aufgang des Christus in Palästina begriffen wurde.
Wir leben in einem Übergangszeitalter. Durch Hellseher ist das erkannt worden. Dies ist ein Weg, wodurch die Notwendigkeit der Theosophie gezeigt werden kann. Auch wenn der Blick in den Makrokosmos gerichtet wird, der der Ausdruck ist für Geistiges, das dahintersteht.
In der Entstehung des Sonnensystems aus dem Urnebel ist der Riesenprofessor gleich den göttlich-geistigen Mächten. Man macht zum Beispiel einen Gang nicht, weil die Zeiger der Uhr so oder so stehen, sondern weil anderes dahintersteckt. Auch die Bewegung der Kometen ist ein Zeichen für das, was dahintersteht. Ist Aberglaube so fern der heutigen Wissenschaft? Ist kein Einfluss der Gestirne auf den Lauf der Welt?
Die Eskimos entwickeln sich anders als die Menschen anderswo, weil die Sonnenstrahlen anders einfallen. Das geistige Leben der Erde hängt ab von den Konstellationen. Wie die Eskimos anders sind als die Hindus, so gibt es auch andere seelische Vorgänge, wenn ein Komet da ist. Auch da ist Geistiges verborgen. Das Auftreten der Sonnenflecken zu verbinden mit dem Steigen und Fallen der Börse ist grotesk, aber das besteht; die Tat eines geistigen Wesens liegt hinter dem Kometen.
Im Jahr 1906 bei einem Zyklus in Paris entwickelte ich den Zusammenhang der Erde mit planetarischen Vorgängen. Jetzt (ist das) mehr substanziell als in Paris. Immer wird eine Seite herausgegriffen. Ganz andere Gesetze waren früher im Mondenzustand als jetzt. Blausäurezustände spielten damals eine bestimmte Rolle wie jetzt der Kohlenstoff. Von alten Zuständen bleibt etwas zurück, ragt herein in unsere Erdenzeit; im heutigen Sonnensystem ist etwas bewahrt vom Zustand, den unsere Erde hatte im Mondenzustand. Daher gibt es Cyanverbindungen, Blausäureverbindungen, die auch im Kometenspektrum gefunden werden. Das ist das Substanzielle, nicht das Wesentliche; Geistiges steht dahinter. Geistige Wirkungen ragen herein. Der Halleysche Komet zeigt aber einen Impuls nach dem Materialismus hin auf der Erde. Auf den [Kometen] vom Jahr 1759 hin folgte die französische Aufklärung des Materialismus; auf den von 1835 folgten Büchner, Moleschott; auf den von 1910 wieder ein anderer Impuls nach dem Materialismus hin, cs ist ein Hereinsegeln in den materialistischen Sumpf. Aber die Menschheit kann sich in Freiheit hereinleben in den Materialismus. Das liegt im Zeichen, das wir sehen.
Aber da ist auch ein anderer Impuls, der liegt in der Fortentwicklung der Seele der Erde. In 26000 Jahren geht der Frühlingspunkt herum. 2000 Jahre vor Christus ging die Sonne auf im Stier, vom Jahre 747 vor Christus ab im Widder, in dem sie also stand, als der Christus geboren wurde; jetzt geht sie auf in den Fischen. Geistige Wirkungen liegen dahinter. Die Sage von Kolchis und vom goldenen Widderfell (Jason und der Argonautenzug) tritt auf im Jahr 747 vor Christus; dann kommt der Christus. Auch spirituelle Impulse kommen vom Himmel. Die Menschen können auch frei hinaufschauen in spirituelle Welten. Daher ist die Theosophie jetzt notwendig im Übergangszeitalter. Das Christentum ist erst im Anfang seiner Entwicklung. Das Christentum kam nach dem Buddha, sie sind nebeneinander im Osten und im Westen. Da sind erhebliche Unterschiede.
Die Reinkarnation braucht nicht aus dem Buddhismus genommen zu werden, sie kann jederzeit erforscht werden. Was dem Buddhismus fehlte, war, dass wir höher steigen mit jeder Inkarnation. Was dem heutigen Christentum fehlt, ist das Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt. In dem Leben zwischen Geburt und Tod kann der Christus-Impuls sich nicht ausleben, auch wenn er im Keime veranlagt ist; er wird weiter ausgelebt in der geistigen Welt. Der Christus-Impuls kann nicht anders als auf der Erde erlebt werden. Inkarnation ist nötig, bis der «Christus-Impuls in mir» wird verwirklicht werden. Nötig ist, den Christus-Impuls zusammenzufügen mit der Wiederverkörperung, nicht als Synthese, sondern durch neue Offenbarungen und Fähigkeiten. Im Christus-Impuls liegt der Wiederverkörperungsgedanke. Nicht alle Religionen haben die gleichen Lehren. Theosophie soll Frieden stiften zwischen dem, was [unterschiedlich] ist: Leiden, Tod, Auferstehung in den verschiedenen Religionen. Tammuz und Adonis sind verschiedene Wesenheiten wie verschiedene Wesen in derselben Uniform. Man muss die Wesen kennen, nicht die äußeren Ausdrucksmittel. Mit Golgatha kam Neues herein.
Was jetzt kommt, ist kleiner und doch wichtiger als der erste Christus-Impuls. Dann kann er immer besser, neuer und höher begriffen werden. Theosophie will dazu Dienerin sein.