Supplements to Member Lectures
GA 246 — 5 August 1924, Dornach
Ansprache Zur Trauung Von Mieta Waller Und Scott Pyle
Meine lieben Festgenossen!
Wir feiern ein Fest, das alle hier versammelten Freunde herzlich empfinden, und herzlich empfinden sie die festliche Gemeinschaft mit den lieben Verwandten, der Mutter von Mieta Waller, den anderen Verwandten von Mieta Waller. Ich spreche hier nicht etwa bloß im Namen der anthroposophischen Freunde, die hier versammelt sind, ich spreche diese Worte in diesem festlichen Augenblicke als derjenige, welcher in aller herzlichen Freundschaft der einen und der anderen Persönlichkeit, die heute die ersten Schritte tun zu dem gemeinschaftlichen Lebenswege, verbunden war.
Meine lieben Festgenossen, Mieta Waller vereinigt sich mit Scott Pyle zum gemeinschaftlichen Lebenswege, und es darf wirklich aus tiefstem Herzen heraus ein Segensgruß und ein Segenswunsch an dieser Stätte von mir gesprochen werden, denn unsere liebe Freundin Mieta Waller ist ja in siebzehnjähriger Hausgenossenschaft mit unserem Hause verbunden gewesen. Sie verband sich vor eben reichlich siebzehn Jahren in inniger Freundschaft mit Frau Doktor Steiner, die wahrhaftig heute sehr gern hier erschienen wäre, wenn sie nicht ganz dringende Pflichten davon abhalten würden. Sie würde sehr gerne heute teilnehmen an diesem wirklich herzempfundenen Feste. Aus einer solchen Gemeinsamkeit, die so lange dauert, darf wirklich ganz menschlich gesprochen werden.
Die innige Art, mit der sich unsere liebe Freundin Mieta Waller angeschlossen hat an Frau Doktor Steiner, ihr immer mehr und mehr geworden ist, war wegen der unbesieglichen Treue, die sich aussprach in dieser Gemeinschaft, etwas, was von mir nur angesehen werden konnte mit allergrößtem Wohlwollen und mit tiefster innerer Befriedigung. Das ist es, was vor allen Dingen mir vor den Sinn kommt in diesem heutigen Augenblicke. Und daher werden Sie begreifen, meine lieben Freunde, liebe Verwandte von unserer teuren Freundin Mieta Waller, dass es in einem gewissen Sinne einem tiefen Gefühl entsprechen kann, wenn Mieta Waller nunmehr ihren Lebensweg zusammen mit unserem geliebten Freunde Scott Pyle gehen wird, wenn sie - ich möchte sagen, da ich das glaube - nicht heraus aus ihrer Gemeinschaft mit Frau Doktor Steiner, wohl aber hinzufügend die neuen Schritte zu dem alten Wege, wenn sie nun dieses Gewichtige in ihrem Leben antritt. Und ich denke, die Wärme, die verbunden war mit alledem, was durch siebzehn Jahre gemeinsam durchlebt worden ist, diese Wärme kann segnend hinströmen auf den ferneren Lebensweg unserer geliebten Freundin.
Ich möchte sagen: Aus warmer Liebe folgen wir diesem Lebensweg. Und so, wie sich bewährt hat in der Treue zu unserer Sache, in der Treue zu vielem menschlich Schönem dasjenige, was unsere Freundin Mieta Waller in den siebzehn Jahren dargelebt hat, so hat, darf ich sagen, unser und vieler uns nahestehender Herzen in der kürzeren Zeit, in der unser lieber Freund Scott Pyle mit uns verbunden war, erobert. Wir haben eigentlich, wir dürfen es sagen, schon bevor irgendein Gedanke, eine Idee verlautete von der Absicht, dass Mieta Waller und Scott Pyle einen gemeinsamen Lebensweg gehen werden, wir haben Scott Pyle schon vorher mit jener entsprechenden Liebe geliebt, von der wir glauben, dass wir sie ihm als eine Art Festesgeschenk jetzt mitgeben können, jetzt, wo er dasjenige weiter mit sich vereinigt, was wir ihm ganz nur in der allertiefsten Liebe geben können. Und wir haben kennengelernt unseren lieben Freund, kennengelernt sein schönes, wahres, opferwilliges Herz, seine strahlende Menschenfreundlichkeit und Menschenliebe. Wir haben kennengelernt, wie es eigentlich unmöglich ist von demjenigen, der unseren lieben Freund Scott Pyle kennt, ihn nicht zu lieben. Es erscheint uns geradezu unmöglich. Und daher begreifen wir es am allerbesten aus, ich möchte sagen, demjenigen heraus, was wir gerade an Scott Pyle in so schöner Weise, in so befriedigender Weise kennengelernt haben, dass Mieta Waller ihm ihre ganze Liebe zugewendet hat. Und in ganz gewiss offensichtlicher Weise wird immer von denjenigen, die Mieta Waller lieb gehabt haben, die Scott Pyle lieb gehabt haben, diese Liebe mit bewahrt bleiben auch in diesen neuen Lebensverhältnissen.
Beide traten vor mich hin, als sie beschlossen hatten, ihren Lebensweg gemeinschaftlich zu machen, und sprachen davon, wie sie diesen ihren gemeinsamen Lebensweg unter eine geistige Aufgabe zum Heile der Menschheit stellen wollen. Es war ein schöner, ein rührender, ein tief befriedigender Augenblick, denn derjenige, der tiefer hineinschaut in die Zusammenhänge des Lebens, der weiß, wie dasjenige, was sich in Liebe verbindet, gewissermaßen in der allerglanzvollsten Weise beleuchtet werden kann durch eine gemeinsame, die Herzen und die Sinne zusammenhaltende Aufgabe.
Und so war verbunden mit demjenigen, was herankam, meine lieben Festgenossen, ich möchte sagen, herankam damals in festlicher Anmutigkeit - denn im Grunde genommen darf dieses Wort in jenem schöneren Sinne, in dem es früher in der deutschen Sprache gebraucht worden ist, gebraucht werden -, wie in festlicher Anmutigkeit herankam, in schöner Anmutigkeit - das war damals verbunden, und es darf das Wort «schöne Anmutigkeit» auch von unserem lieben Freunde Scott Pyle gebraucht werden -, auch er kam dazumal in wirklich schöner Anmutigkeit, als er von der Verbindung einer großen Menschheitsaufgabe mit dem Lebensbunde sprach. Das trat in Verbindung auf mit heiligstem Ernst. Und seit jenem Augenblick konnte ich immer mit innigster Freude, mit innigster Befriedigung auf die bevorstehende Schließung dieses Lebensbundes hinsehen.
Ich darf wohl sagen, wenn Segenswünsche fruchtbar sein können, es hat sich in der Zeit, seit Ihr, meine lieben Freunde, dazumal bei mir in meinem Atelier waret, eure Absichten zum ersten Mal mir kundgegeben habt, ein schöner Schatz von liebevollem Hinschauen auf euren Lebensweg entwickelt. Ich weiß, dass das auch bei sehr, sehr vielen anderen, bei Frau Doktor Steiner, vielen anderen, auch bei Persönlichkeiten wie unserer Freundin Ita Wegman, vielen anderen, die Scott Pyle so nahestehen, unserem Freunde Günter Wachsmuth und vielen, vielen anderen in der allerherzlichsten Weise der Fall war. Und es ist nun einmal im Leben so, wo treue, gut meinende Herzen nicht fehlen, da muss, auch wenn sich noch so viele Hindernisse und Hemmnisse in den Weg stellen, da muss der Weg gut passiert werden können.
Und so nehmet denn hin die besten Wegesgrüße, nehmet hin die besten Wegeswünsche! Sie mögen euch tragen, sie mögen beleuchtet sein von jenen Gedanken, die ihren Inhalt hernehmen von dem schönen, liebevollen, menschenfreundlichen, opferwilligen Sinn, den Ihr uns gezeigt habt durch so viele Jahre, durch so lange Zeiten. Dasjenige, was Ihr uns da gezeigt habt, möge euch wiederleuchten und wiederglänzen aus all den Herzen heraus, die liebend in dieser Stunde dasjenige mit ihren Gedanken begleiten wollen, was Ihr in Gemeinsamkeit für das Leben unternehmen wollt.