The History of the German Section of the Theosophical Society 1902-1913

GA 250 — 19 October 1903, Berlin

8. Protokoll der Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft

Der Generalsekretär Dr. Steiner präsidiert. Er begrüßt die Vertreter der verschiedenen Zweige in Deutschland.

Es sind zugegen:

Herr Hubo aus Hamburg
Herr Günther Wagner aus Lugano
Herr Richard Bresch aus Leipzig
Frau Geheimrat Lübke aus Weimar
Herr Julius Engel aus Charlottenburg
Herr Fischer aus Hannover
Herr Arenson aus Stuttgart

Vom Zweig Berlin:

Generalsekretär Dr. Steiner
Die Schatzmeisterin Frau von Holten
Die Sekretärin Fräulein von Sivers

Von den deutschen Städten sind nicht vertreten:

Düsseldorf, Kassel, München.

An Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft sind noch zugegen:

Fräulein Motzkus
Frau Blieffert
Fräulein von Rosen
Herr Kolbe aus Hamburg
Herr Fränkel
Herr Georgi

Dr. Steiner verliest Begrüßungstelegramme von:

Graf und Gräfin Brockdorff
Herrn Haase in Leipzig
Herrn Fischer in Schneidlingen.

Dr. Steiner kündigt an, dass Herr Bruno Berg aus der Theosophischen Gesellschaft ausgetreten ist. Da derselbe Vorstandsmitglied war und auch Herr Hübbe-Schleiden aus dem Vorstande ausgetreten sei, müsse zur Wahl zweier neuer Vorstandsmitglieder geschritten werden; sodann müssten die Satzungen der Theosophischen Gesellschaft durchgesehen werden. Zunächst wolle er aber die Frage aufwerfen, ob es nicht rätlich sei, in den Mitgliederlisten auch die Paten anzuführen, soweit dies möglich sei.

Hubo meint, es hätte wenig Zweck und böte manche Schwierigkeit.

Bresch fragt, ob es sich als praktisch wünschenswert erwiesen habe.

Steiner berichtet von einem Fall, wo allerdings die Kenntnis der Patenschaft von praktischer Bedeutung gewesen wäre. Früher hätte man sogar nur einen Paten aufs Formular gesetzt, und mit dem andern hätte man es sehr leicht genommen. Viel später sei es dann nötig gewesen, den einzelnen Fall zu kontrollieren.

Wagner schlägt vor, die Paten von den Formularen auszuschreiben, wenn Letztere sich in Berlin befinden.

Hubo gibt zu, dass es notwendig sei, nicht so formlos und ohne Kenntnis der Persönlichkeit Mitglieder aufzunehmen. Es sei aber doch mit Schwierigkeiten verbunden, da nach öffentlichen Versammlungen sich Personen melden können, die niemand kennt. Man müsste sie dann ersuchen, eine Zeit lang zu den öffentlichen Versammlungen zu kommen, bis sie die theosophische Weltauffassung kennengelernt haben.

Bresch meint, beim Eintritt in die Esoterische Sektion sei Vorsicht geboten, aber sonst nehme er als Mitglieder solche Personen auf, die drei Vorträge von ihm gehört haben.

Arenson sagt, weiter könne man nicht gehen, als Interesse für die Sache zu verlangen und zu beobachten, dass keine moralischen Qualitäten dem Eintritt entgegenstehen.

Engel meint, wenn diese Personen das Interesse hätten, uns kennenzulernen, würden wir sie dabei auch kennenlernen. Er schließe sich Dr. Steiners Ansicht an, die Namen der Paten mit anzuführen.

Hubo spricht im Hinblick auf die Zukunft den Wunsch aus, dass die Kosten von Propaganda-Vorträgen in Berlin von der Deutschen Sektion getragen werden. Vorstandswahl: Dr. Steiner schlägt anstelle des zurückgetretenen Hübbe-Schleiden Frau Geheimrat Lübke aus Weimar als Vorstandsmitglied vor.

Er motiviert diese Wahl durch Frau Lübkes Verdienste um die Ausbreitung der Theosophie in Weimar, das als geistiges Zentrum Deutschlands besonders wichtig sei. Auch habe Frau Lübke durch einen längeren Aufenthalt in England die dortige Theosophische Bewegung gründlich kennengelernt.

Die Wahl wird einstimmig angenommen.

Wagner schlägt vor, anstelle Bruno Bergs Herrn Eggers, den Vorsitzenden des Hannoverschen Zweiges, als Vorstandsmitglied zu wählen.

Bresch: Ohne gegen Eggers stimmen zu wollen, finde er, dass das Hauptgewicht auf die Qualität der Persönlichkeit zu legen sei.

Steiner hat bei persönlicher Bekanntschaft den Eindruck gewonnen, dass Eggers eine geschickte Hand hat und energisch und tätig ist.

Fischer sagt, derselbe sei schon gut zwei Jahre als Vorsitzender tätig gewesen.

Bresch schlägt Fräulein Mathilde Scholl in Köln vor.

Hubo stimmt bei und fügt hinzu, man hätte sie schon das vorige Mal ins Auge gefasst.

Arenson enthält sich der Abstimmung.

Wagner sagt, er kenne sie auch nicht, sei aber der Meinung, dass die persönlichen Eigenschaften ausschlaggebend sein müssten, und Hannover werde nicht verletzt sein, wenn es diesmal unberücksichtigt bleibe.

Steiner bemerkt, Herr Noll werde sich bald nicht mehr betätigen können, und dann könnte Eggers an dessen Stelle gewählt werden. Hierauf wird die Wahl von Mathilde Scholl einstimmig angenommen.

Steiner fragt, ob man für den Fall des Rücktrittes Nolls mit der Wahl des Herrn Eggers im Voraus einverstanden sei.

Hubo bemerkt, man müsste nach den Satzungen in diesem Fall die Ansicht der Vorstandsmitglieder einholen.

Wahl von zwei Kassenrevisoren, die alljährlich bei der Generalversammlung die Scktionskasse zu revidieren haben. Fräulein Motzkus und Herr Seiler in Berlin werden einstimmig gewählt, nachdem Herr Fischer aus Hannover die Wahl ausgeschlagen hat. Korrektur der Satzungen

Dieselben werden Punkt für Punkt durchgenommen und verbessert. Es wird länger darüber beraten, ob die Deutschen in anderen Ländern zur Deutschen Sektion zu rechnen sind.

Hubo meint, was die Schweiz anbetreffe, so habe dieselbe noch keine eigene Sektion, und deshalb könnten die deutschsprechenden Theosophen daselbst zur Deutschen Sektion gerechnet werden, ebenso wie die Genfer Theosophen sich der französischen angeschlossen haben. Sobald die Schweiz aber eine eigene Sektion habe, werde diese Frage von selbst erledigt sein.

Steiner bemerkt, dass nach österreichischen Staatsgesetzen der Zusammenschluss von einzelnen Logen zu einer Sektion überhaupt nicht möglich sei. Wir hätten aber Mitglieder aus Österreich.

Arenson schlägt vor, das Datum der Generalversammlung festzusetzen und in die Satzungen aufzunehmen.

Hubo schlägt vor «im Oktober» zu setzen, und diese Fassung wird angenommen.

Nach weiteren Beratungen über die Satzungen schlägt Hubo vor, die Mitgliedsbeiträge innerhalb der Zweige und die Sektionsbeiträge zu erhöhen.

Es wird auch über das Datum für den jährlichen Rechnungsabschluss der Sektion beraten und dafür der 31. August festgesetzt.

Herr Arenson, der den Vorsitzenden in Stuttgart, Herrn Oppel, vertritt, wirft die Frage auf, ob Vorstandsmitglieder der Sektion sich bei Vorstandssitzungen auf den Generalversammlungen der Deutschen Scktion vertreten lassen dürfen.

Dr. Steiner sagt, dies sei in Zukunft nicht zulässig.

Hubo beantragt, den Titel der Satzungen folgendermaßen abzuändern: «Satzungen der Theosophischen Gesellschaft und der Deutschen Sektion».

Steiner schlägt vor: «Theosophische Gesellschaft, Hauptquartier Adyar-Madras, Deutsche Sektion. Satzungen».

Diese Fassung wird angenommen.

Es wird noch über den Spruch, der das theosophische Emblem umgibt, verhandelt. Steiner sagt, die Übersetzung «Keine Religion ist höher als die Wahrheit» sei nicht ganz genau, sei aber von Olcott einmal so angenommen worden. Es müsse eher heißen «Keine einmal festgelegte Meinung ist höher als die Wahrheit»; diese Angelegenheit könne aber nicht so rasch erledigt werden.

Hubo schlägt vor, den Spruch ganz wegzulassen, Bresch, ihn in der Originalsprache zu geben.

Es bleibt alles beim Alten, und die Satzungen werden ohne dritte Lesung angenommen.

Schluss

Hubo schlägt vor, dem neuen Zweig in Weimar einen Willkommensgruß zu senden und sagt Steiner, Fräulein von Sivers und Frau von Holten Dank im Namen aller, für ihre Amtsführung im verflossenen Jahr.

Steiner fordert auf, nicht unzufrieden zu sein mit den Fortschritten der Deutschen Sektion, die ja erst seit einem Jahr besteht. Es gäbe viel Schwierigkeiten und Vorurteile zu bekämpfen, aber man möge trotzdem am Worte «Theosophie», das noch so viel Anstoß erregt, festhalten und es nach allen Seiten hin zu Ehren bringen.

Die Sitzung wird gegen zwei Uhr aufgehoben.

German original of Protocol of the General Assembly of the German Section of the Theosophical Society · ← Previous · Next →