The Fateful Year of 1923

GA 259 — 22 April 1923, Dornach

Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz

im Saal der Schreinerei

[Die Versammlung, zu der als Gäste (ohne Stimmrecht) auch alle auswärtigen Mitglieder eingeladen waren, wurde um 10 Uhr 30 durch den Generalsekretär Albert Steffen eröffnet. Die Vormittagsverhandlungen, die den Gesellschaftsfragen und dem Wiederaufbau galten, wurden von Helene Finckh zwar protokolliert, aber nicht übertragen. Dafür liegt der folgende offiziell verschickte Bericht von H. J. Heywood-Smith vor. Rudolf Steiner konnte an der Vormittagsversammlung nicht teilnehmen, da er den letzten Vortrag eines laufenden pädagogischen Kurses (GA 306) zu halten hatte. Zu den in dem Bericht angeführten Vortragsreisen Rudolf Steiners siehe: «Übersichtsbände zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, I: Bibliographische Übersicht», Dornach 1984; «Das Vortragswerk Rudolf Steiners», Dornach 1978; «Rudolf Steiner — Eine Chronik», Stuttgart 1988.]

Herr Albert Steffen, als Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, eröffnete die Versammlung, indem er Herrn Dr. Steiner, seine Mitarbeiter und die anwesenden Mitglieder begrüßte. Er erstattete Bericht über die Tätigkeit, die vom Goetheanum, als dem Zentrum der anthroposophischen Bewegung, ausgegangen war. Dieses wurde im Herbst 1920 durch einen dreiwöchentlichen Hochschulkurs provisorisch eröffnet. Dr. Steiner sprach über Anthroposophie und Fachwissenschaften. Seit jener Zeit sah die ganze Welt auf Dornach hin. In Liebe, aber auch in Haß. Im Anschluß an eine gegnerische Besprechung dieser Veranstaltung wurden damals von feindlicher Seite die Worte gedruckt: «Geistige Feuerfunken, die Blitzen gleich nach der hölzernen Mausefalle zischen, sind also genügend vorhanden, und es wird schon einiger Klugheit Steiners bedürfen, versöhnend zu wirken, damit nicht eines Tages ein richtiger Feuerfunke der Dornacher Herrlichkeit ein unrühmliches Ende bereitet.»

Ein zweiter Kurs folgte im April 1921 als Ergänzung des ersten. Dann wurde der Sommerkurs von Baron Rosenkrantz für englische Künstler veranstaltet. Herr und Frau Professor Mackenzie besuchten ihn und erlangten dabei tiefere Einblicke in die Geisteswissenschaft Dr. Steiners. Sie kehrten zu Weihnachten mit etwa 40 Lehrern und Lehrerinnen nach Dornach zurück und ließen sich von Dr. Steiner einen pädagogischen Kursgeben, über den Herr Steffen eingehend im «Goetheanum» berichtet hat. Diese Aufsätze wurden in einem Buche gesammelt und in verschiedene Sprachen übersetzt. Auf diesen Zeitpunkt fällt auch die Gründung des Schweizerischen Schulvereins.

Eine weitere Folge dieses Besuches englischer Persönlichkeiten war, daß Dr. Steiner vom 17.-24. April 1922 nach Stratford zu den Shakespeare-Feierlichkeiten eingeladen wurde, woselbst er mehrere Vorträge über Kunst und Erziehung hielt. Bedeutsam war, daß eine mitteleuropäische Denkerpersönlichkeit im Mittelpunkt einer Feier stand, die zu Ehren des größten englischen Dichters stattfand.

Mitte August wurde Dr. Steiner ein zweites Mal nach England gerufen, um in Oxford einen Ferienkurs über «geistige Werte in Erziehung und sozialem Leben» zu halten. Der Unterrichtsminister Fisher führte den nominalen Vorsitz und ließ eine Rede verlesen. Persönlich konnte er nicht erscheinen. In diese Zeit fällt die Gründung des Internationalen Weltvereins für Erziehungsfragen, der sich zur Aufgabe macht, die anthroposophische Pädagogik zu verbreiten.

Eine dritte Reise Dr. Steiners fand im November 1922 statt, und eine vierte wird diesen Sommer folgen.

Es floß also durch Dr. Steiner eine mächtige Geistesströmung nach dem Westen. Aber nicht nur nach dem Westen, sondern nach allen Richtungen Europas. Im Frühjahr 1921 reiste Dr. Steiner nach Norwegen. Im Januar 1922 fand eine Vortragsreise durch ganz Deutschland statt. Er sprach in 12 Städten zu über zwanzigtausend Menschen. Im März gab er seine Hilfe zu einem Hochschulkurs in Berlin, im April zu einem solchen in Holland. Im Mai fand neuerdings eine Vortragsreise durch Deutschland statt, wobei es zu jenem Vorfall in München kam, wo eine Art von Attentat auf ihn versucht wurde. In grellem Lichte erschienen dabei die Absichten der Gegner, seine Tätigkeit zu verhindern.

Vom 1.-12. Juni tagte der West-Ost-Kongreß in Wien, wobei Dr. Steiner über die gegenwärtige wissenschaftliche und soziale Verfassung Europas sprach. Vieles, was er und seine Mitarbeiter daselbst in bedeutenden Vorträgen sagten, wurde von der Öffentlichkeit aufgegriffen. Der Antagonismus von westlicher und östlicher Denkart wurde von unzähligen Menschen infolge dieser Tagung als ein brennendes Problem begriffen.

Vielfach wurde von nicht anthroposophischer Seite seither ausgesprochen, daß die anthroposophische Bewegung die wichtigste Geistesströmung der Gegenwart wäre. Sie ist in der Tat die einzige, die Zukunft in sich hat. Sie hat eine völkervereinigende Tendenz.

Aber damit ist noch in keiner Weise die ganze Tätigkeit Dr. Steiners, die vom Goetheanum ausging, charakterisiert. Neben dem schon erwähnten Lehrerkurs fanden noch andere Kurse statt. Unter anderem zwei medizinische, welche die Gründung des Klinisch-Therapeutischen Instituts in Arlesheim durch Frau Dr. Wegman zur Folge hatten. Ferner der nationalökonomische (vom 24. Juli-6. August 1922, über den Herr Leinhas im «Goetheanum» berichtete), die französische Woche, ein Zyklus über Kosmogonie, Philosophie und Religion (den Herr Dr. Jules Sauerwein den französischen Gästen in sein glänzendes Französisch übersetzte und den Herr Dr. Steiner selbst im «Goetheanum» wiedergab). Gleichzeitig mit diesem Kurs fand ein solcher für deutsche Theologen statt. Diese waren an Herrn Dr. Steiner mit der Bitte herangetreten, daß er ihnen Aufschluß über Wesen und Bedeutung des Religiösen gäbe. Sie hatten dann unter eigener Verantwortung, geführt von Herrn Dr. Rittelmeyer, eine Bewegung für religiöse Erneuerung ins Leben gerufen, die allerdings zunächst auf Deutschland beschränkt blieb. Es folgte dann am Ende des Jahres ein naturwissenschaftlicher Kurs, der von dem Kreise der Naturforscher am Goetheanum veranstaltet wurde und in dessen Mitte die Katastrophe des Brandes fiel.

Diese vermochte die Tätigkeit Dr. Steiners und seiner Mitarbeiter nicht zu unterbrechen. Noch nie hatten die Mitglieder der Gesellschaft Dr. Steiner mächtiger sprechen hören.

Die unbeugsame Wucht seines Geistes trat auch für die Öffentlichkeit zutage, als er seine Vortragsreise durch die Schweiz hielt (Mitte April) und in Bern, Basel, Zürich, Winterthur und St. Gallen über die Aufgaben der Anthroposophie sprach.

Auch mit diesen Daten ist die Wirksamkett Dr. Steiners nur unvollkommen skizziert. Wenn er nicht auf Reisen war, hielt er in Dornach allwöchentlich freitags, samstags und sonntags Vorträge, worin er die Zuhörer über die tiefsten Probleme unterrichtete. Natur und Geschichte zeigte er in einem Lichte, das sonst nirgends strahlt. Wo wären solche Erkenntnisse zu erfahren, wie er sie gab über das Wesen der Farbe, der Töne, der Bewegung! Wo wurden die religiösen Impulse der Gegenwart und Vergangenheit tiefer erfaßt! Er gab, um nur ein Beispiel zu nennen, einen Zyklus über Katholizismus, besonders über Thomas von Aquino [GA 74], worin er die Geistesrichtung, welche unsere Gegner als die ihre in Anspruch nehmen, auf positive Weise darstellte und so das Wort erfüllte: «Liebet eure Feinde».

Den Zuhörern wurde durch die Vorträge die Welt etwas anderes, und sie sich selber auch. Den meisten unter ihnen hat Dr. Steiner den inneren Menschen inmitten des Zerfalls des gegenwärtigen Europas wiederum in Beziehung zum Wahren, Schönen und Guten gebracht und ihn dergestalt gerettet.

Dieses höhere Menschentum durften wir vorgebildet in der Kunst der Eurythmie bewundern. Frau Dr. Steiner hat diese, durch lange Jahre des Kampfes hindurch, zur höchsten Ausbildung erhoben. Mit ihren Schülerinnen hat sie einen Siegeszug durch alle Länder Europas, durch England, Holland, Skandinavien, Österreich gemacht, das Banner der schönen Seele immer hochgehalten. Diese Kunst wurde unter großen Opfern in Dornach gepflegt. Es ist eine Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft, ihr die Wege zu ebnen, auch in der Schweiz. Sie gehört zu dem Duktus des Lebens innerhalb unserer Gesellschaft.

Eine segensreiche Auswirkung geisteswissenschaftlicher Impulse liegt auf medizinischem Gebiete. Wie schon angedeutet wurde, verdankt das Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheim seine Entstehung der Initiative Frau Dr. Wegmans, die mit seltener Energie die Erkenntnisse und Impulse, die Dr. Steiner in den medizinischen Kursen vom Frühjahr 1920 und 1921 gegeben hat, in die Praxis einzuführen versucht. Schon nach kurzer Zeit mußte, da die Klinik stets besetzt war, der Suryhof erworben und als Dependence eingerichtet werden. Bedeutsames wurde in Diagnose und Therapie geleistet. Eine Reihe ausgezeichneter Heilmittel wurden in den angegliederten Laboratorien hergestellt.

Hier ist auch die Heileurythmie zu erwähnen. Was so vielversprechend angefangen wurde, zu unterstützen, so daß es sich heilsam auswirken kann, ist ohne Zweifel eine der bedeutendsten Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft. Gerade dem Klinisch-Therapeutischen Institut sollten sich unsere Mitglieder schicksalgemäß verbunden fühlen.

Im Sommer 1921 wurde die Zeitschrift «Das Goetheanum» gegründet. Albert Steffen wurde von Dr. Steiner mit der Redaktion betraut. Dr. Steiner hat dem jungen Unternehmen manche Stunde, ja, manche Nacht geopfert. Seine Beiträge würden ein starkes Buch füllen. Sie sind Kleinodien der Prosakunst. Die Leser wurden über die Lage Europas, über führende Denker der Gegenwart und Vergangenheit in einzigartiger Weise unterrichtet.

Albert Steffen gab viele der intimsten Vorträge Dr. Steiners in der Schreinerei wieder. Wer diese Berichte liest, in dem festigt sich der Eindruck, daß Dornach ein geistiger Mittelpunkt ohnegleichen ist. Wohl niemand, der die Zeitschrift zu lesen pflegt, möchte sie in Zukunft entbehren. Um sie jedoch halten zu können, bedarf sie der Unterstützung der Freunde unserer Bewegung. Wiederum ist hier eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft angedeutet. Möchten doch alle Mitglieder Abonnenten werden.

Zum Schluß kam Herr Steffen auf die Feinde zu sprechen. Er zitierte, um zu zeigen, wie wenig diesen an der Wahrheit gelegen ist, zwei Stellen «evangelischer» Kritik. Die erste von Pfarrer Frohnmeyer, welche lautete: «Es wird gegenwärtig in Dornach eine 9m hohe Statue des Idealmenschen gemeißelt: nach oben mit «Luziferischen» Zügen, nach unten mit tierischen Merkmalen. «Dieser Idealmensch>, sagte Steiner zu den anwesenden Besuchern, «muß unbedingt das wahre Bild des Christus sein!»

Keinen luziferischen Zug und kein tierisches Merkmal hat selbstverständlich diese Statue. Das bezeugt jeder, der sie gesehen. Aber unzählige Menschen, die sie nicht gesehen, tragen nun dieses Zerrbild infolge Frohnmeyers entstellenden Worten in sich. Wie belastend, daß sie gerade durch einen — Seelsorger ausgesprochen wurden.

Die andere Stelle steht in der Neuen Zürcher Zeitung [vom 15. April 1923], anläßlich des letzten Vortrags Dr. Steiners [in Zürich am 10. April 1923]. Sie ist unterzeichnet mit A.B.E. «Gründlich falsch», schreibt dieser, «war auch Steiners Behauptung, es handle sich in der Anthroposophie weder um Weltanschauung noch um Religion.» Wer den Vortrag Dr. Steiners gehört hat, muß sagen, daß er dieses nie behauptete. Auch was A.B.E. über «eine Art anthroposophischer Kirche» sagt «mit fünfzig Zweiggemeinden, wo man in aufsteigende Weihrauchwolken hinein Gebete murmelt», ist eine gröbliche Entstellung, unwürdig eines Pfarrers. Ganz abgesehen davon, daß es sich bei der «religiösen Erneuerung», auf die hier angespielt wird, um eine Bewegung handelt, die durchaus unter eigener Verantwortung steht.

Zum Schluß zitierte Albert Steffen, um einen Begriff davon zu geben, wie sehr sich die Gegnerschaft schon vergißt und sich von den Geistern der Kloaken inspirieren läßt, ein Schmutzgedicht eines gewissen Herrn Theodor Rubischum in Dornach, der mit den Feinden der Anthroposophie in ausgedehnter Korrespondenz steht und sie mit allem möglichen unwahren Klatsch versieht. Steffen mahnte angesichts solch gräßlicher Phantasie, ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln und wies auf die größte Aufgabe der Gesellschaft: die, das Goetheanum wieder zu errichten.

Nach ihm ergriff Dr. Blümel das Wort und skizzierte in anschaulicher Weise den Entwicklungsgang der anthroposophischen Schulbewegung in der Schweiz. Er stellte dar, indem er Bezug auf den eben beendeten pädagogischen Kurs für Schweizer Lehrer nahm, wie der Wunsch nach einer Schule, in der aus anthroposophischer Menschenerkenntnis heraus unterrichtet würde, sowohl in der Elternschaft als in der Lehrerschaft immer mächtiger würde. Er stellte es als Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft dar, den Schulverein, dem schon über 600 Mitglieder angehören, zu fördern. Das Ziel desselben ist die Errichtung einer solchen Schule.

Dr. W. J. Stein als nächster Redner wies in kraftvoller Weise auf die Kampfmethoden unserer Gegner, auf ihre ausgezeichnete Organisation und ihre ausgedehnten Verbindungen hin: Es erscheinen von ihnen sogar Inserate in den Zeitungen mit Anerbietungen, jedermann das entsprechende Material zur Verfügung zu stellen, aus denen heraus er Daten schöpfen könne, falls er beabsichtige, Dr. Steiner zu verunglimpfen (sei es auf theologischem, literarischem oder sozialem Gebiet). Es handelt sich um einen Lügenfeldzug schlimmster Art, von dessen Ursprung die Außenwelt kaum eine Ahnung hat. Der Redner wies darauf hin, daß wir es uns zur Aufgabe machen sollten, Dr. Steiner der Notwendigkeit zu entheben, sich selbst auf jede dieser Schmähungen zu äußern. Das Ziel der Feinde wäre, Dr. Steiners Zeit und Kraft ganz mit dieser Polemik in Anspruch zu nehmen, so daß seine geistige Arbeit der anthroposophischen Bewegung verlorenginge.

[Die Nachmittagsversammlung begann um 14 Uhr 30. Von diesem Protokollteil liegt eine Übertragung vor. Demgemäß leitete Rudolf Steiner auf Bitte von Anwesenden die Versammlung ein unter dem Aspekt: die Anthroposophische Gesellschaft als solche muß sich eine positive Aufgabe stellen.]

Dr. Steiner: Ich will nicht eine längere Auseinandersetzung bringen, sondern nur eben ein paar Worte sagen, die nicht einmal ausdrücklich, sondern nur, ich möchte sagen, der Empfindung nach, anknüpfen sollen an dasjenige, was heute schon gesagt worden ist.

Von der Versammlung in Stuttgart, die kürzlich stattfand1 und der, die heute hier ist - und ich hoffe doch, daß in andern Ländern solche nachfolgen werden -, von denen möchte man, gerade angesichts dessen, was auch heute hier, namentlich von Dr. Stein, gesagt worden ist, erwarten - ich sage nicht bloß «wünschen», sondern «erwarten» —, daß sie in einer gewissen positiven Weise ablaufen, so daß wirklich aus dem Willen der Versammlung und das heißt ja in diesem Fall der einzelnen Anthroposophischen Gesellschaften, also hier der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, daß aus dem Willen der Versammlung ein Positives hervorgeht.

Es ist ja darauf hingewiesen worden, wie die Gegnerschaft organisiert ist. Nun muß man sagen, daß die Anthroposophische Gesellschaft sich gerade dadurch auszeichnet, daß sie nicht organisiert ist, in keiner Weise organisiert ist, ja, daß der größte Teil der Mitgliedschaft von einem auch nur, ich möchte sagen, menschlichen Organisieren bisher gar nichts hat wissen wollen.

Nun ging das ja in einem gewissen Grade bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Aber eben angesichts der heutigen Verhältnisse ist es unmöglich, daß das also weitergehe. Es ist notwendig, daß wirklich in der Anthroposophischen Gesellschaft so etwas auftritt, von dem es gelten kann, daß wenigstens für den größten Teil der Mitgliedschaft die Angelegenheiten der Gesellschaft als solche auch positiv von den Mitgliedern vertreten werden, wenigstens zunächst mit Interesse verfolgt werden. Auch das letztere ist ja im Grunde genommen in einem erheblichen Maße gar nicht da. Und als ich jüngst gefragt wurde, was ich selbst von dieser Versammlung erwarte, da mußte ich eben auch gerade darauf hinweisen, daß es notwendig ist, daß die Anthroposophische Gesellschaft sich eine wirkliche Aufgabe setzt, so daß sie als Gesellschaft da ist, daß sie also etwas Besonderes noch ist neben der anthroposophischen Bewegung; also von Gesellschafts wegen sich eine Aufgabe setzt. Denn solange diese Aufgabe nicht da ist, so lange werden die Verhältnisse, von denen heute gesprochen worden ist, niemals anders werden; im Gegenteil, sie werden sich immer mehr und mehr verschlimmern. Denn die Gegner zum Beispiel denken ja ganz anders — Dr. Stein hat schon einiges davon charakterisiert —, als die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft denken; in bezug auf die Gesellschaft meine ich das natürlich nur, ich spreche heute nur in bezug auf die Gesellschaft.

Die Organisation der Gegnerschaft ist für die Gegner vorhanden, ist eine Realität. Die Anthroposophische Gesellschaft aber ist für den größten Teil der Mitgliedschaft durchaus keine Realität, weil keine positive Aufgabe, die aus einer positiven Willensentschließung hervorgehen könnte, da ist. Und deshalb wurden diese Verhandlungen in Stuttgart und hier gehalten. In Stuttgart suchte man, weil sich die Delegiertenversammlung nicht entschließen konnte, der Gesellschaft eine solche Aufgabe zu setzen, gewissermaßen zu dem Auskunftsmittel zu greifen, die Mitgliedschaft dahin zu führen, daß sie sich in zwei Mitgliedschaften für die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland trennt, damit man hoffen könne, daß aus dem gegenseitigen Verhältnis dieser beiden Gesellschaften nun dasjenige nach und nach sich entwickle, was aus der Delegiertenversammlung nicht hervorgegangen ist.

So daß also die heutige Versammlung hier das große, schöne Ziel haben kann, ein Beispiel dafür zu geben, wie man der Anthroposophischen Gesellschaft als solcher eine positiv wirksame Aufgabe setzt, vor welcher auch der Mensch draußen Respekt haben kann. Also, es kann heute etwas Großes hier geschehen, wenn nicht bloß dem zugehört wird, was einzelne Persönlichkeiten in so schöner Weise ausführen, wie das heute geschehen ist, sondern wenn in der Tat aus der Gesellschaft selbst, aus dem Ganzen der Gesellschaft, ein gemeinsames Wollen hervorgeht. Das könnte eigentlich sein. Sonst wird diese Versammlung eben auch resultatlos, ergebnislos verlaufen. Also irgendein Ergebnis muß aus dieser Versammlung hervorgehen.

Ich spreche diese paar Worte jetzt, weil ich meine, daß man schon alles das, was an Berichten angehört wird, unter dem Gesichtspunkt eines solchen Zieles zur persönlichen Kenntnis nehmen soll, daß zum Beispiel alles in diesen Gesichtswinkel eigentlich gestellt werden sollte. Denn sehen Sie, Dr. Stein hat es ja einmal ausgesprochen: Wenn es wirklich notwendig werden sollte, daß ich mich lediglich damit beschäftige — was ja notwendig werden könnte -, die Gegner abzuwehren, so ist das ja für mich eine Aufgabe, die natürlich unendlich viel schwieriger ist als die Abwehr der Gegner durch das positive Sichstellen einer Aufgabe von seiten der Anthroposophischen Gesellschaft. Aber der Entschluß, selber daranzugehen, die Gegner abzuwehren, der Entschluß, aus Ergebnislosigkeiten weiterer anthroposophischer Verhandlungen selber ein Ergebnis zu ziehen, würde ja als erstes notwendig machen, daß ich meine Tätigkeit für die Anthroposophische Gesellschaft einstellen müßte, mich zurückziehen müßte auf bloß persönliches Wirken, daß ich also die Anthroposophische Gesellschaft, die sich eben nicht entschließen könnte, sich eine Aufgabe zu stellen, nicht weiter zu meinem Arbeitsfelde machen könnte. Das würde eben durchaus notwendig sein, wenn ich gezwungen würde, selbst diejenigen Aufgaben, die heute von Dr. Stein bezeichnet worden sind, zu übernehmen. Denn die beiden Dinge lassen sich nicht miteinander verbinden. Und daß die Gegner gescheit genug sind, um das zu begreifen, dafür ist Ihnen heute der Beweis geliefert worden.2

Nun würde ich wirklich die lieben Freunde bitten, auch ihrerseits zu begreifen, daß das durchaus das ist, was über Nacht eine Realität werden kann. Die Dinge dürfen nicht mehr so hingenommen werden, daß sie nur mit einem gewissen Phlegma genommen werden, sondern sie müssen wirklich ernst genommen werden. Die Situation ist denn doch eine recht ernste. Und diese Situation der Anthroposophischen Gesellschaft verträgt es nicht weiterhin, daß wir bei allen VersammJungen immer zu Ergebnislosigkeiten kommen.

Also, ich will nichts weiter sagen als das, was ich durch diese paar Worte illustrieren wollte. Ich bitte Sie, meine lieben Freunde, gehen Sie heute nicht ergebnislos auseinander, sondern kommen Sie dazu, der Anthroposophischen Gesellschaft als solcher eine Aufgabe zu setzen, vor der die Menschen einen gewissen Respekt haben können und nicht immer denken: Die Anthroposophen lassen sich alles bieten.

Albert Steffen: Geehrte Anwesende! Herr Dr. Steiner hat hier ganz deutlich gesagt, daß, wenn wir nicht die Aufgabe übernehmen, die Gegner zu bezwingen, daß er dann nicht die Möglichkeit, nicht die Zeit hat, nicht mehr die Zeit finden kann für uns, sondern daß er sich von uns, von unserer Gesellschaft zurückziehen will. Wir müssen uns also über die Art klar werden, wie wir das machen, und ich bitte nun, vielleicht einzelne Vorschläge zu bringen.

Jetzt muß der Geschäftsbericht zunächst erledigt werden. Herr Storrer gibt die Geschäftsberichterstattung.

Verschiedene Redner sprechen: Herr Geering, Herr Dr. Hugentobler, Herr Stokar, Herr Leinhas, Herr Widmer, Herr Rietmann, Herr Dr. Stein, Frl. Dr. Vreede, Herr Dr. Grosheintz, Herr Dr. Lagutt, Herr Dr. Usteri, Herr Imrie, Herr Steffen, Herr Pfeiffer, Herr Dr. Blümel, Herr Dr. Wachsmuth, Herr Vett, Herr Gnädinger, Herr Ebersold, Herr van Leer, Frau von Vacano, Frl. Hauck, Dr. Unger, eine Lehrerin aus Straßburg.

Die Dame aus Straßburg: Es besteht in Frankreich die Absicht, eine spezielle anthroposophische Gesellschaft zu gründen. Es wäre nun wünschenswert zu erfahren, ob bereits offiziell etwas in Dornach dazu getan wird und ob, wie gesagt wird, eine Sekretärin von Herrn Dr. Steiner ernannt ist, damit, wenn von Straßburg aus etwas geschehen soll, man über die Sache im klaren ist.

Dr. Steiner: Wie ich schon vorhin angedeutet habe, ist dadurch, daß in Stuttgart eigentlich nicht mehr das Zentrum für die ganze Anthroposophische Gesellschaft gesehen wird, die Sache so, daß in den verschiedenen Ländern nun die Bestrebungen vorliegen, aus den Anthroposophen der verschiedenen Länder Gruppen zu bilden, die eben direkten Anschluß an die Schweiz, an Dornach, haben wollen. Um das Organisatorische durchzuführen, ist es vielleicht sehr gut möglich, daß in den verschiedenen Ländern, sagen wir, nationale Anthroposophische Gesellschaften entstehen. Und nun ist, soweit mir bekannt ist, Mlle. Sauerwein diejenige — es hat Mlle. Sauerwein eigentlich angeboten, das Generalsekretariat für Frankreich zu übernehmen. Es wäre sehr zu wünschen, daß gerade unsere französischen Freunde und selbstverständlich auch die Straßburger, die nun zu Frankreich gehören, Mille. Sauerwein nach allen möglichen Richtungen unterstützen und ihr nicht mit Skepsis gegenüberstehen.

Die Dame aus Straßburg macht einige Zwischenbemerkungen, die nicht notiert sind.

Dr. Steiner: Bei diesen Dingen kommt es natürlich auf die richtige Form an, so daß man weiß, um was es sich dabei handelt. Man kann nicht sagen, daß Mlle. Sauerwein dieses Amt übernommen hat. Denn dann würde die weitere Frage entstehen, wer ihr dieses Amt gegeben hat und so weiter. Bei einer auf wirklicher Freiheit beruhenden Gesellschaft kann es sich nur um ganz andere Formen handeln. Nicht wahr, Mille. Sauerwein hat sich bereit erklärt, in Frankreich alles zu tun, was ihr möglich ist, um dort eine Anthroposophische Gesellschaft ins Leben zu rufen. Und durch die Dinge, die ich von Mlle. Sauerwein weiß, konnte ich ihr ein Schriftstück — und von dem reden Sie jetzt — ausstellen, welches den Inhalt hat, daß ich für alles dasjenige, was von mir verlangt wird für eine Anthroposophische Gesellschaft in Frankreich, Mlle. Sauerwein anerkenne als diejenige Generalsekretärin der französischen Anthroposophischen Gesellschaft, für die ich dasjenige tue, was man von mir verlangen wird.3 Also wenn Sie den springenden Punkt darin sehen, daß man nach allen Seiten hin mit absoluter Freiheit so etwas vollzieht, dann steht die Sache so: Wer Mlle. Sauerwein nun nicht anerkennen will, der braucht es ja nicht zu tun; nur wird Mile. Sauerwein in Zukunft diejenige sein, für die ich mich nun bereit erklärt habe, dasjenige zu tun, was von mir verlangt wird.

Man muß nur die Verhältnisse in allen diesen Dingen beachten und studieren, wie man sie praktisch in der Anthroposophischen Gesellschaft durchführen muß, so daß Sie wirklich nach allen Seiten frei sein können. Aber das hat man ja bis jetzt vermieden. Gerade diese Sätze, die in den «Grundsätzen» von 1913, glaube ich, ausgearbeitet sind, die zeigen, wie auf absolute Freiheit nach allen Seiten hin die Anthroposophische Gesellschaft begründet worden ist. Wenn irgendwie eine positive Aufgabe herauskommen soll, so kann die auch nur aus einer solchen Freiheit heraus kommen.

Also dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß, wenn sich eine Anthroposophische Gesellschaft in Frankreich bildet und mit mir etwas arbeiten will, so werde ich nur dasjenige tun, was ich im Vertrauen zu Mlle. Sauerwein tun werde. So liegt die Sache. Die Freiheit hat jeder, für nichts anderes etwas zu tun, als wofür er etwas tun will.

Lehrer Wullschleger spricht über Schulfragen. Er findet Baravalles «Pädagogik der Physik und der Mathematik» ausgezeichnet; es seien etwa 60 Lehrer zu einem Kurs zusammengekommen.

Die Herren Storrer, Blümel, Steffen und Müller stellen Fragen über Mitgliederauf nahmen und die damit verbundene Verantwortung.

Dr. Steiner: Die Aufnahme von Mitgliedern ist ja schließlich immer besorgt worden, und daß dabei ab und zu Fehler gemacht werden, das wird sich auch in der Zukunft ereignen. Also ich glaube, die Diskussion wird etwas von der Hauptsache abgeleitet, wenn über diese Fragen, die eigentlich erst wirklich eine gute Grundlage bekommen, wenn die Gesellschaft über ihre Konsolidierung gesprochen hat, allzu früh verhandelt wird und dadurch vielleicht die Meinung entsteht, daß über die Konsolidierung selbst genug gesprochen worden ist.

Ich möchte daher dasjenige, was ich gesagt habe, noch etwas konkreter zum Ausdruck bringen. Über die eigentliche Aufgabe einer solchen Diskussion bei einer Generalversammlung einer Anthroposophischen Gesellschaft ist ja eigentlich erst später einmal zu sprechen. Denken Sie doch zurück an die Zeiten, in denen die Anthroposophische Gesellschaft mit dem, was eben ihr Inhalt war, vor die Welt hingetreten ist und sich im Grunde genommen nicht zu kümmern brauchte um irgend etwas anderes als darum, innerhalb eines gewissen Kreises von Menschen die Anthroposophie zu verbreiten. Wir könnten ja, wenn eben nichts anderes gewollt worden wäre, im Schoße der Anthroposophischen Gesellschaft noch heute auf dieser Grundlage stehen. "Theoretisch, hypothetisch wäre das durchaus möglich. Aber wir können es in der Realität nicht, einfach nicht aus dem Grunde, weil — nun sagen wir — eben aus dem Schoße der Gesellschaft heraus das Bestreben, das ja sehr löbliche Bestreben geboren worden ist, ein Goetheanum zu bauen. Das Goetheanum war eben einmal da. Damit ist die Anthroposophische Gesellschaft selber etwas ganz anderes geworden, als sie war, bevor ein solches Goetheanum gebaut worden ist.

Es kommt ja gar nicht darauf an, ob nun zunächst die eine oder andere Begründung, die ja aus der Gesellschaft hervorgegangen ist, mit mehr oder weniger Glück gemacht worden ist; aber es ist eben in einer gewissen Zeit aus der Gesellschaft heraus der oder jener Impuls entstanden, das oder jenes zu tun. Dadurch ist die Welt dazu geführt worden, ganz andere Urteile über die mit der Anthroposophie zusammenhängenden Sachen zu fällen, als zustande gekommen wären, wenn die Anthroposophische Gesellschaft eben so geblieben wäre, wie sie vor diesen Dingen gewesen ist, die gewissermaßen nach außen hin eine Offenbarung der Anthroposophischen Gesellschaft in sehr sichtbarer Weise gebildet haben. Die einzelnen Dinge können ja dabei wirklich sehr, wie es beim Goetheanum der Fall ist, außerordentlich bedeutungsvoll sein. Also das Goetheanum selber und andere Begründungen, die gemacht worden sind - schon die Begründungen von solchen Zeitschriften, wie es die Stuttgarter Wochenschrift «Anthroposophie» ist und die frühere Dreigliederungszeitung oder der «Kommende Tag», das «Futurum», die Kliniken und so weiter —, sie sind doch eben einmal aus dem Schoße der Anthroposophischen Gesellschaft heraus geschaffen worden. Nun könnten heute einzelne Mitglieder sagen: Wir haben dabei ja gar nicht mitgemacht, wir haben keine Verantwortung dafür. — Ja, das würde eben beweisen, daß die Anthroposophische Gesellschaft nicht mit einem gemeinsamen Willen, nicht als eine bestimmte Körperschaft mit dem, was sie nun einmal in ihrem Schoße hat, vor die Welt hintritt. Es ist also heute notwendig, daß durch den gemeinsamen Willen der Anthroposophischen Gesellschaft dasjenige geschieht, was wir nicht gebraucht hätten, wenn wir auf dem alten Standpunkte stehengeblieben wären. Aber wir stehen eben nicht mehr auf dem alten Standpunkte. Und so ist es notwendig, daß durch die Anthroposophische Gesellschaft einfach in Angriff genommen werde die andere Aufgabe, diese Anthroposophische Gesellschaft selbst so vor die Welt hinzustellen, daß die Leute einen gewissen Respekt davor bekommen.

Dazu ist natürlich notwendig, daß es überhaupt Angelegenheiten der Anthroposophischen Gesellschaft gibt. Sehen Sie, es gibt heute Angelegenheiten für den Wiederaufbau des Goetheanum, es gibt Angelegenheiten des Kommenden Tages, der Kliniken und so weiter, aber es gibt eigentlich — das hat auch die heutige Diskussion wieder gezeigt — außerordentlich wenig, worüber man redet, wenn von der Anthroposophischen Gesellschaft als solcher gesprochen werden soll; höchstens über Mitgliedsbeiträge und so weiter. Aber die Gesellschaft muß sich einen solchen Inhalt geben, daß es unmöglich ist, daß fortwährend das unwahrste Zeug über Anthroposophie in die Welt gesetzt wird, ohne daß die Anthroposophische Gesellschaft irgendwie das als ihre Angelegenheit betrachtet. Sie brauchte es ja nicht als ihre Angelegenheit zu betrachten, wenn sie nicht bestünde. Aber sie besteht eben. Sie besteht in der Historie mit dem, was sich ergeben hat im Laufe der Jahre. Und darüber sollten nun die weiteren Debatten geführt werden, wie es möglich ist, die Anthroposophische Gesellschaft so zu konsolidieren, daß sie einen wirklichen Inhalt als Gesellschaft bekommt.

Nun gewiß, einzelne Aufgaben sind ja sehr gut charakterisiert worden; aber diese einzelnen Aufgaben machen es zunächst nicht aus. Schon wie die Gegnerfrage behandelt worden ist, zeigt, daß nicht das Bewußtsein vorhanden ist, daß so etwas auf einen gar viel höheren Standpunkt gehoben werden muß. Es muß wirklich auf einen viel höheren Standpunkt gehoben werden. Wie hier über die Gegner gesprochen worden ist, das kommt mir so vor, wie wenn jemand einen Gegner vor sich hat, der einen mit Kanonenkugeln beschießt, und dann geht man her, stellt seine eigene Kanone auf und beschießt nun die Kanonenkugeln, die niedergefallen sind von dem Gegner. So wird gesprochen. Als ob es sich darum handeln könnte, bloß eine Verteidigung zu übernehmen, fortwährend bloß die Gegnerschriften, die es die Gegner beliebte zu schreiben, nun in der gewöhnlichen polemischen Weise zu widerlegen. Damit kommen wir nämlich zu nichts anderem als auf den Regressus in infinitum. Denn selbstverständlich: auf alles, was von uns auf eine Gegnerschrift erwidert wird, erwidert der Gegner wieder, und es wird eben ein Regressus in infinitum. Davon haben wir gar nichts, wenn wir die Kanonenkugeln beschießen! Nehmen wir diese letzte Schrift von dem Sichler in Bern. Sie zu widerlegen hat eigentlich gar keinen Zweck, denn es stehen ja über Anthroposophie natürlich nur Dummheiten drinnen. Wenn man die Dummbeiten widerlegt, so widerlegt natürlich derjenige, der dumm ist, wiederum von seinem dummen Standpunkte aus die Gescheitheit, die man vorgebracht hat, und man ist gleich im Regressus in infinitum drinnen. Ebenso, wenn Sie im gewöhnlichen Stile die Ragazsche Schrift widerlegen. Sehen Sie, darauf kommt es an, daß man nicht solch eine Schrift wie den Sichler widerlegt, sondern zeigt, was dahinter ist an Wissenschaftlichkeit, an Erkenntnismethode, daß dahintersteht unter dem Schein von Wissenschaftlichkeit ein ganz gewöhnlicher, trivialer Dilettantismus. Also Sie müssen das, was dahintersteckt, direkt ins Auge fassen. In Stuttgart hat man immer versucht, die Behauptungen des General von Gleich zu widerlegen. Es handelt sich aber gar nicht darum, sie zu widerlegen, sondern darum, was dafür ein Mensch dahintersteht. Daß die ganze Wissenschaftlichkeit, von der aus solche Dinge geschrieben werden, eben keine Wissenschaftlichkeit ist, darum handelt es sich. Also wir müssen uns angewöhnen, die Dinge auf ein ganz anderes Niveau zu bringen.

Das ist das eine Beispiel. Aber so müssen wir überhaupt die ganze Vertretung der Anthroposophie — wenn die Anthroposophische Gesellschaft diese Vertretung in die Hand nehmen soll — auf ein ganz anderes Niveau bringen. Sie muß in einem größeren Stil aufgefaßt werden, als das bisher der Fall war. Nicht, als ob ich das verlangen würde! Es fällt mir eigentlich gar nicht ein, das von mir aus zu verlangen. Ich wäre auch zufrieden, wenn es auf dem Standpunkt bliebe, auf dem es jetzt steht. Aber das geht nicht; aus dem Grunde nicht, weil die Anthroposophische Gesellschaft heute die Anthroposophie so vertritt, wie sie sie vertreten hat, als noch kein Goetheanum da war; sie vertritt sie so, als ob kein Goetheanum da wäre, keine solchen Begründungen wie der Bund für Freies Geistesleben und so weiter. Durch das alles ist, ich möchte sagen, das Urteil der Welt provoziert worden. Und nun sehnen sich die anthroposophischen Mitglieder nach «Ruhe»; sie möchten von dem allem nichts wissen. Das geht eben heute nicht. Ich wäre ja auch zufrieden, wenn es ginge. Aber dann hätte man eben unterlassen müssen, alle diese Begründungen zu machen. Nachdem man sich als Gesellschaft damit einverstanden erklärt hat, muß man eben heute der Gesellschaft ein gewisses Ansehen verschaffen. Man könnte sagen: Ich kümmere mich einen blauen Teufel um dieses Ansehen, mir ist es ganz einerlei, dieses Ansehen. — Aber es kann eben nicht weitergearbeitet werden, wenn dieses Ansehen nicht geschaffen wird, wenn es immer nur so gemacht wird, daß eben in der Welt mit Recht gesagt wird: Ja, was ist denn diese Anthroposophische Gesellschaft? Da kommen die Leute zusammen, lesen sich Vorträge vor und so weiter; das ist ja nur eine Summe von Chiquen! —

Also daß die Anthroposophische Gesellschaft wenigstens so dasteht wie andere Gesellschaften, die etwas Ähnliches tun, das ist dasjenige, was wir brauchen. Aber über das wird gewöhnlich gar nicht geredet. Und ich selber kann mir wiederum die Lungen herausreden — man geht einfach nicht auf das ein, wodurch die Anthroposophische Gesellschaft solch eine Physiognomie bekommt in der Welt, daß sie neben ihren Taten bestehen kann, nämlich neben dem, daß sie ein Goetheanum gebaut hat. Es war ja da! Eine Gesellschaft, die ein Goetheanum in die Welt stellt, die muß selber so ausschauen wie ein Goetheanum, wenigstens in einer gewissen Weise. Aber vergleichen Sie, was das Goetheanum war und was die Anthroposophische Gesellschaft ist. Ich sage es nicht, um irgend jemandem etwas am Zeug zu flicken, denn mir wäre sie schon recht, die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie eben kein Goetheanum gebaut, kein Futurum gegründet, keine Zeitschriften herausgegeben hätte. Nicht wahr, als die Zeitschrift Luzifer-Gnosis erschienen war, da hat man es mir selbst überlassen, sie herauszugeben. Aber die Dinge sind allmählich Gesellschaftsangelegenheiten geworden, und darum muß auch die Gesellschaft da sein, damit die Gesellschaft dasselbe Gesicht hat. Heute aber hat die Gesellschaft nicht dasselbe Gesicht wie ihre Institutionen haben, selbst die unglücklichen, die zugrunde Gegangenen. Ja, das Urteil der Welt ist doch da! Das ist es, worum es sich handelt. Darüber müßte man sprechen, wie man dazu kommt, der Gesellschaft ein Relief zu geben! Ein schrecklicher Gedanke ist das, aber es kann ja auch im allerbesten Sinne aufgefaßt werden. Doch dann müssen die Dispositionspunkte wirklich am Schopfe gefaßt werden. Da muß man nicht über Dinge reden, die eigentlich nicht da sind. Man muß dann die Dinge doch wirklich so betrachten, wie sie sind.

Ja, meine lieben Freunde, das Goetheanum wird wiedererbaut unter zwei Bedingungen. Erstens: wenn man uns hier aufbauen läßt. Nun, das wollen wir sehen, darüber können wir ja heute nicht verhandeln. Wir können aber darüber verhandeln, ob wir die Anthroposophische Gesellschaft zu einem solchen Relief bringen, daß man es ihr nicht versagen kann. Also wir müssen nicht über das zweite verhandeln, bevor wir über das erste verhandelt haben.

Und das andere, meine lieben Freunde: Ja, ich bin völlig überzeugt, daß die Leute, die wir brauchen werden zum Aufbau des Goetheanum an Künstlern und anderen Arbeitern, die werden da sein, wenn die Grundlage da ist. Verzeihen Sie, daß ich das Wort noch einmal aussprechen muß: der Baufonds des Goetheanum, der ist die Grundlage. Kräfte zur Verfügung zu stellen oder so etwas, das ist heute nicht nötig, das ist da in dem Moment, wo der Baufonds da ist. Aber wirklich, die eine Frage geht auf die andere hin. Und es ist notwendig, daß nun endlich einmal irgendwo in einer Anthroposophischen Gesellschaft auch eine Versammlung zustande kommt, die über diese fundamentalen Bedingungen wirklich spricht. Nicht nur die Stuttgarter Versammlung sollte darüber sprechen; sie hat nicht darüber gesprochen, über die Hauptsache hat sich kaum jemand zum Wort gemeldet. Es ist angedeutet worden in den Referaten, die gehalten worden sind, aber diese Andeutungen haben die Versammlung weiter gar nicht interessiert. Sie mögen ja mehr oder weniger unglücklich gegeben worden sein; die Gegnerfrage zum Beispiel ist sehr eigentümlich behandelt worden. Sie ist eigentlich so behandelt worden, daß man den Antrag gestellt hat auf Übergang zur Tagesordnung, um nicht mehr weiter über die Gegner hören zu müssen. Und das wäre der richtige Moment gewesen, daß ich gesagt hätte: Ich gebe die Gesellschaft auf, die solche Tagesordnungen annimmt! — Aber man muß eben an dem festhalten, an das man sich gebunden hat. Und es ist doch so, daß man wieder dazu kommen muß, daß jedes einzelne Mitglied weiß, es muß jetzt irgend etwas tun als Repräsentant der Gesellschaft, sonst kommen wir tatsächlich nicht weiter, sonst sind alle Versammlungen unnötig.

In Stuttgart erwartete man, daß, wenn nun die zwei Gesellschaften beieinander sind und sich, ich will nicht sagen, gegenseitig abschleifen, aber gegenseitig anregen, daß nun in der Folge der Delegiertenversammlung etwas geschieht, was aber in der Delegiertenversammlung nicht geschehen ist. Nun werden wir weiter warten für Stuttgart. Doch darüber haben wir ja jetzt nicht zu sprechen. Aber ich sagte schon: Es könnte diese Versammlung hier ein Beispiel dafür geben. Wirklich, es käme darauf an, daß neben all dem, wofür man die Verantwortung mit übernommen hat und was dasteht mit einem gewissen Gesichte, meinetwillen vielleicht zuweilen mit einem sehr bösen — beim Goetheanum ist es ja sicher nicht der Fall gewesen und bei den übrigen Bestrebungen sicher auch nicht —, daß dafür nun die Gesellschaft sich entschließe, etwas anderes zu werden, als was sie sein durfte, mit Recht sein durfte, für - nun ja— die Zustände in der Zeit bis zum Jahre 1918. Da war das Goetheanum noch nicht so weit, daß es vor die Welt hingetreten war. Seitdem sind doch wirklich ganz bedeutsame Änderungen vor sich gegangen. Aber es kann heute nicht die Anthroposophische Gesellschaft sagen: Wir wollen auf dem früheren Standpunkt bleiben, es paßt uns nicht, eine solche Gesellschaft zu werden, wie es eben notwendig ist, nachdem diese Begründungen da sind. — Aber die Mehrzahl möchte eben auf diesem Standpunkt stehenbleiben.

Dann wiederum kommen Leute, die verlangen engere Gemeinschaften. Gewiß, eine solche Forderung mag ja ganz berechtigt sein, aber sie ist heute so lange ein bloßer Seelen-Egoismus, als die Gesellschaft nicht eingeht auf dasjenige, was ich jetzt wieder, so wie schon am frühen Nachmittag, nur konkreter, zu sagen versuchte. Es ist heute tatsächlich fast etwas, was man nicht verantworten kann, wenn man dem Willen nach engeren Gemeinschaften nicht entgegenkommt. Aber man kann diesem Willen nicht entgegenkommen, wenn man auf der anderen Seite immer wiederum die absoluteste Lethargie in bezug auf die Angelegenheiten der Gesellschaft einem entgegentreten sieht. Ja, manchmal ist es so, daß aufgetreten wird mit der Prätention: Wir kümmern uns nicht um die Anthroposophische Gesellschaft, wir bilden jetzt diesen engeren Kreis anthroposophischer Seelen! - Ja, das ist ein Seelen-Egoismus! Es sollte einen schon als die eigenste Angelegenheit berühren, wenn man zum Beispiel zusammenkommt, um die Angelegenheiten der Anthroposophischen Gesellschaft zu besprechen, wenn man über die Konsolidierung spricht, davon, wie die Gesellschaft einen Inhalt bekommen kann, einen aktiven Inhalt, so daß sie als solche in der Welt dasteht und die Welt endlich weiß, was die Anthroposophische Gesellschaft als solche will. Sonst brauchte man ja keine Anthroposophische Gesellschaft mit den Prätentionen zu haben, wie sie es jetzt sind. Man könnte ja sonstige Gesellschaften begründen, brauchte nicht einmal eine Gesellschaft, sondern könnte irgend etwas auf irgendeinem Gebiet unternehmen, wo eine Anzahl von Leuten beisammen sind, die sich sonst keine Aufgaben stellen, als Vorträge zu hören oder Übungen zu bekommen. Das alles sind ja keine Aufgaben der Gesellschaft. Aber die Gesellschaft sollte eine Aufgabe haben. Das alles bitte ich Sie zu bedenken.

Ich wollte nur diese paar Worte sprechen, um darauf noch einmal aufmerksam zu machen.

Albert Steffen: Ich sehe keine andere soziale Angelegenheit, als daß wir versuchen, untereinander mehr brüderlich zu sein, daß einer dem anderen hilft.

Dr. Steiner: Man soll nur das fassen, was ich meine. Nehmen Sie zum Beispiel das Klinisch-Therapeutische Institut [in Stuttgart]. Das ist nun doch aus dem Schoße der Gesellschaft hervorgegangen. Aber die Mitglieder der Gesellschaft — ich meine das Gros, es sind ja sehr wenige, die es anders betrachten -, sie betrachten es so, daß man sich unter Umständen dort heilen läßt. Aber daß sie es als ihre eigene Angelegenheit - idealiter natürlich — betrachten, das ist es, was da sein sollte, so daß sie für die Sache eintreten. Man tritt nicht für die Anthroposophie ein. Man braucht es ja nicht für das einzelne zu tun; das einzelne kann natürlich dem einen oder anderen nicht gefallen. Es kann soundso viele Mitglieder geben, die das Klinisch-Therapeutische Institut hassen; die brauchen nicht dafür einzutreten, die werden aber für etwas anderes eintreten können. Aber diese Tendenz, nun wirklich einzutreten für die Gesellschaft, das ist es, worauf es ankommt.

Hedwig Hauck schlägt vor, Unterschriften für den Artikel von Herrn Steffen zu geben, der sehr gut geschrieben ist.

Albert Steffen: Ich glaube, Sie mißverstehen das Wesen eines Schriftstellers. Er schreibt schwerer als andere Menschen. Es ist nicht gut, zu viel zu schreiben, denn dann verliert das Wort einfach die Wirkung.

Willy Stokar schlägt vor, aus den schweizerischen Zweigen heraus einen Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz zu bilden.

Dr. Guenther Wachsmuth erwidert, dieser könne nicht gewählt, sondern nur ergänzt werden durch Vorschlag von Dr. Steiner und Herrn Steffen.

Albert Steffen: Es ist eben nötig, daß jeder einzelne immer wieder die Sache durchdenkt, sozusagen das Schicksal der ganzen Bewegung, und daß man es auch in Gruppen durchdenke, daß auch die ganze Gesellschaft darinnen lebt; aber es muß auch von innen heraus gehen. Ich für mich habe eigentlich immer versucht, das zu tun. Ich weiß nicht, wie ich mich anders verhalten soll.

van Leer meint, es sei eine Hauptfrage der Gesinnung von jedem einzelnen, die Unternehmungen so anzusehen, als ob sie seine privaten seien, die er selbst finanziere. Dr. Steiner habe das nur angedeutet.

Dr. Steiner: Und doch kann man etwas erreichen, wenn man es bespricht, so daß der eine dem anderen das sagt, was er weiß, und der dann einem andern wieder erzählt, was er weiß.

Man muß wirklich die Sache viel konkreter denken. Manchmal kommt es mir vor, als ob die Anthroposophische Gesellschaft überhaupt nur ein großes Loch wäre, als ob gar nichts darinnen wäre. Verzeihen Sie, daß ich etwas ganz Konkretes sage. Sie werden mir nicht zumuten, daß ich aus irgendwelchen Untergründen jetzt anfangen will, in die Debatte Schmeicheleien hineinzuwerfen. Aber sehen Sie, diese Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz bekam einmal das große Glück, Herrn Steffen zum Generalsekretär zu haben. Ja, fast bis heute habe ich nichts von einem Urteil über diese außerordentliche Tatsache überhaupt reden hören. Heute hat Herr Leinhas es ausgesprochen, daß man es mit derjenigen Persönlichkeit zu tun hat, die wahrscheinlich das beste Deutsch in der Welt schreibt. Man müßte doch meinen, daß so etwas für die Anthroposophische Gesellschaft etwas bedeutet. Daß man nicht nur hier und da höchstens einmal ein Urteil hört: «Es ist gut, daß wir den Steffen haben, denn wenn der unsern Aufruf unterschreibt und so weiter» — und sich nachher so verhält, daß wir das Ansehen als Gesellschaft auch noch verlieren. Das nützt nichts; aber daß wir in stärkster Weise hinweisen auf die Dinge, die wir haben —- und wir haben ja die Dinge-, daß man sie gewahr wird! Ich habe bei jeder Gelegenheit auf diese Dinge hingewiesen. Aber es ist wirklich so, daß man keine Vermutung eigentlich hatte, was das für ein historisches Faktum in der Entwickelung der ganzen Anthroposophischen Gesellschaft ist, daß einer der Generalsekretäre in einer der Gesellschaften eben derjenige Mann ist, bei dem man noch manches andere sagen könnte, als was heute Herr Leinhas gesagt hat. Aber so etwas muß ja leben in der Gesellschaft, wenn sie selber leben will. Und nicht wahr, verzeihen Sie, ich weiß, daß es auch für andere Angelegenheiten, die nicht unmittelbar zur Gesellschaft gehören, Choleriker gibt in der Gesellschaft, Sanguiniker und Melancholiker; aber in Gesellschaftsangelegenheiten kommt es mir oftmals vor, als ob außer dem phlegmatischen Temperament kein anderes Temperament da wäre. Dieses’Faktum also, daß Herr Steffen Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz ist, das wurde bisher mit einem solchen Phlegma aufgenommen, wurde so betrachtet, ja, daß man keinen Lebenssaft merkt. Man merkt eben nur Phlegma, Phlegma. Wenn solche Dinge einfach hingehen — vor einiger Zeit habe ich die Geschichte mit der Baltz-Broschüre betont und so weiter —, wenn solche Dinge einfach hingehen, wenn eben nichts geschieht in der Gesellschaft, dann leben wir in sehr kurzer Zeit nicht mehr. Wir fangen da eben bei uns an, das Beispiel zu geben von der Nichtberücksichtigung der Leistungen. Wie wollen sie denn in der Welt die Leistungen der Gesellschaft irgendwie bewerten, wenn es innerhalb der Gesellschaft selbst nicht geschieht?

Da macht man ja die kuriosesten Erfahrungen. Es ist fast blöde, daß man die Dinge zu erwähnen hat, aber es ist doch merkwürdig. Ich habe aus innerstem Herzensbedürfnis heraus einen Artikel geschrieben über Albert Steffens Lyrik. Die «Anthroposophie» druckt alles ab vom «Goetheanum»; just diesen Artikel hat sie nicht abgedruckt. Keine Ahnung hat man davon, daß das zusammenhängt mit einem wichtigen Faktum der Gesellschaft. Ja, ein Vermögen, die Dinge abzuschätzen, ein Urteil sich zu bilden über das, was in der Gesellschaft vorhanden ist, das ist es, worauf es ankommt; nicht alles mit einem ungeheuren Phlegma, mit einer ungeheuren Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Nicht wahr, man versteht eben nicht, was ich meine, wenn ich davon rede, daß die Gesellschaft einen Inhalt bekommen sollte. Es kommt wirklich darauf hinaus, daß man nicht bloß sagt, jeder einzelne solle nun in sich gehen, sondern man soll sich die Dinge sagen. Was der eine nicht weiß, weiß der andere, was der andere nicht weiß, nicht wahr, das weiß der eine. Wenn eine solche Versammlung so verläuft, daß man ebensoviel Lust hat, über diese Dinge zu reden, wie man Lust hat, über den Unterschied von vier oder fünf Menschen zu reden, dann ist schon etwas getan. Heute ist noch nicht viel getan. Aber Sie können sicher sein: Wenn einmal dieses Interesse erweckt ist, dann wird etwas ganz anderes aus der Gesellschaft. Dann ist schon in eineinhalb Jahren aus der Gesellschaft etwas ganz anderes geworden, wenn nur einmal diese Dinge ganz seriös angefaßt werden, die von solcher Art sind. Dann wird auch das nicht vorkommen, daß auf der andern Seite man sich sagen kann: Da ist nun einer, der ist jahrelang in der Gesellschaft drinnen gewesen, er ist ein heftiger Gegner geworden; warum? Ja, man hat ihn eben, solange er drinnen war, verhimmelt, weil man eben kein Urteil hat über die wahren Leistungen innerhalb der Gesellschaft. Wie viele Leute sind in der Gesellschaft gewesen, denen man, ich weiß nicht was alles - weil man von diesem Erdenleben nicht sonderlich viel sagen konnte —, eben dem vorigen Erdenleben zugeschrieben hat. Nicht wahr, dieses überall Danebentreten neben das, was die Sache trifft, das ist dasjenige, was einmal ernsthaftig bekämpft werden sollte durch eine solche Versammlung. Dann wird das Positive hervortreten.

Also glauben Sie nicht, daß ich jetzt Herrn Steffen habe schmeicheln wollen. Ich wollte Ihnen nur objektive Tatsachen hinstellen. Das ist notwendig, um ersichtlich zu machen, was man meint, daß eben an solche positiven Dinge angeknüpft wird. Es liegen wirklich die Dinge so, daß man hierbei einsetzen müßte. Ich könnte darüber noch manches andere sagen, aber ich will ja nur eigentlich Anregungen geben. Ich habe überhaupt nicht sprechen wollen in der heutigen Versammlung.

Albert Steffen: Sie haben mich insofern etwas beschämt und doch wieder nicht beschämt, indem ich sagen muß, daß ich eigentlich ein [guter] Schriftsteller oder überhaupt einer geworden bin, indem ich mich doch eben immer mit Ihren Schriften befaßt habe. Ich habe eigentlich seit meinem zwanzigsten Jahre immer, ich kann sagen jeden Tag, in Ihren Schriften gelesen, und dadurch habe ich eben meinen Stil, soweit es für einen Menschen von meiner Talentlosigkeit ging, gutgemacht. Aber ich glaube, das ist nicht so sehr mein Verdienst. Ich muß sagen, es ist doch besser — ich weiß nicht-, es ist doch besser, wenn man das mit Stillschweigen behandelt.

Dr. Steiner: Von Ihnen aus mag das ja mit Stillschweigen behandelt werden, aber die Gesellschaft kann es nicht so behandeln.

Emil Leinhas: Es habe etwas Bedrückendes, wenn man so etwas wie eben wieder hört und doch der Gesellschaft entgegengehalten werden muß, daß sie schläft, sich für nichts interessiert, wo man doch auf der einen Seite so viele prachtvolle Menschen hat, sozusagen eine Auslese, denn nicht jeder Beliebige kommt an die Anthroposophie heran — und doch die Tatsache bestehe, daß dieselben Menschen es sind, denen wieder gesagt werden muß, daß sie ihre Pflicht gegenüber den Gesellschaftsaufgaben nicht tun. Als Gesellschaft haben wir einen geistigen Überreichtum, demgegenüber aber nicht genügend Interesse für die Gesellschaft. Auch in Stuttgart ist das wiederum vorgeworfen worden, daß die Gesellschaft schläft, nicht genügend Interesse hat, und das ist voll berechtigt. Man soll sich aber nicht niederdrücken lassen, sondern, trotzdem dieser Überreichtum da ist, die Kraft finden, Interesse und Aufmerksamkeit auf die Dinge, die da sind, zu erwecken... nicht nur sagen: Die machen ja alles falsch in der Gesellschaft -, sondern: Was kann ich tun für die Sache, für die Zeitung «Goetheanum», für das Klinisch-Therapeutische Institut usw., was es auch immer sei. Daß wir den Willen in uns so entfachen, daß wir auch das tun können, was wir so als unsere Pflicht erkennen. Das gilt allem gegenüber: daß lebendige Willensentfaltung da ist.

Dr. Steiner: Nicht wahr, die Sache wird trotzdem zu Ende kommen müssen. — Es sind schon große Sehnsuchten vorhanden, den Saal zu verlassen vor der Fortsetzung der Diskussion. Ich möchte nur noch ein paar Worte sagen, die notwendig sind, und das vorausschicken, meine lieben Freunde, daß ich noch viel weiter gehen möchte als Leinhas. Ich möchte nicht bloß sagen: Es sind sehr viele prachtvolle Menschen in der Gesellschaft vorhanden, sondern, fast alle sind prachtvolle Menschen. — Aber darum handelt es sich nicht. Lassen Sie es mich nur trocken aussprechen: Ich war schon mit diesen prachtvollen Exemplaren der Menschheit zusammen bei allerlei, sagen wir, Mittagessen, Abendessen, Diners, Soupers und dergleichen - ja, sie sind da wirklich prachtvoll. Da haben sie Interessen, die sogar im Augenblicke entstehen; da wissen sie zu reden, da sprüht nur so das Feuer für das eine oder andere. Da wird auch die Gesellschaft, die so jeweils entsteht, dann ganz prachtvoll. Aber ich war auch schon in anthroposophischen Generalversammlungen oder in Versammlungen überhaupt, da sind dieselben Leute gar nicht so, da sind sie- verzeihen Sie - phlegmatisch! Für die Angelegenheiten der Gesellschaft sind sie phlegmatisch, und das ist dasjenige, was die Gesellschaft zu Fall bringen muß. Die Menschen sind wirklich prachtvoll, fast alle, aber sie zeigen es nicht, gerade wenn die Angelegenheiten der Anthroposophischen Gesellschaft in Betracht kommen. Nicht wahr, man kann von niemandem verlangen, daß er ein größeres Interesse für Anthroposophie hat, als er es eben hat; denn das hängt mit dem Innersten des Menschen zusammen. Aber wenn es sich darum handelt, daß eine Gesellschaft da ist, und man ist Mitglied, dann muß man sich als Mitglied fühlen und betätigen. Das erfordert das Gesellschaftsmäßige der Sache. Da geht es eben nicht so, daß man nicht dieselben Verpflichtungen fühlt, die man zum Beispiel bei einem Souper fühlt, wenn man dabei ist.

Also das ist durchaus notwendig, daß man sich kümmert um die Angelegenheiten der Gesellschaft. Ich habe ja auch einzelnes angeführt, worum man sich kümmern könnte. Ich will gar nicht sagen, daß ich zum Beispiel genötigt wäre, auf einem andern Felde unter den prächtigen Menschen, die wir nun schon einmal fast alle sind, auch in derselben Weise dieses Phlegma zu tadeln. Aber hier ist es eben notwendig. Also, es handelt sich wirklich nicht um den einzelnen Menschen. Ich spreche, indem ich hier spreche — glauben Sie das ja nicht -, durchaus nicht zu dem einzelnen Menschen, sondern ich spreche zur Gesellschaft als solcher, wie sie sich verhält. Und das ist eigentlich schon so, daß man nachdenken sollte darüber, wie es anders werden soll.

Nun liegt noch eine besondere Angelegenheit vor. Ich weiß nicht, wie die Gesellschaft darüber denkt — aber diese besondere Angelegenheit kann nur hier in der Gesellschaft erledigt werden. Das ist nämlich dieses: Angesichts des Goetheanum-Brandes und nach demselben wandte sich an Herrn Steffen und mich eine schweizerische Persönlichkeit, der Oberstdivisionär Gertsch, mit dem Vorschlage, sein in der Nähe von Winterthur befindliches Landgut, bei dem sich ein Schloß befindet, an die Gesellschaft zu verkaufen, weil er meint, daß dort, in einer anderen Umgebung, die anthroposophische Sache besser aufgehoben wäre und dort eben ein Goetheanum besser gebaut werden könnte als hier, wo wir diese Erfahrungen gemacht haben.

Nun also, dieses Anerbieten ist da. Das Gut ist etwa 110 Jucharten4 groß, es enthält dieses Schloß, das natürlich ganz ungeeignet ist, eine Repräsentanz der anthroposophischen Sache zu sein. Und es wirft sich dadurch natürlich die Frage auf, wie man sich zu einem solchen Anerbieten verhält. Das Anerbieten ist da. Ich glaube, weder Herr Steffen noch ich dürfen es auf unsere eigene Kappe nehmen, weder sich positiv noch negativ zu verhalten, sondern es muß aus den Erwägungen heraus, daß Dornach auch eine Historie hat, daß ja, wenn wir von Dornach weggehen würden, soundso viele Menschen da sind, die sich nun wirklich auch stark mit Dornach engagiert haben, auch nach der finanziellen Seite: es sind Häuser gebaut worden, man hängt mit der ganzen Sache hier zusammen. Es muß erwogen werden, daß auf der einen Seite zahlreiche Verhältnisse innerhalb der Mitgliedschaft es notwendig machen, wenn nur irgendeine Möglichkeit ist, daß gebaut werden kann, eben hier gebaut werden soll.

Auf der anderen Seite liegt das Anerbieten vor. Es ist uns angeboten diese Besitzung dort — ich kann im Augenblicke natürlich nicht beurteilen, ob sie nun gerade verhältnismäßig billig oder teuer ist -, die wir würden haben können für 1300000 Schweizer Franken. Wie gesagt, 110 Jucharten; ein großer Teil derselben ist mit Weinbergen bedeckt. Es sind auch einzelne Nebenhäuser neben dem Gebäude. Kurz also, das Anerbieten liegt vor. Und ich würde, damit eben eine Gesellschaftsäußerung vorliegt, bitten, daß sich die Gesellschaft selber schlüssig wird, ob sie einen provisorischen oder einen definitiven Beschluß nach dieser Richtung fassen will. Ich bitte, sich unverhohlen über die Sache aussprechen zu wollen, denn es ist natürlich unnötig, daß auch in Anbetracht solcher Dinge die einzelnen eben sozusagen wiederum als Sündenböcke funktionieren, sondern daß die Gesellschaft darüber schlüssig wird. Wenn jemand etwas weiter darüber wissen will, so kann er janatürlich Auskunft haben. Aber das Wichtigste scheint mir, daß eben durch alles das, was vorgegangen ist seit 1913, ein Verbundensein mit Dornach da ist; so daß man eben eigentlich von hier nicht gerade fortgehen darf, ohne daß man hinausgeworfen wird; und auf der anderen Seite das Faktum dieses Anerbietens vorliegt.

Albert Steffen: Ja, ich selbst kann mich zu dieser Sache nicht äußern, weder positiv noch negativ, wie Sie selbst sagten, Herr Doktor.

Emanuel van Leer ist dagegen, von Dornach wegzugehen, auch wenn noch so viele Schwierigkeiten auftreten würden. Er möchte vorschlagen, vorläufig prinzipiell abzulehnen.

Rudolf Geering glaubt, daß alle derselben Ansicht wären wie Herr van Leer und kaum eine große Diskussion hierüber nötig sein werde.

Dr. Steiner: Es wäre natürlich nur wünschenswert, daß eine Resolution nach dieser Richtung gefaßt würde und daß diese Resolution - ja, verzeihen Sie, ich weiß nicht, ob der Stenograph der Gegner da ist-, daß diese Resolution gescheit ist. Also, nicht wahr, die Resolution sollte schon mit all der Strenge, wenn das die Meinung der Gesellschaft ist, gefaßt werden, ausgesprochen werden. Aber es wäre doch zu erwägen, ob es nicht auch auf die Nebensätze dieser Resolution etwas ankommt, ob es also unter Umständen nicht bedeutsam sein könnte, wenn ausgesprochen würde: Weil wir unbedingt festhalten wollen an dem Gedanken, wieder hier aufzubauen, wir leider verhindert sind, auf einen solchen Vorschlag von außen einzugehen. Nicht wahr, dann könnte unter Umständen der eine oder andere doch sagen: Wir müssen schauen, daß die in Dornach bauen können, sonst — —

Emanuel van Leer: Ja, das sind die Glacéhandschuhe, von denen ich sprach.

Dr. Steiner: O nein, das sind nicht die Glacéhandschuhe! Nicht wahr, es gibt doch sehr viele Menschen außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, die es ganz gern haben, daß wir hier bauen; und wenn bekannt würde, daß wir auch woanders bauen könnten, so könnte das unter Umständen ganz nützlich sein, wenn es sich in einem Nebensatze der Resolution drinnen fände. Nicht wahr, es ist ein Unterschied, wenn wir der Welt mitteilen, daß wir unter Umständen die Gelegenheit haben, irgendwo sonst zu bauen und dennoch bier bauen! Ich weiß nicht, ob man das hier versteht?

Emil Leinhas fragt, ob in dieser Sache nur die Schweizerische Anthroposophische Gesellschaft sprechen solle oder ob es auch möglich wäre, die Resolution von der gesamten Anthroposophischen Gesellschaft herauszubringen?

Dr. Steiner: Da würde es gut sein, daß die hier versammelten schweizerischen Mitglieder und die nichtschweizerischen Mitglieder, also daß alle Mitglieder, die hier sind, über diese Sache entscheiden. Es ist ja natürlich Angelegenheit der Gesellschaft. Wir kriegen ja nirgends die ganze Gesellschaft zusammen, aber was wir beisammen haben, kann ja die Resolution fassen. Emil Leinhas fragt, ob nicht auch mit Grundstücksangeboten aus dem Ausland gerechnet werden könne? Denn wenn man darauf hinweisen könnte — —

Dr. Steiner: Na, na, in der Schweiz ist Kantonswirtschaft.

Willy Storrer: In der Schweiz ist jeder Kanton für den andern schon ein Teil vom Ausland.

Dr. Unger macht darauf aufmerksam, daß Stuttgarter Behörden erwägen, das Goetheanum durch entsprechende Angebote nach Stuttgart zu ziehen. Es wäre vor einigen Tagen von einem Baurat ein dahingehender Anruf gekommen, aber näher habe er sich nicht geäußert.

Dr. Steiner: Wenn man darüber etwas Genaueres wüßte, wäre das natürlich ein prachtvoller Nebensatz.

Dr. Unger sagt, es sei noch nichts Definitives; Tatsache sei aber das Interesse der Stuttgarter Baubehörde.

Dr. Steiner: Nun, dann wird man ja vielleicht nur im allgemeinen, nur in diesem Sinne, wie es jetzt besprochen worden ist, die allgemeine Direktive geben und es Herrn Steffen überlassen, die entsprechende Resolution zu formulieren. Ich werde dann ganz gerne mit ihm zusammen das machen. Das ist nicht ein Antrag, sondern eben nur ein

Rat. — Will noch jemand das Wort?

Ein Redner meint, man solle alle eventuellen Angebote anhören, das Gut in Winterthur ankaufen und dann trotzdem in Dornach bauen, damit man eine Ausweichmöglichkeit habe bei eventuell eintretenden Schwierigkeiten.

Dr. Steiner: Sie meinen also, daß wir das Gut ankaufen sollen? Ja, sehen Sie, wenn es jemand ankauft, um es eventuell in petto zu haben für diesen Fall, dann kann man ja nichts dagegen haben. Aber aus dem Gesellschaftsvermögen könnte man es nicht riskieren, denn man muß es ja auch wieder loskriegen, wenn man es ankauft. Ich habe zwar alles Vertrauen, daß, wenn wir das Geld haben, wir es ankaufen können, aber ich habe nicht das Vertrauen, daß wir es auch im rechten Moment wiederum, wenn man kein Geld mehr hat, loskriegen.

Rudolf Geering möchte der Gesellschaft den formalen Antrag stellen, daß die Sache von uns angenommen werde: nämlich, daß Herr Steffen im Sinne des Vorschlages eine Resolution redigiere, sobald der richtige Moment dafür gekommen ist - also nachdem man von Stuttgart genaueren Bescheid hat. Albert Steffen: Ich glaube, wir können diesen Bescheid nicht abwarten. Herr Gertsch ist Dragoner, und er drängt auf eine Antwort.

Dr. Steiner: Sie sind da. Ich könnte den Bescheid ruhig abwarten, denn ich bin in den nächsten Tagen nicht da, aber Herr Steffen ist noch da, dann ist er das arme Opfer. Ich schlage vor, diese Resolution sofort im besprochenen Sinne eben zu beschließen und Herrn Steffen anzuvertrauen. Und wenn dann von Stuttgart ein Angebot gemacht wird, dann wiederholen wir eben diesen Vorgang.

Albert Steffen: Ich kann es ja auch so machen, daß ich dem Herrn Oberstdivisionär Gertsch zuerst schreibe und dann nachher die Resolution nachschicke. — Die Zeit ist sehr vorgeschritten. Niemand meldet sich mehr?

Dr. Steiner: Ich möchte nur noch sagen, daß ja die Hauptfragen immer noch weiter beraten werden müßten und daß die Versammlung sehr bald wieder zusammenkommen müßte hier in der Schweiz. Denn es scheint mir tatsächlich von eminenter Wichtigkeit zu sein, daß gerade hier in der Schweiz etwas Kräftiges getan werde in der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich habe das schon seit vielen Jahren geäußert, daß gerade dann, wenn hier von der Schweiz aus für die Anthroposophische Gesellschaft etwas getan würde, dieses von einer ganz besonderen, auch geistigen Wichtigkeit wäre. Und deshalb habe ich eigentlich große Erwartungen auf die heutige Versammlung gesetzt.

Nun aber wird es ja vielleicht doch dazu kommen, daß diese Erwartungen von einer möglichst baldigen Fortsetzung5 übertroffen werden! Und daher werden wir ja wohl über dieses heute doch nicht mehr weiter debattieren können. Und jetzt kommen die «Glacéhandschuhe»: Ich will also mit dem Beginn des Vortrages so lange warten, bis Sie Abendbrot gegessen haben. Vielleicht fangen wir den Vortrag erst so viertel vor neun Uhr an?

Herr Storrer: Die Sammlung für das Defizit der Anthroposophischen Gesellschaft, die wir veranstaltet haben, betrug bis jetzt den Betrag von Fr. 459.50.



  1. Gemeint ist die Delegiertenversammlung von Ende Februar. ↩

  2. In dem Vormittagsreferat von Dr. W. J. Stein. ↩

  3. Das Schriftstück siehe folgende Seite. ↩

  4. 1 Jucharte = 36 Aren ↩

  5. Siehe dazu die Versammlung vom 10. Juni 1923, Seite 512 ff. ↩

German original of Annual General Meeting of the Anthroposophical Society in Switzerland · ← Previous · Next →