The Constitution of the General Anthroposophical Society

GA 260a — 18 January 1924

Der Organische Werdegang der Anthroposophischen Gesellschaft und Ihre Zukunftsaufgaben

Im zweiten Mitteilungsblatt — Sie wissen ja, daß dieses Mitteilungsblatt den Titel trägt «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht» — finden Sie zunächst eine Ansprache, die ich an die Mitglieder gerichtet habe, und ich möchte einen ganz besonderen Wert darauf legen, daß die ersten Sätze dieser Ansprache an die Mitglieder ganz besonders ernst genommen werden. Ich darf gerade diese ersten Sätze vielleicht anführen:

«Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft kann ihren Inhalt nicht allein in dem haben, was die während ihrer Dauer am Goetheanum versammelten Mitglieder erlebt haben. Nur wenn man überall, wo man Anthroposophie liebt, in der Zukunft empfinden wird: es ist durch die Ausführung dessen, was durch diese Tagung angeregt worden ist, neues anthroposophisches Leben gekommen, wird dieser Inhalt wirklich da sein. Wenn dies nicht sein würde, hätte diese Tagung ihre Aufgabe nicht erfüllt.»

Es ist ja zweifellos, meine lieben Freunde, daß die Anthroposophische Gesellschaft neues Leben braucht. Und dasjenige, was zu Weihnachten hier geschehen ist, muß eigentlich so aufgefaßt werden, daß es zunächst lange nicht fertig ist, lange nicht abgeschlossen ist, daß eigentlich das Wenigste von dem, was zu Weihnachten hier geschehen ist, als ein Abgeschlossenes gelten kann, sondern daß fortwährend in diese Weihnachtstagung Inhalt hineinfließen muß durch dasjenige, was weiter in der Anthroposophischen Gesellschaft geschieht. Es ist ja bisher im Grunde jede solche Tagung eigentlich so aufgefaßt worden, daß man sie in die Grenzen eingeschlossen hat, zwischen denen sie angefangen und aufgehört hat. Und man hat sich höchstens erinnert an ein Erlebnis, das da gewesen ist.

Diese Weihnachtstagung hatte aber einen Charakter, der von vornherein zeigte, daß sie so nicht aufgefaßt werden kann, Sie kann nicht aufgefaßt werden als eine vorübergehende Tagung. Da würde der Inhalt einer ganz besonderen Eigenschaft unterliegen. Sehen Sie, meine lieben Freunde, wenn Sie zurückdenken an diese Weihnachtstagung, so werden Sie sich sagen müssen: Es ist da etwas gewesen, was aus der geistigen Welt heraus selber kam. Es ist der Versuch gemacht worden, mit alldem, was Vereinswesen ist, zu brechen und das Geistige durchscheinen zu lassen durch jede einzelne Handlung, die geschah. Aber das Geistige hat einmal- ich habe das öfter erwähnt - seine eigenen Gesetze. Das Geistige hat andere Gesetze, als diejenigen sind, welche in der physischen Welt herrschen. Nehmen wir dasjenige, was durch den geistigen Hintergrund in der Weihnachtstagung da war: Setzen wir es einmal als solches an und denken wir uns dann: die einzelnen Verrichtungen, die einzelnen Taten der Anthroposophischen Gesellschaft schließen sich an diese Weihnachtstagung an.

Wenn diese Weihnachtstagung nur so genommen wird, wie man so gern frühere Tagungen nahm, dann verduftet sie allmählich, dann verliert sie ihren Inhalt, und es wäre besser gewesen, man hätte sich nicht versammelt. Denn das Geistige hat einmal die Eigenschaft, daß es, wenn es nicht festgehalten wird, verschwindet, nicht verschwindet selbstverständlich im Kosmos, aber verschwindet für den Ort, wo es eben nicht weiter gepflegt wird. Es sucht sich eben dann andere Orte im Kosmos. Und für so etwas, wie unsere Weihnachtstagung, ist man ja nicht angewiesen auf dasjenige, was innerhalb des Erdenbereiches geschieht. Sie dürfen sich also nicht vorstellen, es müßte dasjenige, was zur Weihnachtstagung [veranlagt wurde, wenn es] durch die NichtAusführung der Impulse verduftet, irgendwo anders auf der Erde erscheinen. Das ist nicht nötig. Es kann in ganz anderen Welten seinen weiteren Zufluchtsort suchen. — Alles also hängt davon ab, daß man die Möglichkeit findet, sich um diese Weihnachtstagung stark zu bekümmern, wirklich ihren Inhalt aufzunehmen. Dafür soll gesorgt werden durch das Nachrichtenblatt für die Mitglieder.

Die ersten Nummern dieses Nachrichtenblattes für Mitglieder, sie werden im wesentlichen ein Bild nicht nur von dem geben, was bei der Weihnachtstagung hier war, sondern auch von dem, was als Wille in dieser Weihnachtstagung lebte. Und das namentlich soll gegeben werden, was als Wille lebte in dieser Ansprache an die Mitglieder. Sie ist in diesem zweiten Mitteilungsblatt in ihrem ersten Teile enthalten, und wird eben in den nächsten Nummern fortgesetzt werden. Zunächst mußte ja betont werden, daß man auf der einen Seite jetzt zurücksehen müsse auf dasjenige, was in der Anthroposophischen Gesellschaft war, und dann nach vorwärts sehen müsse, nach demjenigen, was in der Anthroposophischen Gesellschaft sein soll in der Zukunft.

Es wird daher ganz gut sein, wenn wir einmal gerade von diesem Gesichtspunkte aus, ich möchte sagen, um die Weihnachtstagung in einen entsprechenden Rahmen für uns einzufassen, ein wenig zurücksehen.

Die Anthroposophische Gesellschaft hat ja in sehr, sehr kleiner Form begonnen, und diese kleine Form war dazumal im Beginne des Jahrhunderts in der 'Theosophischen Gesellschaft enthalten. Wie war es denn? Wir können ganz absehen von der Theosophischen Gesellschaft, denn was sich als Anthroposophische Gesellschaft entwickelt hat, das hat einen organischen Werdegang durchgemacht, hat sich sozusagen aus dem eigenen Quell, dem eigenen Keim entwickelt. Diejenigen, die dann die Anthroposophische Gesellschaft als den Grundstock gebildet haben, “ waren ja im Anfange recht wenige. Man hat sich versammelt in sehr kleinen Kreisen an mehreren Orten. Und auch die öffentlichen Veranstaltungen waren in sehr kleinem Rahmen anfangs gepflegt worden. Und im Grunde genommen hat sich in diesen Anfängen um die anthroposophische Bewegung niemand gekümmert als derjenige, der dabeigewesen ist, der in irgendeiner Weise unmittelbaren Anteil genommen hat. Es war wirklich, man möchte sagen, ein wunderbarer Friede, denn die Welt hat keine Notiz genommen von der Anthroposophie. Nur diejenigen haben Notiz genommen, die sich eben in den anthroposophischen Kreisen versammelt haben.

Darunter waren solche, welche die tiefsten Bedürfnisse ihrer Seele verbinden konnten mit demjenigen, was als Anthroposophie aus der geistigen Welt herausfloß. Diese schlossen sich in immer größerer und größerer Zahl zu jenem Kreise zusammen, der dann die Anthroposophische Gesellschaft wurde.

Diejenigen, welche die Bedürfnisse ihrer Seele nicht damit verbinden konnten, blieben weg. Aber es waren zunächst jene, die wegblieben, einfach Menschen, die sich uninteressiert verhielten, die nicht in eine besondere Wut kamen, sondern die einfach sich sagten: Das, was da geboten wird, das ist für mich nichts. — Und sie blieben wieder weg. Man konnte, indem so gearbeitet wurde, wirklich in Ruhe und Frieden arbeiten, und man konnte tatsächlich diejenigen, welche nach höheren Wahrheiten suchten, durch die engeren Kreise an diese höheren Wahrheiten heranführen.

Nur in äußerer Weise hat eigentlich die Kriegszeit eine Beeinträchtigung dieses anfänglichen Zustandes gebracht. Gewiß, der Verkehr zwischen den einzelnen Ländern war nicht in derselben Weise möglich wie vorher. Man konnte sich nicht in engeren Kreisen verbinden, weil eben eine furchtbare Welttyrannis während des Krieges geübt worden ist. Aber dasjenige, was die eigentliche geistige Strömung war, die durch die Anthroposophische Gesellschaft rann und rinnt, die blieb vorhanden.

Nun lag es aber in der Anthroposophie, nicht nur den einzelnen Menschen in bezug auf seine zentralen Seelenbedürfnisse zu ergreifen, sondern tatsächlich das ganze menschliche Leben. Überall, wo aus den Quellen des Menschlichen heraus das Schöpferische wirksam werden will, da kann sich dieses Schöpferisch-Wirksame mit dem Quell der Anthroposophie verbinden. Denn die Anthroposophie geht auf das Allgemein-Menschliche. Und so konnten wir, zunächst in München, mit einer künstlerischen Betätigung anfangen.

Diese künstlerische Betätigung, die in der Aufführung von Mysterien bestand, brachte manchem denn doch einen Fortschritt für sein eigenes Seelenleben. Er sah im Bilde dasjenige, was er vorher durch die Ideen, in welche das geistige Leben gegossen worden ist, aufgenommen hat.

Im Grunde genommen störte auch den vorhergehenden ruhigen Gang diese Aufführung der Mysterien in München noch nicht. Daß die Welt Notiz nahm von dem, was als Anthroposophie sich ausbreitete, das begann - obwohl vorher da und dort sich in einzelnen Typen schon die feindlichen Bestrebungen geltend machten, aber so, daß man sie nicht hätte zu berücksichtigen gebraucht, denn im Okkulten arbeitet man am besten positiv nur aus den unmittelbaren Impulsen heraus -, das eigentliche Notiznehmen begann, als die Absicht in Ausführung trat, das Goetheanum hier zu bauen, zu dem wir ja 1913 den Grundstein gelegt haben. Jetzt war vor die Augen sichtbarlich etwas hingestellt. Jetzt sahen die Menschen etwas, und zwar etwas, was sie nicht verstanden. Und damit begann das Notiznehmen der Anthroposophie von seiten der Welt.

Nun ging es aber auch Stück für Stück, obwohl auch während der Kriegszeit, ich möchte sagen, die alten Usancen von unserer Seite fortdauerten. Jetzt begann es Stück für Stück. Wissenschafter, die sich zunächst auch nur der anthroposophischen Bewegung angeschlossen hatten aus den innersten zentralen Bedürfnissen ihrer Seele heraus, fanden, daß nicht nur diese zentralsten Bedürfnisse der Seele von der Anthroposophie aus befriedigt werden können, sondern sie fanden, daß eine jegliche Wissenschaft heute an einen toten Punkt kommt. Dieser tote Punkt liegt gerade da, wo die eigentlichen Erkenntnisbedürfnisse beginnen. Man muß sich nur den wissenschaftlichen Bestand von heute in der rechten Weise vorstellen. Er ist ja so, meine lieben Freunde: Der junge Mensch studiert. Was ihm dargeboten wird, das überliefert ihm eine Summe von Kenntnissen. Diese Summe von Kenntnissen, die hat ganz besondere Eigenschaften. Und es wird nirgends so recht ausgesprochen, was diese Summe von Kenntnissen, die heute der junge Mensch an den Schulen findet — eigentlich schon an den untersten Schulen, dann in besonderem Maße an den höheren Schulen -, was diese Kenntnisse in ihrer Summe für besondere Eigenschaften haben. Sie sind durchweg von materialistischem Denken durchdrungen. Und wenn heute von manchen Seiten gesagt wird, daß der Materialismus abgewirtschaftet hat, daß die Wissenschaft wiederum zum Geistigen zurückkehre, so ist das wirklich die reine Rederei, denn es ist nur eine Illusion. Man redet vom Geistigen, hat aber nicht den geringsten Begriff vom Geistigen.

Also die Kenntnisse, die da geboten werden, sie sind im Grunde genommen eine Summe von materialistisch gedachten Kenntnissen. Aber indem sie der junge Mensch empfängt, ergießen sie sich über ihn, ohne daß er irgendeine Orientierung darinnen hat. Die einzige Orientierung ist ja diese: daß er weiß, er muß Examen machen. Das stellt ihn in einer gewissen Weise in die Welt hinein. Aber im Grunde genommen weiß er mit der ganzen Breite des wissenschaftlichen Lebens nicht sonderlich viel anzufangen. Es ergießt sich über ihn. Er bekommt nun eigentlich gar keinen anderen Eindruck, als wie jemand, der in einen furchtbaren Platzregen gekommen ist und ganz naß wird. Er wird sozusagen ganz und gar durchweicht, oder eigentlich verhärtet von dem, was ihm da geboten wird. Man kann nicht sagen, daß diese Kenntnisse, diese Notizen, die da geboten werden, an sich wertlos sind. Das sind sie gar nicht, sie sind zuweilen von dem höchsten Werte. Aber derjenige, der sie lernen muß, der weiß nichts von diesen Werten. Sie werden an ihn in einer Weise herangebracht, daß er nichts weiß von diesen Werten.

Und so kann man sagen: Wenn auch die heutigen Kenntnisse den höchsten Wert hätten, dieser Wert würde denjenigen, die nun diese Kenntnisse in sich aufnehmen müssen, gar nicht irgendwie zum Bewußtsein kommen können.

Vielleicht darf ich in ganz bescheidener Weise da auf dasjenige, was schon erschienen ist und noch erscheinen wird von meinem Lebensgange, hinweisen. Sie werden da eine eigentümliche Erscheinung sehen. Sie werden allerdings nicht mit Worten geschildert finden, wie ich gelernt habe; im Grunde genommen blieb dasjenige, was durch die Schule an mich herankam, ganz äußerlich. Dasjenige, was ich durch die Schule gewonnen habe, das habe ich gewonnen durch einzelne Persönlichkeiten, die als Persönlichkeiten auf mich einen gewissen Eindruck gemacht haben.

Ich habe im jetzt erschienenen «Goetheanum» darauf aufmerksam gemacht, wie ich in der Mittelschule an die Chemie herangekommen bin. Chemie ist heute etwas in gewissem Sinne ja Bewundernswürdiges. Aber so wie es dasteht als eine Wissenschaft, ist nichts zusammengehalten in ihr. Man wird wirklich von Erkenntnissen wie von Regen überschauert.

Nun war derjenige, der in unserer Mittelschule Chemie vortrug, ein ausgezeichneter Chemiker. Und er sprach eigentlich außerordentlich wenig. Er experimentierte uns vor, machte fortwährend nur Experimente, sprach ein paar Worte, um die Experimente zu verbinden. Und das ging wochenlang fort, bis einmal Zensuren gegeben wurden. Ich habe besondere Intimitäten dort nicht erzählt. Aber wenn dann Zensuren in der Nähe waren, wußten das die Schüler. Und da wußten sie: der Gilm, der wird jetzt auch etwas fragen, denn er hat uns nie gefragt, er hat vor uns experimentiert, er hat uns nie gefragt, wochenlang nicht. Dann faßte sich einer Mut, ging hinaus zu ihm und sagte: Herr Doktor, wird nächstens experimentiert oder examiniert? — Und da sagte er: Nun, das nächste Mal werd’ ich euch examinieren. — Und da wurde in zwei oder drei Stunden durchexaminiert. Es war etwas Ausgezeichnetes an sich, doch ohne die Möglichkeit, daß man hineinkam.

Aber der Mann, er war der Bruder des sinnigen tirolischen Dichters Herman von Gilm. Hugo von Gilm hieß der Lehrer. Und tatsächlich, wer Sinn für so etwas hat und jemals in die Augen dieses Hugo von Gilm geschaut hat, der hat durch dieses Schauen in die Augen tatsächlich, ich möchte sagen, mehr Chemisches erhalten als durch die Mitteilungen systematischer Chemie, obwohl man da sehr viel erhalten hat. Denn diese Augen sind etwas ganz Besonderes gewesen. Sie schauten so in die Welt, daß man ihnen ansah: der sieht jedes Ding in der Natur so an, daß es ihm durch den Blick hineingeht. Es geht ihm in den Blick hinein, und der Blick strahlte es wiederum von sich heraus. Er hatte es immer da drinnen. Und deshalb hatten wir Buben alle das Gefühl: der Mann steht eigentlich anders als alle anderen Lehrer zu seiner Wissenschaft. Wir sagten zu allen anderen Lehrern «Herr Professor». Der war geradeso Professor wie die anderen, aber zu ihm sagten wir «Herr Doktor», weil man voraussetzte, der steht ganz anders zu seiner Wissenschaft als die anderen.

Sehen Sie, das war die Persönlichkeit! Sie werden aus anderen Beispielen, die ich anführe, auch sehen: Es waren die Persönlichkeiten! Diese Persönlichkeiten hatten etwas, für mich wenigstens, außerordentlich Weckendes. Und so kam es eben, daß man — daß ich wenigstens die Schule richtig verschlafen konnte und die wachen Dinge mir selber suchte.

Es war schon so in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert, daß eigentlich niemand etwas lernen konnte, der nicht aktiv suchte, der sich nicht seinen Weg tastend suchte. Dann ging das Lernen so nebenher. Und eigentlich muß ich sagen, cum grano saliis: ich wundere mich fast, daß ich ein guter Schüler gewesen bin. Denn, nicht wahr, zensiert wird man für dasjenige, was man in der Schule lernt. Da habe ich aber eigentlich nichts gelernt. Also ich wundere mich, daß ich im Grunde genommen überall ein guter Schüler gewesen bin.

So meine ich, ist es wichtig, daß man in der Art, wie die heutige Zivilisation die Kenntnisse an den Menschen heranbringt, das eigentlich Verderbliche sieht. Und das sahen oder fühlten wenigstens eine ganze Anzahl von Persönlichkeiten, wissenschaftliche Persönlichkeiten, die hereinkamen in unsere Anthroposophische Gesellschaft. Sie fühlten: Der wissenschaftliche Betrieb von heute endet in jeder einzelnen Wissenschaft an einem toten Punkte, gerade da, wo die Seele anfangen will, dasjenige, was diese Wissenschaft bietet, zu einer wirklichen Erkenntnis zu machen. Es gibt aber nichts, meine lieben Freunde, was irgendwie uninteressant sein könnte im menschlichen Wissen, wenn es in der richtigen Weise an den Menschen herangebracht und in der richtigen Weise gehört wird, es gibt nichts, was uninteressant sein könnte. Und dennoch, wieviel wird als uninteressant von den heutigen Schülern und Studenten empfunden!

So zeigte es sich denn, daß eine ganze Anzahl von Wissenschaftern in die Anthroposophische Gesellschaft hereingekommen war und nun von der Anthroposophie aus die einzelnen Wissenschaften befruchten wollte.

Jetzt entstand etwas, was die Leute furchtbar irritierte. Denn jetzt wurden sie nicht nur durch das Goetheanum, sondern jetzt wurden sie durch dasjenige, was als anthroposophische Wissenschaftlichkeit auftrat, aufgerüttelt. Man sah, Anthroposophie gibt den Dingen ein Gepräge, das man nicht haben will.

Man muß ja im Grunde genommen nur einsichtig sein. Wirklich, es ist schon so, wie ich einmal in einer anthroposophischen Versammlung gesagt habe: Es gehen fortwährend Feinde durch die anthroposophischen Tagungen, und ein feindliches Wesen ist die jüngere Persönlichkeit der Naivität, und diese Naivität ist eben unter unseren Mitgliedern vielfach vorhanden. Man denkt, man kann den Pastor oder den Professor oder den Arzt so ohne weiteres überzeugen. Man kann es nicht. Denn es kommt ja nicht darauf an bei den meisten Menschen der Gegenwart, daß sie überzeugt werden etwa in ihrem Kopfe oder in ihrem Herzen, sondern es kommt darauf an, daß sie in einer Lebensstellung drinnen sind. Da können sie unbewußt nicht heraus. Also man muß einsichtig sein in dieser Richtung. Wo können denn viele Leute, die in einer Lebensstellung drinnen sind, aus dieser Lebensstellung heute heraus? Nun, daraus entstand vielfach — es vergeht ja keine Woche, ohne daß nicht irgendeine Broschüre oder ein Buch erscheint gegen Anthroposophie — dasjenige, was dann, natürlich genährt durch unredliche Leute, als Gegnerschaft aufgetreten ist.

Durch alle diese Dinge — ich brauche ja nicht dasjenige, was in Deutschland aus der Dreigliederungsbewegung folgte und so weiter, auch aufzuzählen, es genügt, wenn ich mich hier mit dem Qualitativen beschäftige -, durch alle diese Dinge kam es, daß die alte Ruhe und der alte Friede, die vorhanden waren, weil die Welt sich nicht um Anthroposophie kümmerte, aufhörten, und daß jetzt Anthroposophie getrieben werden muß, indem man sie gleichzeitig von allen Seiten nicht nur bekämpft, sondern verleumdet. Da entstand dann die Frage, die hier in den letzten November- und in den ersten Dezembertagen eine so große Rolle gespielt hat unter denjenigen, die dann zur Leitung der anthroposophischen Bewegung sich bereit erklärt hatten, da entstand die große Frage, wie man in der Zukunft mehr Anthroposophie treiben kann. Denn das Eigentliche der Anthroposophie ist ja fortdauernd so getrieben worden und kann eigentlich auch gar nicht anders getrieben werden, wie es getrieben wurde während der Ruhe und des Friedens. Aber die Ruhe und den Frieden haben wir eben nicht mehr. Und so müssen die Mittel und Wege gefunden werden, um mehr Anthroposophie zu treiben, das heißt, Anthroposophie so vor die Welt hinzustellen, daß ihr durch ihre eigene Qualität die gegnerischen Verleumdungen nicht schaden können. Das heißt, es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um gerade dasjenige fortzusetzen, was mit Anthroposophie von allem Anfange an gemeint war.

Das hat denn dazu geführt, daß diese Weihnachtstagung, die nun verflossen ist, eben gerade den Charakter angenommen hat, den sie eben hatte. Und wirklich, diese Weihnachtstagung darf nicht so genommen werden, wie vieles in der Anthroposophischen Gesellschaft hingenommen worden ist. Es muß von dieser Weihnachtstagung etwas Neues ausgehen, das aber eigentlich nur ein vermehrtes Altes ist. Und das hat denn dazu geführt, daß die Konstitution der Gesellschaft dasjenige enthalten wird, was ich nun in diesem zweiten Mitteilungsblatt unter dem Titel bringe: «Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft.»

In dieser Beziehung, meine lieben Freunde, sind ja tatsächlich in der Zeit, in welcher der Faden des eigentlichen anthroposophischen Lebens abgerissen worden ist, mit der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft Fehler gemacht worden. Und ich habe schon bei der Besprechung des uns entrissenen Goetheanums darauf hingewiesen, wie wenig eigentlich das, was als Hochschulkurse in diesem Goetheanum gehalten worden ist, zu dem ganzen künstlerischen Stil des Goetheanums gepaßt hat. Es kontrastierte damit. Und das kam ja davon her, daß man zu stark in unsere Reihen hereintragen wollte dasjenige, was die Hochschulen draußen haben. Aber das braucht man ja nicht. Das würden wir ja erst in dem Augenblicke brauchen, wenn wir irgendein Berechtigungswesen für die Freie Hochschule haben könnten. Wir brauchen zunächst gerade diejenige Stätte, die das gibt, was sonst nirgends gegeben wird: nämlich das, was den Menschen in die geistige Welt hineinführt. Und das soll nun im strengsten Sinne des Wortes der Inhalt der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft werden.

Es war ja immer in den Schulen, die in das geistige Leben hineinführten, so, daß zunächst ein exoterischer Kreis war, und daß man aus diesem exoterischen Kreise in das Esoterische einrückte. Nun möchte die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft also diesen wirklich in der Natur der Geist-Erkenntnis liegenden Tatsachen voll Rechnung tragen. Das heißt, es wird in der Zukunft - ich habe das im zweiten Artikel über die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft zu schildern begonnen, auch das wird nächstens fortgesetzt werden -, es wird eben nunmehr da sein: die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, in die man unter den Bedingungen eintreten wird, die ja in den sogenannten Statuten während der Weihnachtstagung besprochen worden sind. Man wird eine Zeitlang in dieser Anthroposophischen Gesellschaft sein. Man wird vielleicht auch sich voll befriedigt finden von dem, was in dieser Anthroposophischen Gesellschaft über Geist-Erkenntnisse mitgeteilt wird. Und eigentlich sollte jeder das ganz genau lesen, was in diesem zweiten Mitteilungsblatt enthalten ist, dann wird er sich sagen: Ja, es ist ganz gut, daß zunächst in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft an diejenigen, die da eintreten, die Geist-Erkenntnisse mitgeteilt werden, denn das ist die Grundlage für einen jeglichen Weg in die geistige Welt hinein.

Gewiß muß es zunächst Leute geben, welche die geistigen Erkenntnisse auch erforschen können, damit sie mitgeteilt werden können. Aber das erfordert ja ein besonderes Karma, daß jemand an die geistigen Schauungen unmittelbar herantritt, ohne vorher sorgfältig gelernt zu _ haben, was von den geistigen Forschungen in Ideen behandelt worden ist. Es ist eben so, daß der Mensch im allgemeinen ja ganz gut, ohne daß er sich auf Autorität stützt, dasjenige einsehen kann, was von den Geist-Erkenntnissen und Ideen gebracht wird. Und so sollte man als Angehöriger der Anthroposophischen Gesellschaft zunächst Anthroposophie treiben mit allen Konsequenzen für das Leben, mit allen Konsequenzen für die einzelnen Zweige des Lebens. Und dann sollte man an das Esoterische daran gehen. Und die drei Klassen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, die sich nun anschließen an die allgemeine Gesellschaft, werden ja durchaus das Esoterische darzubieten haben, nuanciert nach den Sektionen, wie ich sie dargestellt habe bei der Weihnachtstagung, aber das Esoterische darzubieten haben.

Nun liegt ja heute die Sache gewiß so, daß in der Anthroposophischen Gesellschaft sehr viele Freunde sind, die es seit langem sind. Derjenige, der heute eintritt, dem würde man am besten empfehlen, er solle zwei Jahre in der Anthroposophischen Gesellschaft bleiben und sich dann melden zur Aufnahme in die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Das kann natürlich nicht für diejenigen gelten, die schon — ja, wie nennt man es draußen? — bemooste Häupter geworden sind in der Anthroposophischen Gesellschaft.

Deshalb wird unmittelbar die erste Klasse errichtet werden, und es ist ja auch schon mitgeteilt worden, daß man sich melden soll für diese erste Klasse. Es sind auch schon zahlreiche Meldungen an mich herangekommen. Und es wird sich nun darum handeln, daß man in der nächsten Zeit zunächst die erste Klasse errichtet, daß die älteren Mitglieder auch Mitglieder dieser ersten Klasse werden. Natürlich werden wir dabei nicht pedantisch sein. Reife jüngere Mitglieder, die den vollen Enthusiasmus für Anthroposophie haben, werden selbstverständlich auch in dieser ersten Klasse sein können. Es wird sich überall mehr um das Innere handeln als um das Äußere.

Aber damit wird doch zunächst etwas Äußerliches verknüpft sein müssen. Sehen Sie, meine lieben Freunde, ich habe ja lange gemerkt, daß eigentlich die drei Vorträge in der Woche für die Art und Weise, wie die Vorträge aufgenommen werden, insbesondere in der letzten Zeit, zu viel gewesen sind. Es war zu viel! Es waren wirklich zu viele Vorträge. Sie müssen mir das nicht übelnehmen, wenn ich das sage. Daher werde ich nun beginnen — die Dinge werden sich von Stufe zu Stufe ändern — zunächst immer am Samstag und Sonntag zu sprechen für die Anthroposophische Gesellschaft, und immer am Freitag zu sprechen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft.

Wir werden in der Zukunft dann die allgemeinen Mitgliedskarten haben für die Anthroposophische Gesellschaft — das alles wird in der allernächsten Zeit eingerichtet —, und wir werden außerdem die Mitgliedskarten ausgeben für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. So daß also hier an Freitagen erscheinen werden die Mitglieder der ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, an Samstagen und Sonntagen alle Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft. Und ich setze zunächst voraus, daß auch die Mitglieder der ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft an Samstagen und Sonntagen erscheinen werden, denn ich möchte nun die Dinge so einrichten, daß man wirklich hier in Dornach sieht: von der Weihnachtstagung geht etwas aus.

Nicht wahr, wir sind ja hier in Dornach von dem ersten Vortrage an, den ich vor vielen Jahren auf diesem Hügel über das Akanthusblatt gehalten habe, allmählich dahin gekommen, wirklich immer esoterischere und esoterischere Wahrheiten hier gesagt zu finden. Aber damit kommen wirklich diejenigen Mitglieder, die nachkommen, nicht zurecht. Und es muß hier gerade gezeigt werden, wie es eigentlich gemacht werden soll. Man muß zukünftig in Dornach sehen können, nicht bloß wohin man gelangt in der Anthroposophischen Gesellschaft, sondern wie es gemacht wird. Und das wird dadurch am besten erzielt werden, daß ich zunächst in der ersten Klasse an allen Freitagen fortfahren werde mit dem, was bis zum letzten Vortrage am letzten Sonntag hier getrieben worden ist, auch auf (die inneren Entwickelungen eingehen werde, kurz, das Esoterische pflegen werde. Das soll an den Freitagen geschehen. An den Samstagen und Sonntagen soll nun in der nächsten Zukunft dasjenige gegeben werden, was eigentlich in die Anthroposophie einführt, das Anfängliche der Anthroposophie. Ich werde selbstverständlich nicht vorlesen oder wiederholen mein Buch «Theosophie» oder «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», aber ich werde doch versuchen, aus den Fundamenten heraus Anthroposophie darzustellen, und setze voraus, daß der gute Wille, teilzunehmen am anthroposophischen Leben, nicht darinnen bestehen wird, daß die Mitglieder der ersten Klasse hier in Dornach sagen werden: Nun gehen wir nurmehr am Freitage hin, denn das andere wissen wir ohnedies schon alles -, sondern ich hoffe, daß bei den allgemeinen Vorträgen gerade die Mitglieder der ersten Klasse um so höher interessiert sein werden. Denn da wird man ja tatsächlich manches in sich aufnehmen können, was bisher eigentlich vernachlässigt worden ist. So daß man also in der Zukunft hier wird sehen können, wie eigentlich Anthroposophie aus dem Fundamente heraus getrieben werden soll, und dennoch auch den esoterischen Inhalt der ersten Klasse wird aufnehmen können, wenn man in diese erste Klasse eben sich gemeldet hat und die Meldung angenommen worden ist.

Es handelt sich schon darum, daß diese Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft in die Zukunft hinein verstanden werde. Ich hoffe, daß ich bis Sonntag einen Modus finde, um schon am Freitag der nächsten Woche mit dem beginnen zu können, was ich nun für die drei Abende projektiere. Mit der Darstellung der Anthroposophie aus den Fundamenten heraus werde ich dagegen schon morgen beginnen.

Und so wird es möglich sein, gerade hier in Dornach Impulse zu gewinnen, welche sich an die Weihnachtstagung anschließen. Wenn man sozusagen diesen Gesichtspunkt, den ich eben erörtert habe, ins Auge fassen wird, dann wird man schon dadurch dies «mehr Anthroposophie» wirklich entsprechend in seinem Herzen berücksichtigen.

Anthroposophie kann weder eine Theorie sein, noch kann sie dasjenige ganz entbehren, was im Gedanken lebt. Wir leben ja heute in einer Zeit, in der im Grunde genommen Anthroposophie dann für unzählige Menschen auf der Erde eine brennende Frage werden müßte, wenn einmal es der Anthroposophischen Gesellschaft gelänge, wirklich so zu arbeiten, daß die Bedürfnisse der Menschen an dem, was ihnen als Anthroposophie entgegentritt, Feuer fangen könnten.

Es handelt sich um folgendes. Ich will einen konkreten Fall Ihnen als Beispiel hinstellen. Es ist jetzt wiederum ein wunderbares Lebensbuch erschienen, eine Art Autobiographie, eine Art Selbst-Lebensbeschreibung von Ford. Man muß sagen, das ist etwas außerordentlich Charakteristisches, was dieser Automobilkönig als seine Lebensbeschreibung vor die Welt hinstellt. Es hat etwas Entzückendes, etwas eigentlich Großartiges. Und ich möchte sagen: Was dieser Automobilkönig hinstellt als das, was er im Geistigen und Materiellen während seines Lebens ersehnt hat, es macht auf mich folgenden Eindruck. Denken Sie sich, jemand steht vor einem Tor und hat dringende Bedürfnisse geistiger Art. Also in diesem Falle: Dringendes will er, Berechtigtes will er, aber es reicht seine Stimme gar nicht aus, um zu sagen, was er Berechtigtes will. Er möchte es laut, laut in die Welt hinausschreien, was er Berechtigtes will, aber das erscheint ihm nicht laut genug, und so pocht er an die Tür und erfindet sich alle möglichen Mittel, um in donnerndem Poltern das zum Ausdrucke zu bringen, was er eigentlich will.

Ja, fast ist es mir so, wenn ich das Buch von Ford lese, wie wenn ich selber die Tür wäre. Aber es ist trotzdem entzückend; man bekommt seelisch blaue Flecken, aber man liebt diese blauen Flecken, denn es ist unsäglich vernünftig. Und hinter der Tür ist die Anthroposophie. Aber sie ist bisher in einer Gesellschaft so konstituiert, daß es dem, was vor der Türe pocht, ganz unmöglich ist, an das heranzukommen, was hinter der Türe ist. Es ist nicht möglich. Wir brauchen dazu etwas ganz anderes.

Nicht wahr, Ford ist eben ein repräsentativer Mensch. Aber das, was er im großen Stile ist, wirklich im allergrößten Stile der Gegenwart, ° was er da ist, das sind zahlreiche Menschen der Gegenwart. Das, um was es sich handelt, ist, daß in der Zukunft tatsächlich ein Bewußtsein auch vorhanden sei, nicht nur von dem, wie man ein guter lernender Anthroposoph ist. Meine lieben Freunde, fassen Sie das, was ich gesagt habe, nicht so auf, als ob ich im geringsten etwas einwenden wollte gegen den, der ein lernender Anthroposoph ist. Das sind Menschen, die als solche in ihren Bestrebungen absolut gerechtfertigt sind. Sie sind der Anthroposophie beigetreten; ihre beste Zeit haben sie gehabt in der Epoche, als Friede und so weiter herrschte und man sich ganz langsam ausbreitete. Dagegen, daß man lernen will, ist überhaupt nichts zu sagen. Also das ist eine Sache für sich. Im Gegenteil, dies soll viel intensiver gepflegt werden in der Zukunft, als es in den Jahren seit 1918 geschehen ist, wo man allerlei Hochschulallüren in die anthroposophische Bewegung hat hineinbringen wollen, und noch andere Allüren. Dasjenige aber, was zu dem hinzukommen soll, was ja auch immer angestrebt worden ist: Anthroposophie vor der Welt zu vertreten, das, nicht wahr, fordert eben einen durchaus anderen Stil. Und das hat mich ja auch bewogen, den Vorsitz zu übernehmen. Denn dadurch wird es mir noch möglich sein, mehr vor der Welt zu zeigen, wie ich Anthroposophie durch die Gesellschaft vertreten haben möchte. Als 1912, 1913 — dazumal in guter Meinung — die Anschauung realisiert wurde, daß ich mich [als Vorsitzender] zurückzog und das bloße Lehramt hatte, da kam eben die Zeit, nun ja, in der sich das nach und nach als unmöglich erwies. Da wurde dasjenige, was ich eigentlich will, fortwährend durch die Gesellschaft abgestumpft. Es wurde ihm die impulsive Kraft genommen, insbesondere stark seit 1918.

Und nun soll hier in Dornach eben durch diese besondere Einrichtung, auf die ich hier hingewiesen habe - aber das ist ja nur ein Anfang, es wird schon weitergehen -, es soll durch diese besondere Einrichtung an Dornach gesehen werden können, wie Anthroposophie vertreten werden soll, wie Anthroposophie vor die Welt getragen werden soll. Und damit wird sie schon am besten auch in die Herzen der Mitglieder hineingetragen werden. Von den beiden Seiten wird diejenige, die zur Geltung gekommen ist in Ruhe und Frieden, noch mehr zur Geltung kommen. Dagegen wird man wirklich sehen, gerade indem diese in der richtigen Weise wiederum gepflegt wird, wie dadurch tatsächlich schon gefunden werden könnte - falls verstanden wird in der nächsten Zeit, was von der Leitung aus impulsiert wird — die Möglichkeit, wenn vor der Tür gepoltert wird, zu sagen: Hinter der Tür ist die Anthroposophie. — Aber jetzt kann es noch so stark poltern: die Tür geht nicht auf! Doch könnte die Möglichkeit gefunden werden, daß sie von innen durch die Anthroposophie aufgeschlossen würde. Dann aber muß eben die Möglichkeit vorhanden sein, daß die Dinge nun auch so vor die Welt hintreten, daß Menschen, die aus der heutigen Zivilisation heraus in einem solchen Wissensformat herauswachsen wie der Automobilkönig Ford, sich sagen: Da habe ich wiederum geschrieben, die heutige Wissenschaft sei eigentlich auch nur etwas, das auf die Vergangenheit hinweist, der Mensch kann aber doch nicht bloß in der Vergangenheit leben, es muß das Leben eigentlich für die Zukunft garantiert werden; man kann doch nicht bloß Kenntnisse aufnehmen, man muß doch etwas Lebendiges haben. Ich habe das nun so hingeschrieben — lesen Sie zum Beispiel das vorletzte Kapitel in dem außerordentlich interessanten Buch von Ford — und nun weiß ich, da fehlt etwas: da hinein gehört die Anthroposophie.

Es wäre eine Möglichkeit, daß die Leute so sagen, wenn wir verstehen würden, was in der Weihnachtstagung gewollt worden ist, wirklich ernst zu nehmen, wenn die Weihnachtstagung nicht immer weniger, sondern immer mehr Inhalt bekäme.

Das wollte ich heute als eine Einleitung sozusagen zum weiteren Wirken hier in Dornach vor Ihnen vortragen, meine lieben Freunde. Morgen werde ich schon langsam damit beginnen, möchte ich sagen, nun die Anthroposophische Gesellschaft so zu betrachten, wie sie eben als Anthroposophische Gesellschaft gedacht werden muß, indem sie als solche Anthroposophie aufnimmt.

Ich habe noch zu verkündigen, daß dann am Sonntag um fünf Uhr eine Eurythmievorstellung sein wird. Samstag und Sonntag werden die entsprechenden Vorträge um acht Uhr sein.

German original of The Organic Development of the Anthroposophical Society and Its Future Tasks · ← Previous · Next →