Our Dead
GA 261 — 26 October 1908, Berlin
Gedenkworte gesprochen bei Generalversammlungen 1908
Nun obliegt es mir noch, die besondere Pflicht zu erfüllen, in diesem Augenblick derjenigen lieben Mitglieder unserer Gesellschaft zu gedenken, die im Laufe dieses Jahres den physischen Plan verlassen haben.
Da haben wir Frau Agnes Schuchardt, eine Dame, die viele Jahre in theosophischem Streben gelebt hat. Seit langem gehört sie schon der theosophischen Bewegung an, und obwohl sie bei der Begründung der Deutschen Sektion schon ans Bett gefesselt war, war sie doch in ihrer Seele ganz mit dem verbunden, was innerlich und äußerlich geschah; und mancher Brief, den sie mir geschrieben hat, zeigte, wie sie mit inniger Anteilnahme verfolgte, was vor sich ging.
Zweitens Franz Vrba, der in die Theosophische Gesellschaft eingetreten ist als Mitglied des Prager Zweiges, und der nach verhältnismäßig kurzer Zeit seiner Mitgliedschaft den physischen Plan verließ.
Ferner haben wir zwei besonders uns nahe gehende Fälle unseres Münchener Zweiges. Der eine ist Otto Fluschke. Der Name Huschke ist untrennbar von der Entwickelung der theosophischen Arbeit in Deutschland, und unter denen, die ihre Hand geboten haben, als die Deutsche Sektion begründet werden sollte, war auch Huschke. Er stand bereits tief in der theosophischen Bewegung, stand tief im Okkultismus drinnen. Es war mir immer eine liebe Pflicht, wenn ich nach München kam, den immer kränklichen und wenig beweglichen Herrn aufzusuchen und zu sehen, was gerade in den vier Wänden dieses Herrn für okkultes Bedürfnis, für okkultes Streben herrschte, -— Es dürfte wohl als besonders schmerzlich bezeichnet werden, daß der Tod des Herrn Huschke in den Tagen erfolgte, als auch seine Tochter, Fräulein Huschke, den physischen Plan verließ. Sie haben beide im Leben alles, was sie theosophisch besessen haben, geteilt, soweit es möglich war. Auch Fräulein Huschke war ein liebes Mitglied der Münchener Loge, und vor allem auch eines der strebsamsten Mitglieder. Otto und Flilda Fuschke haben zusammen gelebt und sind wenige Stunden hintereinander gemeinsam vom physischen Plan abgegangen und werden in andern Welten weiter theosophisch zusammen leben.
Der Abgang unserer lieben Frau .Doser vom physischen Plan ist ein fünfter Fall. Frau Doser gehörte auch zu den ältesten Mitgliedern der Deutschen Sektion. In eigenartiger Weise ließ sie einströmen in sich, was aus den Mitteln der okkulten Weltbewegung kommen kann, - und jeder, der sie kannte oder ihr näher getreten ist, wird tief im Herzen gefühlt haben die auf der einen Seite so hingebende zarte Natur und auf der andern Seite das von einem tiefen Sehnsuchtsstreben erfüllte Wesen dieser herrlichen Frau. Die letzten Zeiten ihres Lebens waren erfüllt von einer schweren Krankheit, die sie ertragen hat, getragen hat in einer ganz wunderbaren Weise. Aber sie war ein Mensch, der trotzdem in den Untergründen seines Bewußtseins etwas hatte von dem seligen Vorgefühl, einer neuen Welt entgegen zu leben. So lebte sie, daß sie an der Außenseite ihres Lebens gleichsam verblaßte, — was sie aber in ihrem inneren seelischen Leben wirklich immer reicher und reicher werden ließ; und sicher bin ich, daß diejenigen Persönlichkeiten, die ihr im Leben am nächsten gestanden haben, auch diese Gefühle vollständig als die ihrigen anerkennen werden. Eine Anzahl von Mitgliedern ermöglichte es Frau Doser, den sonnigen Süden aufzusuchen, nach dem sie sich so sehnte; und es war wirklich ergreifend zu sehen, wie sie in der physischen Sonne die Geisteskraft wahrnehmen konnte. Und es wird mir unvergeßlich bleiben, daß in Capri, wenige Stunden vor ihrem Tode, diese Seele der Frau Doser einige Zeilen an mich richtete, aus denen hervorgeht die Sehnsucht, die Stimmung, den engen Raum des physischen Planes zu überwinden: «Ich will hinaus, morgen ein Schiff besteigen, - ins weite Meer hinaus!» Es war ein Gefühl, daß sich die Seele befreit von dem physischen Leib.
Einen schmerzlichen Fall habe ich zu erwähnen in dem Tode Fritz Eyselein’s. Viele von Ihnen, die bei den theosophischen Vorträgen waren, wissen, daß in Fritz Eyselein eine Persönlichkeit unter sie getreten ist, die sozusagen früh in dem Entwickelungsgang der Deutschen Sektion in einen unglückseligen Geisteszustand geraten ist, der es unmöglich machte, ihr zu helfen. Es ist weder notwendig, noch vielleicht auch nur taktvoll, hier einzugehen auf das, was auch nur angedeutet zu werden braucht, und was uns deshalb nicht minder befähigen kann, unserm lieben Fritz Eyselein die schönsten Gefühle der Liebe und Freundschaft mit hinüber zu geben auf den andern Plan.
Nunmehr haben wir einer Persönlichkeit zu gedenken, die in dem letzten Jahre von dem physischen Plan Abschied genommen hat und jahrelang an der Spitze der Münchener Loge gestanden hat: Fräulein von Hofstetten. Aus ihrer umfassenden Lebenserfahrung heraus konnte sie die Führerschaft dieser Loge in sachgemäßer Weise übernehmen. In dieser Dame, die seit langer Zeit auch kränklich war, deren Körper nur durch einen regen Geist lange Zeit schon zusammengehalten wurde, lebte auch ein nach jeder Richtung reges Streben, und immer war sie da, wenn irgend etwas zu tun war, wenn sie auch vorher gerade eine Operation durchgemacht hatte; und wer das schöne Außen- und Innenleben von Fräulein von Hoffstetten kennen gelernt hat, wird ihr die schönste Liebe mitgeben auf den andern Plan. Ein anderes Mitglied, das mehr von ferne Interesse gehabt hat an dem, was in der Theosophischen Gesellschaft vorging, und vom physischen Plan abgegangen ist, ist Frau Fähndrich. Auch ihr werden wir die Liebe und ein Gedenken über den physischen Plan hinaus bewahren.
Nunmehr habe ich zu gedenken unserer lieben Frau Rozbenstein, die kurze Zeit der Heidelberger Loge angehörte und nach einer kurzen Zeit durch eine tückische Krankheit abberufen wurde. Sie war eine schöne, in sich geschlossene Natur, tief und ernst ergeben unserer Sache. Auch ihr werden wir die Gefühle der Liebe nachsenden.
Damit habe ich derer gedacht, die physisch nicht mehr unter uns, aber geistig immer in unserer Mitte sind.
Die Versammlung ehrt das Andenken der genannten Personen durch Erheben von den Sitzen.