Our Dead

GA 261 — 29 October 1916, Dornach

Gedenkworte Für Joseph Ludwig Und Jacques De Jaager

Schmerzliches Empfinden füllt heute unsere Seele. Wir betrauern den Tod zweier Freunde, die beide innig verbunden sind mit demjenigen, was im Sinne des fortschreitenden Geisteslebens der Menschheit hier an diesem Orte geleistet werden soll. Durch die leidvollen Ereignisse unserer Zeit ist uns hinweggenommen worden unser Freund Ludwig vor einigen Tagen, und gestern ist ganz rasch durch die Todespforte gegangen unser lieber Freund de Jaager.

Wir haben in beiden Freunden Arbeiter innerhalb unseres geistigen Lebens für den physischen Plan verloren, deren Arbeit treulich eingemeißelt ist in den Bau, der hier auf Dornachs Hügel errichtet ist, Freunde unseres Strebens und Freunde unseres Herzens, die mit tiefer Liebe gearbeitet haben an jener Arbeit, die uns allen so teuer ist. Und so verlieren wir in ihnen für den physischen Plan Mitwirker unserer Sache; wir verlieren aber auch zwei Menschen, die uns teuer geworden sind durch dasjenige, was von ihrem Leben durch Jahre in unser Leben geflossen ist. Wenn wir den Tod nahestehender Freunde erleben, dann wird uns wohl wie plötzlich klar, tritt uns wie plötzlich vor die Seele ein Bewußtsein von dem, was sie der Welt waren, was sie in der Welt wirkten, während wir, solange sie unter uns wandeln, dasjenige, was uns mit ihrem Leben gnadevoll gegeben ist, mehr wie eine Selbstverständlichkeit hinnehmen. Wir, von dem Gesichtspunkt des geistigen Zusammenlebens aus, das durch den Tod eine Unterbrechung wohl, aber keine Trennung erleidet, blicken auf den Tod hin wie auf die Einleitung eines Stückes Lebens, das allerdings andets ist als die andere Art des Lebens, die im Physischen verläuft. Mögen wir auch immer verbunden sein karmisch aus früheren Lebenskreisen her mit denjenigen, mit denen uns das Erdendasein zusammenführt, so müssen wir doch gedenken, wie in jedem neuen Erdendasein mit den Menschen, mit denen wir zusammengeführt werden, auch neue Daseinsfäden angesponnen werden; und wir fühlen diese neuen Daseinsfäden. Wenn sie sich so verändern von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag, dann nehmen wir das mehr als etwas Selbstverständliches hin. Wenn aber das, was so als selbstverständlich hingenommen worden ist, durch den Anblick der Todespforte stärker ins Bewußtsein tritt, dann empfinden wir den Unterschied, der besteht zwischen dem Miterleben, das von Tag zu Tag läuft, und jenem Erleben, das über den Tod hinaus liegt und das wir wohl gerade durch die Kraft, die uns Geisteswissenschaft gibt, zu einem recht Lebendigen, zu einem im tiefsten Sinne vom Daseinsernst Durchdrungenen machen. Wir empfinden den Unterschied von diesem Leben, das da steht, so, daß gewissermaßen fest wird, was flüssig war im Erdendasein, daß wir durch eine Weile der Zeit zurückblicken auf etwas, was uns ein Mensch geworden ist, während er uns vorher täglich neu etwas wurde. Und erschütternd bleibt der Anblick der Todespforte auch von diesem Gesichtspunkte aus, weil wir uns erst zutechtfinden müssen für jene Vorbereitungszeit, die wir zu durchlaufen haben, und nach welcher wir wiederfinden werden diejenigen, die uns nahegetreten sind, auf daß wir fortsetzen die Fäden im geistigen Leben, die sich angesponnen haben hier im Erdenleben. So wird Geisteswissenschaft wohl geeignet sein, uns lebendiger und inniger, weil ewig, zu verbinden mit denjenigen, die uns im Leben nahetreten. Sie wird uns gewiß nicht zu trivialem Hinwegtrösten führen können über das berechtigte Leid, das wir empfinden, wenn wir in solcher Lage die Pforte des Todes vor uns sehen. Denn, meine lieben Freunde, Rätsel des Lebens lösen sich nicht mit Theorien. Rätsel des Lebens lösen sich nur durch das Leben selber. Und jeder Tod, er gibt uns ein Rätsel auf, ein Lebensrätsel, eine Lebensprüfung; ein Rätsel, das wir lebend lösen müssen, eine Prüfung, die wir lebend bestehen müssen, - ein Rätsel, durch dessen Lösung wir uns würdiger dem All-Leben machen, eine Prüfung, durch die wir bewähren lernen all die Liebesbande, die wir begnadet sind, anzuknüpfen mit anderen gleichgestimmten oder durch ihr Karma zu uns getragenen Seelen. Und im Anblicke des Todes empfinden wir erst, welche Gnade es war von der weisen Führung des Weltendaseins, daß wir zusammengeführt worden sind mit dem oder jenem, mit dem uns liebend das Karma zusammengeführt hat. Man möchte sagen, wie rätselvoll stehen die beiden Tode, unter deren Eindruck wir jetzt sind, vor uns. Der eine eingetreten in der Atmosphäre, die heute in so schmerzlicher Weise uns umgibt, umtobt von einem Getöse, das die Menschheit wird erst verstehen müssen, verstehen lernen müssen, um einzusehen, was sich vollzogen hat durch die Heraufführung dieses schmerzlichen Ereignisses. Und immer erneut müssen wir ja fühlen, welch Lebensrätsel vor uns steht, wenn wir sehen, daß heute junge Menschenleben durch die Menschheit selber hinweggefordert werden. So — möchte ich sagen - ist dasjenige, was uns schmerzlich berührend im Hintergrunde des einen Todes steht.

Und wie kontrastiert damit der andere Tod! Frieden umgab den lieben Toten gestern, als ich ihn erst treffen konnte, nachdem er bereits durch die Todespforte gegangen war, Friede, der ausströmt selbst dann von einem Menschen, wenn das Leben in dieser Weise durch das Karma früh abgeschlossen ist, wenn wie in diesem Falle ein warm und ernst strebendes Menschenleben sein Physisches hingibt, wie, ich möchte sagen, in freiwilligem Abschluß desjenigen Erdendaseins, das einem für diesmal das Erdenkarma überreicht hat. Und so ist es schon ein Doppel-Lebensrätsel, vor dem wir stehen. Nicht weil uns Geisteswissenschaft ohnmächtig machte, hineinzuschen, wie in jedem solchen Falle der Tod nur eine Umformung des Lebens ist, wie in jedem solchen Fall der Tod auch nur eine Veränderung unseres Freundschaftsverhältnisses ist, sondern weil auch jene Lösung, die uns ja gewiß in befriedigender Weise Geisteswissenschaft in einem solchen Falle gibt, weil diese Lösung ja erst erlebt sein will.

Unser Freund Ludwig, - dasjenige, was wir sehen konnten durch sein Erdenleben ziehend durch die Reihe der Jahre, in denen er innerhalb unserer Reihen war, konnte wirklich zeigen, wie ein Mensch aus nicht ganz leichten Lebensverhältnissen heraus, aus manchen Lebensprüfungen heraus, durch einen tiefen Grundzug seiner Natur mit dem innersten Nerv unseres geistigen Strebens sich verbunden hat. Ludwig war ein Mensch, welcher durch seine innerste Natur alle seine Gedanken und alle seine Bestrebungen so formte, daß gewissermaßen

der Karmagedanke, der im Sinn des Karmas gefaßte menschliche Schicksalsgedanke immer im Hintergrunde stand. Ohne daß man sagen konnte, Ludwig wäre Fatalist gewesen, war seine Seele doch so, daß sie stets mit einer gewissen Friedfertigkeit hinnahm dasjenige, was ihr das Schicksal brachte, trotzdem diese Fügung in die Schicksalsmächte verbunden war bei ihm mit einem regen Anteil, mit einem tiefen Interesse für dasjenige, was ihm als Leben entgegentrat. Das gerade war ein Grundzug im Charakter dieses jetzt für die physische Welt von uns Gegangenen, daß er in stetiger starker Lebensfassung dasjenige hinnahm, was das Leben brachte, und daß er aber auch mit intensivem Anteil den Freuden, den Erhebungen des Lebens, allen Freuden, allen Erhebungen des Lebens mit Gefühlsverständnis entgegenschen konnte. Es ist mir eben ein «Abendlied », das unser Freund Ludwig gedichtet hat, übergeben worden, das wir im Andenken an ihn uns vor die Seele führen wollen.

Ich steh’ auf des Berges Gipfel,
Ich breite die Arme aus.
Es brennen der Bäume Wipfel,
Die Sonne geht müde nach Haus.
Ihr Scheiden vergoldet die Länder,
Ihr Scheiden vergoldet die Luft.
Der schrägen Strahlen Gebänder
Verglimmt und verglitzert in Duft.
Und rings wird es stille, ach stille,
Doch singen so fern wie nah
Die Wesen und Dinge nur Eines:
Gloria, Gloria!

Und in solchem tiefen Gefühlsverständnis hat unser Freund auch aufgenommen alles dasjenige, was aus dem Bau werden sollte und hat gewissermaßen einzufügen gewußt in sein eigenes Schicksal das Schicksal unserer Bewegung, insoferne es in den Formen unseres Baues verkörpert ist, und er hat treulich eingemeißelt in diesen Formen seinen Fleiß, seine Liebe für unsere Sache. Es strahlte die Nachwirkung dieses Fleißes, die Wirkung dieser Liebe wirklich aus seiner Seele, als er Abschied nahm, um zu wandern nach jenen Stätten, von denen heute so viele hoffnungsvolle Leben nicht wiederum für diese Inkarnation zurückkehren. Wie ein Schatten dieses Eingreifens des Schicksals in seinem diesmaligen Erdenleben lag wohl über den gedämpften Abschiedsworten von damals die Vorempfindung des Bevorstehenden für unseren Freund Ludwig. Diejenigen, welche ihm nahestanden, welche ihn kennen lernen konnten, denen wird sein Andenken teuer und lieb und wert sein. Aber auch all diejenigen, in deren Mitte er hier gearbeitet hat, all diejenigen, in deren Mitte er stand mit seinem geistigen Streben, vereint durch gleichgesinntes geistiges Arbeiten, werden ihre Gedanken treu und liebevoll an ihn richten. Denn verbunden sind wir mit denjenigen, die sich mit uns verbinden, namentlich auch verbinden in treuem Streben innerhalb unseres Geisteslebens, das wir uns erwählt haben aus der Betrachtung des Menschenkarmas heraus.

Und wie sich in den Kreis, der hier treulich arbeitet, unser Freund Ludwig selber hineingestellt hat, das bezeugt das andere Gedicht der zwei, die mir eben überreicht worden sind, und das er gedichtet hat zum Abschied der Kameraden August/September 1914, derjenigen also, die hingezogen sind auf dieselben Gefilde hinaus, auf die er später ziehen mußte, die verlassen mußten, wie er später, die Arbeitsstätte, die ihnen lieb geworden war. So sind die Worte, die er diesen vor ihm in den Krieg Gezogenen im Herzen mitgab:

Vom Friedenshort in die weite Welt,
Die rings vom Krieg entbrannt,
So ziehen die, so hier gesellt,
Dahin, dahin ins Land. Es schlägt die schwere Abschiedsstund’,
Das Scheiden naht heran.
Ein jeder fühlt im Seelengrund:
Treu auf dem Posten stahn! Noch einmal blicken wir zurück
Auf Wald und Fluß und Flur,
Wo wir gesellt im reinsten Glück
m Schoße der Natur
So manche Stunde treu vereint
Gescherzt, gelacht, gedacht, geweint. Es schlingt sich der Erinnerung Band
Um das, was uns bewegt,
Das wie ein Stückchen Märchenland
Ein jeder bei sich hegt. Und wenn die Welt im Schmerz sich krampft,
Und wenn sie auch im Blute dampft
Es wird das große, schwere Ringen
Zuletzt uns doch den Frieden bringen. Der Würfel fällt,
Das Eisen klirrt,
Der Schlachtruf gellt,
Die Kugel schwirtt.
Es wird, was muß, auch jetzt geschehn
In jenen reinen Ätherhöhen,
Wo wir uns einstens wiedersehn.

Und in dieser Gesinnung, die ihm in der Seele war, wollen wir mit diesem lieben Freunde, der nun durch des Todes Pforte gegangen ist, treulich vereint sein.

Aus einem im eminentesten Sinne künstlerischen Leben ist abberufen worden unser lieber Freund de Jaager. Wenn wir auf diesen so rasch eingetretenen T'od hinblicken, so wird uns aber doch vor allen Dingen, insofern wir das - wir dürfen sagen - in wahre Schönheit getauchte Erdenleben de Jaagers vor unserer Seele haben, auch in dieser schmerzerfüllten Stunde ein Gefühl tiefen Friedens überkommen können. Mit jeder Faser seiner Seele war de Jaager ein Künstler, aber ein Künstler, der alle Kunst echt heraus gebar aus einer tief pietätvollen Lebenserfassung und Lebenserfüllung. Man konnte, wenn man den sinnigen, im schönsten Sinne gedanken- und gefühlvollen Schöpfungen de Jaagers gegenüberstand, fühlen, wie diese Seele suchte nach angemessener Verkötperung desjenigen, was sie wie visionär ahnte auf den Gefilden, in die ihr Seelenblick gerichtet war, und auf denen Seelen entgegentreten die Wirkungen, Wellungen und Wogungen der großen Daseinsrätsel, entgegentreten jenen Seelen, die den Drang verspüren, das, was ihnen visionär entgegentritt, in Formen, in künstlerisches Erleben zu ergießen. Und wenn, wie bei de Jaager, das, was die Seele will als Verbindungsglied schaffen zwischen dem Geistigen, das sie erahnt, erschaut, und dem Physischen, in das das physische Auge blickt, auf das das physische Erdenleben sich richtet, dann wird dieses also künstlerisch Geformte von ganz besonderem Zauber durchhaucht, wenn wir es verbunden sehen mit einer so scheuen, schönen und tiefgehenden Ehrfurcht vor dem Leben, vor dem gerade dem Geisteswissenschafter so tief geheimnisvoll erscheinenden Leben, dessen Geheimnisse aber wir gerade mit unserem Erdentum lösen wollen. Eine künstlerische Natur, die pietätvoll allem Leben gegenüberstand, die ehrfurchtsvoll allem Dasein gegenüber war, und deren Lebenspietät und Daseinsehrfurcht sich ausdrückte so schön in allem, was sie schuf, ausdrückte so schön in jedem Gedanken, den sie hegte, in jedem Impuls, von dem sie ihre Kunst durchwärmen wollte. Wir schauten, meine lieben Freunde, in das sinnige, von Gefühls-Gedanken und Gedanken-Gefühlen durchzogene, lebhaft in die Welt blickende Antlitz, und uns wird aus der Seele niemals schwinden können, wie mild-andächtig und doch tief ehrfurchtsvoll dieses Auge hineinschaute in die Rätsel des Daseins. Und uns wird in treulicher Erinnerung bleiben müssen, wie ernst und innig würdig diese Hand stets bereit sein wollte, zu formen, was das sinnende Auge also von den Lebensrätseln und Lebensgeheimnissen schaute und ahnte.

Ach, meine lieben Freunde, wenn wir ein solches Leben, das so früh abgeschlossen vor uns steht, an das man knüpfen möchte so viele, viele Lebenshoffnungen, Hoffnungen für die allgemeine Welt, Hoffnungen für unser eigenes geistiges Streben, wenn man das so vor der Pforte des Todes schweben sieht, dann, dann regt gerade Geisteswissenschaft an, auf das Positive und nicht auf das Negative hinzuschen. Der Karmagedanke, der vom Karma durchleuchtete Schicksalsgedanke, er tritt uns gerade bei einem solchen Leben so bedeutsam entgegen. All dasjenige, was in de Jaagers Kunst lebte, was lebte in seinem künstlerischen Empfinden, es ist wohl, wenn man versucht liebevoll darauf einzugehen, kaum zu trennen von zwei Elementen, die ja vielleicht wie durch Tragik uns in diesem Falle verbunden erscheinen, dutch Lebenstragik, aber die wir doch anschauen wollen mit derselben Ehrfurcht und mit derselben Lebenspietät, mit denen de Jaager das Leben angeschaut hat. Wem sich verbindet die Kraft, die aus einem ganzen Menschenleben, vielleicht aus einem langen Menschenleben und seiner Erfüllung werden kann der menschlichen Seele zwischen Geburt und Tod, wem sich diese Kraft, die aus einem langen Menschenleben fließen kann, vereinigt mit einem intensiveren Werdegang für dieses Dasein, der verbraucht Jugendkraft, um über ein kürzeres Dasein ausgegossene Jugendkraft auszustrecken gleichsam über dasjenige, was sonst ein langes Leben gibt; wenn sich mit anderen Worten die Kraft, die wir gewinnen aus einem vollen Erdenleben, verbindet durch ihren Ernst, durch ihre Vielfältigkeit mit dem, was aus der Wärme, aus dem Idealismus, aus dem Visionären der ersten Lebenshälfte fließen muß, und so verwendet wird dasjenige, was sonst die beiden Lebenshälften durchzieht, dadurch daß die Kraft der einen Lebenshälfte über beide ausgegossen wird - was so in einem Menschen leben kann, das lebte in de Jaagers Leben, der im zweiunddtreißigsten Jahre für diese Inkarnation durch des Todes Pforte gegangen ist. Und das lebt in seiner Kunst. Wir sehen zu ihm hin wie zu einem Menschen, der in die erste Lebenshälfte herübernahm dasjenige, was sonst ein ganzes Leben durchkraftet. Und das sehen wir als das Sinnige, als das besonders Sinnige, als das außerordentlich Gedankendurchdrungene über sein künstlerisches Streben ausgegossen. Und das sahen wir auch leben in der liebevollen, treuen Hingabe, mit der er sein Können einmeißelte in die Formen unseres Baues; verbunden fühlte er Kraft der eigenen Arbeit, Kraft der eigenen Ideale mit unserer Arbeit, mit unseren Idealen. Gerade dutch solch ein Fühlen, durch solch ein Empfinden werden wir den Gedanken recht beleben, der jetzt ersetzen muß von dieser Stunde ab den anderen Gedanken, der uns so lieb war: haben zu dürfen diese Seele in unserem Kreise zur Erfüllung der Hoffnungen, der Sehnsuchten, die wir für unsere Bewegung hegen. Zartheit war gerade durch dasjenige, was ich als das Tragische bezeichnete in diesem Leben, um dieses de Jaagersche Dasein ausgegossen. Und diese Zartheit empfanden wohl diejenigen, die diesem lieben Freunde nahestanden. Und diese Zartheit wird fortleben in den liebevollen treuen Erinnerungen, die wir dem Freunde bewahren wollen. Leben wird seine Arbeit im Geiste mit unserer Arbeit, mit unserem Wirken und Streben vereint. Ungetrennt wollen wir von seinem Wollen sein und oftmals denken, wie uns Ersatz sein muß dasjenige, was er, physisch neben uns stehend und mit uns wirkend, geleistet haben würde, was wir anblicken als herunterfließend aus geistigen Höhen zu uns, so lange wir selbst durch Karma bestimmt sind, auf diesem physischen Plane zu wirken, zu streben, zu schaffen.

Und so wollen wir denn treue Gefährten sein denjenigen, die diesen beiden Toten besonders nahestanden. Unter uns steht ja, meine lieben Freunde, unser liebes Mitglied Frau de Jaager, die hingestellt ist vor die Todespforte desjenigen, mit dem sie hoffen durfte, lange, lange ihr Leben zu gehen hier auf diesem physischen Plan. Vereinigen wir unsere Gedanken, unsere Empfindungen treulich mit den schmerzerfüllten Gedanken und Empfindungen dieses lieben Mitgliedes Frau de Jaager, und durchdringen wir uns in dieser Stunde mit alldem, was uns an treuen, an herzlichen, an liebenden Empfindungen für die beiden durch die Pforte des Todes Gegangenen in der Seele erstehen kann, was uns werden kann bei dem Gedanken, der uns auch durchdringen darf, wie sie empfangen werden sein von denjenigen, die aus unseren Reihen früher hinaufgegangen sind in die geistige Welt. Denken wir im echten geistigen Sinne uns zusammen mit diesen Seelen. Aber lassen wir auch die Kraft dieses Denkens zur Kraft der rechten Liebe werden, die uns verbinden kann mit solch teuern Freunden, die im Leben mit uns verbunden waren, über die Pforte des Todes hinaus, über die hinaus wir gedenken des Verbundenseins in ewigen Zeiträumen, setzen wir fort, was sich angebahnt hat durch dasjenige, was uns hier im Erdenleben zusammengeführt hat. Tragen wir hindurch durch die Todespforte die Liebe, die uns hier verbunden hat mit denjenigen, die wir nicht mehr physisch sehen werden, die wir aber um so lebendiger geistig in unsere Gedanken hereinnehmen wollen, damit unsere Gedanken zu ihnen fließen und uns unaufhörlich mit ihnen verbinden.

German original of Eulogies for Joseph Ludwig and Jacques De Jaager · ← Previous · Next →