Our Dead
GA 261 — 1 July 1921, Dornach
Gedenkworte Für Lina Schleutermann
Bevor ich zu dem Gegenstande unserer Betrachtungen komme, möchte ich mit ein paar Worten darauf hinweisen, daß unser Freund und Mitarbeiter hier am Bau, Herr Schleutermann, in diesen Tagen seine junge Frau vom physischen Plane verloren hat, und ich darf vielleicht gerade davon den Anlaß nehmen, Ihnen zu sagen, wie Frau Dr. Wegman, die der behandelnde Arzt in diesem Falle war, das schöne Erdenende von Frau Schleutermann mitgemacht hat.
Es war allerdings eine lange, zum Teil sehr leidensvolle Krankheit, von der Art, die zuletzt schon durch längere Zeit den Ätherleib loslöste von dem physischen Leibe, was sich in einer besonderen Art von Benommenheit zeigt. In diesem Falle geschieht sehr häufig gegen das Ende, daß bei der noch stärkeren Loslösung des Ätherleibes ein von übersinnlichen Inhalten erfülltes Bewußtsein auftritt, das in allerlei schönen Bildern über die Aufgaben des eigenen und des Erdendaseins spricht. Und von diesem Gesichtspunkte ist der Hinübergang der jungen Frau, die erst vierundzwanzig Jahre alt war, ein außerordentlich erhebender offenbar gewesen.
Ich wollte auf dieses hinweisen, meine lieben Freunde, aus dem Grunde, weil das ein erhebender Gedanke sein kann für die zahlreichen Freunde, die sich auch heute nachmittag bei der Beerdigung eingefunden hatten, und weil dieser Gedanke der Ausgangspunkt sein kann für diejenigen Freunde, die dann Herrn Schleutermann wiederum in ihren Reihen empfangen werden, wenn er nach der einigermaßen eintretenden Linderung seines Schmerzes wiederum hierher arbeitend zurückkommt. Aus diesem Gedanken werden Sie dann stärkend auf ihn wirken können, und er wird vielleicht in den stärkenden Gedanken, die Sie ihm entgegenbringen, einigen Trost finden, wie er wirklich recht viel aufrichtende Kraft finden kann in den schönen, nach dem Übersinnlichen gerichteten Gedanken, die während dieser Erdeninkarnation die letzten seiner verstorbenen Frau waren. Ich möchte Sie bitten, meine lieben Freunde, zum Zeichen dafür, daß wir unserem Freunde in seinem schweren Leid beistehen wollen, sich von Ihren Sitzen zu erheben.