Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 1 January 1913, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
[Übersetzung]
[Köln,] Baselerhof Hotel 1.1.13
Dear Dr. Steiner,
Ich nehme an, daß Sie zu beschäftigt sind, um mir noch eine Unterredung zu gewähren, aber ich möchte Ihnen zwei Fragen stellen, und darum schreibe ich.
Sie sagten gestern, daß ich viel mehr okkult entwickelt bin als ich in dieser Inkarnation zur Geltung bringen kann - ist das die Folge eines Fehlers, den ich begangen habe, oder weil ich eine andere Art von Arbeit zu vollbringen habe?
Schon seit einigen Jahren habe ich das Gefühl, daß es etwas Bestimmtes für mich zu tun gibt, und daß ich irgendwann dem Meister begegnen werde, der mir das sagen wird, und der mir erklären wird, was mir so rätselhaft erscheint. Ich habe lange Zeit gesucht, zuletzt dachte ich, Abdul Baha möchte vielleicht die Person sein, aber als ich ihm begegnete - obwohl ich ihn sehr gut mochte -, wußte ich, daß er es nicht ist. Dann dachte ich, daß möglicherweise Sie es sein könnten, und als ich Sie in Berlin sah, da wußte ich, daß ich den richtigen Meister gefunden hatte; nun bleibt nur das zweite: Gibt es wirklich etwas Bestimmtes für mich zu tun, oder bilde ich mir das bloß ein? Falls ja, dürfte ich jetzt wissen, worum es sich handelt? Mir scheint, daß die Zeit gekommen ist, um zu erfahren, ob meine Ahnung zutrifft, aber ich bin sicher, daß Sie es am besten wissen werden, ob meine Wirrnisse zur Klarheit kommen oder ob ich weiter warten muß.
Ihre aufrichtig ergebene
L. Edith C. Maryon