Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 18 January 1922, Hildesheim

Letter from Edith Maryon

Edith Maryon an Rudolf Steiner

Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel, 18. Jan. 1922

Sehr verehrter lieber Lehrer,

Mrs. Drury-Lavin hat mich heute im Atelier besucht. Sie sagt, sie habe soeben ein Telegramm bekommen mit der Nachricht, daß man Ihnen eine Einladung geschickt hat. Weitere Details gibt es vorläufig nicht. Sie war sehr unsicher, ob sie nach Mannheim fahren sollte, Verschiedenes mit Ihnen und mit Frau Dr. [Marie Steiner] zu besprechen, ist aber schließlich zu der Ansicht gekommen, daß es besser wäre, sofort nach Hause zu fahren und über eine mögliche Zusammensetzung eines Programms mit Mrs. Mackenzie zu sprechen, und dann zu schreiben, oder falls es notwendig erscheinen sollte, wieder hierher zu kommen anfangs Februar. Ob sie das nach weiterem Nachdenken wirklich ausführt, weiß ich vorläufig nicht!

Hier ist viel Aufregung wegen Herrn Stutens Grippeanfall; er liegt in der Klinik, aber ich glaube, es geht ihm nicht schlecht, aber ob er baldigst spielen kann ...?

Wir haben viel Schnee, und wechselweise Föhnwind und mehr Schnee, so daß der Ausblick fast immer der gleiche ist, über eine schneebedeckte Landschaft, und auf das Atelierdach fallen fortwährend die Eiszapfen.

Anwesend war ich nicht - aber ich höre, der Vortrag im Bernoullianum ist gut besucht gewesen, mit guter anschließender Diskussion; es wurden vernünftige Fragen gestellt, und beantwortet.

Ich bin recht dankbar, daß alles gut gegangen ist in München. Frankfurt ist mir auch unangenehm, aber ich hoffe sehr, daß Sie keine Unannehmlichkeiten hatten dort. Ich hoffe zu hören, daß alles gut gegangen ist, und daß Sie weder erkältet sind noch Stimmermüdung haben? Und daß Sie nicht übermüdet sind?

Mir geht es gut, ich denke nur, auf welche Weise ich Geld fabrizieren sollte - aus dem Nichts heraus, um mir ein Billet usw. nach England zu verschaffen! Am liebsten wäre es mir, ein altes Kunstwerk zu verkaufen, und auf diese Weise meine Kosten zu bestreiten; aber das ist nicht so leicht.

Mit besten Grüßen

Edith Maryon

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