Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 7 June 1922, Vienna
Letter to Edith Maryon
Rudolf Steiner an Edith Maryon
Wien, 7. Juni 1922
Meine liebe Edith Maryon!
Vielen Dank für den Brief, der mich sehr gefreut hat. Hier ist bisher alles gut gegangen mit Ausnahme davon - ich habe das schon geschrieben -, daß die Folge von Kolisko’s Vortrag die wissenschaftlichen Kreise ganz weggeblieben sind, besonders die ärztlichen. Das bei diesem Vortrag Geschehene ist nicht übertrieben worden, sondern — diesmal im Gegenteil von den Zeitungen sogar recht milde dargestellt worden. Sonst aber ist der Verlauf bisher ein recht guter.
Bei den Diskussionen kann ich diesmal nicht sein. Die Arbeit ist doch dazu zu groß. Aber mir geht es auch körperlich gut, und ich hoffe, daß dies auch dort der Fall ist.
Ich werde wirklich sehr froh sein, wieder in unserm Atelier zu sein. — Die Serie der ersten fünf Vorträge ist beendet. Heute beginnt die zweite mit «Die Zeit und ihre sozialen Forderungen».
Auch die Eurythmievorstellung ist hier gut aufgenommen worden. - Man richtet viele Fragen an mich bezüglich dessen, ob jemand dies oder jenes tun soll zur Veranstaltung in Oxford. Ich nehme den Standpunkt ein, daß man alles dem dortigen Komitee überlassen soll und nicht etwa hineinpantschen, wie man es zu Weihnacht in Dornach gemacht hat. Nach solcher Richtung treten überhaupt immer Tendenzen auf, die nicht gut sind.
Ich schreibe dies zwischen zwei Vorträgen Blümel und Baravalle und kann deshalb nur noch die
allerbesten Grüße senden
von Rudolf Steiner