Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 7 December 1922, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum,
7. Dez. 1922
Sehr verehrter lieber Lehrer,
ich muß schnell ein paar Zeilen schreiben, weil ich gerade erfahren habe, daß Morgen Feiertag ist. Frl. Kuterova geht jetzt auf die Post, sonst würde ich überhaupt keinen Brief schicken können, der früher als Montag ankommen würde.
Ich sende hiermit eine Antwort von Jeannette Franklin. Viermal habe ich Frau Dr. Wegman zu telephonieren versucht, sie aber nur einmal in Basel erreicht, sie scheint nicht sehr zufrieden darüber, daß jetzt Herr Knauer kommen soll, weil, wie sie sagte, vier Ärzte zu viel sind, Sie wollte mich gestern besuchen, ist aber nicht gekommen. Es wäre mir recht gewesen, sie zu sehen, weil ich noch einmal betonen wollte, daß es sich nur um einen Besuch von einigen Tagen handelt.
Der Brief ist sehr rasch gekommen, am nächsten Tag, 12 Uhr! und hat mich überrascht und mir viel Freude gemacht.
Ich hoffe sehr, daß alles gut geht, mit großer Vorsicht, ohne Erkältung, besonders in Stuttgart und auf der Reise. Ich male viel und ruhe etwas aus und hoffe auf Sonntag. Leinhas hat mir gesagt, es gab einen Zweigvortrag, aber weil schon angesetzt, nutzte es nichts, etwas zu sagen, nur tut es mir leid, nicht eben eine halbe Stunde Zeit zum Ausruhen. In großer Eile mit
allerherzlichsten Grüßen
Edith Maryon
In der Nacht vom 31. Dezember 1922 zum 1. Januar 1923 wurde das Goetheanum durch Brandstiftung vernichtet
«Die Brandnacht, die uns das Goetheanum genommen hat, legte in ihren [Edith Maryons] durch vorangegangene Krankheiten geschwächten Körper den Keim, der zu dem mehr als ein Jahr währen den Leiden sich entwickelte.»
Rudolf Steiner, «Nachrichtenblatt» vom 11. Mai 1924. Briefe aus den Jahren 1923 und 1924