Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 11 May 1923, Hildesheim

Letter from Edith Maryon

Edith Maryon an Rudolf Steiner

Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel, 11. 5. [1923]

Freitag nachmittag

Sehr verehrter lieber Lehrer!

Nur diese paar Zeilen als Gruß bei der Ankunft in Kristiania. Gerade habe ich Angst, ob diese Adresse richtig sei, weil der Name Kristiania fehlt, und überlege, ob ich Kristiania schreiben sollte irgendwo auf dem Kuvert.

Hoffentlich haben Sie eine gute Reise gehabt und [ich hoffe,] daß der Pelzmantel mitgenommen wurde (es ist noch sehr kalt hier, heute mußte ich heizen). Ich hoffe sehr, daß der Husten jetzt ganz kuriert ist?? Mir geht es immer gleich; weil die Sonne scheint, werde ich in dem Atelier sein für eine Stunde. Ich denke in dieser Zeit viel an die Geschichte von Hiob, weil ich eine sehr starke Empfindung habe, daß es uns auch so gehen werde wie ihm — nach so viel Leid wird uns alles wiedergegeben, und noch mehr hinzu, nicht dieselbe Schönheit des Baues, aber doch eine andere Schönheit. Eine zweite Sommerzeit sollte doch für uns kommen. Nicht darüber lachen! — ich glaube schon, die gute Zeit kommt, wir haben es so nötig; und die Welt muß wieder ein Goetheanum haben, so wenig sie es verdient, und so wenig sie es vorläufig versteht.

Ich sende allerherzlichste Gedanken und Bauer trägt den Brief zur Post und sendet Grüße!

allerherzlichste Grüße

Edith Maryon

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