Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 29 September 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel
[vermutlich nach dem 27. September 1923]
Samstag
Sehr verehrter lieber Lehrer,
alles hier dreht sich um die Sprengungen. Heute hatte es einen mächtigen Schuß gegeben, weil man die ganze Mauer von Ost nach Norden gesprengt hat, samt dem Magazin-Boden. Alles ist gut gegangen, der Boden hat sich sanft niedergesenkt - so wie der Deckel eines Kuchens - und hat sich nicht zersplittert in viele Steine, wie man befürchtet hat. Man macht alle Anstrengung, jetzt die andere Hälfte für Montag Abend vorzubereiten, sonst muß man bis Mittwoch warten, weil der Sprengmeister Dienstag auf der Reise ist. Dann wird man mit der Hauptsache wohl fertig sein, sonst gibt es nur Kleinigkeiten wegzuräumen.
Kemper hat sich am ersten Tag den Fuß verstaucht. Gerade nachdem das Signal gegeben war, raste Daffi mit Markus [Aisenpreis] auf den Bau zu, und er [Kemper] mußte springen und sie fortjagen; dabei hat er den Fuß verstaucht und liegt noch zu Bett. Merkwürdig, daß unter den vielen Weibern im de Jaager-Haus keine es sich zur Pflicht machte, die Kinder außer Gefahr zu halten. Nach diesem Erlebnis geht man aber jetzt etwas strenger vor.
Der sehr willkommene Brief ist gerade angekommen. Ich hatte etwas Hoffnung auf Wachsmuth gesetzt und bin froh, daß er das Schlaf-Coupe entdeckt hat; das hat gewiß die Reise wesentlich erleichtert. Es war wirklich diesmal eine böse Konstellation. Ich freue mich sehr, daß der erste öffentliche Vortrag gut verlaufen ist, und ich denke viel an heute abend und sende die besten Gedanken.
Vorgestern haben die Kinder all die Bilder und Zeichnungen von Paul in der Schule aufgehängt und dann gestern eine nette Feier dort für ihn gemacht. Die drei Lehrer haben gesprochen. Nachher kam die Feier in Basel; man sagte mir, daß sie schön gewesen sei.
Jetzt trägt Bauer den Brief zur Post und möchte einen Gruß schicken.
Ich sende gute Wünsche für Sonntag.
Hoffentlich gibt es eine gute, ruhige Rückreise, mit wiederum Schlaf-Coupe, ich hoffe auf Donnerstag und sende.
beste Grüße
Edith Maryon