Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914

GA 264 — 3 July 1906, Berlin

An Michael Bauer in Nürnberg

Berlin W 30, 3. Juli 1906 Motzstrasse 17

Mein lieber Herr Bauer!

Gerne hätte ich Ihnen längst geschrieben. Doch war meine Zeit recht in Anspruch genommen. Erst war ich in Paris, wo ich vier Wochen hindurch einen Vortragszyklus gehalten habe.1 Dann nahmen mich viele Arbeiten in der Heimat in Anspruch. Daß ich zu dem Nürnberger Kongreß nicht komme, wird wohl Ihre Zustimmung haben. Ich glaube nicht, daß man in einer so kurzen Zeit, wie mir zugemessen worden wäre, etwas Ernstes leisten könnte.

Dagegen möchte ich, wenn es Ihnen recht ist, Sie und unsere andern lieben Mitglieder in der Zeit um den 8. August herum besuchen. Das heißt innerhalb der Tage nach dem 8. Vielleicht bekommen Sie dann eine Logensitzung zusammen. Den Tag schreibe ich Ihnen noch. Ich komme nämlich in diesen Tagen wegen einer andern Sache in die Nähe Nürnbergs.2

Der Fall Leadbeater ist schwerwiegend. Ich habe ein Zirkular verfaßt darüber, das in den nächsten Tagen an unsere sämtlichen Mitglieder abgehen wird.3 Man muß in dieser Sache auf die tieferen Untergründe eingehen. Es ist im Okkultismus nun einmal so, daß bei der Methode, die Leadbeater zu der seinigen gemacht hat, der Absturz ungemein leicht möglich ist. Eigentlich ist aber der Fall nur vom okkulten Standpunkte aus richtig zu beurteilen. Ich hoffe, Ihnen mündlich die ganze Sache in den nächsten Tagen auseinanderzusetzen.

[...]4

Herzlichstes Ihrer Frau und allen Mitgliedern, sowie Ihnen selbst

von Ihrem

Dr. Rudolf Steiner

In der E.S.-Arbeit tritt ja zunächst keine Veränderung ein.



  1. Siehe «Kosmogonie», GA 94 ↩

  2. Rudolf Steiner war am 6./7. August 1906 mit Marie von Sivers für eine Parsifal-Aufführung in Bayreuth. Ob der Besuch in Nürnberg erfolgte, ist nicht bekannt. ↩

  3. Siehe den Rundbrief vom Juli 1906 in Teil II «Zur Geschichte der Gliederung der Esoteric School of Theosophy in eine östliche und westliche Schule». ↩

  4. Diese Ausführungen beziehen sich auf die erkenntniskultische Abteilung von Rudolf Steiners Esoterischer Schule; siehe GA 265. ↩

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