Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924

GA 265a — 1 March 1913, The Hague

Das Grosse Schweigen

Aufzeichnungen von Amalie Künstler

Es schwieg der Mensch früher vor Urzeiten. Er konnte nicht sprechen nach außen. Aber im Innern erklang ihm der Ton der Sphärenharmonien. Das Weltenwort ertönte ihm im Innern. Der schaffende Weltenton erklang ihm da. Dann kam das, was in der Bibel geschildert wird als die Versuchungslegende. Seine Organe öffneten sich der Außenwelt. Er begann nach außen zu sprechen. Aber jeder Ton, den er nach außen erschallen ließ, ließ im Innern ersterben das Ertönen des heiligen Weltenwortes.

Kehlkopf und Ohr des Menschen sind entstanden aus diesen Sterbekräften in Bezug auf das Vernehmen des Urwortes - aus Todeskräften sind sie entstanden. Jedes gesprochene Wort, das das große Schweigen durchbricht, ist ein Verlust am heiligen Schöpferwort. Durch die Wesenheit, die in der Versuchungsgeschichte als Luzifer da ist, ist uns die Sprache gegeben und auch die Wirkung der Sprache.

Es hätte das Menschenantlitz anders aussehen sollen nach dem Plan der Elohim. Die Form, die des Menschen Antlitz nach der Versuchung angenommen hat, verdankt der Mensch auch Luzifer. Indem wir durch das Zeichen verbinden Ohr und Kehlkopf, zeichnen wir die Form, die das Menschenantlitz nach dem Plan der Elohim hätte haben sollen.

Der Mensch erhob sich aus seiner horizontalen Lage, in der er einst im ätherischen Weltenwasser schwebend schwamm, zur vertikalen Stellung, und JA KIN erklang, sein erstes Wort. Indem wir es aussprechen, soll es uns in die Kraftwirkung hineinstellen, die wir selbst schaffen sollen, sodass das heilige Schöpferwort wiederum in uns selber erklingen kann. Von unten aus sprechen wir es dann hinauf. Und von oben senkt sich dann hinein in dies im Menschen erklingende Schöpferwort die Kraft des heiligen Weltenwortes.

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