Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a
Über Eine M.D.-Versammlung Im Winter 1921
Brief vom 20. Februar 1952
von Ingeborg Möller Lindholm (Follebü)
an Edwin Froböse (Dornach)
Lieber Freund! Haben Sie herzlichen Dank für Ihren lieben Brief vom 12. Februar! Es ist immer schön, das geistige Band zu fühlen, das uns über Meer und Land, durch Zeit und Raum verbindet. Wir haben ja das Allerwichtigste - das Ewige - gemeinsam!
Die Fragen, die Sie an mich stellen, sind aber schwer zu beantworten, besonders brieflich. In 1923 hat Doktor Steiner eine esoterische Stunde abgehalten, aber kein M.D. (früher FM.). Das tat er aber 1921, als er nach sieben Jahren (der erste Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre haben ihn von uns getrennt) wieder nach Norwegen kam. Damals hat er alle die früheren Mitglieder von M.D. gesammelt, aber ohne Ritual und ohne Bekleidung. In dieser Stunde hat er den alten M.D. feierlich aufgelöst - es wäre dann nicht mehr möglich (aus vielen Gründen), nach den vorigen Richtlinien weiterzuarbeiten. Die geänderte Zeitlage forderte etwas anderes. Aber das Alte wäre nicht tot - es würde in metamorphosierter Form wieder auferstchen, auch hier oben bei uns, hat er gesagt.
Wahrscheinlich meinte er damit [die] zweite und dritte Klasse [der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft], die aber nie auf Erden erschienen sind, weil der Tod ihn vorher wegnahm.
Die Tempellegende wurde damals in 1921, soviel ich mich erinnere, nicht erzählt. Das geschah ja auch nur bei den «Einführungen» in den ersten Grad - nicht später.
Alle Sachen, betreffend M.D. wurden hier in Norwegen beim Kriegsausbruch verbrannt aus Furcht vor [der] Gestapo. Ich kenne niemanden hier, der jetzt die Tempellegende besitzt. Meine alte Freundin in Stockholm, die Klassenleiterin von Schweden, Frau Anna Wager Gunnarsson, hat aber die ganze Tempellegende - ausführlich von Doktor Steiner selbst ihr gegeben, nebst vielen anderen Sachen von M.D. Die dürfen wir aber nie mit der Post schicken. Sie hat mir versprochen, dass ich die Legende abschreiben könne, falls ich einmal nach Stockholm komme, was vorläufig unmöglich ist.
Von der esoterischen Stunde (E.S. genannt und nicht mit M.D. zu verwechseln) in Oslo 1923 habe ich keine Notate - wir durften nicht schreiben.
Mit Frau Doktor [Steiner] habe ich Briefe gewechselt, als ich vor ein paar Jahren die kleine Schrift «Aus der esoterischen Schule (Bd. 1)» ins Norwegische übertrug. Sie hat aber nie etwas über die Atemübungen gesagt - weder mündlich noch schriftlich. Die stehen doch ausführlich in der betreffenden kleinen Schrift! Mehr als was dort steht, habe ich nie erfahren.
Sie werden sicher [enttäuscht sein], lieber Freund, dass ich so wenig mitzuteilen habe - aber so steht eben die Sache.
Doch lege ich bei zwei Mantrams, die Sie vielleicht kennen, die ich aber an keiner anderen Stelle gefunden habe!
Mir und meiner Familie geht es vorläufig gut - mein Sohn Dan arbeitet fleißig an der Steinerschule in Oslo und auch sonst mit Vorträgen und so weiter, wie alle die jüngeren Anthroposophen.
Im Juni werde ich umziehen - nach Lillehammer, wo ich endlich eine kleine Wohnung bekommen habe. Dort wird alles bequemer und vor allen Dingen habe ich dort meine liebe Gruppe. Mit 73 Jahren werden die Busreisen von hier zu anstrengend.
Ihnen und Ihrer Frau die wärmsten Grüße von Ihrer alten Freundin
Ingeborg Möller Lindholm