Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie 1918–1920
GA 277b — 27 July 1919, Mannheim
17. Ansprache zur Eurythmie
Zeitungsbericht zur Eurythmie-Aufführung Mannheim, 27. Juli 1919
[...] Diesem Vortrag am Samstag folgte gestern, Sonntagvormittag, im Musensaal eine Darstellung Eurythmischer Kunst, die von der Hochschule für Geisteswissenschaft «Goetheanum» in Dornach ausgeht und deren Grundlagen ebenfalls Dr. Steiner in einer kurzen Ansprache dartat. Es handelt sich darum, für den Körper den Ausdruck der seelischen Bewegtheit zu finden, der nicht Symbol dieser Bewegtheit, sondern wirklich ihre unmittelbare Übertragung auf den Körper ist, etwa wie im Gedicht nicht nur der Inhalt, sondern schon die Wortfolge selbst, und weiter im Wort nicht nur der Sinn, sondern schon der reine Klang seine seelische Bedeutung hat. Frau Dr. Steiner wusste als begleitende Rezitatorin die Verse diesem Wollen entsprechend vollendet zu gestalten. Dass es sich bei dem, was man im Musensaal sah, nur erst um Anfänge handelt, betonte Dr. Steiner selbst. Nur kann man seine Ansicht, dass es sich um eine selbstständige Kunstform handelt, nicht teilen. Ein vielfältiges Programm mit Dichtungen Steiners, Hebbels, Goethes, mit Grotesken von Morgenstern und so weiter, sowie mit musikalischen Unterlagen von Walter Abendroth, L. van der Pals, M. Schuurman und J. Stuten wurde dargestellt. Manches berührte tief, besonders wenn Natalie Papoff im Vordergrund stand, bezwungen war man niemals. An Technik fehlt es in vieler Beziehung, und es ist einleuchtend, dass sich dann auch das Höhere, Geistige nur wie hinter einem Vorhang zeigen kann. Die blaue Blume, Irrlichter und Das ästhetische Wiesel gehörten zum Besten. Das Publikum zeigte sich nicht gerade begeistert, aber sehr freundlich.