Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie 1923–1925
GA 277d — 19 May 1924, Ulm
Eurythmie-Aufführung
Grave aus der D-Dur-Suite von J. S. Bach
Präludium in es-moll von J.S. Bach
«Als am dritten Tage» von Albert Steffen
«Zum Adam- und Eva-Tag» von Albert Steffen
Allegretto aus der Violinsonate in A-Dur von César Franck
«An den Mistral» von Friedrich Nietzsche
Prälude in H-Dur von Frédéric Chopin
Allegro maggiore in G-Dur KV 301 von W. A. Mozart
«Das Sträußchen» von J. W. von Goethe
Allegro con brio in D-Dur Hob. XV1.37 von Joseph Haydn
Nocturne in Es-Dur op. 9,2 von Frédéric Chopin
«Um Mitternacht» von Eduard Mörike
Intermezzo in As-Dur op. 76,3 von Johannes Brahms
«Die Geister am Mummelsee» von Eduard Mörike
Intermezzo in e-moll op. 116,5 von Johannes Brahms
«Zwei Liebchen» von Eduard Mörike
«Nixe Binsefuß» von Eduard Mörike
Allegro in g-moll aus der «Teufelstriller-Sonate» von Giuseppe Tartini
Telegramm von Rudolf Steiner an Marie Steiner, Dornach, 20. Mai 1924
moechte wissen wie geht sende formen naechsten ort allerherzlichste gruesse = rudolf steiner
Aus einem Brief von Marie Steiner an Rudolf Steiner, Nürnberg, 21. Mai 1924
L. E. nun haben wir Ulm hinter uns. Wie wir hinkamen, gab es viel Militärmusik, Aufmärsche, Fahnen, bekränzte Bogen mit «Willkommen den Grenadieren». Es wurde mir schon angst und bange, doch hat sich die Sache leidlich abgespielt. Das Theater war fast gefüllt, was höchst selten der Fall sein soll. Der Applaus wurde, wenn er zum zweiten oder dritten Mal einsetzte, von einem Zischer bekämpft. Man dankte dann zwei Mal. Ein drittes Hervorrufen mit Wiederholung geschah infolgedessen nur beim kleinen Praeludium von Chopin und der «Nixe Binsefuss»! Das Programm befriedigt mich nicht vollkommen. Ich versuche jetzt, ihm mehr Leichtigkeit zu geben dadurch, dass ich zwischen den zwei letzten Allegri, wo sich Ilse [v. Baravalle] lange umzieht, das «Sträußchen» setzte. De Jaager ist sogar freundlich darauf eingegangen, nachdem sie ihre Nixe eingebüßt hat. Früher machte sie auch beim Sträußchen Faxen. — Das Grave ist nicht sehr vollkommen durch die Schwere von Schuurman, die übrigens geruhte, in der Garderobe zu sagen, dass sie jetzt wieder anfangen würde zu arbeiten: bis jetzt hätte sie der Eigensinn verhindert. Savitsch benimmt sich ordentlich, — macht alle Autotouren mit, hoffentlich bekommen sie ihr. Die sind freilich sehr lang, aber sehr schön. Das Sitzen vorne bekommt mir sehr gut, - der Wind ist schr warm und scheint die Luftröhre zu reinigen. Sonntag hat er mir den kleinen Dornacher Halsschmerz weggeweht. Montag bei der Vorstellung in Ulm fror ich mörderisch und er meldete sich wieder, - ist mir aber wieder weggeweht worden auf der langen Fahrt gestern. Hätte ich nicht unmittelbar darnach um 8 % abends die lange Generalprobe haben müssen, wäre vielleicht auch das Genick ordentlich geblieben; das ist nun heute recht garstig. - Aber Stuten hat Fieber und Halsweh, Mitscher meint sogar, etwas Gelbsucht. Er ist bei Mitgliedern; wenn es schlechter wird, will er ins Krankenhaus. Sollen wir ihn heimschicken, wenn er reisefähig ist - das ist nun die Frage. Heute wird nun ein Herr Schenk lesen. - Die Ulmer Kritik hat uns bis jetzt gut behandelt. - Ich wollte, ich könnte hoffen, dass es Dir nicht schlecht geht. Vielen Dank für die in Aussicht gestellten Formen. Herzlichsten Gruß und alles beste für Paris. Marie
Telegramm von Marie Steiner an Rudolf Steiner, Nürnberg, 22. Mai 1924
Nürnberg vorzüglich verlaufen Stuten schweren Bronchialkatarrh städtisches Krankenhaus zurückgelassen
Aus einem Brief von Rudolf Steiner an Marie Steiner, Dornach, 22. Mai 1924
Meine liebe Maus,
es ist mir herzlich lieb, dass ich Gutes über die Aufführungen in Ulm und Nürnberg habe hören können. Hoffentlich geht es Dir gut, auch weiter und die Strapazen sind nicht allzu gross. Hier wird eben vom Amt herauftelephoniert, dass Du von Stutens Erkrankung depechierst. Das ist mir leid. Hoffentlich stört das nicht zu sehr; es wird ja immer möglich sein, dass, wenn nicht ein Waldorflehrer oder sonst ein redefähiges Mitglied zu den einleitenden Worten berufen werden kann, irgend jemand gefunden werden kann, der die Bemerkungen von mir, die im Goetheanum gedruckt sind, vorliest. [...]
Ich habe nun die Gedichte alle, auch die Schwester Helene, gestaltet. Nur mit zwei Kleinigkeiten, die du mir abgetippt gegeben hast, konnte ich noch nicht fertig werden. Ich hoffe, dass ich auch diese noch zu stande bringe. Ich habe nun alles an Frl. Bauer zum Abzeichnen gegeben und diese beauftragt, Dir nach Eisenach Text und Formen zu senden. Ich hoffe, dass Du sie bald auf der Reise noch bekommst.