Images of Occult Seals and Columns
GA 284 — 5 April 1909, Malsch
Rudolf Steiner Ansprache Zur Grundsteinlegung Des Modellbaues In Malsch
Situationsschilderung von Max Gümbel-Seiling
Wir befanden uns im Wohnzimmer des im Walde allein stehenden Hauses der Familie. Es waren etwa 24 Personen anwesend. Rudolf Steiner trat vor den Tisch, hinter dem wir standen, mit der von ihm verfaßten Urkunde. Erst erklärte er das Zeichen des Makrokosmos, das er mit einfachen Linien darauf gezeichnet hatte. Um den aus zwei sich durchkreuzenden Dreiecken gebildeten Sechsstern schlossen sich zwei Drachen, welche sich gegenseitig in den Schwanz bissen. Oben ein weißer, beflügelter Drache, untenhin ein vertrockneter, dunkler. Rechts standen untereinander die Worte: «Oben alles wie unten», und man las links von unten beginnend nach aufwärts: «Unten alles wie oben». Dann unterzeichneten wir alle die Urkunde, welche Rudolf Steiner zusammenrollte, um sie dann in einer Flasche unter den Grundstein zu legen. Es war spät am Abend, aber Rudolf Steiner wollte noch den Mond abwarten, bevor wir hinter ihm ins Freie traten, einer Waldschlucht zu, in welcher der kleine, nach oben offene Bau lag. «Liebe Schwestern und Brüder», begann Rudolf Steiner. Wir standen dicht zusammengedrängt vor ihm, den kleinen Raum erfüllend. Erst sprach er von den Grundsteinlegungen alter Zeiten, wo ein Priester freiwillig sich in den Grund einmauern ließ, dann von dem Sklaven, den die Römer dazu zwangen, und schließlich von dem heutigen Sinne des Grundsteines. Hierauf vollzog er selbst die Grundsteinlegung.
Ungefähre Wiedergabe der Worte Dr. Rudolf Steiners bei der Grundsteinlegung zum Rosenkreuzertermpel der Loge Malsch «Franz von Assisi». Wiedergabe nach dem Gedächtnis von Hilde Stockmeyer
Unter den Ruinen von gar manchen alten Häusern würde man bei Nachgrabungen ein menschliches Gerippe finden. Das hat folgende Ursache: Man wußte früher, daß ein Bau inneres Leben entfalten müsse. Doch ist damit ursprünglich das geistige Leben gemeint, das jeden Bau durchströmen muß, wenn er Segen bringen soll. Das hat eine dekadente Zeit äußerlich aufgefaßt und den Brauch geschaffen, einen Sklaven unter dem Bau lebendig einzumauern. Was wirklich versenkt werden soll mit dem Grundstein, sind die Gefühle und Gedanken und Segenswünsche derer, die den Bau errichten, und derer, die ihn benutzen wollen.
So wollen auch wir den Grundstein dieses Tempels in den Schoß unserer Mutter Erde hineinsenken, angesichts der Strahlen des Vollmondes, die uns bescheinen, inmitten der grünen Pflanzenwelt, die den Bau umsproßt. Und wie der Mond reflektiert das helle Sonnenlicht, so wollen wir widerspiegeln das Licht der geistig-göttlichen Wesen. Wir wollen uns vertrauensvoll hinwenden an unsere große Mutter Erde, die uns liebend trägt und schützt und wollen ihr anvertrauen die Urkunde des Baues ... [Hier folgte die Beschreibung der Urkunde].
Zugleich mit der Urkunde wollen wir unsere Wünsche, unseren Segen herabsenken, wir alle, die wir hier versammelt sind, und uns oft und oft an diesen Augenblick erinnern und an das, was unsere Seelen und Herzen durchglüht hat. Dann werden unsere Gesinnungen fortwirken, fördernd und schützend den Bau dieses Tempels, den Bestand der Loge Malsch. Herabflehen auf diesen Stein und auf die Loge Malsch wollen wir zugleich den Segen der Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen und den Segen aller hohen und höchsten Wesen, aller geistigen Hierarchien, die mit der Erdenevolution verbunden sind. Wir flehen, daß sie ihre Kraft einströmen lassen in diesen Grundstein und darin fortwirken lassen, damit alles, was über diesem Steine gedacht, gefühlt, gewollt und getan wird, im Einklang mit ihnen und von ihrem Geist durchseelt sei.
Leuchten möge auf diesen Bau
Das Licht der Geister des Ostens;
Die Geister des Westens mögen es zurückstrahlen lassen;
Die Geister des Nordens mögen es verfestigen
Und die Geister des Südens es durchwärmen,
So daß die Geister des Ostens, Westens,
Nordens und Südens den Bau durchströmen.
Unter Schmerzen hat unsere Mutter Erde sich verfestigt. Unsere Mission ist es, sie wieder zu vergeistigen, zu erlösen, indem wir sie dutch die Kraft unserer Hände umarbeiten zu einem geisterfüllten Kunstwerk. Möge dieser Stein zugleich ein erster Grundstein zur Erlösung und Umwandelung unseres Erdenplaneten sein und möge die Kraft dieses Steines sich vertausendfältigen.
Als wir noch im Schoße der Gottheit ruhten, umhegt von göttlichen Kräften, da webte in uns der alles durchdringende und umhüllende Vatergeist. Aber noch waren wir unbewußt, nicht im Besitze der Selbständigkeit. Darum stiegen wir in die Materie herab, um hier das Selbstbewußtsein entfalten zu lernen. Da kam das Böse, da kam der Tod. Aber in der Materie wirkte auch der Christus und half uns, den Tod zu besiegen. Und indem wir also in Christo sterben, leben wir. Wir werden überwinden den Tod und dutch unsere starke Kraft die Materie vergöttlichen, vergeistigen. So wird in uns erwachen die Kraft des heiligenden, des heiligen Geistes.
So erklinge als ein Wahrspruch hier an dieser Stelle das Wort:
Ex Deo nascimur,
In Christo morimur,
Per Spiritum sanctum reviviscimus. Aus Gott bin ich geboren,
In Christo sterbe ich,
Durch den heiligen Geist auferstehe ich.