«Ledige Leute»

Sittenkomödie in drei Akten von Felix Dörmann
Aufführung der Berliner Dramatischen Gesellschaft

Als ich vor acht Jahren mit Felix Dörmann durch die Straßen von Wien wandelte, hatte ich das Gefühl: einen Menschen, der so wie er eine starke Begabung dazu benützt, um der Welt irgend etwas vorzumachen, gibt es kaum, außer diesem berechnenden Sonderling. Der Mann kann, was er will. Und er will niemals natürlich sein. Das Publikum ist ihm, wie man in Wien sagt, höchst Wurst. Findet er gerade ein solches, das abgelebte, überreife Gefühle dargestellt sehen will, so dichtet er abgelebte, überreife Gefühle. Er ist eitel und will bewundert sein. Der sollte Dramen schreiben, dachte ich schon damals. Der «Hervorruf», der kitzelt ihn. Und daß Dörmann auch gute Theaterstücke machen kann, wenn er will, daran zweifelt niemand, der ihn genauer kennt. Er hat nun Stücke geschrieben. Heute hat sogar die Berliner Dramatische Gesellschaft eines aufgeführt. Die Dinge, die Dörmann schildert, sind recht interessant für jemand, der die Sitten in Wiener verkommenen Familien der Gegenwart schildern will. Aber Dörmann hat ein gutes Stück aus diesen Dingen gemacht.

Die Aufführung zeigte, daß die Berliner Dramatische Gesellschaft tüchtige leitende Kräfte hat. Hoffentlich wird sie uns in diesem Winter auch noch dramatische Leistungen bieten, die ein anderes Anrecht darauf haben, von ihr berücksichtigt zu werden, als das, daß ihre Aufführung in den Theatern polizeilich verboten ist.

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