«Tote Zeit»
Drama in drei Aufzügen von Ernst Hardt
Aufführung der Freien Bühne, Berlin
Das dreiaktige Drama von Ernst Hardt, das auf Hofmannsthals «Szene» folgte, ist eine Jugendarbeit mit den schlimmsten Fehlern einer solchen: Abhängigkeit von Vorbildern, Mangel an lebendigem Beobachtungssinn, Ungeschicklichkeit im Aufbau der Handlung. Ibsen, Hauptmann, Maeterlinck und viele andere hört man sprechen aus Hardts Sätzen. Mit vier einsamen Menschen haben wir es zu tun. Estella lebt neben ihrem Manne eine für ihr Seelenleben tote Zeit dahin, weil dieser seinen philosophischen Grübeleien nachgeht und sie verkümmern läßt. Eine andere Frau lebt noch im Hause: sie war einst mit dem Manne verlobt und ist jetzt «gewissermaßen mit beiden verheiratet». Sie erträgt es, in dem Hause zu leben, weil sie sieht, daß die Frau, die ihr den Geliebten genommen, nicht glücklich ist. Sie findet ihr Glück darinnen, beiden Gatten eine Stütze zu sein. Von ihrem starken Willen geleitet, geht das Leben der «Einsamen» dahin. Da kommt plötzlich ein Vierter, der ehemalige Geliebte Estellas. Er hat sie einst dem Nebenbuhler überlassen, weil er glaubte, sie werde mit ihm glücklich sein. Er sieht sich getäuscht und glaubt sich berechtigt, Aufklärung in das Verhältnis der Gatten zu bringen. Der Mann, dem die Schuppen von den Augen fallen, geht ins Wasser.
Ein ernstes künstlerisches Streben gibt sich in dem Stücke kund. Aber man wird an keiner Stelle mitgerissen, die Menschen und die Konflikte sind gleichgültig. Sie sind nicht erlebt; sie sind erlesen. Alles scheint aus zweiter Hand. Ein Dichter hat das Stück geschrieben, der das Leben vorläufig nur aus Büchern kennt.