The History of Art I
GA 292 — 2 January 1917, Dornach
7. Mosaike Miniaturen Italienische, niederländische und deutsche Meister
Weihnachtsmotive aus mehreren Jahrhunderten: Geburt des Christus Jesus - Anbetung der Hirten -— Anbetung der Könige Flucht nach Ägypten
Wir werden Ihnen heute, da Herr Dr. Trapesnikoff die Diapositive bestellt hat, Lichtbilder zeigen, welche nicht unter demselben Gesichtspunkt vorgeführt werden, wie das bei den vorangehenden Vorführungen dieser Art der Fall war, sondern unter einem mehr stofflichen Gesichtspunkt. Wir werden Ihnen nämlich Bilder zeigen, die sich beziehen auf die «Geburt des Christus Jesus», auf die «Anbetung der Hirten», auf die «Anbetung der Könige» und auf die «Flucht nach Ägypten».
Diese Bilder, die mehrere Jahrhunderte Entwickelung umfassen, sollen uns gewissermaßen das von einer anderen Seite vor die Seele führen, was in den «Weihnachtspielen» lebt und was lebte in den Auseinandersetzungen, die ich in den letzten Vorträgen gegeben habe. Ich werde daher heute, da es sich ja nicht in erster Linie um das Künstlerische handeln wird, sondern um das Behandeln eines gewissen Stoffgebietes durch die Kunst, auch weniger von der Entwickelung in künstlerischen Prinzipien sprechen, Sie dafür aber auf einige andere Gesichtspunkte für das Vorzuführende aufmerksam machen.
Den allgemeinen Zug, den Sie für die christliche Kunstentwickelung ja entnehmen konnten aus den angestellten Betrachtungen bei den LichtbildVorführungen in den letzten Wochen, den werden Sie allerdings auch heute bemerken, indem wir vorschreiten werden von künstlerischen Darstellungen der ersten christlichen Jahrhunderte bis in die Renaissancezeit hinein. Sie werden insbesondere bemerken, wie aus der typischen Darstellung der ersten Zeiten, die gewissermaßen, wie ich es charakterisiert habe, unter dem Einflusse der Offenbarung aus der geistigen Welt stehen, die weniger auf die naturalistische Ausprägung der Formen und Farben sehen als auf die Wiedergabe der geistigen Imagination, die aus der geistigen Welt heraus sich offenbart, aus dieser Zeit werden Sie sich herausentwickeln sehen die christliche Kunst auch auf diesem Stoffgebiete zum Naturalismus hin, das heißt zu einer gewissen Wiedergabe dessen, was für den physischen Plan Wirklichkeit genannt werden kann, so daß wir immer menschlicher und menschlicher die heiligen Persönlichkeiten in der Kunst vor uns dargestellt sehen werden.
Was uns aber heute besonders interessieren muß, ist, ich möchte sagen die bildhafte Verkörperung eines Gedankens, der die letzten Vorträge durchsetzt hat. Wir werden zuerst vorgeführt sehen, was sich auf die «Geburt Christi» bezieht. Es ließ sich das nicht ganz genau trennen von dem nächsten Stoffgebiete, von der «Anbetung der Hirten». Also ich kann sagen: Zuerst sehen wir das, was sich auf die Geburt Christi bezieht im Zusammenhang mit der Anbetung der Hirten, und dann werden wir Bilder sehen, bei denen es sich hauptsächlich handeln wird um die «Anbetung der Könige», der Weisen aus dem Morgenlande, der Magier. Ich bitte Sie, das Augenmerk darauf zu lenken, wie diese beiden Strömungen sich entwickelt haben, von denen man ja die eine nennen kann die Strömung des Lukas-Evangeliums, die andere die Strömung des Matthäus-Evangeliums — wir können sie nennen die Strömungen, welche anknüpfen an die beiden Jesusknaben -, wie sich diese beiden Strömungen entwickelt haben. Auch künstlerisch müssen wir ja sehen in alledem, was mehr oder weniger zusammenhängt mit der Anbetung der Hirten, das, was besonders gut verstanden werden konnte, gefühlsmäßig, empfindungsmäßig gut verstanden werden konnte unter dem Einflusse dessen, was zurückgeblieben war von jenen nordländischen Mysterien, als deren Zentrum ich Ihnen Dänemark bezeichnet habe. Mit dieser Strömung hängt alles das zusammen, was auf die Jesus-Geburt sich bezieht, was gewissermafßen mit Jesus herauswächst aus der irdischen Evolution, aus denjenigen Geistigkeiten, die mit dem Naturdasein verbunden sind.
Die gnostische Strömung dagegen finden wir direkt ausgesprochen überall da, wo wir es zu tun haben mit der Anbetung beziehungsweise mit der Mission der Magier aus dem Morgenlande, die unter dem Einfluß des Sternes das heißt ja nichts anderes, als unter dem Einfluß desjenigen, was aus dem Kosmos geoffenbart wird - an den sich verkündenden Christus herankommen, der sich in dem Zarathustra-Jesus offenbaren wird. In all dem, was mit der Anbetung der Könige zusammenhängt, haben wir eben die gnostische Strömung, das heißt, das Bewußtsein vor uns, daß das Christus-Ereignis ein kosmisches ist, daß gewissermaßen eine Befruchtung aus dem Kosmos herein stattgefunden hat.
Unsere Freunde waren so liebenswürdig, hier Ihnen die Könige aufzuzeichnen - das Bild ist aus einem alten Evangelienbuch entnommen -, welche anbetend, das heißt Erkenntnis suchend durch Aufwendung aller Seelenkräfte, des ganzen Seeleninneren, zu dem Stern aufschauen, in dem herankommt der
Geist, der die Erde befreien soll.
678* Miniatur, 14. Jh. «Die drei Könige sehen den Stern». Federzeichnung nach dem «Speculum humanae salvationis»
Man kann sagen, daß diese Strömung, die sich ausdrückt in dem Matthäus-Evangelium, im Grunde genommen mit den weiter verfließenden Jahrhunderten immer weniger und weniger verstanden worden ist; sie lebt zwar auf, wie wir ja wissen, auch in den Weihnachtspielen; allein solches Verständnis kann gerade der Erscheinung der Magier aus dem Morgenlande heute nicht entgegengebracht werden, wie der Erscheinung des Jesus gegenüber den Hirten, der Erscheinung des Jesus gemäß dem Lukas-Evangelium, einfach aus dem Grunde, weil das letztere Verständnis ein Gefühls- und Empfindungsverständnis ist; das Verständnis aber, das entgegengebracht werden muß dem, was mit den Magiern aus dem Morgenlande zusammenhängt, muß schon ein gnostisches Verständnis sein. Und was alles gemeint ist mit dem «Folgen dem Sterne», das wird der Menschheit erst wiederum zum Bewußtsein kommen können, wenn jetzt nicht die Gnosis, sondern die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft eben mehr Bekennerschaft finden wird.
Dann werden wir zuletzt einige Bilder vorführen, welche die «Flucht nach Ägypten» zeigen, die auch zusammenhängt mit dem, was man nennen könnte gnostische Offenbarung über den Christus Jesus. Darüber wollen wir heute nicht viel sprechen; es kann ein anderes Mal darüber gesprochen werden. Es handelt sich ja dabei zunächst darum, wirklich von dem Bewußtsein auszugehen, daß alles dasjenige, was in den Evangelien steht, wirklich so komponiert ist, daß schon auf die Komposition etwas zu geben ist. Die Flucht nach Ägypten, die im Zusammenhange uns erscheint mit der Mission, also getreu dem Evangelium im Zusammenhange mit den Magiern, auf Grundlage dessen gewissermaßen sich vollzieht, was die Magier zuerst unternommen haben - diese Flucht nach Ägypten bezeugt uns ja, daß das Evangelium Rücksicht darauf nimmt, daß ein Zusammenhang besteht zwischen dem, was im Alten Testament über die Ägypter, das Ägyptische überhaupt gesagt ist, und dem jüdischen Volke. Moses war bewandert in der Wissenschaft der Ägypter, das heißt in der eigentümlichen Gnosis der Ägypter. Und nun wird uns im Evangelium erzählt, daß die Magier aus dem Morgenlande durch den Stern, der im Grunde genommen der Christus-Stern ist, kommen bis zu der Geburtsstätte des Christus Jesus; daß dann aber etwas eintreten muß, was gewissermaßen nicht ganz dem Lauf des Sternes entspricht, was auch nicht im Bewußtsein der Magier lebt, das wird ja ausdrücklich angedeutet im Evangelium. Wir haben hier einen derjenigen Fälle, in denen uns gezeigt wird, daß gewissermaßen die Determination, sagen wir, die astrologisch bestimmbare Determination, für gewisse große Ereignisse durchbrochen werden muß. Wie genau die astrologische Determination demjenigen entspricht, was man wissen kann über die historischen Vorgänge, das haben Sie ja gesehen dadurch, daß Ihnen gesprochen worden ist von dem Horoskop, das unsere Freunde gestellt haben für den Punkt im Laufe der Zeit, der für den Todestag des Christus Jesus angegeben wurde. Aber wir sehen zugleich, daß der Jesusknabe, in dem die Zarathustra-Seele lebte, herausgebracht werden mußte aus dem Gebiet dieses Sternes; und er wird nach Ägypten gebracht, aus Ägypten dann wieder zurückgeführt in den Bereich dieses Sternes. Das enthält das ganze Mysterium der abflutenden alten Evolution, welche in der ägyptischen Gnosis atavistisch geworden ist, mit der gewissermaßen die neue Offenbarung noch eine Verbindung eingehen muß, damit sie sich bewußt herauslöst. Das alles liegt diesen Dingen zugrunde, wenn es auch in den Evangelien weniger gesehen wird, aber in der Komposition liegt es darinnen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf aufmerksam machen, daß es von ganz besonderer Wichtigkeit ist, daß man bei den Evangelien auf die Komposition sieht; denn der Text ist ja in vieler Beziehung korrumpiert, kann heute nur noch von denjenigen gelesen werden, die mit Hilfe, ich möchte sagen des okkulten Textes lesen können, so wie er dasteht. Insbesondere gar in den Übersetzungen ist der Evangelientext natürlich nicht zu verstehen. Aber in der Komposition - Sie können das in dem Vortragszyklus, der über das Johannes-Evangelium handelt, der in Kassel gehalten worden ist, sehen - liegt dasjenige, was unmittelbar jedem gleich auffallen kann, wenn er die Evangelien betrachtet.
Eine Bemerkung möchte ich nun noch machen, bevor wir die Bilder zeigen. Für unsere heutige materialistische Zeit ist ja eine Anschauung, ich möchte sagen für das eigentliche Zeitbewußtsein ganz verlorengegangen, welche auf solche Zusammenhänge geht, die zugrunde liegen der Offenbarung der Magier aus dem Morgenlande. Dasjenige, was heute Astrologie genannt wird, ist ja ganz und gar in dilettantische Hände übergegangen, die allen möglichen Unfug damit treiben, und nur wenige meinen es heute ernst, wenn sie von der Beziehung der Erde zum Kosmos insofern sprechen, als diese Beziehung ausgedrückt wird in physischen Verhältnissen, nämlich in der Konstellation der Sterne. Für dasjenige, was sich heute Wissenschaft nennt, als Wissenschaft ausgibt, ist ja Astrologie überhaupt ein alter Aberglaube. So gründlich zugrunde gegangen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, ist das Diesbezügliche eigentlich erst im 18. Jahrhundert; und im 18. Jahrhundert hat man noch gesprochen von etwas, was außerordentlich wichtig ist, wenn man Verständnis haben will für das Tiefe, das der Erscheinung der Magier zugrunde liegt, der drei Magier. Im 18. Jahrhundert wird von denjenigen, die sich noch etwas bewahrt haben aus den alten Initiationsverhältnissen, Einweihungsverhältnissen heraus, gesprochen von der Bedeutung der physischen Sternkonstellationen, aber auch von der Bedeutung unsichtbarer Sternkonstellationen; es wird ja im 18. Jahrhundert bei einigen Wissenden noch ausdrücklich gesagt: Es gibt auch Sterne, die erst der Eingeweihte sehen kann. — Das ist wahr; und das muß insbesondere berücksichtigt werden, wenn man verstehen will, warum den Hirten Imaginationen erscheinen, den Magiern aber Sterne erscheinen. Damit wird darauf hingewiesen, daß den Hirten die Offenbarung dadurch wird, daß sie im alten atavistischen Sinne angeborenes, traumhaftes Schauen haben; für die Magier aus dem Morgenlande wird angedeutet, daß sie durch die Wissenschaft, die noch überliefert worden ist, Kenntnis haben von den Beziehungen des Kosmos zu der Erde und dadurch wissen, was sich herannaht, gewissermaßen berechnen können, was sich herannaht. Daher sehen wir auch - und Sie werden das bemerken können, wenn wir die Evolution der Bilder betrachten werden trotz allen Übergehens zum Naturalismus, ich bitte Sie, das nachher zu beachten, die bildhafte Darstellung für die drei Magier immer weniger entsprechen. Für die drei Magier paßt das Älteste, Typische am allerbesten, denn dasjenige, was gemeint ist, ist Ja aus dem Irdischen herausgehoben. Inniger wird die Jesus-Darstellung, indem sie immer mehr ins Naturalistische übergeht, weil hier das angemessen ist, indem gerade dasjenige, was vom physischen Plane her dem Christus entgegenkommt, also mit dem natürlichen Dasein zusammenhängt, auch durch natürliche Mittel seine beste Darstellung finden kann.
Nun werden wir, nachdem ich diese Bemerkungen gemacht habe, zuerst dasjenige sehen, was mit der Geburt Christi und der Anbetung der Hirten und dann der Könige zusammenhängt.
Hier haben wir eine Mosaikdarstellung aus Palermo.
679 Palermo, Chiesa della Martorana, 12. Jh. Die Geburt Christi.
Sie sehen in diesen älteren Darstellungen eben alles typisch aufgefaßt und im Grunde genommen zurückgehend auf typische Darstellungen, die zum großen Teil vom Morgenlande her in alten Zeiten vorhanden waren für die alten Mythen. Denn auf ganz naturgemäße Weise wächst das Typische der Mythusdarstellung hinein in die Darstellung des Christlichen. Geradeso wie man den Orpheus-Typus, den Typus des Guten Hirten, der auf ältere Mythendarstellungen, Kultdarstellungen zurückgeht, genommen hat, um das neue Ereignis darzustellen, so wurden eben auch andere alte, ich möchte sagen Kompositionsmotive einfach auf das neue Christus-Ereignis übertragen.
Das nächste Bild ist eine Darstellung aus einer sogenannten Armenbibel:
680* Biblia Pauperum, um 1470 Die Geburt Christi
Diese Bibeln, die in früheren Jahrhunderten gemacht worden sind, zeigen gewöhnlich parallele Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament. Was man ins Auge gefaßt hat: daß das Neue Testament die Erfüllung des Alten Testamentes ist, das ist vielfach in diesen Armenbibeln enthalten. Hier auch haben wir, was uns vorzugsweise interessiert, in der Mitte: die Geburt des Christus Jesus.
Nun haben wir aus einem Evangeliar, das sich in Köln befindet:
681 Evangeliar des Klosters Limburg, 11. Jh. Die Geburt Christi
Es ist sehr interessant, wie das im Weltenall damit Verbundene hier ringsherum ist und wie noch ein Bewußtsein sich verrät von den geistigen Zusammenhängen.
Dann haben wir das Motiv aus dem «Hortus deliciarum»,
682 «Hortus deliciarium» der Herrad von Landsberg, 12. Jh. Die Geburt Christi und Die Flucht nach Ägypten
darunter: Die Flucht nach Ägypten, die wir, weil sie mit dem anderen Bild verbunden ist, damit zusammen zeigen. Wir werden diese Flucht nach Ägypten sonst erst später sehen. Oben haben Sie wunderschön naiv die Darstellung der Geburt. Sie werden den Zusammenhang fühlen mit dem, was in den Weihnachtspielen gegeben ist, die ja freilich einer späteren Zeit angehören, aber eigentlich auch auf ältere Weihnachtspiele zurückgehen, die nur nicht erhalten sind.
Und nun werden wir das Motiv nehmen, wie es auftritt bei Niccolö Pisano im 13. Jahrhundert auf einem Kanzelrelief:
683a Niccolö Pisano Die Geburt Christi
Und bei Giotto:
683b Giotto Die Geburt Christi
Sie sehen, wie alles langsam in das Naturalistische, in die naturalistische Darstellung hineinwächst. Das nächste ist nun della Robbia.
683c Giovanni della Robbia Die Geburt Christi
Damit sind wir schon im 15. Jahrhundert.
Und das ist von Meister Francke:
683d Meister Francke Die Anbetung des Kindes
Das Bild befindet sich in Hamburg; ich erinnere mich, daß ich es selber vor nicht allzulanger Zeit dort gesehen habe. Nun die «Weihnacht» von Filippo Lippi:
684 Fra Filippo Lippi Maria, das Kind verehrend
Man sieht also wirklich, wie im Laufe der Zeit der Naturalismus die Darstellung ergreift. - Das nächste Bild ist von Piero della Francesca.
685 Piero della Francesca Die Geburt Christi
Wir schreiten weiter zu Correggio:
686 Correggio Die Geburt Christi
Noch eine andere Correggio-Darstellung:
687” Correggio Maria, das Kind verehrend
Nun begeben wir uns zu den nördlicheren Meistern — die Namen kennen Sie aus den vorhergehenden Besprechungen -, zunächst jetzt zu einer Darstellung der «Weihnacht» von Schongauer:
688a Martin Schongauer Die Geburt Christi
Sehr interessant, hintereinander die italienischen und die nordischen Meister zu sehen: dort die größere Typisierung noch immer, hier die Individualisierung und dieses Schaffen aus dem Seelischen heraus. Man darf schon sagen: bis zu den zarten Füßchen ist hier alles seelisch, wenn auch die Kunstvollendung nicht so bedeutsam ist wie bei den südlichen Meistern.
Nun ein Bild von Herlin, in Nördlingen, aus dem 15. Jahrhundert:
688b Friedrich Herlin Die Geburt Christi
Damit sind wir eben am Ende des 15., hart am Ende des 15. Jahrhunderts und kommen jetzt an die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts, zu Dürer:
688c Albrecht Dürer Die Geburt Christi
Auch an diesem Bilde bemerken Sie, wie alles dasjenige, was ich über die Lichtdarstellung gesagt habe, eben die Kunst ergreift. Es ist immer wieder sehr interessant, dies bei Dürer zu studieren.
Das nächste ist von dem, der Nachfolger Dürers war, von Altdorfer:
688d Albrecht Altdorfer Die Geburt Christi
Und jetzt werden wir eine Reihe von Bildern, die sich vorzugsweise auf die «Anbetung der Hirten» beziehen, bringen. Zunächst ältere Miniaturbilder, die sie für Bibeltexte, Evangelientexte darstellen:
69a Codex Egberti, 10. Jh. Die Geburt Christi und die Verkündigung an die Hirten
Dies stammt aus einer in Trier befindlichen Handschrift [aus der Zeit] um 980.
689 Menologium des Basilius II, 11. Jh. Verkündigung an die Hirten und Geburt Christi
Und nun gehen wir über zu der italienischen Darstellung der «Anbetung der Hirten» und haben zunächst ein Bild von Cimabue.
690b Cimabue (?) Die Anbetung der Hirten
Sie wissen, mit Cimabue stehen wir im 13. Jahrhundert. Wir gehen jetzt weiter in das 15. Jahrhundert zu Ghirlandajo:
692a Domenico Ghirlandajo Die Anbetung der Hirten
Wir haben ja gerade über diesen Meister gesprochen. Ein weiterer Meister aus dem 15. Jahrhundert ist Piero di Cosimo, Florenz.
691 Piero di Cosimo Die Anbetung des Kindes
Wir gehen jetzt herauf in das, was wir als die Niederländische Kunst kennen. Und jetzt bitte ich, sich eine ganze Weile für die Betrachtung dieses Bildes zu nehmen.
692d Hugo van der Goes Portinari-Altar, Mittelteil: Die Anbetung des Kindes
Wir haben auch von diesem Meister Goes schon gesprochen. Ein anderes Bild desselben Meisters:
466 Hugo van der Goes Die Anbetung der Hirten
692b Rembrandt Die Verkündigung an die Hirten
692c Rembrandt Die Anbetung der Hirten
Und jetzt wollen wir zu den Darstellungen übergehen, welche die «An betung der Magier» zeigen.
Da haben wir zunächst ein Relief von einem altchristlichen Sarkophag in
Ravenna: 695a Frühchristliche Plastik, 4. Jh. Die Huldigung der Magier Dann ein Mosaikbild in San Apollinare Nuovo, ebenfalls in Ravenna:
693 Ravenna, S. Apollinare Nuovo, 6. Jh. Die Huldigung der Magier
Also auch die älteren Bilder zeigen eben durchaus die Ereignisse in Zusammenhang mit der spirituellen Welt und durchaus also fern von allem Naturalismus, alles gehoben in eine höhere Sphäre.
694 Menologium des Basilius II., 11. Jh. Die Huldigung der Magier, Miniatur
Jetzt gehen wir wiederum ins 13. Jahrhundert zu Niccolò Pisano:
695b Niccolò Pisano Die Anbetung der Könige
Das ist ein Kanzelrelief.
698a Freiberger Marienkirche Bogenfeld der «Goldenen Pforte»: Die Anbetung der Könige
Das ist also die Freiberger «Goldene Pforte». Damit sind wir in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und schreiten nun weiter zum 15. Jahrhundert:
696 Domenico Veneziano Die Anbetung der Könige
Dies Bild wurde früher dem Pisanello (Vittore Pisano) zugeschrieben.
698b Stefan Lochner Die Anbetung der Heiligen Drei Könige
Das ist also der schon früher besprochene Stefan Lochner. Nun ein Bild von Gentile da Fabriano:
697 Gentile da Fabriano Die Anbetung der Könige
Und jetzt von dem Künstler, der in der Darstellung dieses Ereignisses ebenso liebenswürdig ist wie in seinen anderen — Fra Angelico:
699a Fra Angelico Die Anbetung der Könige
699b Filippino Lippi Die Anbetung der Könige
Sehen Sie bei jedem dieser Motive, wie der Naturalismus fortschreitet. Wenn man sie durch Jahrhunderte verfolgt, gerade wenn man ein Motiv verfolgt, so ist es, von diesem Gesichtspunkt aus, besonders interessant.
699c Sandro Botticelli Die Anbetung der Könige
Nun kommen wir in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, zunächst zu Ghirlandajo,
699d Domenico Ghirlandajo Die Anbetung der Könige
und Ende des 15. Jahrhunderts zu Mantegna:
699e Andrea Mantegna Die Anbetung der Könige
700 Giorgione Die drei Philosophen (Die drei Weisen aus dem Morgenland)
Jetzt kommt Bellin::
701 Gentile Bellini (?) Die Anbetung der Könige
Nun bitte ich Sie, sich zu erinnern an die verschiedenen niederländischen, holländischen Maler, die wir angeführt haben; denn jetzt haben wir dasselbe Motiv bei van der Weyden und Bouts:
702a Rogier van der Weyden Die Anbetung der Könige
702b Dierick Bouts d. J. Die Anbetung der Könige, Mittelteil des Tragaltars «Perle von Brabant»
Über den Charakter dieser Maler haben wir ja in den vorigen Betrachtun gen gesprochen.
703 Breviarium Grimani, 15. Jh. Die Anbetung der Könige
Das nächste Bild ist von einem Maler, der auch in Brügge gemalt hat, wo er 1523 gestorben ist:
704a Gerard David Die Anbetung der Könige
Und nun das gleiche Motiv bei Lionardo,
704b Lionardo da Vinci Die Anbetung der Könige
dann bei Lionardos Schüler Luini:
705 Bernardino Luini Die Anbetung der Könige
Dann gehen wir wieder nach Norden, zu Dürer:
706a Albrecht Dürer Die Anbetung der heiligen drei Könige
Und noch dasselbe Motiv bei Brueghel,
706b Pieter Brueghel d. Ä. Die Anbetung der Könige
und dasselbe Motiv bei Rembrandt:
706c Rembrandt Die Anbetung der Könige
Und nun kommen wir zu dem letzten Motiv eben, das wir in den aufeinanderfolgenden Bildern betrachten; zu der «Flucht nach Ägypten». — Zuerst eine Darstellung aus dem 13. Jahrhundert, die wir schon gesehen haben:
707a «Hortus deliciarum» der Herrad von Landsberg, 12. Jh. Die Flucht nach Ägypten
Dann dasselbe Motiv bei Malern aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und vom Anfang des 16. Jahrhunderts:
707b Joachim Patinir Die Ruhe auf der Flucht
708* Correggio Madonna mit der Schüssel
707c Bernhard Strigel Die Flucht nach Ägypten
Strigel hat auch in Wien gemalt, ist 1528 gestorben.
709a Albrecht Dürer Ruhe auf der Flucht nach Ägypten
707d Albrecht Dürer, Werkstatt? Die Flucht nach Ägypten
709c Hans Baldung Grien Die Ruhe auf der Flucht
Ein Bild von Hans Baldung, Grien genannt, der auch schon in das 16. Jahrhundert herübergeht. Dann kommt Cranach,
709b Lucas Cranach d. Ä. Ruhe auf der Flucht
und zum Schluß dasselbe Motiv bei Rembrandt:
709d Rembrandt Nachtstück - Die Ruhe auf der Flucht
Damit haben wir für heute unsere Bilderserie erschöpft.
Ich bitte Sie, sich nachher vielleicht doch in der Nähe diese hier aufgestellte sehr eindrucksvolle Bilddarstellung der «Drei Könige» anzusehen, die direkt eine Anbetung des Sternes mit dem Hereinkommen der Christus-JesusSeele bedeutet.
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