Die Siebzigste Versammlung Deutscher Naturforscher Und Ärzte

Die siebzigste Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte wird in der Zeit vom 19. bis 24. September in Düsseldorf stattfinden. Die Themen der angekündigten Vorträge sind vielversprechend. Es werden sprechen: Professor Dr. Klein (Göttingen) über: «Universität und technische Hochschule», Professor Dr. Tillmanns (Leipzig) über: «Hundert Jahre Chirurgie», Professor Dr. Martius (Rostock) über: «Krankheitsursachen und Krankheitsanlagen», Professor van t’Hoff (Berlin) über: «Die zunehmende Bedeutung der anorganischen Chemie». Neben anderen Vorträgen hat auch noch Professor Virchow einen Vortrag über ein später zu bestimmendes Thema zugesagt. Außer den schon bestehenden Sektionen soll eine neue für angewandte Mathemarik und Ingenieurwissenschaften sowie eine solche für Geschichte der Medizin errichtet werden. Mit der Versammlung sollen vier Ausstellungen verbunden sein: 1. eine historische, 2. eine solche, welche die Photographie im Dienste der Wissenschaft darstellt, 3. eine solche von naturwissenschaftlichen, medizinisch - chirurgischen, pharmazeutischen und hygienischen Apparaten, Präparaten und so weiter, und 4. eine physikalische und chemische Lehrmittelausstellung. Mit dieser Naturforscherversammlung — heute darf nirgends ein moderner Zug fehlen — wird ein Kongreß alkoholfeindlicher Ärzte verbunden sein. In den Bemerkungen, die in der letzten Nummer* dieser Zeitschrift über die siebzigste Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte enthalten waren, ist des Vortrags gedacht worden, den Professor J. Baumann über den Bildungswert von Gymnasien und Realgymnasien und über die Bedeutung des naturwissenschaftlichen Unterrichts gehalten hat. Eine schöne Ergänzung zu den Ausführungen Baumanns lieferte ein anderer Redner dieser Versammlung: Professor Pietzker (Nordhausen). Er sprach sich darüber aus, wie der naturwissenschaftliche Unterricht nach seiner Meinung eingerichtet werden müsse, wenn er den Erfordernissen des modernen Geisteslebens entsprechen soll. Es ist vor allen Dingen eine Durchdringung des Wissensstoffes mit philosophischem Geiste notwendig. Nicht nur der klare Blick für die augenfälligen Vorgänge, sondern auch das Denken über diese Vorgänge soll gepflegt werden. Es ist erfreulich, daß sich wieder Stimmen vernehmen lassen, die dem Nachdenken zu seinem Rechte verhelfen wollen, nachdem es fast ein halbes Jahrhundert hindurch von seiten der Naturforscher mit dem Bann belegt und dafür die gedankenlose Beobachtung gehätschelt worden ist.

German original of The Seventieth Assembly of German Naturalists and Physicians · ← Previous · Next →