Faculty Meetings with Rudolf Steiner I

GA 300a — 14 June 1920, Stuttgart

Zwölfte Konferenz

Am Vortag hatte Steiner eine Begegnung mit einigen Kollegen der Schule (Herbert Hahn, Paul Baumann, Eugen Kolisko, Karl Stockmeyer und Walter Johannes Stein) zur Frage, wie man die Dreigliederungsbewegung neu gestalten könne. Drei Tage später wurde in Dornach in Abwesenheit Steiners das Schweizer Gegenstück zum deutschen «Kommenden Tag», die «Futurum AG», begründet.

Die Konferenz wurde in zwei Teilen gehalten und ging bis nach Mitternacht.

Themen: Vorbereitung zur Jugendfeier. Wer darf bei den Sonntagshandlungen zugegen sein? Die sinnige Geschichte. Über die verschiedenen Begabungen der Schüler. Der Anfangsmoment der Kinder- und Schülerbetrachtung als eine Aufgabe der Konferenz. Die Temperamente im Zusammenhang mit den unteren Sinnen. Das Wesen des kindlichen Spieles. Über Stottern. Zeugnisse. Anstandsunterricht. Schreiben mit den Füßen, Linkshändigkeit. Abschlussfeier. Grausamkeiten in Märchen. Filmaufnahmen in der Schule.

Bemerkungen: Die Ausführungen zu den Temperamenten im Zusammenhang mit den unteren Sinnen und mit den Tierkreiswirkungen sind in der Waldorfpädagogik ein Feld, das der Erforschung harrt.

Diese Konferenz bot das Novum der «sinnigen Geschichte»: statt zu strafen, sollte man am nächsten Tag das fehlerhafte Verhalten in einem Bilde darstellen, ohne Namensnennung.

Trotz Steiners Aufforderungen, mit «Lausbubereien» originell und nicht strafend umzugehen, waren die Lehrer damit überfordert. Paul Baumann bekam den Auftrag, «Anstandsunterricht» einzuführen. Bedacht muss werden, dass die Schüler vier Jahre Krieg hinter sich hatten. Auch 1920 war die Versorgungslage noch prekär, es gab bedeutende Ernährungsdefizite.

Vorsitz: Johannes Geyer.

HERBERT HAHN: berichtet über den freien Religionsunterricht auf der untersten und der zweiten Stufe. Verse aus den Mysteriendramen und aus dem «Cherubinischen Wandersmann» sind besprochen worden.

RUDOLF STEINER: Es kommt darauf an, dass man nicht die Empfindungsreife der Kinder außer Acht lässt. Können Sie ein konkretes Beispiel sagen?

HERBERT HANN: [Auf der] Oberstufe [habe ich] sprechen lassen: «Lass mich ruhend in dir wirken ...»

RUDOLF STEINER: Haben Sie gefunden, dass die Kinder etwas daraus machen können? Ja, dann kann man es ja weiter versuchen.

HERBERT Hann: Man könnte die Kurse [vielleicht] gliedern.

RUUDOLF STEINER: Ja, das ist gewiss [so]. Ich meine aber auch da, wenn die untere Stufe geteilt wird in zwei und die obere Stufe beibehalten wird, dann geht es in drei Gruppen. [Also 1.-3., 4.-6., 7.-9. Klasse].

HERBERT HANN berichtet über den Vorbereitungsunterricht zur Jugendfeier, für den er drei Stunden verwendete: [Ich habe] eine Stunde verwendet zur Durchnahme dessen, was in der Theosophie steht. Und dann das, was zusammenhängt mit Reinkarnation und Schicksal. In der zweiten Stunde habe ich durchgenommen, was zusammenhängt mit «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Da wurde ausgegangen vom Grundsatz, dass heute allgemein üblich ist das «nil admirari» und dass man dem gegenüberstellen müsse ein «in omnibus omnino quidquid admirari». In der dritten Stunde das Johannes-Evangelium.

RUDOLF STEINER: Ist das nicht eine Überlastung der Schüler? Wie viele sind da?

HERBERT HANN: Sechsundzwanzig.

RUDOLF STEINER: Man wird schwer darüber etwas sagen können, bis man einen richtigen Erfolg hat. Es ist durchaus gut, das einmal zu versuchen. Sollte es nicht gelingen, so wollen wir [sehen], wie es anders zu machen ist.

HERBERT HANN berichtet über den Unterricht in sozialer Erkenntnis: Zwei Wochenstunden [mit der] 6. bis 8. Klasse und einigen von der 5. Klasse, wobei ich bemerken muss, dass die Frage auftauchte, ob man die Schüler dabeibehalten muss. Es zeigt sich aber, dass sie zu stark ins Intellektuelle hereinkommen.

RUDOLF STEINER: Es ist natürlich eine Schwierigkeit, das elfte bis fünfzehnte Jahr, aber das ist ein Unterricht abseits vom Übrigen.

HERBERT HANN: Wir besichtigen auch Fabriken.

RUDOLF STEINER: Wenn man es richtig lebendig, lebensvoll macht, an allerlei Lebensfragen gerade in diesem Alter anknüpft, dann wird es gehen.

HERBERT HANN: Sie kommen häufig nach der Stunde und zwischen den Stunden und fragen.

RUDOLF STEINER: Ich würde versuchen, zu sehen, ob die Kinder nicht zu viel haben, und dann versuchen, möglichst ans konkrete Leben anzuknüpfen.

Ich glaube, dass die Zeit der Kinder zu stark beansprucht ist. Natürlich kommt in einer Ecke die Überlastung heraus. Es wäre gut, nicht acht Stunden zu haben an einem Tage.

Das macht keinen Unterschied in Bezug auf die Ermüdung.

Ich kann nicht einsehen, warum man drei Stunden braucht, um die Jugendfeier vorzubereiten. Warum sollte nicht eine Stunde genügen? Es kommt gerade bei einer solchen Sache nicht auf die Menge an, sondern auf den ganzen Zeitraum, in dem das Ganze gehalten ist. Es wäre vielleicht besser, wenn man diese Dinge, die ganz entschieden eingeschränkt werden können, wenn man die einschränken würde. Man könnte das tun, dass man für diejenigen, die vor der Jugendfeier stehen, ausfallen lässt den Religionsunterricht und ihn verbindet mit der Vorbereitung für die Jugendfeier.

Es wird eine Frage gestellt wegen der Zulassung zur Sonntagshandlung.

RUDOLF STEINER: Es ist tatsächlich eine Schwierigkeit. Das war nicht gedacht, dass jemand anderer kommen sollte als die Eltern. Natürlich, wenn man einmal anfängt, dann ist es schwer, eine Grenze zu ziehen. Wie soll man das machen? Was war der Grund, dass man Nichteltern zugelassen hat? Es liegt kein Grund vor, wenn man [den] Krebs hereinlässt, warum man andere Mitglieder zurückweist. Wo fängt das an, wo hört das auf? Die Tanten kommen ja überhaupt. Es sind schon andere Störungen vorgekommen durch Fremde im Gange des Schulwesens. Ich war am meisten betroffen, als sich die Leute, die die Schule nichts angeht, in die Disziplin hineinmischten. - Ich habe nichts dagegen, wenn die Zulassung zur Handlung streng auf die Eltern beschränkt wird. Geschwister und Tanten auch nicht.

Zwischenruf: Fräulein Bethe kommt auch!

RUDOLF STEINER: Dazu haben wir diese Feier nicht eingerichtet. Es hat keine Grenze.

EMIL MOLT: Ich bin auch der Meinung, dass man radikal vorgehen kann; nur die Eltern oder die, die anerkannt werden können durch die Lehrerschaft als [moralische] Vormünder.

EMIL MOLT fragt noch einmal wegen der Sonntagshandlung, betreffend Helene Röchling.

RuDorF STEINER: Die wird gern wegbleiben; ihr braucht man das nur in entsprechender Weise klarzumachen. Das ist die Schwierigkeit: In dem Augenblick, wo wir jemanden hineingelassen haben, der kein Kind hat, da ist die Grenze schwer zu ziehen. In der Anthroposophischen Gesellschaft, da ist die Stätte, wo Ausnahmen sein müssen. Oder man lässt es so, wie es ist.

EMIL MOLT: Das hat sich eben als unzuträglich ausgestaltet.

RUDOLF STEINER: Diese Ausnahmen sind vielleicht für ein- bis zweimal durchzuführen, aber sie wachsen.

EMIL MOLT: Eine reine Schulangelegenheit soll es ja nicht sein; es ist ja losgelöst von der Schule.

RUDOLF STEINER: Die Sonntagshandlung ist etwas im Rahmen der Schule Liegendes. Eine Einzelheit innerhalb der Schule, geradeso als wenn wir sagen würden, wir richten meinetwegen einen Unterricht für ein bestimmtes kunstgewerbliches Fach ein. Das wäre auch eine Spezialsache, die im Rahmen der Schule darin sein könnte, die nicht eine allgemeine Schulangelegenheit ist. Wir können es nur so halten, sonst kommen eben diese Dinge. Ich wurde gefragt in den letzten Tagen, wie man das machen kann, dass in Heidenheim eine solche Sonntagsfeier für die anthroposophische Jugend eingerichtet wird. Also das ist in der gegenwärtigen Zeit, wo die Angriffe aus allen Ecken herauspfeifen, so unsinnig wie möglich gehandelt. Das sind ja Angriffsmomente, wenn sich Herr Meebold hinstellt und für die anthroposophischen Kinder eine Kultushandlung vollzieht. Er hat sich schon die Erlaubnis geholt, um es sich anschauen zu können. Das würde ich ganz entschieden verleugnen als etwas, womit ich etwas zu tun haben sollte, was außerhalb des Rahmens der Schule als eine Sonntagsfeier [eingerichtet würde]. Es hat nur einen Sinn dadurch, dass in unserer Schule eine Anzahl Kinder einen Religionsunterricht auf anthroposophischer Grundlage hat, und für diese Kinder ist diese Sonntagsfeier. Sodass niemals zugelassen werden könnte - es könnten andere Kinder zugelassen werden -, es kann aber niemals jemand zugelassen werden, der nicht in der Schule ist.

EMIL MOLT: Dann muss es dabei bleiben.

RUDOLF STEINER: Man kann es so lassen, wie es ist; dann sind Ausnahmen da, aber es ist im Grunde genommen nicht einzusehen, wie man jemand anderes abweisen soll, wenn man Frau Röchling sagt, sie darf kommen. Dann müsste auch Leinhas abgewiesen werden, er ist aber im Waldorfschulverein. Das würde ja eventuell eine Art von Rechtstitel sein. Alles das, was zur Schule gehört; das Lehrerkollegium, das sind ja auch nicht Leute, die keine Kinder haben.

KARL STOCKMEYER: Können die Frauen der Lehrer zur Schule gerechnet werden?

RUDOLF Steiner: Die können natürlich nicht zugelassen werden, sonst könnten ja auch die Kinder der Lehrer zugelassen werden. Wenn sie aber keine Kinder haben, so haben sie auch keinen Rechtstitel.

PAUL BAUMANN berichtet über den Anstandsunterricht: Ich habe da versucht, den Kindern eine Diätetik der Seele beizubringen. Ich habe durch Rhythmus und Sprachklang etwas erzeugen wollen. In den unteren Klassen habe ich gesprochen, in den höheren auf Zusammenhänge hingewiesen.

Im Folgenden ist die Textüberlieferung fragmentarisch und daher unverständlich. Es war offenbar alles mögliche Geschwätz durch Schüler in die Schule hineingetragen worden.

RUDOLF STEINER: [...] Nun ist es nicht zu umgehen, dass die Anthroposophenkinder zu Hause etwas aufschnappen. Das ist ungefährlich, wenn die Eltern selbst vernünftig sind. Selbst wenn es tief hineingeht, so ist durch die gesunde Gesinnung der Eltern schon ein Mittel gegen das Überschnappen der Kinder da. Solche Dinge, die wir oft genötigt waren zu bekämpfen, wie die, welche Sie angeführt haben von O. W., die rühren auch davon her, dass die Eltern unsinniges Zeug reden.

Sie werden bemerkt haben, dass der Unterricht seine Früchte trägt. Ich würde nur bemerken, dass namentlich in kritischen Fällen man sehr guten Erfolg mit Erzählungen hat, die einen ganz bestimmten Gang nehmen. Wenn man sicher konstatiert hat, dass ein Kind eine Unart hat, denkt man eine Erzählung aus, in der sich diese Unart durch das, was geschieht, schicksalsmäßig ad absurdum führt. Sogar bei ganz kleinen Kindern ist es schon gelungen, Genäschigkeit und solche Sachen einfach dadurch, dass die Mutter solche Erzählungen gebildet hat, sich selbst ad absurdum führen [zu lassen]. Etwas Ausgedachtes, wozu das Kind, wenn es so etwas verübt - nach dem Muster des Hundes, der mit dem Fleisch im Maul über die Brücke geht -, das ist etwas, was stark wirkt auf das Kind, [das] so etwas verübt [hat], und anhaltend wirkt, namentlich wenn man im konkreten Falle ein bisschen Zeit verfließen lässt zwischen dem Begehen der Handlung und dem Heranbringen der Erzählung. In der Regel erreicht man mehr, wenn das Kind geschlafen hat, und man am nächsten Tage frühestens darauf zurückkommt, und dann verhandelt. Das Beschäftigen unmittelbar nach dem Ertappen, das ist das Schlechteste. Das ist etwas, was sehr theosophisch ist, aber was einfach wahr ist.

[Dann] wäre es sehr gut, wenn durchgeführt werden könnte, dass auch die einzelnen Kinder als solche, sei es gruppenweise [oder] ganz individuell, gewissermaßen ein Gegenstand der Sorge des ganzen Kollegiums werden [könnten], [dass man sich über die ausspricht]. Das scheint mir etwas, was ganz wünschenswert wäre. Das erfordert nur, dass man der Sache etwas Interesse zuwendet.

Ich fragte heute Morgen um den F. K., er ist mir entschwunden. Also nicht wahr, da hat mir der Vater gewisse Klagen vorgebracht. Nun wäre es gut, wenn man das, was bei dem Jungen ist, vergleichen könnte mit dem, was der Vater klagt. Denn der Vater scheint in diesem Falle ein ziemlich unnützer Kläger zu sein, schultheißenhaft sich zu verhalten. Ja, ich werde mit dem Jungen reden. Mir scheint, dass der Vater ein unnützer Kläger ist, der allerlei Dinge, Kleinigkeiten, die der Junge ausfrisst, phantastisch ausgestaltet, sodass der Junge die Sachen macht, die der Vater suggeriert. Das weiß er sicher nicht, was er will. In welchem Zweig ist er?

Antwort: [Im] Völker-Zweig.

RUDOLF STEINER: Das bildet in jeder Schule ein Hauptkapitel, weil das so schwer zu regeln und zu beherrschen ist. Gerade über solche Dinge müsste vollständige Klarheit herrschen in dem größten Teil der Lehrerschaft, [über] die einzelnen Schüler.

Gewisse Dinge sind interessant, wenn man die Statistik etwas gründlich betrachtet. Ich habe alle Klassen gesehen. Mir tritt das stark hervor, dass nur wenige ganz unbegabt sind, genialisch auch nicht, aber [viele] mittlere, nicht schlecht Veranlagte. Ein Beweis dafür ist das, dass die Fortschritte gut sind. Ich will immer unterscheiden zwischen Fortschritten als solchen und dem Inhalt des Fortschritts. Es kann ja sein, dass man manches nicht so vorwärtsgebracht hat; das Tempo ist ein gutes.

In der 4. sind eigentlich im Grunde genommen nur die zwei wenig begabt, dann drei so halb, die nicht zurechtkommen, während die anderen nach ihrem Schreiben wünschenswert begabte Kinder sind. Es mag sein, dass viele Lausbuben sind, aber zum Beispiel diejenigen, die als Lausbuben bezeichnet worden sind, sind so, dass sie begabte Lausbuben sind; das ist etwas, was den Nagel auf den Kopf trifft.

Das hängt mit einer anderen Erscheinung zusammen. Das wirkt, wenn so sich im Allgemeinen die Moral hebt, werden die Dinge sich ausgleichen. Es ist ein Charakteristikum der Waldorfschüler, dass sie furchtbar eifersüchtig sind [auf ihre Lehrer], dass sie nur an den eigenen Lehrern ein gutes Haar lassen, dass gerade die das Richtige machen. Das ist ein tatsächlicher Fall. Nun, nicht wahr, das hat seine guten Seiten und auch seine Schattenseiten. Die Hauptsache dabei ist, dass man nicht allzu viel darauf gibt. /Zu Herrn Baumann]: Sie sind der Einzige, über den ich es nicht gehört habe. «Der hat sich sogar einen Spiegel gekauft, damit er uns sehen kann.» [Das hatten die Kinder gesagt, als sich Baumann im Eurythmiesaal einen Spiegel über das Klavier gehängt hatte.] Man soll sich nicht geschmeichelt fühlen, wenn das zurückstrahlt. Es macht sich auch im Gehaben des Unterrichtes klar. Herr Hahn ist schon kein Mensch mehr, sie betrachten Sie fast als einen Heiligen.

Warum sollen die Kinder nicht lachen? Sie sind mehr im Rahmen der Schule. Wer viel kennt, der weiß, dass die bedeutendsten Menschen Lausbuben waren. Wenn man es im Zusammenhang des Lebens nimmt, hat es einen anderen Aspekt.

Wenn sie ein bisschen weniger schreien könnten, das wäre gut. Die 4. Klasse schreit fürchterlich. Das sind Dinge, die ja auch nicht furchtbar tragisch zu nehmen sind. Wenn man dann eine solche Eigenschaft, die hervorragend ist, den Kindern abgewöhnt hat, bedeutet es [moralisch schr] viel; wenn man es dahin bringt, dass die 4. Klasse nicht so schreit [Mitschrift lückenhaft], [oder] wenn man dem C. B. abgewöhnt, dass er den Tornister vor sich hinauswirft. Diese Dinge [bedeuten], ganz abgesehen davon, ob man das mehr oder weniger artig oder unartig ansieht, wenn man eine solche hervorragende Eigenschaft abgewöhnt hat, das bedeutet für die moralische Haltung außerordentlich viel, wenn sich manche Buben in der 4. Klasse das furchtbare Schreien abgewöhnen würden.

Im Allgemeinen möchte ich sagen, es wird doch eine Frage einer allgemeinen didaktischen Ökonomie sein, wie weit das Chorsprechen gehen soll. Würde man es zu wenig ausbilden, dann leidet die soziale Gesinnung; die bildet sich aus durch das Chor[sprechen]. Wenn man es zu viel macht, dann leidet die Auffassungskraft, weil es eine [starke] suggestive Kraft hat. Die Kinder können Dinge, für die sie sonst keinen Tau haben, wenn sie in der Masse mitsprechen. Geradeso, wie eine Volksmenge auf der Straße mittut. Je jünger sie sind, desto mehr kann das täuschen. Es ist schon gut, dass man sie ganz durcheinander auffordert, dasselbe noch einmal zu machen im Einzelnen, sodass jeder aufzupassen hat, wenn der andere seinen Satz bildet. Wenn Sie eine Erzählung sagen, so behandelt man Sätze, man lässt den einen fortsetzen. Solche Sachen haben eine gewisse Bedeutung, dass ich sagte: «Derjenige, der in der mittleren Bankreihe an der linken Ecke sitzt, der soll fortfahren!» «Der Einzige, der in der Ecke sitzt, soll fortfahren!» Solche Dinge sollte man machen, wo sie aufpassen müssen, [wo man die Kinder dazu bringt, immer mitzutun]. Das zu viele Chorsprechen, das würde die Lässigkeit fördern. In der Musik bestätigt sich das in Bezug auf das Brüllen.

Ist die 4. Klasse nicht auch diejenige - ich mache Sie aufmerksam [auf die] Imponderabilien. Ich rede ganz real: Die Imponderabilien, die bestehen in gewissen Spannungszuständen der ganzen Klasse. [Da ist] einfach zum Beispiel das Zahlenverhältnis der Mädchen zu den Knaben. Ich meine nicht, dass man es als solches einrichten müsste. Man muss das Leben nehmen, wie es ist, aber man muss versuchen, auf solche Dinge doch zu achten. Wenn ich nicht irre, ist [in] der 4. Klasse die größte Bubenzahl im Verhältnis zu den Mädchen. Nun tritt es mir zutage, dass eine gewisse Physiognomie der Klasse ganz wesentlich davon abhängt, wie das Verhältnis der Buben zu den Mädchen ist. Bei Fräulein Lang ist das Verhältnis anders. Auf solche Dinge muss die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Bei Fräulein Lang [sind] wesentlich weniger Buben als Mädchen. Heute waren es ganz sicher mehr als zweimal so viel Buben, heute waren 25 Buben und 11 Mädchen da. Das stimmt, was ich sage, von der 4. Klasse. [In der] 6. Klasse [sind] 12 Buben und 19 Mädchen. Nicht wahr, das ist etwas, worauf man sehr wohl die Aufmerksamkeit richten muss. Interessant war das in der 5. Klasse, wo es gleich ist, wo heute 25:25 waren. [Zu Caroline von Heydebrand:] Es war außerdem die beste Gelegenheit, weil Sie heute einen interessanten Lehrstoff in die Schule gebracht haben. Das ist die richtige Art, so bringt man Anthroposophie hinein. Diese Sachen sind solche, auf die man die Aufmerksamkeit wenden muss.

PAUL BAUMANN: [Ich glaube, bei den Kindern eine Verwandtschaft zu bemerken zwischen Tiefstimme und phlegmatischem Temperament, Mittelstimme und sanguinischem, Oberstimme und cholerischem. Ist das richtig?]

RUDOLF STEINER: Die beiden anderen stimmen vollständig; das mit der oberen Stimme ist recht merkwürdig. Im Ganzen ist es so, dass die unteren Stimmen bei den Phlegmatikern, die mittleren bei den Melancholikern und Sanguinikern sind. Die Sanguiniker sind bei der höchsten Stimme. Das Cholerische verteilt sich über alle drei. Es muss noch irgendein besonderer Grund vorliegen. Würden Sie meinen, dass Tenöre besonders Choleriker sind? Auf der Bühne schon. Das Cholerische verteilt sich überall.

WALTER JOHANNES STEIN: Wie kommt es, dass man über das Temperament eines Kindes so verschiedener Meinung sein kann?

RUDOLF STEINER: Diese Frage wird man nicht mathematisch lösen können. [Davon] ist keine Rede. Das ist bei der Beurteilung von gewissen Grenzfällen möglich, dass der eine diese, der andere jene Ansicht hat. Sie brauchen auch nicht mathematisch gelöst zu werden. Da wird es so liegen, dass derjenige, der das Kind sieht, der es so oder so auffasst, selbst von sich aus die Absicht hat, es so zu behandeln. Schließlich ist die Behandlungsweise etwas, was vom Wechselverhältnis herrührt. Denken Sie ja nicht, dass man darüber diskutieren soll.

Eine weitere Anfrage wegen der Temperamente.

RUDOLF STEINER: Das cholerische Temperament entrüstet sich über alles, was eben seiner Aktivität in die Quere kommt. Wenn es in einem rhythmischen Erleben drinnen ist, ist es entrüstet und ärgerlich, aber auch sonst, wenn es ein anderes Erlebnis ist und es wird gestört, so ist es entrüstet. Das ist, nicht wahr, weil der Rhythmus eben innig verbunden ist mit der ganzen menschlichen Wesenheit. Das ist schon der Fall, dass der Rhythmus mehr als alles andere verbunden ist mit der menschlichen Wesenheit, [und] dass bei dem Choleriker eine starke Rhythmik zugrunde liegt, die gewöhnlich an sich etwas defekt ist. Napoleon wird man als Choleriker ansehen können. Bei ihm lag es so, dass sein innerer Rhythmus in sich gedrungen war. [Bei] Napoleon [liegt das vor], dass er von einer Seite her veranlagt war, größer zu wachsen, als er gewachsen ist. Er ist zusammengeschoppt geblieben. [Sein Ätherleib war größer als sein physischer Leib. Dadurch wurden seine Organe zusammengeschoppt], alles Rhythmische wurde in sich zusammengeschobener und störte sich fortwährend. [Weil] ein solches cholerisches Temperament auf dem fortwährenden Verkürzen des Rhythmus beruht, so lebt es [in] sich darinnen.

Jemand fragt: Kann man davon sprechen, dass in einem solchen Temperament einer von den Sinnen vorherrscht?

RUDOLF STEINER: Sie werden wahrscheinlich bei einem Choleriker in der Regel finden einen abnorm ausgebildeten Gleichgewichtssinn [Waage] und ihn äußerlich nachweisen können in den Kanälen im Ohr bei der Autopsie. Das Erleben des Rhythmus, Gleichgewichtssinn und Bewegungssinn, Wechselwirkung zwischen beiden, rhythmisches Erleben. Mit dem Gleichgewichtssinn und Bewegungssinn wäre bei einem Sanguiniker [Jungfrau] der Bewegungssinn in der Art vorherrschend. [So wie] beim Melancholiker [Löwe] der Leben. vorherrscht, beim Phlegmatiker [Krebs] der Tastsinn, physiologisch, weil die Tastkörper in kleinen Fettpolstern eingebettet sind. Das ist physiologisch nachweisbar.

[Es ist nicht so], als ob die Tastkörperchen den Reiz vermittelten. Dasjenige, was geschieht, ist eine Reflexwirkung, wie wenn man Gummibälle [eindrückt] und sie wieder zurückgehen. Die Wärzchen sind dazu da, um es dem Ich zu vermitteln, um den Reiz im Ätherleib auf das Ich zu übertragen. Das ist bei jedem der Sinne der Fall.

Es wird berichtet über den Eurythmieunterricht.

RUDOLF STEINER: Nun, mit der Eurythmie ist es so, dass die Begeisterung etwas theoretisch wird. Das Eurythmeum steht immer vor Augen. Aber [wir haben] immer zu wenig Räume. Wenn wir mehr Toneurythmie machen, dann wäre es erwünscht, jemanden zu haben, der etwas Klavier spielt. So etwas kann sich als eine Notwendigkeit ergeben. Wir haben jetzt verhältnismäßig wenig Toneurythmie gemacht. In Dornach hat Fräulein Hollenbach eine Kindergruppe für Toneurythmie eingerichtet und außerordentlich gute Erfolge erzielt. Etwas kann bemerkt werden, dass mit Ausnahme der ganz begabten älteren Leute die Kinder leichter Eurythmie lernen und namentlich leichter sich zur Grazie ausbilden, sodass tatsächlich die Eurythmie im Unterricht sich als fruchtbar erweist. Sie hat eine Kindergruppe eingerichtet und gute Erfolge erzielt. Während es bei Großen wirklich schwer geht, weil sie sich nicht daran gewöhnen wollen, richtig aufzuspringen, lernen [es] die Kinder ganz graziös. Die Kinder, die da auftreten, denen gegenüber würde es niemand einfallen, dass er das Spreizen der Beine hässlich findet. Es ist ganz und gar nicht hässlich, aber ich bin überzeugt, dass es auch solchen Leuten wie dem Hieber [dem damaligen Ministerpräsidenten] gar nicht auffallen würde.

Wir dachten auch daran, das ein oder andere von den älteren Mädchen in Aussicht zu nehmen als Lehrerin. Wir haben bei der Toneurythmie, bei den Dingen, die vorgeführt wurden, auf Rhythmus einen starken Wert gelegt.

PAUL BAUMANN berichtet über das Turnen: Einige Schüler drücken sich auch.

RUDOLF STEINER: Nun müsste man konstatieren, ob die Betreffenden sich drücken vom Turnen, oder ob sie sich wegschleichen, um Allotria zu treiben.

PAUL BAUMANN: W. M. ist in der Eurythmie geschickt, draußen ungeschickt.

RUDOLF STEINER: Gerade bei W. M. könnte ich mir denken, dass er sich drückt, um etwas anderes zu handhaben.

BERTA MOLT: Er ist faul.

RUDOLF STEINER: Wenn er solchen Schabernack aufführt, da ist er doch sehr fleißig. Er ist ein sehr artiger Knabe. [Über O. D.:] Ich finde das eine gute Eigenschaft, dass er die Schrift nachmacht. Es ist eine Erfahrung, dass bei der Ehe der Mann die Schrift bekommt wie die Frau oder umgekehrt.

JOHANNES NEUMEISTER berichtet über Gartenarbeit und Handwerk. Über Schwierigkeiten mit einzelnen Kindern; zum Beispiel W. M.: Die Kinder sind unsozial und träge und mögen einander nicht helfen.

RUDOLF STEINER: Sind es viele? Nicht wahr, etwas anderes kann man kaum machen als diejenigen, die so sind, zusammenspannen, dass man ihnen ein bestimmtes Gebiet anweist, dass man sie veranlasst, sich zu schämen, wenn sie nichts fertigkriegen. Etwas, wo die Fertigstellung sichtbar wird, wo sie sich schämen, wenn nur ein Viertel gemacht ist. [Nicht] das Moment des Ehrgeizes! Was ich sagte, rechnet nicht mit dem Ehrgeiz, sondern mit dem Schämen. Vielleicht doch, wenn sie sich zusammenspannen, dann könnte man noch eine Kommission ernennen, die im Beisein der Kinder das anschaut und das Missfallen ausdrückt. Ich glaube doch, wenn Frau Molt ernannt wird, [die Sache anzuschauen], und Herr Hahn, dann wird sich auch W.M. entschließen zu arbeiten, um nicht das Missfallen zu erregen. Ein Ausweg [wäre], dass man die[se] Kinder, die man zusammenspannt, [beim Unterricht] in seine Nähe nimmt. [Aber] das ist schwer durchführbar. Sie müssen dazu getrieben werden, sich zu schämen, wenn sie es nicht fertigkriegen. Ehrgeiz würde ich nicht aufstacheln, aber das Schamgefühl.

RUDOLF TREICHLER fragt, ob nicht eine Buchbinderei eingerichtet werden könnte.

RUDOLF STEINER: Ob es sich mit der Schule vereinigen lässt? Buchbinderei wäre etwas, was in den Fortbildungsschulplan hineinfallen könnte. Das könnte man nehmen, was die Kinder ausführen. Probeweise könnte [es] im Einbinden der Bücher bestehen. Ist jemand unter Ihnen, der einen solchen Fortbildungsschulkurs übernehmen könnte?

HANNAH LANG: Ich habe einen Kurs durchgemacht.

RUDOLF STEINER: Einer oder zwei, denn die Buchbinderei ist etwas, was wirklich kunstgewerblich ausgebildet werden kann. Wir haben keinen rechten Übergang von den alten schönen Bänden, die nach und nach weggefallen sind, zu den ganz philiströsen Bänden. Und das, was nun neuerdings versucht wird, das sind zumeist kunstgewerbliche Koketterien. Da irgendetwas Kunstgewerbliches zu leisten, das ist immerhin reizvoll. Was wird [heute] gemacht an Büchern, die keine Bücher sind! Man müsste wieder die Bücher als Bücher machen. Das würde eben in den Rahmen der Fortbildungsschule, [des Kunstgewerblichen] hineinfallen.

HERTHA KOEGEL: Ich habe auf der Kunstgewerbsschule auch gebuchbindert.

RUDOLF STEINER: An sich ist es eine einfache Arbeit, aber gerade in dieser Beziehung wird man ja etwas machen. Das Technische muss man natürlich gut können. Da würde es etwas zu verbessern geben. Ich meine, wenn es bis zur Goldpressung geht, da gibt es manches zu verbessern. Was gelernt werden muss, das ist verhältnismäßig einfach. Das ist Übung.

HERTHA KOEGEL: Ich weiß nicht, ob ich es noch übernehmen kann.

WALTER JOHANNES STEIN: Es ist furchtbar schwer, zu denken, dass jemand, der Unterricht erteilt, auch noch etwas solches übernehmen kann.

RUDOLF STEINER: Es ist eine Frage, die im Zusammenhang mit dem Fortbildungsschulwesen behandelt werden müsste.

HERTHA KOEGEL: Soll ich deshalb einige Stunden abgeben in meiner Klasse?

RUDOLF STEINER: Dann kommen wir ins Fachlehrersystem hinein. Das muss umgangen werden, solange wir nur irgend können, wenn irgendein Mann da ist, und wenn es richtig angefasst wird, dass es geht.

Ich habe gesehen beim Handarbeitsunterricht, dass viel Geschicklichkeit da ist. Sobald der Waldorfschulverein viele Millionen bringt, können wir viele Zimmer haben und viele Lehrer anstellen. [Wohl auf eine Bemerkung:] Ja, aber mehr Zeit können wir kaum dazu verwenden. Das andere muss erreicht werden durch Teilung der Klassen. Es ist wohl genügend, zwei Stunden in der Woche. Wir müssen die Klasse teilen, und das ist dann bloß eine Stunde.

HELENE ROMMEL: Soll man Mädchen und Knaben [getrennt] nehmen?

RUDOLF STEINER: Das würde ich nicht tun, lieber nicht mit dem Auseinanderschälen anfangen. Aber Sie lassen doch die Knaben auch andere Handarbeit verrichten als Stricken? Das gilt auch für die Mädchen. Ja, aber trotzdem würde ich es nicht tun; Knaben und Mädchen trennen, [das] sollten wir nicht anfangen. Da muss man aus einem anderen Prinzip abhelfen.

JOHANNES GEYER: Soll die [Vor]klasse den Charakter eines Kindergartens haben?

RUDOLF STEINER: Dort sind die Kinder, die noch nicht die Schule begonnen haben. Wir können nicht irgendwelche Lernfächer bringen. Man soll sie so beschäftigen, dass sie [spielen]; nicht wahr, gewisse Spiele müssen da sein. Man kann auch etwas in der Form, in der es nicht zum Lernen gehört, erzählen. Aber auch da nicht die Schulanforderungen stellen, nicht darauf sehen, dass unbedingt alles nacherzählt werden muss. Ein eigentliches Lehrziel scheint mir gar nicht nötig zu sein, sondern man versucht herauszukriegen, womit man die Kinder am besten beschäftigen kann. Man braucht kein Lehrziel.

[Nach einer Frage und der Äußerung Stockmeyers, es handle sich um sechsjährige Kinder] Es wird sich darum handeln, dass man Spiele treibt, etwas erzählt, kleine Rätsel löst. Auch das würde ich nicht pedantisch begrenzen. Ich würde sie behalten, solange die Eltern sie abgenommen haben wollen. Ja, wenn wir könnten, könnten wir sie auch den ganzen Tag haben. Wenn es geht, warum nicht? Eurythmie können Sie auch versuchen, sie dürfen nur nicht verdorben werden. Sie dürfen auch durch sonst nichts verdorben werden. Ich sagte ja, dabei handelt es sich im Wesentlichen darum, dass man die Kinder bemuttert, nicht Fröbelei treibt. Sie wollen ganz gewiss nichts schulmäßig Bestimmtes tun, da kann man das mit ihnen tun, was sie wollen.

Dies ist die Konfiguration [beim Spielen]: Ein Kind, das gewisse Formen des Spielens zeigt, zeigt dieselbe Form [dann] in der Art und Weise, wie sich der Mensch ins Leben findet. Ein Kind, das langsam spielt, wird in den Zwanzigerjahren [langsam sein und] langsam denken in alldem, was im Leben zusammengefasst wird [als] Lebenserfahrung.

Ein Kind, das oberflächlich ist im Spielen, wird auch oberflächlich wollen. Ein Kind, das sagt, ich will mein Spielzeug zerschmeißen, weil ich sehen will, wie es innen ausschaut, das wird ein Philosoph werden. Das ist die Art des Denkens in der Beherrschung des Lebens.

Ja, gewiss, man kann im Spiel sehr vieles tun. Man kann ein Kind, das Neigung hat zum langsamen Spielen, veranlassen, schneller zu spielen. Man gibt ihm eben solche Spiele, wo einige Schnelligkeit notwendig ist. Es wird nach Chorsprechen gefragt.

RUDOLF STEINER: Man kann es schon machen. - Märchen können auch erzählt werden. Es gibt sehr viele Märchen, die man den Sechsjährigen nicht vorsetzen kann. Damit meine ich nicht das, was der Verein für ethische Kultur ausmerzt, sondern weil es kompliziert ist. Die Kleinen würde ich noch nicht nacherzählen lassen. Wenn sie aber selbst etwas erzählen wollen, dann anhören. Das ist etwas, was man abwarten mu:

Es wird nach den Zeugnissen gefragt.

RUDOLF STEINER: Wir sprachen schon einmal darüber. Man müsste schon Einzelnes hervorzuheben versuchen, aber nicht in pedantischer Weise. Man müsste versuchen, vielleicht also doch [am Anfang] nur die Personalien zu haben, und dann für jedes Kind zu individualisieren. Dass man zum Beispiel schreibt: «E. E. liest gut, erzählt anregend», und so, dass man sich selbst den Text bildet. Einen Satz,

der frei gegeben ist und in dem man das unterstreicht, was sonst [als einzelne Fächer] gegeben ist. Vielleicht ist es notwendig, alle Fächer anzuführen, vielleicht nicht. Ich würde das Zeugnis so drucken, dass es nur einen Kopf hat: «Freie Waldorfschule, Jahreszeugnis des Schülers ...» und in der Mitte Platz, dass man schreiben kann.

Jeder wird nach seinem Genius den Schüler charakterisieren. Wenn mehr Lehrer in Betracht kommen, muss jeder einschreiben. Aber es wäre wünschenswert, dass sich die einzelnen Aussagen nicht allzu stark widersprechen; wenn der eine sagt: «Er liest ausgezeichnet», der andere auch etwas sagt, was dem entspricht.

KARL STOCKMEYER macht einen Vorschlag.

RUDOLF STEINER: Ja, gewiss kann es so gemacht werden. Ja ja, gewiss. Nicht wahr, es fängt einer an, den Schüler zu charakterisieren, derjenige, der sein Klassenlehrer ist. Die anderen schließen sich an. Es kann nicht gut der Klassenlehrer schreiben: «Es ist ein ausgezeichneter Junge», und dann schreibt Frau Baumann: «Das ist ein kleines Scheusal.» Das muss man schon verschmelzen.

Es wird gefragt, ob die Religionslehrer der Konfessionen auch Zeugnisse schreiben sollen.

RUDOLF STEINER: Der muss auch seinen Senf dazuschreiben, der Religionslehrer, das muss schon auch ebenso sein. Hier werden sich sen sich darauf einlassen, die Herren disziplinieren müssen. Sie mi sonst können sie nichts schreiben. Klassenbücher können auch eingeführt werden für die Beschwerden gegenüber den Lehrern. Dass einzelne Klassen Zeugnisse geben. Man kann das auch auf Seiten eines zusammengehörigen Heftes schreiben. [In Bezug auf die konfessionellen Religionslehrer gesagt.]

KARL STOCKMEYER: Ist eine Kontrolle nötig, dass die Zeugnisse vorgezeigt werden?

RUDOLF STEINER: Ich würde einfach die Einführung machen, dass [die] Eltern, welche wünschen, dass ihre Kinder [wieder] aufgenommen werden sollen, ihren Namen unter das Zeugnis des vorigen Jahres setzen mögen. Wenn sie nicht mehr kommen, brauchen wir darüber keine Vorschrift zu machen. Wenn sie wiederkommen wollen, sollen die Eltern den Namen daruntersetzen. Es ist ja gegangen ohne Zwischenzeugnis. Ist das verlangt worden von den Eltern, ein Zwischenzeugnis?

Ja, das Kind meldet sich und bringt das Zeugnis, bekommt es am Ende des Jahres wieder, wenn es schon ein Heft ist. Gewiss kann es ein Heft sein, perforiert. Nehmen Sie an, ein Kind ist anfangs schlecht, man muss ihm Tadel hineinschreiben, und es wird dann später besser, dann hat es vielleicht ein Interesse daran, die vorhergehenden Zeugnisse wegzunehmen: [also] perforiert.

Da kann man ja [etwas], was nicht ganz lobend ist, schreiben. Sie können nicht diesen beiden Kindern das Zeugnis ausstellen, dass sie ausgezeichnet schreiben, aber man kann es schon so fassen, indem man, ohne zu zensieren, charakterisiert, wie weit das Kind im Schreiben ist. Bei dieser kleinen G. M., da würde ich schreiben: «Hat es noch nicht weiter gebracht als zum mühsamen Nachschreiben einfacher Worte, wobei das Kind sehr häufig unnötige Striche an die Buchstaben anfügt.» Die Kinder charakterisieren!

Es wird gefragt nach der Möglichkeit des Sitzenbleibens.

RUDOLF STEINER: Dann ist eben das Kind sitzen geblieben. Ich würde [nur] unterscheiden [solche, die mitkommen, und] solche, bei denen man bestimmt: Wenn das Kind wiederkommt, kommt es in die Hilfsklasse. Dieses Sitzenbleibenlassen, das würde ich gar nicht einführen wollen. St. und K.: Es handelt sich bei beiden um Kinder, die bald nach Weihnachten gekommen sind. Nicht wahr, jetzt, nachdem wir die Hilfsklasse eingeführt haben, jetzt haben wir die Möglichkeit, Kinder, die ganz und gar nicht versprechen, mit dem Lehrziel zurechtzukommen, in die Hilfsklasse zu geben, zum Beispiel Schwachsinnige. Für die anderen ist es [nicht gut], dieses Sitzenbleiben einzuführen. Das hätte gemacht werden müssen, als das Kind eintrat. Es wäre doch schön, wenn wir das Prinzip des Sitzenbleibens nicht kultivieren würden. Ich sehe nicht ein, nach welchem Gesichtspunkt es geschehen soll. In Ihrer Klasse sind Kandidaten des Sitzenbleibens außer diesen zweien, die in die Hilfsklasse kommen können, höchstens drei, und die müsste man im Grunde genommen mitschleppen können, indem man sie nicht mordsmäßig lobt, auch nicht tadelt, aber sagt: Es ist das Lehrziel nicht gänzlich erreicht. Wir wären verpflichtet gewesen, das Kind in die richtige Klasse zu versetzen bei der Aufnahme. Jetzt ist es nicht schlau, wenn wir das Kind sitzen lassen. Es wäre wichtig, sich über die M. H. auszusprechen, wie man das später behandeln will. Man müsste sie in die 3. Klasse stecken; wenn es so ausgesprochen ist, dann müsste sie in die Klasse kommen, in die sie kommen kann. Aber im Ganzen sollten wir nicht Kinder das ganze Jahr behalten, namentlich solche, die aus fremden Schulen kommen, und dann sitzen bleiben lassen.

Ich weiß nicht, was Sie meinen. Das bezieht sich nur auf die Auseinandersetzung mit dem Lehrplan der allgemeinen Volksschule.

Nun sind sie aber schon darinnen. Es sind ja nicht so ausgesprochen schlechte Kinder da, die muss man in diesen einzelnen Fällen mitnehmen und später niemals wieder ein Kind hineinnehmen in eine Klasse, die zu hoch ist. Kari. Stock : In welche Klasse soll man Kinder von anderen Schulen einreihen? Soll man sich an das Lebensalter halten oder ausgleichen?

RUDOLF STEINER: Nicht wahr, in der Zukunft, wenn wir die Kinder vom sechsten Jahr bekommen und alle Klassen durchhaben, dann kann ja das nicht vorkommen. Die müssen wir versuchen, in die Klasse zu setzen, für die sie taugen, sowohl dem Lebensalter nach als nach dem, was sie können.

Es wird gefragt, ob ein Kind in die Hilfsklasse abgegeben werden sollte.

RUDOLF STEINER: Ich glaube nicht, dass es möglich ist. Gerade in der 1. Klasse sollten Sie nicht zu weit gehen im Absondern zur Hilfsklasse. Ich habe es ja gesehen, das ist richtig, aber auf der anderen Seite ist ja noch nicht so furchtbar viel verloren, wenn ein Kind in der 1. Klasse noch schlecht schreibt. Nicht wahr, alle Kinder dieser Art werden, wenn man es durchführen könnte, natürlich unendlich viel gewinnen, wenn man solche Übungen mit ihnen macht, wie ich sie dazumal inauguriert habe.

Zwischenruf: Bei anderen Kindern habe ich es gemacht.

RUDOLF STEINER: Wenn man sie so etwas machen lässt, wenn man Sachen aufzeichnet, sie müssen sich schließen. [Rudolf Steiner zeigt eine Übung]: Reich die rechte Hand über den Kopf und ergreife dein linkes Ohr. - [Oder] wenn man solche Sachen [zeichnen] lässt, eine Spirale, die nach innen verläuft, eine Spirale, die rechts verläuft, und eine Spirale, die links verläuft, so gewinnen sie sehr viel. [Solche Übungen, durch die sich die Kinder ins Denken hineinstellen müssen.]

[Dann] das Schreiben, so wie dies -: Es sind einige, die sehr schlecht schreiben, [und] es gibt eine ganze Menge, die erstklassig sind. Die [Kinder] werden nicht viel [davon] haben, wenn Sie sie anhalten, dass sie durch die Verbesserung der Schrift besser schreiben lernen. Finger geschickt machen! Dann lernen sie besser schreiben.

Ich glaube nicht, dass Sie es zuwege bringen, eine schlechte Schrift durch die Bemühungen nach dem besseren Schreiben besser zu machen. Sie müssen Bemühungen machen, dass die Kinder geschickter werden im Zeichnen von Formen. Wenn sie Klavier spielen würden, würden sie besser schreiben lernen. Es ist durchaus ein richtiges Aperçu, dass dieses eigentliche schlechte Schreiben auftritt erst in der Zeit, wo die Spielsachen der Kinder so außerordentlich materialistisch geworden sind. Es ist geradezu empörend, dass ein großer Teil der Spielsachen in Baukästen besteht. Der dürfte überhaupt kein Spielzeug sein, weil er atomistisch ist. Wenn das Kind eine einfache Schmiede hat, so muss das darauf ausgehen, dass das Kind sie handhaben muss. Ich möchte für ein Kind ein Spielzeug haben, das sich bewegt. Das steht in der «Erziehung des Kindes». Diese Spielzeuge [heute] sind furchtbar schlecht, und daher lernen die Kinder nicht mehr Fingergeschicklichkeit und können schlecht schreiben.

Es würde ja genügen, wenn man solche Kinder - man kann es [in der Schule] nicht machen -, die schlecht mit der Hand schreiben, anhalten würde, ganz einfache Formen mit den Füßen zu machen. Das wirkt auf die Hand zurück. Mit den Füßen kleine Kreise zeichnen. Halbkreise, Dreiecke. Dass sie zwischen [eine] Zehe und [die] nächste einen Bleistift kriegen und Kreise machen müssen. Man kann es nicht leicht machen. Das ist sehr interessant. Es eignet sich schwierig an, aber [es ist] sehr interessant zu machen. Im Sande draußen würde ich es [als] ganz gut betrachten, mit [den Zehen mit] einem Stock Figuren in den Sand hinein machen zu lassen, das wirkt auf die Hand ungeheuer stark zurück. Oder ein Kind etwas aufheben lassen mit dem Fuße; ein Taschentuch mit dem Fuß aufheben statt mit der Hand, das wirkt sehr stark. Ich will nicht sagen, dass sie essen müssen mit den Füßen. Aber, nicht wahr, man darf es nicht systematisch machen. Man muss versuchen, nicht direkt auf die Schriftverbesserung zu sehen, sondern sie geschickt zu machen im Zeichnen von Kunstformen. Symmetrie herauskriegen in einer komplizierten Form. [Zu Herrn Baumann:] Taktschlagen, das ist eine gute Sache für die Ausbildung der Verstandesformen und logischen Formen.

LEONIE VON MIRBACH fragt wegen linkshändigen Schreibens.

RUDOLF STEINER: Ja, im Ganzen wird man finden, dass diejenigen Kinder, die spirituelle Anlagen haben, unbehindert schreiben können, [wie sie wollen], links und rechts. Aber Kinder, die materialistisch sind, die werden vom [Schreiben mit beiden Händen] idiotisch. Einen gewissen Grund hat es schon, dass die Rechtshändigkeit auftritt. Es ist so, dass Kinder in diesem materialistischen Zeitalter durch die Linkshändigkeit idiotisch werden, wenn beide [Hände] abwechselnd gebraucht werden. Das ist unter Umständen eine nicht unbedenkliche Sache bei all den Dingen, die Verstand in sich haben; beim Zeichnen gar nicht. Zeichnen kann man sie ganz gut lassen mit beiden Händen.

Es wird gefragt, ob man auch Märchen erzählen kann, in denen blutige Dinge vorkommen.

RUDOLF STEINER: Wenn das Märchen so wäre, dass die Absicht vorliegt, dass das Blut als Blut wirkt, dann wäre es unkünstlerisch. Bei Märchen kann nur entscheiden, dass es ein geschmackvolles Märchen ist. Da kann es nicht schaden, wenn auch Blut darin ist. Ich habe Ihrer Mutter [zu Hertha Koegel] höchstens gesagt: Wenn man es absolut vermeiden will, den Kindern von Blut zu reden im Märchen, so verzärtelt man sie so, dass sie später bei einem Blutstropfen in Ohnmacht fallen. Das ist eine Schädlichkeit fürs Leben. Man soll die Kinder nicht untüchtig machen fürs Leben [dadurch], dass man einen solchen Grundsatz aufstellt.

HANNAH LANG fragt wegen L. G. in der 3. Klasse, die nervös ist und stottert.

RUDOLF STEINER: Abhelfen würde es nur, wenn Sie versuchen würden, [Übungen zu machen], ich weiß nicht, ob unter unseren Übungssätzen solche sind mit K und P; [die müsste man sie machen] und dabei gehen lassen, und dann könnte sie auch diese Sätze sprechen. Wenn sie in der Eurythmie auch K und P machen würde, wäre es auch gut. Aber solche Dinge sind nicht seriös zu nehmen, gewöhnlich verlieren sie sich später.

Wegen der Schülerin E. A. in der 5. Klasse, die stottert.

RUDOLEF STEINER: Ja, haben Sie sie mir damals vorgeführt? Die müsste ich doch sehen. Man muss doch wissen, woran es liegt, ob es ein organischer Fehler ist oder seelisch. Es kann beides sein. Wenn es ein seelischer Fehler ist, kann man bestimmt formulierte Sätze machen, wodurch sie sich trainieren müsste. Wenn es ein organischer Fehler ist, dann müsste man etwas anderes machen. Die müsste ich morgen anschauen.

CAROLINE VON HEYDEBRAND stellt eine Frage wegen A. W., eines Schülers in der 5. Klasse. Er schreibt Titel zu seinem Namen und unterstreicht das «Ich».

RUDOLF STEINER: Das ist ein Verbrechertypus, der [kann] ein Schriftfälscher werden. Ausgesprochene Anlage zum Verbrechertypus. [Es folgt eine unklare Textstelle.] Er kann viel besser schreiben. Ein ausgesprochener Verbrechertypus. Bei ihm müsste man eine Art seelischen Korrektionsunterricht einrichten. Den müsste man zwingen, drei solche - [?] - hintereinander stramm zu machen. Ich will ihn morgen anschauen. Der Vater ist infantil.

Später bekam der betreffende Schüler einen Spruch von Rudolf Steiner.

Es wird gefragt nach einer Schlussfeier.

RUDOLF STEINER: Das würde nur [gut] sein, dass man eine Art Jahresschlussfeier veranstaltet. Ich würde die Jahresschlussfeier so gestalten, wenn ich eventuell da wäre, dass ich reden würde, dass dann Herr Molt redet, dass die Lehrer reden, dass das Ganze eine Symphonie gibt von dem, was man den Schülern gerne sagen würde. Nicht Schülerproduktionen machen, das kann in der letzten Monatsfeier gemacht werden. Da würde man eine Wegleitung haben, die rückblickt auf das Schuljahr und vorblickt auf die Ferien, die

Hoffnung erweckt und vorblickt auf das nächste Schuljahr und so weiter. Das meine ich.

Tilly Rieger hatte die Absicht, einen Film über die erste Waldorfschule und über die Dreigliederung herzustellen.

Jemand bemerkt: Es macht sich ein Widerstand geltend, sollten aber neue Gesichtspunkte aufgetaucht sein, so wären wir dankbar, wenn sie uns mitgeteilt werden könnten.

RUDOLF STEINER: Ich habe keine rechte Vorstellung von dem, was gemacht werden soll in dieser Richtung. Nicht wahr, wenn Frau Rieger irgendetwas fotografieren will, zum Beispiel das Haus verfilmen will, das kann nicht schaden; das ist nichts Schlimmes. Sie wollte aus allen drei Gebieten packende Bilder bringen und hat sich in dieser Beziehung mit Herrn Uehli in Verbindung gesetzt. Nicht wahr, sie selbst kann den Vorschlag machen, was sie haben will. Ich weiß nichts weiter, als dass sie zunächst einen epochemachenden Text schreiben will über die Dreigliederung. Sie selbst sagt, sie hat nicht den geringsten Tau. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - sie redet wie ein Rad, ist sonst eine sympathisch nette Persönlichkeit, ich kenne sie seit vielen Jahren. Sie hat diese Entdeckung gemacht. Wenn sie durch einen internationalen Film beiträgt zum Bekanntwerden der Waldorfschule, so hat man in der Zeit des öffentlichen Auftretens nichts dagegen, da sind wir ja nicht verantwortlich. Wir sind verantwortlich, dass die Waldorfschule ordentlich ist. Wir sind nicht verantwortlich [für das, was sie filmt], geradeso wenig, als wie Sie verantwortlich sind, wenn Sie auf der Straße gehen und jemand nimmt Sie auf.

Wie soll man das machen? Das kann man doch technisch nicht durchführen. Sie kann höchstens doch das Haus fotografieren und zwei Menschen draußen, eine alte Frau und einen jungen Mann, reden lassen: «Das ist eine schöne Schule, eine Zukunftsschule.»

Sie hat eine neue Erfindung gezeigt: Das Wort lässt sie abrollen, sodass man einen Text hat zum Film. Sie hat ein fortlaufendes Abrollen des betreffenden Textes. Sie lässt die Personen auftreten, und dann hat man sonst einzelne Wörter. Sie lässt in irgendeiner kunstvollen Weise außerdem die Wörter abrollen, sodass man sieht, wie das abrollt. Es sieht scheußlich aus. Die Personen sieht man sprechen, die reißen das Maul auf, es steht jemand da, der fuchtelt herum, und reißt es [das Maul] auf, wieder zu, und daneben erscheint: «Sei ein Held!s Sie hat mir in Schussen [Schiessen?] diese Sache gezeigt, da erschien noch — die Geschichte war anders. Jetzt hat sie es wieder anders gezeigt. Denn in Schussen hat sie es so gezeigt, dass die Worte, die durchflimmern, hingeworfen wurden auf eine Wand. «Sei ein Held!» Da wurde es durch Flimmern hingeworfen. Das Wesentliche bei ihr ist, dass sie hinzufügt das Erscheinen des Textes. Da muss man sehen und lesen. Das scheint also eine neue Sache zu sein. Ich finde es komisch, dass sie uns mit einem Morsetelegrafen eine schwarze Rolle ablaufen lässt.

Sie will ein epochemachendes Dreigliederungsdrama schreiben und ist erschienen; sie hat Herrn Uehli bestellt. Ich hatte gedacht, sie wollte es selbst machen. Ich weiß nicht, was das sein soll. Ist das etwas, was - wir können ruhig sagen, wir werden tun, was wir können. Wir können nichts tun. Schließlich, wenn man Eurythmiestunden fotografieren kann, ich habe sogar fotografieren lassen in Dornach, um es zu reproduzieren; ich habe einzelne Momente gewählt, es ist nicht gelungen. Das ist eine technische Frage. Ich glaube nicht, dass viel herauskommt. Ich habe mir vorgestellt, ich habe mir gedacht, warum - es war in der Zeit, wo von München diese Bewegung ausgegangen ist, dass eine große reaktionäre Welle über Deutschland gehen soll, das war in der Zeit, da ist auch diese gekommen mit ihrer Sache. Sie will die Dreigliederung im Film bringen - ich dachte mir: Warum sollte nicht auch eine gute Sache gegenüber den schlechten Sachen verfilmt werden? Das könnte ja sein. Wenn sie es wirklich machen will, sie muss ja das erst schaffen, sie muss eine alte Frau und ein Kind auf den Kanonenweg stellen und einen Dialog machen; das kann ja geschehen. Wir können gar nichts weiter tun als höchstens versuchen, wenn sie etwas ganz besonders Blödsinniges macht, es nicht geschehen zu lassen. Darauf haben wir keinen Einfluss, wenn sie ein Stück erfindet, wo zwei Leute sprechen über die Waldorfschule. In die Klassen braucht man sie ja nicht hineinzulassen. Sie hat keinen blassen Dunst, sie weiß gar nichts. Sie kann nicht mehr beanspruchen, als, wenn einmal eine öffentliche [Kinder-Eurythmievorstellung: ist, dann kann sie es: fotografieren lassen. Dassie- für Eurythmie Reklame macht, so ist das ihr Beitrag zu den Arbeiten, die die Mitglieder machen. Es ist ziemlich blödsinnig, wenn sie die Klassen verfilmen will; sie kann jede beliebige Schule verfilmen, es wird nicht besonders anders ausschauen. Sie könnte zum Beispiel das furchtbare Geschrei in der 4. Klasse grammofonisch aufnehmen, das erscheint dann auf der Orgel.

Ich habe nichts herausgekriegt, was sie will; ihr Prinzip ist nicht ganz uninteressant, das man allgemein abfällig kritisiert hat. Nun ist sie einmal da, sie redet wie ein Rad. Begonnen hat die Sache damit, dass sie vor drei Jahren in Berlin aufgetreten ist. Sie ist berufen worden, auf der Front Vorträge zu halten. Sie will für die anthroposophische Sache etwas tun. Da hat man Gelegenheit, in der breitesten Masse zu wirken. Sie hat keine Idee von dem, was Anthroposophie ist, aber sie will etwas. Sie hat Olaf Åsteson mit Musik gemacht.

Ich habe kein Recht, wenn irgendwo etwas getan werden kann zum Bekanntwerden der Dreigliederung und der Schule, von vorneherein aus irgendeiner falschen Bescheidenheit dieses zu unterbinden. Es wäre schön, wenn man alles, was geschmacklos ist, unterbinden könnte. Aus einer falschen Vornehmheit heraus würde ich mir nicht getrauen, einen Weg zu verhindern. Ich habe mir gedacht, dass sie eher an die Dreigliederung denkt als an die Intimität der Waldorfschule. Wir haben alles Interesse daran, die Schule so vollkommen als möglich zu machen, aber wenn sie jemand verfilmt, haben wir kein Interesse daran, so etwas zu inkriminieren. Das ist doch keine Reklame von dem, was man da sieht. Ich kann sagen, wenn sie sich hingestellt hätte und den Vortrag verfilmt hätte, was könnte ich da machen? Es war nur eine Rolle, die wurde abgewickelt, und dann ist die Rolle zerrissen. Ich glaube, so viel Papier gibt es gar nicht, sie hat eine Schrift, davon geht nur ein halbes Wort auf eine Seite.

Eine Frage wegen der Reisen nach Dornach zum ersten anthroposophischen Hochschulkurs am Goetheanum [26. September bis 16. Oktober 1920].

RUDOLF STEINER: Sehen Sie, die Dinge sind nicht so leicht. Wir wollen doch im Herbst diesen Kurs machen, wo die Verschiedenen vortragen sollen. Es sind auch Stein und Stockmeyer eingeladen. Da wäre es natürlich wünschenswert, wenn viele hinkommen könnten. Nun ist ja das Hinkommen in Dornach ebenso schwer als in Stuttgart. Man wird nicht leicht eingeladen. Die Valutageschichte. Nun ist es möglich, dass wir, wenn die Währungsfrage gelöst werden kann, immerhin eine Anzahl von Leuten unterbringen können. Das strebe ich an, dass jeder, der von der Entente kommt, zwei andere mit zu unterhalten hat, die aus den Mittelländern kommen. Aber nun, es wird nicht familiär [?] zu sein brauchen. Man könnte es so machen, sich schon machen. wie man es beim Ärztekurs gemacht hat, das lä: Aber man darf nicht vergessen, reiche Leute haben wir auch nicht in Dornach und in Basel.

Jemand bemerkt: Es gibt auch Passschwierigkeiten.

RUDOLF STEINER: Im Allgemeinen, wenn die Leute zu ihrer Erholung nach der Schweiz kommen wollen, [dann geht es]. Sie müssen nur nicht zu einem anderen Zweck nach der Schweiz gehen wollen; man muss nicht in die Schweiz gehen wollen, um etwas dort zu verdienen. Wie wir behandelt werden, das ist ganz horribel. Sie geben jetzt Aufenthaltsbewilligungen, dass man Steuersätze bezahlt. Unter dem geben sie es nicht. Wir kriegen es jetzt schon schlimm. Das sind die schweren Sorgen, die man hat [mit] dem Dornacher Bau. Eigentlich, wenn nicht eine andere Stimmung eintritt durch den Bau, wird es so, dass er gar nicht von Auswärtigen besucht werden kann, nicht wahr.

Über das Reproduzierender Malereien in der Kuppel des Goetheanums.

RUDOLF STEINER: Dieses, was da [in der Kuppel] aus den Farben heraus gemalt ist, das muss aus den Farben heraus gemalt verstanden werden. Versucht man, das durch Fotografie zu reproduzieren, so könnte höchstens etwas dabei herauskommen, wenn man es ebenso groß macht, als es da auf der Kuppel ist. Es handelt sich nicht darum, irgendetwas bloß zu reproduzieren. Je weniger entsprechend die Bilder sind [denen] von der Kuppel, desto besser ist es. Das [Schwarz-Weiß] weist dann nur darauf hin; das schreit nach der Farbe. Dieses unkünstlerische Reproduzieren, da würde ich mich nie damit einverstanden erklären. Das ist alles Surrogat. Ich möchte keine Farbenfotografie aus der Kuppelmalerei haben. [Die Reproduktion] soll nicht für sich [etwas] sein. Ich möchte dies so haben, dass dasjenige, worauf es nicht ankommt, gegeben wird.

Es ist geradeso mit den Glasfenstern. Wenn Sie versuchen würden, durch Reproduktion etwas zu erreichen, würde ich mich dagegen auflehnen. Diese Dinge muss man nicht versuchen, möglichst treu wiederzugeben. Es ist doch auch nicht wünschenswert, dass man ein musikalisches Stück durch irgendeine täuschend nachahmende phonographische Platte wiedergibt. Ich will, ich möchte das nicht. Einen modernen technischen Menschen möchte ich nicht haben. So wie diese Bilder [in der Reproduktion] erscheinen, so geben sie [nie] das wieder; es ist nur das Novellistische daran, gerade das, worauf es nicht ankommt. Man hat das Gefühl, da muss diese oder jene Farbe sein. Mir kommt das geradeso vor - Sie finden das in dem Büchelchen «Die Erziehung des Kindes» —, man soll nicht dem Kinde schön gemachte Puppen geben, sondern [solche] aus einem Taschentuch.

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