Faculty Meetings with Rudolf Steiner II
GA 300c — 12 July 1923, Stuttgart
Siebenundfünfzigste Konferenz
Schon am 10. Juli reiste Rudolf Steiner wieder nach Stuttgart, Er besprach sich mit den Priestern der Christengemeinschaft, hielt einen Mitgliedervortrag und besuchte mit drei Kollegen das württembergische Kultusministerium, um sich über die Abitur-Anforderungen zu informieren. Am Mittag war dann Konferenz.
Am nächsten Tag war er im Klinisch-Therapeutischen Institut und besprach sich wieder bis tief in die Nacht mit dem Dreißigerkreis. Am Morgen des l5. Juli reiste er nach Dornach zurück.
Themen: Die «Prachtkerle» der 9. Klasse und wie man mit ihnen umgehen soll. Die Anforderungen für das Abitur. Lehrplanangaben für das zwölfte Schuljahr: Geologie und Zoologie (Einteilung unter Vorbehalt). In der Stimmung nicht zu religiös wirken und keine Anthroposophie in den Unterrichtsinhalt hineintragen. Ein inneres Grundgesetz der Pädagogik.
Bemerkungen: Wie schon beim Besuch beim Verwaltungsrat deutlich wurde, hatte sich Steiner die Jungen der 9, Klasse angesehen und war eigentlich von ihrem Verhalten angetan. Er musste den Lehrern wieder vorhalten, dass sie diese Schüler nicht richtig verstanden hauen und ihnen nicht entgegengetreten waren. Die Erfahrungen waren bitter, sowohl für Steiner als auch für die Lehrer.
Bedeutend ist der Hinweis auf ein «inneres Grundgesetz der Pädagogik-sowieeine neue Anregung, wie man individuell wirkt und zugleich in der Klassengemeinschaft wirksam ist.
Vorsitz: Rudolf Steiner.
RUDOLF STEINER: Als Erstes möchte ich zurückkommen auf die Angelegenheit der 9b; obwohl ich schon kurz [darüber] gesprochen habe, möchte ich noch einmal zurückkommen, weil die Sache doch eine prinzipielle Bedeutung hat. Zunächst möchte ich bemerken, dass es durchaus so verlaufen ist, die Besprechung mit den Knaben, dass ich nun heute sehr gerne hören würde, was das im Benehmen der jungen Burschen für eine Konsequenz gehabt hat. Aber gezeigt hat diese Unterredung doch, dass eben vorhanden ist bei diesen Knaben dasjenige, was zu erwarten ist für dieses Lebensalter, ein sehr starkes Entwickeln intellektueller Kräfte. Diese intellektuellen Kräfte kommen mit der Geschlechtsreife zum Vorschein. Bei Knaben gerade in der Weise, dass vielfach im Unterbewusstsein eine gewisse Sehnsucht besteht, die Verstandeskraft an irgendetwas zu üben. Nun ist es natürlich, dass die Jungen durch sich selbst nur darauf kommen können, diese Verstandeskraft an rüpelhaften Sachen zu üben. Sollen sie das nicht tun, so müssen sie auf andere Dinge hingelenkt werden. Bei diesen fünf Jungen, am wenigsten bei G. B. ist ein Quell von Intelligenz in übersprudelnder Weise wirklich vorhanden, und das will heraus.
Nun muss das in diesem Alter in der Weise, wie ich es in einigen Vorträgen angedeutet habe, in die ganze pädagogisch-didaktische Tätigkeit hin übergeleitet werden. Die jungen müssen dazu kommen, Interesse zu fassen an etwas, an dem sie ihren Intellekt verbrauchen können. Sonst bleibt er unverbraucht und lebt sich in solchen Dingen aus, wie er sich ausgelebt hat. Es ist vor allen Dingen darauf zu sehen, dass man die Jungen mit etwas beschäftigt im Verlaufe des Unterrichts, woran sie ihren Verstand geradezu so üben können, dass dieser Verstand in Spannung kommt und dann Lösungen erlebt. Das kann man in jeden Vortrag einflechten. Man kann die Fragen so stellen, dass sie zu Spannungen führen, und Lösungen erleben lassen. Das bloße Zuhören ist gerade in diesem Lebensalter etwas, was in nicht günstiger Weise auf sie wirkt. Es ist ganz zweifellos, dass zuweilen zu stark in der 9b-Klasse auf das bloße Zuhören gerechnet worden ist. Sobald die Jungen beschäftigt sind, sind sie ordentlich. Wenn sie bloß zuhören sollen, so erlahmt, weil ihr Verstand stagniert, ihre innere Kraft.
Wohltuend konnte [einem] auffallen, dass sie nicht aus Frechheit, sondern aus richtiger menschlicher Haltung heraus nichts geleugnet haben. Noch mehr konnte auffallen, dass sie nichts beschönigt haben, dass sie überzeugt waren davon, dass sie Nichtsnutzigkeiten begangen haben, dass es unerhört ist, dass man so etwas nicht tut. Sie zeigten eine würdige menschliche Haltung, indem sie zum Beispiel sogar das lieferten, dass der R. W., der sich in selbstverständlicher Weise zum Sprecher gemacht hat, gleich seine Rede damit einleitete, dass er sagte, er hätte kein Recht, über die Sache zu sprechen, denn er sei derjenige, der am allerunanständigsten gewesen wäre. Aber da es so komme, wolle er sprechen. Er sprach sehr vernünftig. Es sind eigentlich doch prächtige Jungens, auch der M. Und in Bezug auf Selbsterkenntnis könnte mancher Erwachsene von ihnen etwas lernen. Sie beschönigten nichts. Sie waren davon überzeugt, dass es ein großes Unrecht war, dass sie die Klosetts beschrieben. Da ist etwas, was sie aufstachelt. Alle anderen Klosetts sind angeschmiert, und da war eins noch leer, und da sehen sie nicht ein, warum das nicht auch verziert sein sollte. Wenn dieser Gedanke einer latenten Intelligenz kommt, dann drängt diese latente Intelligenz das hervor, dass sie leere Flächen beschmiert wie die anderen. Darm ist einmal eine gewisse Stimmung, die nicht einmal eine nichtsnutzige Stimmung zu nennen ist, die ist dadurch eingerissen. Es stolpert ihre Zunge, wenn sie den Namen «Stockmeyer» sagen.
Sie haben gesagt, unter den anderen Erlässen steht «E. A. K. Stockmeyer» [für die Schulverwaltung]. Nun haben sie da etwas aufgeschrieben und haben gefunden, da muss auch «Stockmeyer» stehen, weil unter allen anderen Dingen E. A. K. Stockmeyer» steht. Aus all diesem sieht man: Es ist sehr stilvoll. In den Jungen Lebt das wie eine Art Besessenheit. Sie haben Katzenjammer darüber. Das alles sind Stimmungen, auf die man eingehen muss. Dazu braucht man Humor, sonst kriegen einen die Jungen unter.
Nun, nicht wahr, ist die Sache so: Die Jungen suchen die eigentliche Ursache in der Äußerung von Frau Dr. Schwebsch in der 9a-Klasse, dass die 9b-Klasse eine nichtsnutzige ist. Da sagten sie: Wenn Frau Dr. Schwebsch hereinkommt in unsere Klasse, wo sie das noch gar nicht wissen konnte, dann soll sie auch wissen, wie das ist. — Das ist sehr intelligent. Sie sind von einem gewissen Wahrheitsgefühl erfüllt. Unintelligent sind die Jungen nicht. Und wenn man die Intelligenz auf die richtigen Bahnen leitet, ist es ganz zweifellos, dass man recht viel erreichen kann. Sie sind eigentlich Prachtkerle. Ich muss doch immer sagen, wer zu stark den Stab bricht darüber, von dem meine ich, er müsste etwas vergessen haben aus seiner Jugendzeit von fünfzehn Jahren. Es gibt verschiedene Nuancen, aber einige, wenn die Erinnerung wach bleibt, werden doch da sein. Der einzige Unterschied ist der, dass vor einiger Zeit diese Dinge mehr geheim getrieben worden sind, dass die jetzt an die Oberfläche getragen werden.
Mir kommt es auf das Prinzipielle an, dass kein Segen zu erwarten ist, wenn es nicht gelingt, die Intelligenz dieser jungen zu verwenden in der Führung des Unterrichts selbst. Die Sache muss so gehandhabt werden, dass das selbst in der Führung des Unterrichts verwendet wird. Sonst bleibt die Intelligenz unbeschäftigt, und die Jungen können nicht ihre Intelligenz einspannen in dasjenige, wo sie hinein soll, [und treiben Unfug].
Ich habe den R. M. gefragt, wie er dazu gekommen ist, in dem Aufsatz diese Gespräche zwischen Raffael und Grünewald in das Hotel Marquardt zu verlegen. Er sagte, er hätte weder über Raffael noch über Grünewald etwas gewusst. So hätte er es geschrieben. Da hat der R. W. gesagt: Du hast schon nachher [auch] einiges Ordentliches geschrieben.
Ich habe gesagt, sie sollen mir ein Beispiel sagen von dem, was sie angeschrieben haben. Da sagten sie, das könnten sie vor einem anständigen Menschen nicht sagen. Sie sind auch schamhaft, halten etwas auf guten Ton.
Nun möchte ich gerne hören, was sich seither zugetragen hat. Sie haben mir versprochen, sie wollen sich gegen die Lehrer als anständige junge Männer und gegen die Damen chevaleresk benehmen.
FELICIA SCHWEKCH berichtet über die seitherige Haltung der Klasse.
RUDOLF STEINER: Bei welcher Gelegenheit johlen sie denn?
FELICIA SCHWEBSCH: Sie johlen schon, wenn ich hereinkomme.
RUDOLF STEINER: Wir können den Kindern, nicht [wahr], Rätsel aufgeben. Das habe ich mit den Dornacher Anthroposophen versucht. Man muss die Intelligenz im Unterricht verwenden. In dieser Beziehung ist manches notwendig, uni den Unterricht wirklich gerade
in diesem Lebensalter auf das Denken der Kinder hin zu dirigieren und dann anzuhalten darin.
Da ist es manchmal in den humanistischen Fächern eine Gefahr, entweder den Unterricht zu unbearbeitet vorzubringen, zu sehr im Stadium stecken zu lassen, wie man den Stoff hat, wie man ihn sich selber angeeignet hat. Man muss ihn umarbeiten. Das ist die eine Klippe.
Und die andere Klippe ist, dass man viel zu anthroposophisch wird, das ist die Klippe von Dr. Stein. Ich war auf Nadeln gesessen, dass diese Besucher von gestern zu sehr den Geschichtsunterricht ins Religiöse umgesetzt gefunden haben. Es lässt sich das nicht so machen, dass man den Geschichtsunterricht zu sehr auf das Religiöse hin orientiert. Dazu ist der Religionsunterricht da. Es scheinen ganz wohlwollende Leute gewesen zu sein. Es könnte dennoch sein, wenn sie es bemerken, dass gleich der Waldorfschule so ein Stempel aufgedrückt würde, dass zu viel von Anthroposophie in den Unterrichtsinhalt hineingetragen wird.
ALICE FELS: G. B. war anständig.
RUDOLF STEINER: Ich wollte zu Ihnen hinkommen, aber ich habe Sie nicht gefunden. — Das kann man ihnen nachfühlen. Ich kam in die Klasse von Röhrle hinein, [beim Eurythmieunterricht], da hat man [ihr] angesehen nicht nur, dass sie ordentlich waren, sondern dass sie vorher ordentlich gewesen sind. So etwas von Musterhaftem kann man vor die ganze Welt hinstellen, wie die Eurythmie war in der Klasse 9a. Man sah es der Klasse an, dass sie vorher ordentlich war. Das kann man ihnen ansehen, ob sie damit gerade in dem Moment anfangen, wo man hereinkommt. Das ist eine Musterklasse gewesen.
Nicht wahr, was 8a und h betrifft, konnte ich nicht konstatieren, dass es so furchtbar raffiniert unordentliche Kinder gewesen wären. Bei B. B. ist es notwendig, dass man anfängt, an dasjenige zu appellieren, für das er zugänglich ist. Er ist nicht zugänglich, wenn man ihm etwas befiehlt; dagegen wenn man ihm klarmacht, dass es ein Unsinn ist, was er tun will, so macht er, was man von ihm verlangt. Wenn man es ihm erklärt, wie ich es neulich gemacht habe. Er hat in seinem Heft mit Bleistift geschrieben. Nun hat es keinen Sinn, bei diesem Temperament zu sagen: Du darfst nicht mit Bleistift schreiben. So kann man sicher sein, dass man ihn verdirbt. Ich habe ihm gesagt: B. B., du verschmierst ja alles, das sieht gräulich aus. — Kaum hatte ich den Rücken gedreht, so haue er sich seine Feder hergerichtet und hat mit der Feder geschrieben. Es kommt auf die Weise an, wie man das gebraucht. Man muss den Jungen treffen mit dem, was er versteht und nicht verstellt. Er ist ein Junge, den es stachelt; wenn es ihm einfällt, so macht er eine Nase, aber er ist ein furchtbar gutmütiger Junge, dem man beibringen müsste, dass das nicht schön aussieht. Man müsste es ihm im richtigen Momente beibringen, dass er sich dadurch verhässlicht. Wie man überhaupt in diesem Lebensalter beachten muss: Da hört dieses Befehle-Nehmen auf, die Autorität hört rasch auf, flaut ab, gerade wenn man vorher stark darauf eingestellt war, und man bekommt die Opposition. Da muss man sehr achtgeben. ich würde es empfehlen, lesen Sie diese vier Vorträge, die ich über das geschlechtsreife Alter gehalten habe, lesen Sie diese Vorträge nach, dann werden Sie darin alles finden, was solche Dinge vermeiden macht. — Ich hoffe, dass wir über dieses Prinzipielle weiterkommen.
ERICH SCHWEBSCH berichtet eingehend über den Besuch Dr. Steiners mit Eugen Kolisko, Erich Schwebsch und Karl Stockmeyer beim Ministerium und über das, was man da erfahren hat wegen der Anforderungen in den einzelnen Prüfungsfächern.
RUDOLF STEINER: Es wäre notwendig, dass die betreffenden Klassenlehrer diese Schüler im Laufe der Zeit einen Lebenslauf schreiben lassen, damit der beigelegt werden kann.
Das möchte ich betonen, geprüft wird hier nur über die letzte Klasse. Es wird zum Beispiel in der Geschichte bloß geprüft von der Französischen Revolution bis in die neueste Zeit.
Goethe und bis zur neuesten Zeit.
Übersetzung lateinisch-deutsch und deutsch-lateinisch, beim Realgymnasium aus dem Lateinischen ins Deutsche. Beim Griechischen Übersetzung aus dem Griechischen. Das Diktat des griechischen Textes wird gewertet. Demosthenes, Thukydides, Antigene, es würde in unserem Falle abgesehen werden können. Es kommt nicht so sehr darauf an, was sie gelesen hätten, sondern es kommt darauf an, was sie an dem Gelesenen gelernt haben, sprachlich und kulturgeschichtlich.
Für die neueren Sprachen ist dem Berichterstatter anheimgestellt, was er auswählen will. Er kann auswählen eine Übersetzung aus dem Englischen oder Französischen, es kann aber auch ein freier Aufsatz gewählt werden. Der Kommissar wählt die Themen, die werden eingereicht. Aus einer großen Zahl von Themen werden einige ausgewählt. In der Regel ist es so, dass das Ministerium keine anderen Themen stellt.
Staatsbürgerliche Belehrung: Ich habe gefragt, was für Fragen gestellt werden könnten. Es kann gefragt werden: Wie verhält es sich mit der Schleswig-Holsteinischen Frage, was bedeutet das Jahr 1848? Er meinte, dass die Kinder in Anlehnung an die Lektüre Begriffe über die Kulturerscheinungen bilden könnten. Eine Prüfung in Erdkunde wird nicht sein.
Mathematisches, drei Aufgaben aus der analytischen Geometrie. Eine deskriptive, Differenzial- und Integralrechnung. Höhere Geodäsie und sphärische Astronomie. Es könnte sich [darum handeln, etwas über das Wesen der Zeit zu finden.
Geologie: über die Formationenlehre mit besonderer Berücksichtigung der Formationen Württembergs. Mineralogie im Rahmen der Geologie.
Naturgeschichte, Botanik, Zoologie: nur eine mündliche Prüfung. Philosophie als eigenes Fach.
Physik: eine schriftliche Prüfung für Realschulabiturienten. Drei Aufgaben. Geprüft wird nur Elektrizität, Magnetismus und gewöhnliche Dynamik, Hydrodynamik, Thermodynamik.
[Es wird auch Freihandzeichnen geprüft. Das soll jetzt Herr Wolffhügel in der 12. Klasse machen.] — Ich habe [dem Herrn dort] gesagt: Wenn wir genügend weit sind und unseren Stundenplan ausgebildet haben werden, werde ich versuchen, das ganze Freihandzeichnen zu entwickeln an Dürers Bild «Melancholie». Man hat darin alle möglichen Schattierungen von hell und dunkel und kann das auch in Farben umsetzen. Wenn man dieses ganze Bild zum Verständnis bringt, so müssen [die Schüler) alles können,
Philosophie: Wenn der Schüler antworten kann: Eine Sinneswahrnehmung kommt dadurch zustande, dass durch einen äußeren Reiz der Nervenzustand affiziert wird im Sinnesorgan und das dann weitergeleitet wird bis zum Zentralnervensystem, dann kommt eine Sinneswahrnehmung zustande.
Ein deutscher Aufsatz über ein allgemeines oder literarisches Thema. Eine französische, eine englische Arbeit. Zwei mathematische Arbeiten, eine Physikarbeit. Realgymnasium: eine lateinische Arbeit, ein deutscher Aufsatz, eine Fremdsprache nach Wahl. Zwei mathematische Arbeiten, eine Physikarbeit. Humanistisches Gymnasium: ein Aufsatz deutsch, zwei lateinische Arbeiten, ein griechisches Diktat, eine mathematische.
Schriftliches Examen: Mitte Februar.
Wir werden die Aufgaben der letzten Maturitätsprüfungen bekommen. Wilhelms-Realschule Anfang September.
Ich habe gefragt, um dadurch etwas festzustellen, abgesehen von der Bedingung, dass der Betreffende achtzehn Jahre alt sein muss, ob einer, der sich ganz privat vorbereitet hat, der keine Schule hinter sich hat, ob der auch zugelassen werden kann. Er sagt, er kann zugelassen werden. Damit hat er bewiesen, dass wir nicht verpflichtet sind, eine Unterstellung unter die öffentliche Schulaufsicht anzustreben. Ich stellte diese Frage, um zu sehen, oh eine Möglichkeit vorhanden ist, dass man uns zwingt, uns unter die Schulaufsicht zu steilen. [Denn] jemand kann auch 1 8 Jahre alt sein und nichts weiter getan haben als Bücher geochst; der kann sich auch melden. Das württembergische Schulgesetz ist, wenn man absieht von dem, was sonst geschehen ist, eines der liberalsten. Es ist in keinem deutschen Bundesstaat, auch nicht in der Schweiz, ein so liberales Schulgesetz vorhanden. Die Dinge können sich ändern in Bezug auf die letzte Klasse.
Nun jetzt, nachdem wir wissen, dass nur der Stoff der letzten Klasse geprüft wird, würde es sich empfehlen, alles Übrige zu vollenden und dann einzusetzen [mit dem], was die Leute dort haben
Von dem Punkt, wo Sie [zu Walter Johannes Stein] jetzt stehen, bis zur Französischen Revolution.
EUGEN KOLISKO: Einiges ist erleichtert, einiges schwieriger geworden.
RUDOLF STEINER: Ein bisschen vollenden müsste man schon Chemie. Man müsste versuchen, zu etwas überzugehen, was Gegenstand der Matura ist. In der Formationslehre ist wenig durchgenornmen worden. Dieses eignen sich die Kinder langsam an. Wenigstens könnte man vor den Ferien eine Art Verständnis erwecken [für das geologische Denken], für das, was Formationen sind, wie Gesteinsartiges darinnen ist und Versteinerungen. Eine Art Schema könnte man schon vor den Ferien durchnehmen, damit die Kinder nachher Einzelheiten noch lernen müssten. Wir werden einschränken müssen.
Fünf Wochen Eugen Kolisko geben und zwei Wochen Schwebsch. Wir müssen vor Ende Februar für Kolisko einsetzen vier Wochen, wo wir es auch hernehmen.
Technologie und Eurythmic werden weggenommen vor Ende Februar, auch Religionsunterricht. Sie können Teile an Lehrs abgeben. Ich habe Lehrs berufen, dass er im Lehrerkollegium eine Stütze finde. Wenn Lehrs verbummelt, werde ich das Lehrerkollegium verantwortlich machen. Es ist schon notwendig, dass Naturgeschichte übertragen werden kann. Er ist so begabt, [dass man ihm dies übergeben kann], dass er es kann, wenn er will. Das ganze Lehrerkollegium ist verpflichtet, sich um ihn zu kümmern.
Vorläufig müssen Sie versuchen, die Chemie zum Abschluss zu bringen. Vor den Ferien eine Übersicht über die Formationenlehre bis zur Eiszeit, nachher müsste man den Begriff von Alkohol beibringen, von der Funktion des Alkohols, Begriff von Äther, die Funktionen der ätherischen Öle, das Wesen der organischen Gifte, der Alkaloide, noch einen Begriff von Zyanverbindungen im Gegensatz zu den Kohlen-Wasserstoffverbindungen. Die qualitativen Zusammenhänge braucht man. Man kann es ganz aus den qualitativen Zusammenhängen heraus verstehen.
Wenn wir über die Geologie sprechen würden, würde ich empfehlen, rückwärts zu gehen, von der Gegenwart, vom Alluviurn, zum Diluvium, dann die Eiszeit besprechen, einen Begriff hervorrufen von dem Zusammenhang solcher Erscheinungen wie die Eiszeit mit dem Außertellurischen, schon mit der Veränderung der Erdachse, [ohne Festlegung auf bestimmte Hypothesen]. Dann von da aus zurückgehen durch die Tertiärperiode. Den Kindern klarmachen, wann die zweite Säugetierwelt, die erste Säugetierwelt heraufkommt. Wenn man ins Karbon zurückkommt, kann man dann einfach die Wendung nehmen. Idealiter wäre es so, dass man so den Übergang nimmt: In den späteren Formationen, da hat man abgesondert das Mineralisierte, das vegetabilisch Versteinerte und das animalisch Versteinerte. Nun kommen wir ins Karbon zurück. Da hört das, was [animalisch] versteinert werden kann, auf. Wir haben nur noch versteinert Vegetabilisches. Das ganze Karbon ist Pflanze. Da hört der Unterschied auf; es gibt nichts anderes mehr als Pflanze. Dann kommt man noch weiter zurück und hat also ein vollständig Undifferenziertes. Diese Dinge.
Vielleicht könnte doch einmal der Vortrag hervorgeholt werden; ich habe einmal die Geologie unseren Arbeitern klargemacht, wo ich die Dinge lebendig erzählt habe. Da habe ich in zwei Stunden alles aus der Geologie vorgebracht. [...] [Zwischenbemerkung.] Die zwei Vorträge wären schon wichtig. Das könnte man gleich machen, dass die zwei Vorträge herausgesucht werden.
Die Formen waren früher eigentlich nur Ätherformen. Nicht wahr, die Karbonformation, die ist so vorzustellen, dass dazumal überhaupt die Individualisierung in einzelne Pflanzen nicht so stark war, wie man es sich vorstellt. Heute stellen sich die Leute vor, es waren Farne. Es war vielmehr ein undifferenzierter Brei, der sich petrifizierte. Und in diesem Brei war fortwährend das Ätherische tätig, hatte Sekretionen I?], die dann herunterfielen, und die eigentlich organische Masse im Status nascendi war, die sich gleich petrifiziert hat.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich, wenn auch mit Vorbehalt, die Einteilung geben, die auch dabei als Leitmotiv dienen könnte. Man müsste, aber mit Vorbehalt, eigentlich die gesamte Zoologie so behandeln, dass man drei Gruppen zu je vier Unterabteilungen, was zwölf Gesamtabteilungen ergibt, als Tierartklassen oder Typen anführt. Da wäre die
Erste Hauptgruppe:
1. Protisten, ganz undifferenzierte Infusorien, Protozoen
2. Schwämme, Korallen, Anemonen; dann
3. Echinodermen, von den Haarsternen bis zu den Seeigeln; dann
4. Manteltiere, wo also nicht mehr eine so ordentliche äußere Schalenbildung vorhanden ist, wo die Schalenbildung schon zurückgeht
Zweite Hauptgruppe:
5. Weichtiere
6. Würmer
7. Gliedertiere
8. Fische
Dritte Hauptgruppe:
9. Amphibien
10. Reptilien
11. Vögel
12. Säuger.
Bei der Tierkreiszuteilung, da müssten Sie beginnen mit den Säugern und die an den Löwen stellen; Vögel Jungfrau; Reptilien Waage; Amphibien Skorpion; Fische Schütze; Gliedertiere Steinbock; Würmer Wassermann. Dann geht es nach der anderen Seite weiter. Da bekommen Sie Protisten beim Krebs; Korallen Zwillinge; Stier Echinodermen; Manteltiere Widder; Weichtiere Fische. Sie müssen bedenken, dass der Tierkreis zu einer Zeit entstanden ist, wo ganz andere Benennungen und Zusammenfassungen waren. In der hebräischen Sprache kommt «Fisch» nicht vor, sodass es ganz begründet ist, dass Sie im Schöpfungswerk die Fische auch nicht erwähnt finden, weil die hebräische Sprache gar keinen Ausdruck für Fische hat. Sie galten als Vögel, die im Wasser leben. — So teilen sie sich im Tierkreis auf, und namentlich zu sieben und fünf, dem Tag und der Nacht zu.
Darin liegt auch das, was der Dreigliederung des Menschen entspricht
Die erste Gruppe sind die Kopftiere: Protisten, Schwärnrne, Echinodermen, Manteltiere.
Die zweite Gruppe sind die rhythmischen Tiere: Weichtiere, Würmer, Gliedertiere, Fische. Das ist der mittlere Mensch und der Kopf.
Die dritte Gruppe sind die Gliedmaßentiere, wobei aber immer das andere dazutritt. Also Gliedmaßen und Rhythmisches und Kopf; die Dreigliederung anstrebend, aber noch nicht ausführend.
Wenn man es als ausgebreiteten Menschen nehmen will, würde der Kopf entsprechen der ersten Gruppe, der rhythmische Mensch der zweiten Gruppe, der Gliedmaßenmensch der dritten Gruppe.
Geologisch genommen geht es vom Kopf aus. Sie müssen die geologischen Formationen auch durch die zwölf Reihen verfolgen, müssen anfangen mit der ersten Gruppe, durch die zweite Gruppe zur dritten Gruppe. Mit den Formationen muss man es komplettieren. Da reichen die Infusorien zurück, als die erste Gruppe. Die Formen [der erster) Gruppe], die jetzt vorkommen, sind dekadente Formen von den ätherischen Formen der Vorzeit. Halbdekadente Formen sind die zweite Gruppe. Eigentlich gehören hierher nur ihre nichtdekadenten Vorfahren. Nicht dekadent, eigentlich primäre Formen, sind erst die dritte Gruppe. Deshalb bildet das schon einen Anhaltspunkt für die Formationenlehre.
Mit der Tiergeografie handelt es sich darum, dass man aufsucht den Tierkreis und mit Berücksichtigung dessen, was jetzt gesagt worden ist; [dass man] von der Projektion des Tierkreises auf der Erde ausgeht, und dann die Ausstrahlungsbezirke der Tiergruppen auf der Erde findet. Sie haben doch Globen, wo der Tierkreis darauf ist auf der Erde. Was von Kolisko gebraucht wird, ist schon da. Von vul-anischen Formationen kann man nicht sprechen, sondern von vulkanischer Tätigkeit, die die geologischen Formrationen durchkreuzt.
Man muss auch versuchen, die Pflanzen in zwölf Gruppen zu bringen; das werde ich auch noch machen.
RUDOLF STEINER zu Walter Johannes Stein: Sie haben deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts gelesen. Man müsste natürlich versuchen, diesen Schülern Proben zu bringen. Tieck, .«Phantasus», kleine Stücke von Zacharias Werner, «Söhne des Thales». Lyrik: Wilhelm Müller; Novalis; Immermann, Eichendorff; Uhland: [auch] kleine Proben von «Herzog Ernst»; Lenau; Gustav Schwab; justinus Kerner; Geibel; Greif; Heine, nur Anständiges; Hebbel; Otto Ludwig, etwas; Mörike. Das wäre so ungefähr, was man braucht. Kleist; Hölderlin. Dagegen würde ich empfehlen, sonst im Lehrplan der anderen Krassen Lessing zu pflegen, Herder, Klopstock. Logau, bessere Sinnsprüche sind später gar nicht geschrieben worden, Logau ist ein feiner Sinnsprüchemacher. Gottfried Keller; Grillparzer. Von den Dichtern, die ich angeführt habe, nur lyrische Proben. Man muss etwas von Gottfried Keller lesen, den «Grünen Heinrich» erzählen. Richard Wagner.
Das war für die Examensvorbereitung angegeben.
RUDOLF STEINER: Ich wollte diese zoologische Einteilung und den
Lehrplan besprechen.
Nun möchte ich bitten, was sonst noch zu besprechen ist.
Es wird gefragt, was man den Schülern über die Prüfung sagen soll.
RUDOLF STEINER: Man braucht den Schülern nur zu sagen: Wir sind vollständig informiert. Es ist ein inneres Grundgesetz der Pädagogik, dass diejenigen, die erzogen und unterrichtet werden, nicht die Geheimkunst des Erziehens kennen und mitdiskutieren. Das ist bei uns als eine Art Unsitte eingerissen und muss schnellstens abgeschafft werden. Das ist etwas, was nicht geht. Die Auffassung, die allmählich entsteht, dass man in Bezug auf die Lebensalter keinen Unterschied macht, die führt dazu, dass die Kinder über die Handhabung der Methode selber nachdenken.
Diese Äußerlichkeit kann man ihnen sagen: Ihr müsst achtzehn Jahre alt sein; ihr braucht ein Zeugnis. Dann sagt man ihnen, dass wir sehr gut informiert sind, dass, wenn sie fleißig sind, sie das Abitur bestehen werden. Was können wir sonst tun? Die äußeren Dinge schon. Bei den Kindern ist es nicht gut, wenn man sie an Konferenzen gewöhnt. Die Kinder sollen das Gefühl kriegen, die Lehrer machen schon das Richtige. Sie fürchten, dass ihnen viel Interessantes verloren geht.
Es war wegen Hitze viel Unterricht ausgefallen.
RUDOLF STEINER: Das sind elementare Ereignisse. Der Winter wird schon wieder kalt sein.
[Auf eine Frage zu einem Kind.] Bewusstseinstrübung.
[Zu Gertrud Bernhardi, der Lehrerin der 8b:] Die Kinder müssen das Bewusstsein haben, wenn Sie sich mit einem oder zweien beschäftigen, dass sie auch gefragt werden können. Die Kinder müssen sich interessieren für die Beschäftigung mit dem Einzelnen. Es sollte eigentlich im Grunde genommen, wenn es nicht ein Ausarbeiten von Rechnungen ist, wenn hörbar lauter Unterricht ist, nicht etwas vor-kommen, was nur für den Einzelnen von Interesse ist, sondern für alle. Sie sollen in der Erwartung leben, dass sie aufgerufen werden [können]. Machen Sie es nur so, dass Sie unmittelbar fortsetzen lassen den anderen, der unaufmerksam ist. Dann kriegen sie das Gefühl, jeder kann in jedem Moment einen Satz fortsetzen [müssen].
Wenn man das Durchgenommene wieder abfragt, muss es in anderer Form abgefragt werden. Das müssen Sie so einrichten können, dass die Kinder Antworten geben. Man kriegt es allmählich als eine Praxis heraus. Man muss nur lebhaft sein in den Dingen. Man muss von einem Schüler zum anderen hinüberspringen, sodass die Kinder den Prozess wahrnehmen des Überspringens. Sie haben doch jetzt schon einen Kontakt mit den Schülern, den Sie vor Jahren gar nicht gehabt haben. Dagegen würde ich meinen, dass viel zu viel das geschieht, was man Aufzeigen nennt. Es kommt eine furchtbare Unruhe hinein dadurch, dass in manchen Klassen ewig aufgezeigt wird. Es sollte sich darauf beschränken, dass der Lehrer auswählt diejenigen, die antworten sollen.
Gräfin Hamilton, sie muss recht achtgeben auf ihre Schwedisrnen. Heute hat sie einen sachlichen Schwedismus gemacht. Den einen muss sie selbst zurechtkriegen, der allen Kindern das auslöscht, was sie schreiben.
Die eine Frage ist mir auf dem Herzen liegend. Das ist die Frage, wie man diese Sache lösen soll mit den Heften, wenn mit Farben gemalt wird, während man mit Farben nur aufgespanntes Zeichenpapier bemalen soll. Es ist schon so, dass eine große Schlamperei entwickelt wird. Zeichenbretter, das ist nicht zu erreichen, weil es viel zu teuer ist. — Aber es ist furchtbar teuer. Es kann schon ein glatt gehobeltes Brett sein. Könnte das nicht mit dem Handwerksunterricht verbunden werden, dass solche Bretter gemacht werden, auf die man aufspannen kann? Diese Methode, im gewöhnlichen Heft die Kinder malen zu lassen, bewährt sich nicht. Sobald man mit den Farben anfängt, müsste man auch mit dem Aufspannen anfangen.
Wenn Fräulein Michels kommt, kann Gräfin Hamilton hospitieren.
Bei der C. O. in der 1. Klasse ist etwas Bedrohliches. Es weist darauf hin, dass das Kind unterernährt ist und bald zersetztes Blut haben wird. Wenn man die Klassen durchgeht und die Kinder sieht, es ist schrecklich. Man müsste die Kinder feststellen, die an der Grenze sind. Es kommt nicht auf viel oder wenig essen an, sondern dass die Kinder ordentlich verdauen können.
Auf die zahlreichen Psychopathenkinder [Kinder mit Förderbedarf] muss man achtgeben.
Jemand nennt J. S. aus der 1. Klasse.
RUDOLF STEINER: Er sieht astrale Fliegen. Der müsste auch etwas behandelt werden. Der ganze Astralleib ist in Unordnung. Eine starke Asymmetrie des Astralleibes nach allen Seiten. Man müsste versuchen, J. 5. solche Übungen machen zu lassen, heileurythmisch, wobei er die Hände auf den Rücken machen muss. Übungen, die man sonst nach vorne macht, nach rückwärts machen.
Beim W. F. muss man die Hydrocephalie bekämpfen.