116. Franz Lauczizky «Lehrbuch der Logik»

Dieses Buch ist für den Unterricht in der Logik an österreichischen Gymnasien bestimmt. Wir glauben nicht, daß es einen wesentlichen Fortschritt gegenüber den ausgezeichneten Abrissen von Zimmermann und Lindner bedeutet. Die vielen Exkurse auf kleinliche und kleinste logische Probleme stören den übersichtlichen Gang des Ganzen, der auf der ersten Stufe des logischen Unterrichts doch beobachtet werden müßte. Da nützt es wenig, wenn das Wichtigere durch größeren Druck hervorgehoben wird. Nicht darauf kommt es an, daß der Schüler das Wichtige aufnehmen kann und das weniger Wichtige weglassen, sondern darauf, daß das logische Lehrgebäude in zusammenhängender entwickelnder organischer Weise vorgebracht wird. Durch bloßes Nebeneinanderstellen der Definitionen von Begriff, Urteil und Schluß erreicht man gar nichts. Entwicklung der Denkformen auseinander ist die Hauptsache. Das Buch ist zu sehr ein Aggregat von Definitionen. Das beste ist der zweite Teil, wo der Verfasser von den wissenschaftlichen Methoden spricht. Die weniger schematische, zusammenhängendere, inhaltsvollere Darstellungsweise hätte für den ersten Teil ebenfalls eingehalten werden sollen. Die Schrift ist kein Lehrbuch, sondern ein Nachschlage- und Wiederholungsbuch. Für den Gymnasiasten kommt es darauf an, sich den Gang und die Gesetze des Denkens in ihrem Zusammenhange zum Bewußtsein zu bringen, pedantische Klassifikationen und Schematismen über einzelnes, worauf der Verfasser solchen Wert legt, verwirren den Anfänger nur und lenken ihn von den Hauptpunkten ab. Nicht ein Register aller logischer Begriffe ist für ihn zu wünschen, sondern eine Anleitung, die ihn dazu führt, das «Denken über das Denken» zu lernen.

German original of Franz Lauczizky “Textbook of Logic” · ← Previous · Next →