Course for Young Doctors

GA 316 — 23 April 1924, Dornach

Dritter Vortrag

Nun, meine lieben Freunde, ich möchte einige Worte voraus sagen über jenen Spruch, den ich gestern am Ende der Stunde an die Tafel geschrieben habe. Er beginnt damit, daß gesagt werden die Worte:

Schau, was kosmisch sich fügt,
Du empfindest Menschengestaltung.

Und es wird dabei verwiesen darauf, daß das Mondeszeichen danebengesetzt worden ist. Nun müssen wir in der Tat, wenn wir den Menschen durchgreifend verstehen wollen, namentlich ihn verstehen wollen für eine Heilbehandlung, uns durchaus klar darüber sein, daß wir nicht bloß auf das hinschauen können, was den Menschen mit der Erde verbindet, denn das ist eigentlich dasjenige, was für die wirkliche Entwickelung des Menschen, wie Sie gesehen haben aus der ersten Stunde, nur in den allerersten Kindesjahren bis zum Zahnwechsel in Betracht kommt dann schon nicht mehr. Es kommen dann diejenigen Kräfte in Betracht, welche den Menschen eigentlich organisieren, von der Erde wegorganisieren. Er hat dazu seinen Ätherleib, und der Ätherleib unterscheidet sich ja wesentlich vom physischen Leib. Der physische Leib ist schwer, der Ätherleib ist nicht schwer. Der physische Leib strebt zur Erde, der Ätherleib nach allen Seiten hin weg nach den Weiten des Weltenalls. Sie erschöpfen schon das Weltenall in Ihrer Betrachtung, wenn Sie den physischen Leib und den Ätherleib des Menschen in Betracht ziehen. Der physische Leib steht in innigem Zusammenhang mit der Erde, der Ätherleib in innigem Zusammenhang mit alledem, was im Bereich des Wahrnehmbaren um die Erde herum liegt, so daß Sie alle Kräfte, welche auf den physischen Leib wirken, als Kräfte auffassen können, die den Menschen zur Erde hinziehen, und alle diejenigen Kräfte, welche auf den Ätherleib wirken, sind diejenigen, welche den Menschen von der Erde wegziehen. Die sind da und die sind wirksam im Menschen, und man kann daher den Menschen nicht so betrachten, daß man sagt, er nimmt irgendeinen Stoff auf, der war erst draußen und ist dann drinnen. So ist es nicht. Er wird dadurch, daß im Menschen diese zentrifugalen Kräfte wirksam sind, sofort eingereiht in den Bereich des ganzen Weltenalls, des ganzen sichtbaren Weltenalls.

Dann, wenn Sie an das Astrale des Menschen gehen, müssen Sie sich vorstellen, daß das eigentlich aus dem Raumlosen kommt; es nimmt nur die Gestalt des räumlichen Wirkens an.

Und wenn Sie an das Ich herankommen, dann können Sie überhaupt nicht mehr eine Zeichnung machen. Das wirkt weder von oben noch von unten; es wirkt überhaupt nicht in dem Sinne, daß man eine Zeichnung davon machen kann, sondern das wirkt nur durch den Zeitenfortlauf, durch die Zeitenkontinuität. Dasjenige, was von der Ich-Organisation des Menschen ausgeht, kann man im Grunde genommen nicht zeichnen, sondern man muß sich klar darüber sein, daß das in jedem Punkte real ist; es wirkt aber weder einstrahlend noch ausstrahlend, es wirkt rein qualitativ.

Wenn Sie hinausschauen in die Welten des Äthers, können wir sagen: Das ist so, wie wenn wir uns mit unserem Ätherleib immer verlören in den Welten des Äthers; es strahlt uns immer entgegen das Astrale, das auch nicht räumlich ist, aber es wirkt, als ob es aus dem Umfang des Weltenalls an uns herankäme. Nun, sehen Sie, nehmen wir an, Sie hätten es in der Ernährung, sagen wir mit pflanzlichem Eiweiß zu tun. Pflanzliches Eiweiß ist erstens schwer, zweitens hat es auch als Eiweiß das Streben nach dem Kosmos hin. Wenn Sie das pflanzliche Eiweiß in den menschlichen Organismus einführen, dann kommen gleich die beiden andern Kräfte über dieses pflanzliche Eiweiß, die Kräfte, die von allen Seiten hereinwirken, und diejenigen Kräfte, die nun wieder als die Kräfte der Ich-Organisation eigentlich raumlos auf dieses Eiweiß wirken. Nun nehmen Sie an, alles dasjenige, was in dieser Art auf den Menschen wirken könnte, würde ihn, so grotesk das klingt, nur machen können zu einem runden, kugelförmigen Körper. Sie finden die Form, welche entsteht durch das Zusammenwirken dieser Kräfte — die aus der Erde ausstrahlenden Kräfte und die wieder einstrahlenden Kräfte -, eigentlich im Ei des Vogels; in der Form finden Sie diese Kräfte gestaltet. Daß nun aus dem Ei des Vogels nicht bloß die Eigestalt herauskommt, sondern eine bestimmt konfigurierte Gestalt, woher rührt das? Also sehen Sie, wenn nur dasjenige da wäre, was ich Ihnen jetzt aufgezeichnet habe (es wird gezeichnet), dann würde es überhaupt niemals weiterkommen mit der Eibildung als eben bis zum Abschluß der Eibildung. Der Vogel wäre fertig, wenn das Ei da ist. Die Sache ist doch so, daß der Vogel ein ganz bestimmt konfiguriertes Wesen ist und - das, was ich Jetzt für den Vogel auseinandersetze, ist auch für den Menschen der Fall - er wird es dadurch, daß zunächst um die Erde herum der Mond kreist. Es kreist der Mond herum. Nun, würde aber bloß der Mond herumkreisen, so würde noch immer nicht ein Vogel entstehen, sondern es würde das geschehen, daß zwar die Eischale weich würde, abfallen würde, aber daß doch ein kugelförmiges Wesen entstehen würde, ein kugelförmiges, im wesentlichen aus Eiweiß bestehendes Wesen entstehen würde. Nun ist das aber nicht der Fall, daß einzig und allein der Mond um die Erde kreist, sondern in der mannigfaltigsten Gestaltung stehen Sternbilder da im Raum und der Mond zieht immer an diesen Sternbildern vorbei, dadurch modifiziert er die Kraft, die von diesen Sternbildern kommt. Denken Sie sich also, der Mond zieht hier bei den Plejaden vorbei. Das Ei ist ausgesetzt den Kräften, die als Resultierende entstehen durch das Hereinstrahlen der Plejaden, dadurch, daß der Mond zum Teil dieses Hereinstrahlen der Plejaden zudeckt, also modifiziert. Es strömt also herein von den Plejaden eine Kraft, die modifiziert wird durch den Mond, der davorsteht, der seine Wirkung ausübt, und dadurch wird, wenn ich es schematisch zeichne, aus der Eibildung auf der einen Seite die Kopfbildung des Vogels. Also, man kann sagen, die Kopfbildung des Vogels rührt davon her, daß sie aus dem Kosmos hereingestaltet wird durch das Zusammenwirken des Mondes, des Wandelsterns, mit den Fixsternen, die nur durch ihre besondere Anordnung wirken in den Plejaden. Nun geht der Mond weiter und, sagen wir, er steht hier in Opposition zu seiner früheren Gestalt der Waage gegenüber, dann werden wieder die Kräfte der Waage modifiziert durch das Davorstehen des Mondes. Da gibt es einen andern Kräftezusammenhang, und der Mond ist ja außerdem mittlerweile, wenn er hier vor den Plejaden Vollmond war, hier bei der Waage Neumond geworden. Der Mond im Zusammenhang mit dem Sternbild der Waage wirkt anders, als wenn er von den Plejaden her wirkt, und die Wirkung auf das Ei ist diese, daß die Schwanzbildung entsteht. Die andern Dinge liegen dazwischen, so daß Sie, wenn Sie die Gestalt des Vogels studieren wollen, studieren müssen, wie vorbeigeht der Mond vor dem, was da kosmisch im Weltenall herum verteilt ist. Was kann derjenige sagen, der bloß bei irdischen Verhältnissen stehenbleibt, über die Gestaltung des Menschen oder überhaupt eines Lebewesens? — Er kann nur sagen: Ja, gewiß, der Adler hat eine bestimmte Gestalt, der Geier hat eine bestimmte Gestalt, das Känguruh hat eine bestimmte Gestalt und so weiter. Warum haben sie diese Gestalt? Sie finden wirklich, wenn Sie im Irdischen stehenbleiben, wie das die Wissenschaft tut, nur eine einzige Antwort: Das Tier hat seine Gestalt von seinen Vorfahren ererbt. Es gibt keine andere Antwort im Umfange des Denkens: Das Tier hat seine Gestalt von den Vorfahren ererbt. - Ganz genau nach dem Schema: Die Armut kommt von der Pauvreté. Aber damit ist nicht das Geringste erklärt. Sie müssen immer weiter hinauf. Die Vorfahren haben es wieder von den Vorfahren und Sie kommen zum Schluß zu dem, wovon Sie ausgegangen sind. Man muß an die kosmischen Kräfte, die Sternkonstellationen _ herantreten, wenn man die Gestaltung verstehen will.

Nun aber, das ist noch immer nicht alles, was ich Ihnen gesagt habe. Es würden, wenn nur das der Fall wäre, gewiß sehr gut ausgestaltete wunderschöne Wesen entstehen, aber sie wären eigentlich alle Quallen, so wie der Mensch sogar in verflossenen Erdperioden war. In der atlantischen Zeit war er eine Art Qualle. Das kam davon her, weil er nur dasjenige aufnehmen konnte, was in plastisch-flüssigem Zustande war, als Stott, als Substanz, daraus er seinen physischen Körper bilden konnte. Daß er sich eingliederte Kalium, Natrium und die andern Stoffe, das rührt davon her, daß nicht nur der Mond an Waage, Widder, Stier vorbeikreist, sondern daß auch die andern Planeten unseres Planetensystems vorbeikreisen, und die gliedern uns ein dasjenige, was zum Beispiel macht, daß wir wirklich die Menschengestaltung bekommen. Also dem Mond zum Beispiel - ich habe Ihnen den Vogel beschrieben - ist zu gleicher Zeit eingegliedert — ich habe Ihnen nur Mond, Sonne, Saturn aufgezeichnet — für den Menschen bei der Kopfbildung dasjenige, was ausgeht auch noch von der Merkurkonstellation zu den Planeten und den Venuskonstellationen zu den Planeten. Wenn diese nicht zusammenwirken würden mit den Mondenkonstellationen, würden wir alle als Hydrozephalen geboren werden. Dadurch wird uns die organische Metallität einverleibt, daß mit der Mondenkonstellation zusammenwirkt die Merkur- und Venuskonstellation. Und wir würden schauderhaft rachitisch werden, nicht nur O-Beine haben, sondern solche, die sich elastisch biegen würden, unsere Arme würden quallenförmige Bildungen sein, wenn nicht auf der andern Seite zusammenwirken würden mit der Mondenkonstellation diejenigen Planeten, die mehr gegen den Saturn hin gerichtet sind, und der Saturn selber nicht zusammenwirken würde mit Jupiter und Mars. Die Sonne bewirkt den rhythmischen Ausgleich zwischen diesen beiden Parteien.

Also diese zwei ersten Zeilen des Spruches sollen Sie dahin führen zu begreifen, wie eigentlich der Mensch sich aus dem Kosmos heraus gestaltet. Und ehe nicht wiederum eingeführt wird in unsere medizinische Wissenschaft Astronomie, aber in dem Sinne, wie ich es jetzt auseinandergesetzt habe, werden wir nicht weiterkommen. Eigentlich sagen die meisten Dinge, die da ausgesprochen werden, auch nichts Besonderes. Man jongliert von einem zum andern, nicht wahr, dadurch, daß man die Dinge, die auftreten im Menschen, entweder den äußeren irdischen Verhältnissen zuschreibt oder der Vererbung. Aber wenn Sie das im einzelnen anschauen, kommt dabei gar nichts heraus, weil vergessen wird, daß die Menschengestaltung durchaus hergeleitet werden muß aus demjenigen, was die Erkenntnis des Sternenhimmels, aber qualitativ angesehen, seinem inneren Wesen nach angesehen, gibt. Aber das Wichtigste bei dieser Menschengestaltung ist der Mond. Der muß überall mitwirken, die andern modifizieren seinen Einfluß. Das Wichtigste bei der Menschengestaltung ist der Mond.

Die zweite Zeile heißt:

Schau, was luftig dich bewegt
Du erlebest Menschenbeseelung.

Sehen Sie, alles dasjenige, was im menschlichen Ätherleib wirkt, das gestaltet den Menschen. Aber der Mensch würde ein belebter Automat werden, auch wenn er so gestaltet wäre wie heute, wenn nur auf ihn wirken würde dasjenige, was ich Ihnen bis jetzt beschrieben habe. Aber es wirkt nicht allein das auf ihn, sondern es wirkt der Umkreis, es wirkt dasjenige, was da webt und lebt im Elemente der Luft, die wir um uns haben. Und im Elemente der Luft webt auch der Äther drinnen, auch das Astralische des Weltenalls. Und so wie wir gestaltet werden, äußerlich räumlich geformt werden unter dem Einfluß des Mondes im Zusammenhang mit dem Himmel, so nehmen wir auf in diese Gestaltung die innerliche Beseelung dadurch, daß die Sonne so zusammenwirkt mit dem Himmel wie für die Gestaltung der Mond, so daß man also sagen kann: Wenn die Sonne die kosmischen Kräfte so beeinflußt, daß sie sich stellt vor den Löwen, dann wirkt sie — jetzt kommen nicht die eigenen Kräfte in Betracht, merken Sie da gut auf- erst im Luftkreis auf das, was durch unseren Atem, durch unsere Blutzirkulation auf uns wirkt, was sich fortwährend verändert. Indem die Sonne weiterzieht, ändert sich die Luft. Dieses In-Umkreis-Wirken verinnerlicht die Gestalt zur Beseelung, so daß wir wirklich sagen können, Sonnenkonstellationen im Kosmos haben ihre Wirkung im Umkreis der Erde im Luftigen und das liefert unsere Beseelung. Das ist also das Zweite.

Das Dritte heißt:

Schau, was irdisch sich wandelt,
Du erfassest Menschendurchgeistung.

Mit diesem Wandeln ist gemeint das allmähliche Hinuntersinken des menschlichen physischen Körpers in den Leichnam. «Schau, was irdisch sich wandelt, Du erfassest Menschendurchgeistung.» Aber es ist da der Saturn hinzuzuschreiben. Warum? Ja, sehen Sie, die Saturnkräfte sind nicht bloß da oben, wo der Saturn steht. Der Saturn in bezug auf seine Raumesverhältnisse ist weit von der Erde, und das, was er eigentlich außen bewirkt, das ist nicht besonders viel. Das, was er von außen bewirkt auf den Menschen, ist nicht viel; auch seine Konstellationen zu andern Sternen wirken nicht besonders stark auf den Menschen. Aber er hat Kräfte, die sich furchtbar stark in die Erde hineinsaugen. Die Saturnkräfte saugen sich furchtbar stark in die Erde hinein, und wenn wir hinausschauen, finden wir eigentlich nicht viel von den Saturnkräften. Aber wenn wir auf die Erde selber schauen, auf dasjenige, was auf der Oberfläche gegen das Innere der Erde zu ist, finden wir, daß das eigentlich so ist, ich möchte sagen, wie wenn Sie eine Schnecke über den Boden ziehen sehen. Da haben Sie erstens die Schnecke, die geht vorüber, die wandelt da, Sie müssen ihr nachschauen, aber sie läßt ihren Schleim zurück. Der ist da, Sie können den ganzen Weg verfolgen. So ist es mit dem Saturn. Er wandelt herum, aber er läßt überall, wo er die Erde beschienen hat, seine Spuren zurück. Das sind sehr, sehr deutliche Spuren. Wären diese Spuren in viel früheren Zeiten der Erdenentwickelung nicht geblieben als Kräfte, die in der Erde wohnen, so hätten wir im ganzen Bereich der Erde kein Blei. Das Blei entsteht aus der Ursubstanz, aus den in der Erde selbst wirksamen Saturnkräften, die sich eingesogen haben. In älteren Zeiten, wo die Verhältnisse noch andere waren, sind die Bleikräfte in der Erde entstanden. Heute wirken die Saturnkräfte durchaus im Menschen noch nach, und die haben eine ganz andere Wirkung als die beiden andern Kräfte. Sehen Sie, wir wären nicht Menschen mit Geist, sondern Wesen mit Körper und Seele, wenn diese Saturnkräfte nicht da wären. Das kann Ihnen ein Anhaltspunkt sein, meine lieben Freunde. Im Weltenall ist in Wirklichkeit nichts ohne Gründe. Fragen Sie sich einmal: In welcher Zeit hat denn eigentlich der Saturn Gelegenheit gehabt, von allen Seiten die Erde zu imprägnieren mit seinem Kräftewesen? Er hat im Laufe von dreißig Jahren, in denen er sie umkreist — die Sonne und damit die Erde - dies getan. Diese dreißig Jahre sind zugleich diejenigen dreißig Jahre, die der Mensch vollbringt von seinem Geborenwerden bis zu dem Zeitpunkt, wo eine gewisse Entwickelung seines Lebens abgeschlossen ist. Wenn der Mensch dreißig Jahre auf der Erde gelebt hat, dann ist er gerade auf dem Punkt, wo er auf der Erde steht — das fällt natürlich vielleicht nicht gerade zusammen mit der geraden Linie des Saturns vom Himmel herein -, wo der Saturn die Erde imprägniert hat; wenn der Mensch dreißig Jahre alt geworden ist, imprägniert er diese Stelle zum zweiten Male. Und so hängt der ganze Einfluß des Saturn auf der Erde mit dem Menschen zusammen, und das ist nun, was in letzter Linie bewirkt, daß wir einen Körper haben, der Abbau hat, wie wir immer konstatieren. Wir haben im menschlichen Organismus nicht nur aufbauende Kräfte, denn dann würden wir ohnmächtig sein; es muß unsere Vitalität zurückgehen in einer gewissen Weise. Die Abbaukräfte müssen immer da sein. Unser Organismus wird nicht nur vorwärts gebildet, er wird auch rückgebildet, und in dieser Rückbildung hat die geistige Entwickelung Platz, die geht da hinein. Die geistige Entwickelung geht nicht hervor aus der Vitalität, sondern indem diese zurückgeht in der Entfaltung, bekommt die geistige Entwickelung Platz in dem Leergelassenen, bildlich gesprochen. Das kommt von den Kräften her, die in der Erde entstehen durch die Imprägnierung der Erde mit den Saturnkräften. Daher mußte ich das Saturnzeichen zu dem dritten Spruch setzen.

Nun aber, wir würden als Menschen mit dreißig Jahren gerade wegen dieser Saturnkräfte alte Mütterchen und alte Väterchen sein. Wir würden mit dreißig Jahren anfangen, auf Krücken zu gehen. Nicht wahr, es hat Fichte einmal gefallen, den Menschen anzuerkennen bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr. Da hat er den Ausspruch getan, man solle alle Dreißigjährigen totschlagen, denn dann taugen sie nichts mehr für die Welt, sie werden schwache Krüppel. Dasjenige, was Fichte da gemeint hat, es würde unweigerlich eintreten, wenn nur der Saturn seine Kräfte entfalten könnte in der Erde. Aber die Saturnkräfte werden auch modifiziert durch die Jupiter- und Marskräfte. Die machen, daß wir nicht so stark abbauen bis zum dreißigsten Lebensjahr, sondern in dem Maße abbauen, daß da noch etwas darüber hinausgeht, und wir verdanken in der Tat dem Mars und Jupiter, daß wir nicht mit dreißig Jahren Greise sind. Will man den Menschen verstehen, daß er als Fünfundvierzigjähriger noch möglich ist als Mensch, so muß man ins kosmische Weltenall hinausschauen. Und so sind Mond, Sonne, Saturn, die uns am nächsten stehenden Himmelskörper und die uns am fernsten stehenden im Planetensystem. Wie es heute aufgebaut ist, ist es unorganisch aufgebaut, weil es bis zum Saturn hinauf aus einer früheren Einheit hervorgegangen ist, während Uranus und Neptun zugeflogen sind und sich nur angeschlossen haben. Es ist so, daß man sagen kann, es waren Uranus und Neptun von den Alten nicht entdeckt, deshalb haben die Alten den Saturn als den äußersten Planeten angenommen. Es ist noch immer die Berechtigung, bis zum Saturn hinaufzugehen. Die Astrologen haben noch ein Bewußtsein davon, indem sie den Uranus und Neptun eigentlich nur für jene menschlichen Eigenschaften heranziehen, welche über das Persönliche hinausgehen, wo der Mensch genial wird, oder über das Einzelpersönliche hinausstrebt, wo man es zu tun hat mit Dingen, die nicht mehr mit seiner persönlichen Entwickelung zu tun haben. Alle Ansätze in der Astrologie werden so gemacht. Nur wenn der Mensch genial wird, oder über das Menschliche hinausstrebt, sagen wir, wenn seine Organisation sich ausweitet oder überstark zerfällt, alles das, was eben über das Menschliche hinausgeht, kommt hierfür in Betracht. Es sind diejenigen Planeten, die sich als Weltenbummler benommen haben und dann eingefangen wurden von dem Planetensystem, das zu unserer Erde gehört. Der uns nächststehende Himmelskörper, der uns fernststehende Himmelskörper, die regeln, was im Menschen ist: der Mond die Gestalt, der Saturn von der Erde aus das gestaltenlose Geistige, indem er abbaut die Gestalt, sie immer auflöst nach innen, und die Sonne bewirkt den Rhythmus zwischen beiden. Damit haben Sie dasjenige gegeben, was eigentlich gewußt werden muß. Aus uralten Erfahrungen heraus konnte eben gewußt werden, daß dieselben Kräfte, welche unserer dritten Zeile entsprechen: «Schau, was irdisch sich wandelt, Du erfassest Menschendurchgeistung», daß das derselbe Kräftekomplex ist, der sich geäußert hat einstmals in der Bleibildung, so daß wir sagen können: Was uns zerklüftet als physischer Organismus, damit das Geistige Platz haben kann, das muß auch im Blei auftreten. Es sind Zerklüftungskräfte, die das Blei zustande gebracht haben. Bringen wir Blei in den menschlichen Organismus, entstehen Zerklüftungen. Brauchen wir die Zerklüftung, weil der Mensch zuwenig abbaut, müssen wir ihm Blei geben in irgendeiner Form. Liegt dagegen umgekehrt die Sache so, daß der Mensch es nicht zur Gestaltung bringen kann, daß er gewissermaßen schwammig wird, dann muß die uralte Erfahrung gelten, es wirke die vom Monde in uralten Zeiten einstrahlende Kraft, wo es sich bloß um mineralische Bildungen gehandelt hat, die Silbersubstanz, das heißt, der Kräftekomplex des Mondes ist da wirksam, so daß die Silberkräfte diejenigen Kräfte sind, welche das Schwammige in das Gestaltende hineinbringen. Die Silbersubstanz kann die Mondenkraft unterstützen.

Es hängt das ganze Planetensystem zusammen mit denjenigen Mitteln, die vorzugsweise als Heilmittel in Betracht kommen: Saturn = Blei, Jupiter = Zinn, Mars = Eisen, Sonne = Gold, Venus = Kupfer, Merkur = Quecksilber und der Mond mit Silber. Diese Konkordanzen werden in einer unglaublich oberflächlichen Weise behandelt, während sie auf den minuziösesten Untersuchungen, die in den alten Mysterien gepflogen worden sind, beruhen. Tatsächlich sind die Dinge damals viel besser und konkreter ausgeprobt worden, denn diese Feststellungen beruhen auf etwas gut Ausprobiertem. Man probte ganz genau aus, wie die Konstellation des Saturn ist, wenn bei irgendeinem Menschen eintritt eine unselbständige Verfassung seines ganzen Organismus, so daß die Zerklüftungskräfte zu wenig wirken; daß die Vitalität, die Zusammenhangskräfte zu stark werden, so daß er organisch konstitutionell benommen wird; es braucht nicht gerade das Sensorium sein, das benommen wird. Man sah nun, daß das bei ihm eintritt, nachdem eine besondere Saturnkonstellation da war, so daß früher Saturn stark auf den Menschen gewirkt hat. Sah man, daß der Mensch gerade in einen solchen Zustand verfällt bei Untergang des Saturns, wenn er nicht seine vollen Kräfte entfalten konnte, dann wendete man Blei an als Heilmittel. Die Angaben, die heute darüber noch in dilettantischen Büchern zu finden sind, sind wirklich aus dem Grunde wahr, weil die Menschen sie nicht verderben konnten, weil sie nicht wissen, woher sie kommen, sonst würden die Menschen spekulieren darüber, und dann würden wir ganz sicher schlechte Angaben haben. Die bleiben richtig, weil die Menschen die Wissenschaft verloren haben, aus der sie stammen. Sie bleiben durch Tradition. Die Menschen können nicht durch Denken diese Wahrheit verderben. Selbst das, was von der Erde aus auf den Menschen wirkt, ist in Wahrheit Saturnwirkung, die nur festgehalten wird, eingesogen wird von der Erde.

Bedenken Sie nur, was das Ganze für eine großartige Folge für das menschliche Erkennen hat. Mit dem Menschen, den heute die Naturwissenschaft anschaut, können Sie das Moralische überhaupt gar nicht verbinden; da bleibt das Moralische schweben irgendwo oben im Abstrakten. Daher ist es ja auch so, daß insbesondere im Protestantismus, der am stärksten verloren hat den Zusammenhang mit dem Geistigen, mit dem Kosmos, alles Moralische einfach abgetrennt wird vom Weltenzusammenhang. Es bleibt ein bloßer Glaube. Und wenn Sie zu der Wirklichkeit gehen, dann ist der Mensch ein Geschöpf, durchaus versorgt und gepflegt aus dem Kosmos, und dann strahlen mit seiner Astralität zugleich auch die moralischen Kräfte ein. Dann haben Sie die Möglichkeit, den Menschen mit der moralischen Welt auch wirklich innerlich in Verbindung zu denken. So kommen Sie wieder zurück, wenn Sie wahre Medizin treiben, zu dem, was den Menschen erst zu einem moralischen Wesen macht, zu einem solchen Menschen, der wirklich organisch erleben kann das Moralische, nicht mehr bloß aufzupassen braucht auf sie als auf äußere Gebote.

Das ist das, was ich Ihnen sagen wollte und was ich meine, daß Sie mitnehmen können, denn es wird Ihnen für vieles Geleit sein können. Die Einzelheiten können Sie ja natürlich von ganz woanders her bekommen. Aber wie sich diese Einzelheiten im menschlichen Organismus verhalten, das ist dasjenige, was Sie doch nur aus einer solchen Auseinandersetzung, wie sie eben gepflogen worden ist, bekommen können. Also, Sie können irgendwo in einem medizinischen Vademekum lesen, daß das Blei das oder jenes bewirkt. Warum es das tut, das werden Sie wissen, wenn Sie hier diese Auseinandersetzungen wirklich aufnehmen. Alle diese Auseinandersetzungen haben das Eigentümliche, daß sie, weil sie aus der geistigen Welt herausgeholt werden, viel weniger das Gedächtnis in Anspruch nehmen als dasjenige, was der Mensch physisch aufnimmt. Was er lernt — nun ja, das ist so -, das liegt etwas in seiner Willkür; aber was er sonst erfährt und was sich von selbst seinem Gedächtnis einprägt, das ist das, was Sie auf diese Weise aufnehmen. Von dem werden Sie etwas Eigentümliches bemerken: Wenn Sie es nicht immer wieder meditativ erleben, werden Sie es sehr bald verschwitzen. Die geistigen Wahrheiten haben das Eigentümliche, daß sie nicht richtige Gedächtniswahrheiten werden können. Sie können auch nicht in Ihrem eigenen Organismus das, was Sie vor einer Woche gegessen haben, aufbewahren. Der Wiederkäuer kann es, allerdings nur für eine kurze Zeit, aufbewahren. Beim Wiederkäuer ist es eben eine organische Nachbildung, ein Rudiment im physischen Leibe für das, was sonst nur im Ätherleib als Gedächtnis vorhanden ist. Was aber gegenüber den geistigen Wahrheiten werden muß, das ist, daß man sie immer wieder und wieder erlebt und sie einem dann zur Gewohnheit werden, nicht gedächtnismäßig, bildmäßig behalten werden, sondern zur Gewohnheit werden. Das ist der Sinn, der durchgreifende Sinn des Meditierens, daß man an das appelliert, was im Grunde genommen nur in der ersten Kindheit vorhanden ist. Da hat man auch kein Bildgedächtnis, daher wird das vom kleinen Kinde vergessen, was es erst erlebt hat. Es lebt im gewohnheitsmäßigen Gedächtnis. An dieses müssen wir zurückgehen, wenn wir geistige Wahrheiten in uns verarbeiten wollen, sonst verschwitzen wir sie sehr schnell.

Deshalb muß, weil Sie das Bedürfnis hatten, Esoterisches hier zu empfangen, appelliert werden an Ihr meditatives, an Ihr innerliches Aneignen, sonst werden Ihnen die Dinge nicht nützen können. Dann werden Sie die feine Empfänglichkeit bekommen, die Sie - jetzt nicht instinktiv, sondern intuitiv - hinleitet dazu, wieder etwas Ähnliches zu empfinden wie dasjenige, was sich noch abstrakt erhalten hat in der sogenannten Signaturenlehre, das heißt der Pflanze, dem Stein ansehen, wie sie wirken können im Organismus. Sie haben auch dieses, daß Sie nicht nur Ihren physischen Leib, sondern auch Ihren Ätherleib ausbilden und daß Ihnen das gewohnheitsmäßige Gedächtnis eine verfeinerte Wahrnehmungsfähigkeit für die Inhalte der physischen Umgebung geben wird und die Fähigkeit, so die Welt im Sinne eines Menschen anzusehen, der die Frage aus dem menschlichen Organismus bekommt von der kranken Lunge, vom kranken Herzen, und die Antworten aus der Umgebung von den heilenden Pflanzen, heilenden Mineralien und so weiter.

Frage: Herr Doktor, es kommt vielen von uns darauf an, zu einer orientierenden, möglichst überschauenden Gesamterkenntnis der ganzen Situation zu kommen, in der wir uns im Grunde genommen eigentlich befinden. Man fühlt ganz im Innern, daß es sich bei den anthroposophischen Wahrheiten um Radikales handelt und daß von ihrer Verwirklichung unendlich viel abhängt. In dem Rundbrief, den wir nach der Weihnachtstagung zugeschickt bekamen, fiel mir auf, wie stark die dort gegebene Meditation einen nach dem allgemeinen Pädagogischen hingehenden Wink enthält. Wie könnte das verwirklicht werden, wozu wir eine so tiefe Aufforderung in uns verspüren, und wie kommen wir zu einer wegweisenden Erkenntnis des eigenen Schicksals und unserer Aufgaben für die Zukunft? Man fühlt, man wird nur dann richtig handeln können, wenn man das eigene Karma im großen Zusammenhang erkennen lernt und zugleich den Mut aufbringt, ihm nicht entgehen zu wollen, sondern es in richtiger Art zu verwirklichen.

Nun glaube ich aus dem, was Sie gesagt haben, etwas herauszuhören, nach welcher Richtung hin Ihre Empfindungen gehen. Nur müssen Sie die Fragen ergänzen, wenn das nicht das Richtige trifft. Die Frage, die Sie gestellt haben, berührt allerdings etwas, was eigentlich heute gewußt werden müßte. Denn nicht wahr, es wurde insbesondere in der letzten Zeit in anthroposophischen Jugendkreisen, in Kreisen junger Menschen viel gesprochen, mehr als bei den Alten, von dem Ablauf des Kali Yuga. Das ist aus dem Grunde, weil ja tatsächlich mit dem Ablauf des 19. Jahrhunderts ein neues Zeitalter in der Menschheit schon angebrochen ist. Die Menschen leben zunächst fort. Wenn Sie eine Kugel haben und sie mit der Hand weiterschieben, so rollt sie; aber wenn Sie die Hand wegtun, so rollt sie weiter. Und so rollt das, was die Menschen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebt haben, vorläufig weiter, wenn auch die Kräfte nicht mehr dahinter sind, nimmt sogar viel üblere Gestalten an, als es in der abgelaufenen Zeit hatte. Aber daneben, neben dem Fortlaufen der alten Zeit geht wirklich schon im Verborgenen in der Welt ein lichtes Zeitalter auf. Es leuchtet herein in die Welt ein lichtes Zeitalter und es ist schon so, daß die ersten Strahlen des lichten Zeitalters von der Anthroposophie aufgefangen werden müssen. Nun, sehen Sie, rede ich natürlich jetzt in einer viel radikaleren Weise, als das vor der Weihnachtstagung der Fall war, von gewissen Zusammenhängen. Sie werden das auch aus den Vorträgen entnehmen, die ich sonst halte. Diejenigen, die heute Abend noch da sein können, werden sehen, daß gewisse menschliche Zusammenhänge schon berührt werden in den Vorträgen. Aber es ist mir doch noch nicht möglich, geradezu mit solchen Betrachtungen ganz konkret zu solchen Dingen herunterzugehen, die namentlich die Sensationslust am allerliebsten hätte. Nicht wahr, in diesen Dingen sind durchaus strikte Gesetze zu beobachten, und ich weiß schon, daß ein gewisser Drang natürlich nicht wieder bloß von der Sensationslust herzukommen braucht, der da sein kann, der eben befriedigt werden kann, wenn man jedem einzelnen seine vorigen Erdenleben enthüllen könnte. So weit kann die Sache nicht gehen. Dagegen können doch gewisse Gesichtspunkte gegeben werden, die wichtig werden können.

Nun, sehen Sie, die Sache ist durchaus so, daß wir heute im allgemeinen Menschenleben, wenn ich mich so ausdrücken darf, zwei Menschensorten haben. Diese zwei Menschensorten kommen davon her, daß zu gewissen Zeiten die geistige Entwickelung der Erdenmenschheit anders war als zu andern Zeiten, wo gewissermaßen eine wellenartige Bewegung da war. Aber die Wellen liefen nicht bloß nacheinander, sondern auch nebeneinander. Sehen Sie, da war zum Beispiel zu einer gewissen Zeit die abendländische Entwickelung des Christentums wieder einmal veroberflächlicht, veräußerlicht. Die Menschen hatten keine Möglichkeit, aus dem, was ihnen das Christentum bot, zu Inhalten zu kommen. Da gab es eine Reaktion bei den Katharern. So lebten da nebeneinander Menschen, die sehr im Äußerlichen lebten, und Menschen, die sich stark verinnerlichen wollten. Etwas Ähnliches war der Fall, als unter Comenius’ Einfluß und früher schon die mährischen Brüdergemeinden bis tief nach Ungarn und Polen hinein begründet wurden, so daß immer zusammenlebten in der Welt Menschen, die in ihrer Seele stark nach Geistigkeit strebten, und solche Menschen, die einfach durch das Zivilisationskarma zur Veräußerlichung gezwungen waren. Das hängt zusammen mit früheren karmischen Zuständen, daß der eine in die eine, der andere in die andere Gruppe hineinkommt. Nun kommt für die heutige Menschheit sehr stark in Betracht, inwiefern der Mensch in seiner früheren Inkarnation der einen oder der andern eben geschilderten Gruppe von Menschen angehörte. Sehen Sie, nehmen wir also an, ein Mensch wird heute geboren, der gelebt hat innerhalb einer christlichen Entwickelung, die ganz veräußerlicht war, so trägt der eine ganz andere menschliche Konfiguration an sich als ein Mensch, der meinetwillen den böhmisch-mährischen Brüdern angehört hat. Und worin besteht der Unterschied? — Sehen Sie, das Eigentliche des Kali YugaAblaufes findet man erst heraus, wenn man auf die konkreten Verhältnisse eingeht, sonst bleibt es eine Geschichtskonstruktion. Bis zum Jahre 1899 geht das finstere Zeitalter, dann beginnt das helle. Von diesem Bewußtsein hat man nicht viel. Man muß auf das konkrete Geistige eingehen. Die Menschen, die so geboren sind um die Wende des Ablaufes des Kali Yuga, die so sind, daß in ihnen ein starkes geistiges Streben ist - Sie müssen dadurch nicht unbescheiden werden und das nur in Ihre lebendige Erkenntnis aufnehmen -, diese Menschen sind im weitesten Umfange solche Menschen, die eigentlich aus den Ketzern herausgeboren sind, aus diesen, die sich verinnerlichen wollten. Um die Wende des 19., 20. Jahrhunderts herum wurden Menschen heruntergeholt, die nicht in dem allgemeinen Strom des sich veräußerlichenden Christentums lebten, sondern in solchen sich hineinschiebenden, sich verinnerlichenden Sekten lebten. Was ist die Folge davon?

Sehen Sie, wenn man durchgeht durch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt, da lernt man ja auf geistige Art sehr genau, so wie wir hier auf der Erde die außermenschliche Welt, das Weltenall kennenlernen, studieren können, das Menschenall kennen, studieren. Das ist ebenso groß und ausführlich, denn der Mensch enthält ebensoviel in sich als der Kosmos. Das studieren wir mit unseren umgewandelten Willenskräften. Da lernen wir den Menschen ganz genau kennen. Nun ist ein Unterschied zwischen den beiden Menschengruppen, von denen ich Ihnen eben gesprochen habe. Die, die sich mehr veräußerlicht hatten, die konnten beim Durchgang zwischen Tod und neuer Geburt nicht richtig hineinkommen in die geistige Welt. Die gingen gedankenlos in der geistigen Welt vor der Eigentümlichkeit des Menschen vorbei, wurden wieder geboren; und namentlich diejenigen Menschen, die im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts geboren wurden, waren Menschen solcher Sorte, die im vorigen Leben so veräußerlicht waren. Die brachten sich dann ins Erdenleben keinen Sinn für den Menschen mit herein. Sie verhielten sich dem Menschen gegenüber so, daß sie den Körper benützten zum Essen, Trinken, Gehen, Stehen, Sitzen, aber sie interessierten sich nicht dafür, weil sie das Interesse dafür zwischen Tod und neuer Geburt nicht aufgenommen hatten. Das waren die Menschen, die vorzugsweise befriedigt waren mit dem Materialismus, weil sie nicht das Bedürfnis hatten, den Menschen kennenzulernen. Der Materialist, der immer nur den Stoff kennenlernen will, kennt ihn am allerwenigsten. Man kann mit ruhigem Gewissen sagen, diejenigen Menschen, die hier sitzen, sind lauter wiedergeborene Ketzerseelen - das müssen Sie sich nun nicht als ein Verdienst zuschreiben -, Ketzerseelen, die durchaus einen starken Drang erlebt haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, überall in den Menschen hineinzukriechen, und unterbewußt sich daher den Menschen zu einem ungeheuer großen Rätsel machen. Das tritt dann hervor eben in dem Drange, mehr kennenzulernen als die materialistische Medizin bieten kann, und so ist schon eine innerliche Rechtfertigung des Karmas da, von dem Sie gesprochen haben. Es ist so, daß Sie die Dinge nicht leicht nehmen dürfen, weil, wenn Sie sie leicht nehmen würden, Sie sich selber verkennen würden. Sie würden nicht an dasjenige herankommen, an das Sie eigentlich gerne kommen wollen dadurch, daf3 Sie bestimmte Erlebnisse zwischen Tod und neuer Geburt durchgemacht haben. Und was dabei herauskommt, wenn man im Erdenleben das nicht findet, was man durch Jahrhunderte angestrebt hat, ist nicht nur so, daß es den Menschen dann veroberflächlicht. Wir sind aus dem Zeitalter herausgekommen, wo Menschen, die Wahrheiten aufgenommen haben vom Menschen zwischen Tod und neuer Geburt, ungestraft sich veroberflächlichen können. Gegenwärtig ist die Jugend gar nicht in der Lage, sich ungestraft verobertlächlichen zu dürfen, weil sie sich innerlich ruiniert bis ins Organische hinein. Das Schlimme ist nicht, daß die Menschen heute in Gedanken materialistisch sind, über Monismus schwätzen und so weiter, das ist nicht das Schlimme, darüber würde man leicht hinwegkommen. Das, was der Mensch redet, ist nicht von einer so großen Bedeutung, aber das, was dann zurückgeht auch in die Gefühls- und Willensnatur des Menschen, das webt in seinen Organen, und die Menschen, wenn sie sich nicht geistig vertiefen, werden überhaupt nicht richtig schlafen können. Das ist das, was wesentlich ist. Lassen Sie die Menschen heute ohne eine solche Vertiefung, was wird die Folge sein? Die Folge wird sein, daß kaum das Jahr 1940 bis 1950 herangekommen zu sein braucht, und Sie werden über immer größere Strecken weit ausgebreitete Epidemien der Schlaflosigkeit erleben. Solche Menschen werden überhaupt nicht mehr für die menschliche Zivilisation wirken können. So haben Sie durch Ihr Karma keine Wahl in bezug darauf, Ihr Karma unberücksichtigt zu lassen, wie man es noch konnte vor dem Ablauf des Kali Yuga und [bis] jetzt. Sie müssen schon in allem Ernst das, was ich Ihnen jetzt gesagt habe über die Konfiguration Ihres Karmas, ins Auge fassen. Natürlich bleibt das in der allgemeinen Charakteristik, aber Sie können schon das allgemeine Karma auch nützlich für sich finden, wenn Sie sich in die Lage versetzen würden, öfter über die besonderen Umstände Ihres Lebens nachzudenken. Sie würden mehr oder weniger in die Lage kommen können, gerade dann etwas Merkwürdiges zu finden, wenn Sie über die besonderen Umstände Ihres Lebens nachdenken würden. Die Jugendbewegung theoretisiert zuviel, man hört daher zuviel dieselben Theorien. Würden Sie dabei stehenbleiben, wirklich an sich zu beobachten, was die Jugend heute Besonderes erlebt, was wirklich unterschieden ist von dem, was die frühere Generation erlebt hat, dann würde die Jugendbewegung mit einem Schlage eine ganz andere Gestalt bekommen. Das streben wir mit unserer Jugendbewegung an, daß sie eine konkrete Gestalt bekommt und nicht in Abstraktionen stecken bleibt.

Dr. Bort: Wir hatten in der Besprechung, die wir gestern hatten, uns nicht nur die Frage gestellt: wie kommt es, daß uns unsere Führung gerade zu Weihnachten nach Dornach geführt hat, sondern wir sagten uns, wir wissen mit unserem bewußten Menschen gar nicht, warum wir hierhergekommen sind und daß uns die Möglichkeit gegeben war, so Großes in uns aufzunehmen, was wir mit dem, was wir sind, gar nicht begreifen können und verdient haben. Gerade aus dieser Tatsache heraus war in vielen von uns das lebendig geworden, daß da eine ganz bestimmte Aufgabe vor uns liegt, und daß es sich eben für uns darum handelt, bereit zu sein, dieses Karma und diese Aufgabe in Angriff zu nehmen, so wie es gerade auch in dem Thema, das uns in dem Rundbrief angegeben war, an uns gestellt war.

Nun, Sie werden ja, wenn Sie insbesondere die — wie ich glaube - ernste Auseinandersetzung, die wir eben gepflogen haben, auf Ihre Seele wirken lassen, aus diesem allzu kurzen Zusammensein schon etwas mitnehmen können.

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