An Outline of Anthroposophical Medical Research
GA 319 — 28 August 1924, London
Zehnter Vortrag
Vor allem darf ich meinen herzlichst gemeinten Dank Mrs. Larkins und Dr. Larkins dafür aussprechen, daß ich an diesem Abende wiederum, in Wiederholung desjenigen, was ich schon im vorigen Jahre tun durfte, einiges vorbringen kann, was als eine Auffassung über das Medizinische, über die kranke Menschenwesenheit im Gegensatz zur gesunden und über Heilverfahren aus der anthroposophischen Weltauffassung und Forschungsweise heraus gewonnen werden kann.
Wenn ich mit ein paar einleitenden Worten etwas vorausschicken dürfte, so sollte es vor allen Dingen dieses sein: Was durch Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, zu einzelnen Lebenszweigen, zum Beispiel also zum medizinischen, hinzugefügt werden soll, das will nicht irgendwie in einen Widerspruch treten mit demjenigen, was man heute als wissenschaftliche medizinische Auffassung hat. Wenn man gerade von solchen Gesichtspunkten aus spricht, wie ich es am heutigen und morgigen Abend tun werde, wird man sehr leicht deshalb mißverstanden, weil von vornherein heute die Auffassung herrscht, daß dasjenige, was nicht sich beschränkt auf das sogenannt exakt Festgestellte, etwas Sektiererisches sei, daß das etwas sei, das im wissenschaftlichen Sinne nicht ernst genommen werden kann. Deshalb möchte ich von vornherein bemerken: Gerade diejenige Anschauung, die auf Anthroposophie auch das Medizinische stützen will, ist nicht nur voller Anerkennung, sondern auch voll Verständnisses alles desjenigen, was an Bedeutsamem, an Großem in der neueren Zeit auch auf medizinischem Gebiete geleistet worden ist. Und es kann gar nicht die Rede davon sein, daß irgendwie eine dilettantische oder laienhafte Polemik mit demjenigen, was ich sagen werde, geführt werden soll gegen dasjenige, was heute anerkannte medizinische Heilweise oder dergleichen ist. Es handelt sich lediglich darum, daß im Verlauf der letzten Jahrhunderte unsere ganze Weltanschauung eine Form angenommen hat, welche sich beschränkt in der Forschung auf dasjenige, was durch die Sinne festgesetzt werden kann, entweder durch das Experiment oder durch unmittelbare Beobachtungen, und auf das, was dann der menschliche Verstand auf Grundlage dessen, was sinnlich geschaut wird, kombinieren kann.
Diese Art und Weise des Forschens hatte für Jahrhunderte ihre volle Berechtigung. Denn die Menschheit wäre, wenn sie die alten Wege fortgesetzt hätte, ganz und gar ins Phantastische, ins Träumerische gekommen, wäre zu willkürlichen Annahmen und zu einem wüsten Hypothesenbauen gekommen. Aber das gilt denn doch, daß der Mensch, so wie er nun einmal in der Welt steht zwischen Geburt und Tod, nicht ein Wesen ist, das sich durch die Sinne und durch den Verstand wirklich erkennen läßt, daß der Mensch ebenso einen real übersinnlichen Teil hat, wie er einen real sinnlichen Teil hat.
Und wenn wir von dem gesunden und kranken Menschen sprechen, dann können wir nicht anders, als uns auch die Frage stellen: Ist denn Gesundheit und Krankheit wirklich in der Weise allein zu erkennen, wie man das heute will durch die Erforschung des physischen Leibes mit Hilfe der Sinneswerkzeuge, mit Hilfe derjenigen Werkzeuge, welche die Sinne ergänzen, die zu unseren Experimenten führen, und mit Hilfe des Verstandes? Und da kann uns ja eine wirkliche — nicht eine vorurteilsvolle — geschichtliche Betrachtung lehren, daß die Erkenntnis vom Menschen von ganz anderem ausgegangen ist als von der bloßen Sinnesbeobachtung. Wir haben ja nun einmal eine lange menschheitliche Entwickelung auch in bezug auf das geistige Leben hinter uns.
In alten Zeiten, wir können sagen noch vor drei Jahrtausenden, aber durchaus noch in der Zeit, in der das Griechentum, das ältere Griechentum geblüht hat, gab es ja nicht Schulen, an denen man so lernte, wie man in heutigen Schulen lernt. An den heutigen Schulen lernt man so, daß man als jüngerer Mensch an die Hochschule herankommt und nun das ganze Gefüge seiner Seele fertig hat. Man wird an die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen geführt, zum Beispiel auch an die für die Medizin vorbereitende Disziplin, und man soll da urteilen nach dem Stande der Seele, den man als achtzehn-, neunzehn- und zwanzigjähriger Mensch einnimmt.
Dies war nicht der Standpunkt des Lernens in älteren Zeiten, sondern der Standpunkt des Lernens in älteren Zeiten war der, daß man zuerst in der Seele Kräfte zu entwickeln hatte, sich weiterzuerziehen hatte, weiterzuentwickeln hatte, um dann dasjenige erst zu erkennen, was eigentlich am Menschen ist,
Nun, gerade dadurch, daß in älteren Zeiten die Menschen durch ihre mehr primitive Seelenart nicht zur Phantastik neigten, war es möglich, in den sogenannten Mysterien alle Lebenszweige auf Grundlage zunächst einer solchen geistigen Schulung, einer solchen geistigen Disziplin zu erlernen.
Das hat etwa aufgehört, ich möchte sagen, gerade seit der Begründung unserer Universitäten im 12., 13., 14. Jahrhundert. Seit jener Zeit lernen wir nur noch auf rationalistische Weise. Der Rationalismus, der zu einer scharfen Logik führt, er führt aber auch auf der anderen Seite wiederum dazu, nur das äußere Materielle sehen zu können.
Nun hat einmal die neuere Zeit im Laufe der letzten Jahrhunderte ein großartiges Kapital an äußeren sinnlichen Wahrheiten hervorgebracht. Das ist nicht zu leugnen. Wir haben sogar ein so außerordentlich großes Kapital an sinnlichen Wahrheiten der Biologie, der Physiologie, aller die Medizin namentlich vorbereitenden Wissenschaften, daß wir gar noch nicht dazu gekommen sind, alle die einzelnen Beobachtungen zu ordnen. Es ist ungeheuer viel in den Beobachtungen, aus dem noch Unermeßliches gewonnen werden kann. Aber zurückgetreten ist in diesen letzten Jahrhunderten alle Anschauung der Menschen, die dahin geht, man müsse die Seelen dazu bringen, auch das Übersinnliche zu schauen. Dadurch aber ist es eigentlich unmöglich geworden, die menschliche Wesenheit nach Gesundheit und Krankheit wirklich real zu erforschen. Um das einigermaßen zu erhärten, was ich sage, möchte ich nur darauf hinweisen, daß es auch heute möglich ist, wie ich in meinen Büchern, unter anderem auch in dem Buch, das unter dem Titel «Initiation» hier übersetzt ist, dargestellt habe, die Seele heraufzubringen zum Erfassen des Spirituellen im Menschen gegenüber dem Materiellen, gegenüber dem Physischen.
Dieses Spirituelle im Menschen ist für eine geistige Beobachtung ebenso schaubar, ebenso sichtbar zu machen wie das Physische, das Materielle für die Sinnesbeobachtung. Nur wird die Sinnesbeobachtung unserem Körper organisch eingegliedert, ohne daß wir etwas dazu tun; die geistige Beobachtung müssen wir uns erwerben. Diese geistige Beobachtung, sie kann aber herbeigeführt werden durchaus nicht etwa durch allerlei mystische, nebulose Trainierungen, sondern sie kann gerade dadurch herbeigeführt werden, daß man das strenge Leben im Gedanken, das Ruhen auf dem Gedanken in sich ausbildet. Man muß nur dasjenige, was man sonst wie fertig besitzen will, dieses Ruhen im Gedanken, dieses Leben im Gedanken, methodisch in Seelenerziehung umwandeln. Wenn man es wirklich, so wie man sonst im Äußeren experimentiert, dazu bringt, eine Zeitlang sozusagen mit der Seele selber zu experimentieren, die Seele ruhen zu lassen auf einem leicht überschaubaren Gedanken, ohne daß man dabei etwa verfällt in irgendeine Autosuggestion, in irgendeine Art herabgedämmerten Bewußtseins, etwa in einen hypnotischen Zustand, sondern wenn man so übt, daß man dasjenige, was mit dem gewöhnlichen Denken behalten werden kann, weiterbildet — die Besonnenheit bleibt, aber innerlich seelisch das durchgeführt wird, daß äußerlich trivial physisch das zutage tritt, daß, wenn man einen Muskel immerfort trainiert, er sich stärkt, man mehr damit kann -, wenn man die Seele fort und fort methodisch betätigt, so wird sie stärker, wird kräftiger, schaut anderes.
Das erste, was sie schaut, ist, daß der Mensch tatsächlich nicht bloß aus diesem physischen Leib besteht, den man entweder mit bloßem Auge oder durch das Mikroskop oder irgendwie sonst untersuchen kann, sondern daß der Mensch außer diesem physischen Leib einen Ätherleib an sich trägt. Stoßen Sie sich nicht an dem Terminus «Ätherleib», ich könnte ebensogut einen anderen Ausdruck wählen, aber man muß eben einen Terminus haben. Man kann also schauen am Menschen, außer dem gewöhnlichen physischen Leibe, der in der Art gestaltet ist, der durch Anatomie und Physiologie in unserem heutigen Sinne untersucht werden kann, den Ätherleib. Der ist nicht einerlei mit dem, was die dilettantische Lebenskraft in früheren wissenschaftlichen Zeitaltern darstellte, der ist etwas wirklich Wahrnehmbares, wirklich Schaubares. Und soll ich Ihnen einen qualitativen Unterschied dieses Ätherleibes vom physischen Leibe geben, so möchte ich herausgreifen aus den zahlreichen qualitativen Unterschieden, die da bestehen, nur den: Der physische Leib des Menschen unterliegt der Schwere, der Gravitation. Er tendiert nach der Erde hin. Der Ätherleib des Menschen tendiert nach der Peripherie des Weltenalls, das heißt nach allen Seiten. Wir rechnen gewöhnlich, weil wir ja heute gerne der Waage uns in der Forschung bedienen, mit dem, was schwer ist. Aber dem Schweren stellt der menschliche Organismus dasjenige entgegen, was nicht nur nicht schwer ist, sondern was wegstrebt von der Erde, was der gewöhnlichen Erdengravitation entgegenstrebt. So tragen wir nicht nur Schwerekräfte in uns, sondern wir tragen Kräfte in uns, die von der Erde wegstreben.
Das ist der erste übersinnliche Leib. Ich könnte noch viele andere ätherische Merkmale für diesen ersten übersinnlichen Leib nennen, aber ich will mich darauf beschränken. Wir haben sozusagen in uns einen ersten Menschen, den physischen Menschen, der in bezug auf die Erde zentripetal orientiert ist, hinstrebt nach der Erde; wir haben einen zweiten Menschen, der zentrifugal orientiert ist, der wegstrebt von der Erde. Wir haben das eigentliche Leben dadurch gegeben, daß das Gleichgewicht gehalten werden soll zwischen diesen beiden Konfigurationen der menschlichen Wesenheit, dem schweren, der Gravitation unterliegenden physischen Leib und dem nach allen Seiten des Weltenalls strebenden ätherischen Leib, der unsere zweite Organisation ist.
Nun nehmen Sie nur einmal diese Konfiguration der Kräfte des physischen Leibes, des Ätherleibes. Sie können sich sagen: Der Ätherleib strebt nach allen Seiten; er will also gewissermaßen immer so groß werden wie das Weltenall. Der physische Leib unterliegt der Gravitation, der Schwere. Er strebt nach dem Mittelpunkt der Erde. Er rundet den Ätherleib, so daß der Ätherleib das Weltenall, den Kosmos nachahmt, aber zunächst vom physischen Leib in seinen Grenzen gehalten wird. Und so nur bekommen wir eine wirkliche, durchdringende, reale Anschauung vom Menschen, wenn wir das Gleichgewicht zwischen dem physischen Leib und dem ätherischen Leib ins Auge fassen.
Nun weiter! Haben wir also wirklich einmal einen Begriff von diesen von der Erde wegstrebenden zentrifugalen Kräften, dann sehen wir diese zentrifugalen Kräfte auch in den Pflanzen. Physisch sind für uns nur die Mineralien. In denen finden wir nichts von zentrifugalen Kräften. Die Mineralien sind rein der Gravitation unterworfen. Bei den Pflanzen finden wir auch die äußere Gestalt, die sie haben, als Resultat der beiden Kräfte. Aber wir werden uns auch klar darüber, daß wir nicht bei diesen zwei Konfigurationen stehenbleiben können, wenn wir Höheres in der Organismenreihe als die Pflanzen betrachten wollen, denn die Pflanze hat ihren Ätherleib; das Tier, wenn wir es betrachten, es hat Leben in sich, wie wir es als Empfindung bezeichnen. Es erschafft innerlich sich eine Welt. Das macht uns darauf aufmerksam, daß wir weiterforschen sollen.
Nun können wir tatsächlich das menschliche Bewußtsein weiter ausbilden. Es ist schon eine Ausbildung des Bewußtseins, wenn wir dazu kommen, nun nicht bloß den physischen Leib des Menschen zu sehen, sondern diesen physischen Leib eingebettet wie in einer Wolke im Ätherleib zu sehen.
Aber das ist nicht alles am Menschen; sondern wir können nun, wenn wir so, wie wir einen Armmuskel verstärken, indem wir ihn fortwährend belasten mit Kraftanstrengung, unsere Seele verstärken und kräftigen, daß sie sozusagen mehr und mehr Realität in ihren Gedanken hat, dann können wir zu dem anderen übergehen, was jetzt schwierig ist, nicht so leicht ist; wir können dazu übergehen, diese Gedanken, die dann stark in uns sind, weil wir sie ja erkraftet haben, diese Gedanken zu unterdrücken.
Wenn man im gewöhnlichen Bewußtsein nach und nach zum Verlöschen bringt das Sehvermögen, das Hörvermögen, die Sinne, das Denken, so schläft der Mensch ein - ein leicht auszuführendes Experiment. Wenn man aber in dieser Weise die Seele erkraftet hat, wie ich es geschildert habe, durch eine Denktrainierung, durch eine Trainierung des ganzen Vorstellungs- und Gefühlslebens, dann kann man dieses Gefühlsleben wiederum unterdrücken. Denn vor allen Dingen kommt man zu einem Zustand, in dem man nicht schläft, in dem man sehr wach ist. Man muß sogar achtgeben, daß man nicht den Schlaf verliert, wenn man diesen Zustand ausbildet. Doch wenn man so verfährt, wie ich es in meinen Büchern dargestellt habe, sind alle Vorkehren dazu getroffen, daß man nicht Störungen in seinem Leben erfährt. Man gelangt dazu, recht wach zu sein, aber nichts mehr zu sehen, zu hören, was sonst die Sinne wahrnehmen. Man gelangt auch dazu, die gewöhnliche Erinnerung, das gewöhnliche Gedächtnis wegzubringen. Man steht da vor der Welt mit leerem, aber ganz wachem Bewußtsein.
Dann sieht man einen dritten Organismus im Menschen, den ich stoßen Sie sich wieder nicht an dem Terminus — den astralischen Organismus nenne. Ihn haben auch die Tiere. Er ist dasjenige, was am Menschen die Möglichkeit hervorruft, nicht nur den Ätherleib zu haben mit den Kräften, die wegstreben von der Erde, sondern ein wirkliches Innenleben zu entfalten, Empfindung zu entfalten. Das ist etwas, was nun weder zusammenhängt mit den Tiefen der Erde noch mit den Weiten des Weltenalls, sondern das ist etwas, was zusammenhängt mit einem innerlichen Durchdrungensein mit Kräften, die man schauen kann als astralischen Leib. Das ist ein drittes Glied der menschlichen Organisation. Ich werde von einem vierten Gliede nachher noch zu sprechen haben. Ich möchte von diesem dritten Gliede nun das Folgende sagen.
Lernt man dieses dritte Glied der menschlichen Organisation kennen auf dem Wege, wie ich es angedeutet habe, so ist das wissenschaftlich etwas ungeheuer Aufklärendes, denn jetzt ist es einem plötzlich, wenn man das kennenlernt, wie wenn einem die Schuppen von den Augen fielen. Denn vorher sagt man sich eigentlich, wenn man wirklich unbefangen nachdenkt über das menschliche Wachsen: lauter Unmöglichkeiten! — Man sieht den Menschen wachsen von Kindheit auf; seine Vitalkräfte sind tätig; immerzu wächst der Mensch. Aber er wächst ja nicht nur, er entwickelt Bewußtsein, er entwickelt eine innerliche Spiegelung der äußeren Welt, Bewußtsein entwickelt er. Kann das vom Wachsen kommen? Kann das von denselben Kräften kommen, die der Ernährung zugrunde liegen, dem Wachstum zugrunde liegen?
Ja, wenn die Organkräfte, die der Ernährung und dem Wachstum zugrunde liegen in uns, die Oberhand gewinnen, so wird ja das Bewußtsein gerade trüb. Wenn also irgend etwas in uns sitzt, was eine Hypertrophie der Wachstumskräfte darstellt, irgend etwas, das uns übermannt, was die Ernährungskräfte darstellt, sogleich wird das Be = a. wußtsein getrübt. Wir brauchen etwas, was nicht mit diesen Wachstums-, mit diesen Ernährungskräften zusammenfällt, sondern was diesen Kräften geradezu entgegenarbeitet. Der Mensch wächst fortwährend, ernährt sich fortwährend; aber wir haben in unserem astralischen Leib, wie ich ihn eben beschrieben habe, etwas, was fortwährend wiederum das Wachstum, die Ernährung unterdrückt, abbaut.
So haben wir im Menschen Aufbau durch den physischen Leib im Anschluß an die Erde, Aufbau im ätherischen Leib im Anschluß an den Kosmos, Abbau im astralischen Leib, fortwährenden Abbau. Der astralische Leib baut fortwährend die organischen Prozesse ab, baut das Zellenleben ab, das Drüsenleben ab, baut ab.
Das ist das Geheimnis der menschlichen Organisation. Jetzt begreifen wir, warum der Mensch eine Seele hat. Wenn der Mensch fortwährend wie eine Pflanze wächst, kann er keine Seele haben. Die Wachstumsprozesse müssen erst abgebaut werden; die vertreiben ja die Seele. Wenn wir immerfort in unserem Gehirn Wachstums-, Aufbauprozesse hätten, nicht Abbauprozesse, Zerstörungsprozesse hätten, könnten wir keine Seele aufnehmen. Die Evolution schließt alle Geradlinigkeit aus. Die Evolution muß nach einer Richtung zurückgehen. Es muß wiederum Platz gemacht werden, abgebaut werden. Das ist das Geheimnis der menschlichen Wesenheit, jeder beseelten Wesenheit.
Ich möchte heute darstellen, ich möchte sagen, das spirituell Physiologische, spirituell Biologische und morgen dann übergehen zu der Beschreibung einzelner Krankheiten und ihrer Heilprozesse. Deshalb wollte ich mit dieser Auseinandersetzung zunächst beginnen und werde mir erlauben, fortzufahren, wenn dieser Teil übersetzt ist.
Solange wir bei der tierischen Organisation stehenbleiben, haben wir es zu tun mit diesen drei Organisationen, dem physischen Leib, dem ätherischen Leib, dem astralischen Leib. In dem Augenblicke, wo wir an den Menschen herantreten, finden wir, wenn wir mit derselben inneren Seelentrainierung weiterschreiten, daß wir ein weiteres Glied der Organisation für die geistige Anschauung vor uns haben.
Wenn wir das Tier gerade mit der geistigen Anschauung durchdringen, so finden wir im Tiere gewissermaßen miteinander neutralisiert, nicht deutlich voneinander geschieden: Denken, Fühlen, Wollen. Man kann beim Tiere gerade, wenn man es durchschaut, nicht sprechen von einem getrennten Denken, Fühlen und Wollen, nur von einer neutralen Vermischung dieser drei Elemente. Beim Menschen beruht das innere Leben gerade darauf, daß er seine Absichten im ruhigen Denken erfassen kann, bei diesen ruhigen Absichten sogar noch stehenbleiben kann, sie ausführen kann, nicht ausführen kann. Das Tier, wenn es einen Impuls hat, führt es ihn aus. Der Mensch trennt Denken, Fühlen und Wollen. Wie das zustande kommt, durchschaut man erst, wenn man das innere seelische Schauen weiter fortführt bis zu dem vierten menschlichen Gliede, zu der Ich-Organisation, so daß wir im Menschen unterscheiden physischen Leib, ätherischen Leib, Astralleib, den der Mensch noch mit den Tieren gemeinschaftlich hat, und die eigentliche Ich-Organisation.
Wir haben gerade uns vor die Seele gestellt, daß der astralische Leib die Prozesse des Wachstums abbaut, die Prozesse der Ernährung fortwährend zurückstaut, gewissermaßen ein langsames Sterben in den menschlichen Organismus hineingliedert. Die Ich-Organisation rettet nun aus diesem Abbau wiederum gewisse Elemente, und von demjenigen, was durch den astralischen Leib schon abgebaut ist, ich möchte sagen, die aus dem Ätherleib und dem physischen Leib herausfallenden Stoffe, die schon im Abbau sind, baut die Ich-Organisation neuerdings auf. Das ist eigentlich das Geheimnis der menschlichen Natur.
Wenn wir ein menschliches Gehirn betrachten, so sehen wir in den hellen Partien, in den mehr unter der Oberfläche liegenden Partien des Gehirns, den Partien, die als Nervenstränge von den Sinnen ausgehen, eine sehr komplizierte Organisation, aber eine Organisation, die für denjenigen, der sie durchschauen kann, in Abbau begriffen ist, in fortwährendem Abbau in Wirklichkeit, wenn der Abbau auch sehr langsam geht, so daß er mit grober Physiologie nicht verfolgt werden kann. Aber aus alledem baut sich auf im Menschen, der sich dadurch gerade vom Tiere unterscheidet, das peripherische Gehirn, das eigentlich der menschlichen Organisation zugrunde liegende Gehirn. In bezug auf den menschlichen Bau ist eigentlich das zentrale Gehirn, die Fortsetzung der Sinnesnerven und ihre Verbindungen, vollkommener. Das äußere Gehirn, das der gewöhnlichen Organisation des Menschen zugrunde liegt, ist eigentlich mehr noch ein dem Stoffwechsel naheliegendes Organ als die tieferen Partien des Gehirns. Aber dafür ist auch dieses, das dem Menschen eigentümliche peripherische Gehirn, das eigentliche Stirngehirn, eigentlich durch die Ich-Organisation herausgerettet aus demjenigen, was sonst schon zerfällt. Und so geht es durch den ganzen menschlichen Organismus. Die Ich-Organisation rettet aus dem Zerfall, den der astralische Leib bewirkt, wiederum gewisse Elemente, aus denen nun aufgebaut wird dasjenige, was dem harmonisch geordneten Denken, Fühlen und Wollen des Menschen zugrunde liegt.
Ich kann diese Dinge natürlich nur andeuten, möchte aber doch darauf hinweisen, daß wir auf dem Gebiet der geistigen Forschung genau ebenso exakt verfahren, wie nur irgendeine äußere Wissenschaft experimentierend verfahren kann, und uns auch verantwortlich fühlen, so daß wir uns jederzeit fragen: Stimmt dasjenige überein, was wir im geistigen Schauen finden, mit demjenigen, was Ergebnis der äußeren empirischen, physischen Forschung ist? — Anderes wird nicht in Wirklichkeit, wenigstens prinzipiell nicht gelten gelassen.
Aber gerade der Bau des Gehirnes weist uns hin auf dieses, was man dann mit dem Schauen, mit dem geistigen Schauen, mit dem spirituellen Wahrnehmen erkennt, daß beim Menschen zu den drei Gliedern, dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem astralischen Leib, die Ich-Organisation zugrunde liegt, die gewissermaßen einen Parasiten aus den Zerfallsprodukten wiederum aufbaut, gewissermaßen wiederum lebendig macht. So haben wir vier Glieder der menschlichen Organisation. Diese vier Glieder der menschlichen Organisation müssen zueinander im gesunden menschlichen Organismus ganz bestimmte Verhältnisse haben.
Ich möchte, wenn ich mich durch ein wissenschaftliches Analogon ausdrücken soll, folgendes sagen: Wir bekommen nur Wasser, wenn wir Wasserstoff und Sauerstoff in einer gewissen Weise nach den Gewichtsverhältnissen miteinander vereinigen; in einer anderen Weise wird aus Sauerstoff und Wasserstoff nicht Wasser. Wasserstoff und Sauerstoff haben eine gewisse Relation zueinander. Ist diese Relation erfüllt, entsteht Wasser.
Ebenso ist der Mensch da, wenn eine normale Relation - wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf — zwischen physischem Leib, ätherischem Leib, astralischem Leib und Ich-Organisation ist. Wir haben nicht nur vier, sondern vier mal vier Relationen. Alle können gestört werden. Es kann der ätherische Leib präponderieren, denn das Lebendige unterscheidet sich von dem Toten dadurch, daß zwar ein Gleichgewicht da ist, dieses Gleichgewicht aber labil ist. Wasser entsteht einfach nicht, wenn nicht die Relation zwischen Wasserstoff und Sauerstoff da ist. Im menschlichen Organismus aber kann ein abnormes Verhältnis eintreten zwischen dem ätherischen Leib und dem physischen Leib oder zwischen dem astralischen Leib und dem ätherischen Leib oder zwischen der Ich-Organisation und einem dieser Glieder. Alle sind sie miteinander verbunden, haben bestimmte Relationen zueinander. Werden sie gestört, haben wir den kranken Organismus vor uns.
Nun aber ist diese Relation, die man durchschauen kann, nicht etwa eine durch den ganzen Menschen hindurchgehende gleichmäßige, sondern sie ist für jedes menschliche Organ verschieden. Betrachten wir eine menschliche Lunge, so stehen in der menschlichen Lunge physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich-Organisation in einem anderen Verhältnis als im Gehirn oder in der Leber. Dadurch gerade ist der Mensch eine so komplizierte Organisation, daß in jedem seiner Organe das Spirituelle und das Materielle in verschiedenen Verhältnissen stehen.
Wenn ich mich heute mehr im Allgemeinen aufhalten darf - ich werde auf Spezielles morgen eingehen -, so möchte ich von diesem Allgemeinen sagen: Da kann für ein Organ, sagen wir Leber, Niere, eine zu starke Astralität vorhanden sein. Ich möchte sagen, es ist ein bestimmtes, für den gesunden menschlichen Organismus taugliches Verhältnis zwischen der Niere als physischem Organ, ätherischem und astralischem Leib und Ich-Organisation da. Es kann die astralische Organisation in der Niere überwiegen, sie kann zu stark sein. Sie kann auch zu schwach sein. Beides bedeutet eine Nierenkrankheit.
Dasselbe aber, Zu-schwach-Sein der astralischen Organisation oder Zu-stark-Sein, ist in einem anderen Organ anders. Sie sehen daraus, es muß genau so, wie der physische Anatom, der physische Physiologe, nach den äußeren physischen Merkmalen den Organismus des Menschen studiert, so muß exakt, nachdem einmal dieses allgemeine spirituelle Schauen zugegeben und geübt ist, die menschliche Organisation studiert werden, Gesundheit und Krankheit jedes Organes für sich beobachtet werden, erkannt werden. Dadurch gelangt man allmählich zu einer vollständigen, zu einer totalen Erkenntnis des menschlichen Organismus. Man erkennt den menschlichen Organismus nicht, wenn man ihn bloß seiner physischen Organisation nach kennt. Man erkennt ihn erst, wenn man ihn nach diesen genannten vier Gliedern erkennt. Und man durchschaut das Wesen einer Krankheit erst dann, wenn man sagen kann, wie im menschlichen Organismus irgendeines der vier Glieder, die genannt worden sind, da oder dort entweder zu stark prädominiert oder zu stark zurücktritt. Dadurch, daß man auf diese Dinge den geistigen Blick hinzulenken vermag, kommt man in der Tat zu einer eben spirituell neben dem Materiellen gehaltenen Diagnose. Und es wird auf dem Gebiet der anthroposophischen Medizin, das da bearbeitet wird, kein Mittel, das die gewöhnliche Medizin hat, vernachlässigt; davon kann gar nicht die Rede sein. Dagegen wird hinzugefügt zu alledem dasjenige, was durch dieses Durchschauen der menschlichen Organisation nach ihren vier Gliedern eben möglich ist in der Beurteilung des gesunden oder kranken Menschen.
Dazu kommt aber, daß es auch möglich ist, die spirituelle Anschauung nicht nur im Menschen, in bezug auf den Menschen zu haben, sondern diese spirituelle Anschauung in bezug auf die ganze Natur zu haben, das heißt, die ganze Natur nicht nur physisch zu durchschauen, sondern sie auch geistig zu durchschauen. Dadurch aber ist man erst wiederum in der Lage, die Beziehung des Menschen zur Natur, im Speziellen in der Medizin, die Beziehung des Menschen zu den Heilmitteln zu finden.
Betrachten wir eines. Ein sehr verbreiteter Stoff der Erdenorganisation ist die Kieselsäure. Die Kieselsäure ist in den schönen, so viel auf der Erde verbreiteten Quarzkristallen enthalten; aber auch fein verteilt in der Luft ist Kieselsäure. Achtundzwanzig Prozent der gesamten Substanz an der Erdoberfläche ist Kieselsäure, achtundvierzig Prozent Sauerstoff. Also Kieselsäure ist kaum viel weniger vorhanden als Sauerstoff auf der Erde. Die Kieselsäure bildet die schönen hellen, sechsseitigen Prismen, sechsseitigen Pyramiden. Wir finden sie in unseren Gebirgen, stellen sie uns ins Zimmer als besondere Stücke, die wir bewundern unter unseren Mineralien.
Diese Kieselsäure stellt einen unendlich wichtigen Bestandteil unserer Erde dar. Aber für denjenigen, der so, wie ich es angedeutet habe, die Dinge auch geistig durchschauen kann, ist alles dasjenige, was sich in allem Quarz, in allem Kieseligen darstellt, zugleich die äußere Offenbarung eines Geistigen.
Da wird der heutige Mensch noch rebellischer, als er wird, wenn man ihm beim Menschen vom Geiste redet. Beim Menschen läßt er sich es manchmal gefallen. Wenn man ihm aber von der Natur spricht, daß überall, wo ein Naturwesen sitzt, auch Geist drinnensitzt in dem Naturwesen: das läßt er sich nicht gefallen! Denn da will er sich überall mit der physischen Natur Genüge tun. Aber es ist nicht so. Es ist ein ganz gewaltiger Unterschied, wenn wir Kieselsäure unter uns haben und sie geistig durchschauen, zum Beispiel Quarzkristall oder auch ganz feine Kieselsäure, oder wenn wir Kohlensäuregas durchschauen mit dem trainierten Bewußtsein. Man ist eben heute gewöhnt, die gewöhnlichen physischen Merkmale gelten zu lassen: Kohlensäure ist Carbo, Kohlenstoff und Oxygen, Sauerstoff; Kieselsäure ist Silizium und Sauerstoff, und man beurteilt Sauerstoff und Kiesel nach den Eigenschaften, die sie in der Retorte zeigen, die man sonst nach Reaktionen im chemischen Laboratorium beobachten kann. Ebenso Kohlenstoff und Sauerstoff.
Aber zu alledem kommt Geistiges. Und das ist nun so, daß bei allem Kieselsäurigen, bei alledem, was so ist, wie in festem Zustande der Quarz ist, der Bergkristall, den wir draußen in unseren Hochgebirgen finden, bei alledem ist es so, daß diese Substanz, diese kieselige Substanz, allem Geistigen einen freien Weg gibt. Die Kieselsäuresubstanz läßt alles Geistige der Welt, das in der Welt webt und lebt, immer durch sich durchgehen.
Das ist das Merkwürdige, wenn man einen Quarzkristall vor sich hat: er ist wie eine Durchgangsstation für das Geistige. Es sind ja um die Erde herum achtundzwanzig Prozent der Gesamtsubstanz Kieselsäure und durch alles, was im Kieselsäureprozeß ist, geht das Geistige durch, wie eben das Licht durch etwas Durchsichtiges durchgeht. Aber der Bergkristall Quarz kommt ja auch im sogenannten Undurchsichtigen vor als sogenannter Rauchtopas; trotzdem das Licht nicht durchgeht, geht alles Geistige durch.
Also wir haben es zu tun in der Natur mit solchen Stoffen, die einfach für den Geist durchlässig sind. Sie sind Träger des Geistes. Geist ist in ihnen, sie nehmen ihn überall auf, halten ihn nirgends zurück zugleich. Sie sind die wahren Durchgangsstationen für den Geist.
Verhalten sich solche Substanzen wie Kieselsäure in dieser Art zum Spirituellen, so ist es ganz anders bei der Kohlensäure. Die Kohlensäure hat die Eigentümlichkeit — und es ist in allem Physischen auch Geistiges —, daß, wenn Geistiges in die Kohlensäure kommt, es darinnen individualisiert wird. Die Kohlensäure will mit aller Kraft alles Geistige festhalten. Das Geistige selber wählt sich die Kohlensäure, um drinnen zu wohnen. Wenn das Geistige in das Kieselige kommt, will es weiter, will alles Kieselige auskosten. Wenn es an Kohlensäure herankommt, will es drinnenbleiben. Es fühlt sich an dem Orte, wo es die Kohlensäure ergriffen hat, außerordentlich heimisch.
Darauf beruht das Folgende: Beim Tiere haben wir in Atmung, Blutzirkulation, den Kohlensäureprozeß. Er ist vorzugsweise gebunden an den astralischen Leib. Der astralische Leib arbeitet; er arbeitet fortwährend in dem Kohlensäureprozeß. Der Kohlensäureprozeß ist das äußerlich Physische beim Tier, der astralische Leib ist das innerlich geistig Arbeitende. Das Spirituelle ist der astralische Leib; sein physisches Korrelat ist der Kohlensäureprozeß, der dem Ausatmen zugrunde liegt.
Die Ich-Organisation ist das spirituell Innerliche. Wir haben Kieselsäure in den Haaren, in den Knochen, in unseren Sinnesorganen, wir haben Kieselsäure an die ganze Peripherie des Leibes verteilt, überall, wo der Mensch irgendwie mit den Kräften der Außenwelt in Berührung kommt, ist Kieselsäure. Diese Kieselsäure ist das äußerliche Korrelat, die Wirksamkeit nach außen für die Ich-Organisation. Astralischer Leib: das innerlich Spirituelle; Kohlensäureprozeß: das äußerliche Physische. Kieselsäureprozeß: das äußerlich Physische; Ich-Organisation: das Innerliche.
Nun bedenken Sie, die Ich-Organisation muß in einer gewissen Weise stark genug sein, um all den Kieselsäureprozeß, der in ihr ist, zu verarbeiten, zu beherrschen. Ist die Ich-Organisation zu schwach, so fällt physisch der Kieselsäureprozeß heraus: ein Krankheitsprozeß. Der astralische Leib muß stark genug sein, den Kohlensäureprozeß zu beherrschen; ist er zu schwach dazu, fallen Kohlensäure oder ihre Zerfallsprodukte heraus: Beginn der Krankheit.
Man schaut also, indem man den starken oder schwachen astralischen Leib kennenlernt, gerade im Spirituellen die Ursache der Krankheit. Man schaut, indem man die Ich-Organisation kennenlernt, die Ursache all derjenigen Erkrankungen, die entweder einen falschen Kieselsäurezerfall im Körper bewirken, oder denen man irgendwie — wir werden davon morgen sprechen — therapeutisch beikommen muß durch einen Kieselsäureprozeß. Aber dasjenige, was daraus hervorgeht, ist ja das Folgende.
Mit der bloßen physischen Naturwissenschaft kann man als Heilmittel Kieselsäure irgendwie verarbeitet verabreichen. Es gibt dies ja natürlich; obwohl in der heutigen Medizin seltener Kieselsäure verwendet wird, wird sie doch verwendet. Aber man denkt dabei doch nur an das, an was der Chemiker denkt, an diese Verbindung von Kieseligem und Sauerstoff, SiO,. Man denkt nur an das. In Wahrheit verabreicht man aber, wenn man Kieselsäure verabreicht, eine solche äußere materielle Substanz, die nicht den Geist zusammenhält, sondern nur durch sich durchgehen läßt. Das muß man wissen. Verabreicht man dem Menschen Kieselsäure als Heilmittel, so muß man das Präparat so gestalten, daß der Geist in der richtigen Weise drinnensitzt.
Bei Heilmitteln, wo die Kohlensäure drinnensitzt, muß man sich bewußt sein: da drinnen arbeitet der astralische Leib.
Es ist also möglich, an eine Therapie zu denken, die nicht bloß mit den chemischen Agenzien, mit den chemischen Kräften arbeitet, son = dern die ein Heilmittel mit dem vollen Bewußtsein verabreicht: Geradeso wie du eine Portion physische Substanz verabreichst, oder wie du in einer bestimmten Prozentuallösung von physischer Substanz baden läßt oder injizierst, so injizierst du mit der bestimmten Substanz in einer ganz bestimmten Weise das Geistige in den menschlichen Organismus hinein.
So ist es durchaus möglich, den Übergang zu machen zu der Erkenntnis nicht bloß der physischen Substanz im Heilmittel, sondern desjenigen, was im Heilmittel als Geistiges wirkt. Das ist dasjenige, was der alten Medizin eben eigen war und wovon noch die Traditionen da sind, wovon gerade bei heute noch angewendeten wichtigen Heilmitteln die Tradition noch da ist.
Das ist dasjenige, wozu wir wieder kommen müssen. Und wir können dazu kommen, wenn wir ohne alle Vernachlässigung der physischen Medizin die spirituelle Erkenntnis zu der physischen, sowohl des Menschen wie der Natur, hinzufügen. Man kann dabei ganz ebenso exakt vorgehen, wie man in der physischen Naturwissenschaft vorgeht.
Das ist eben gerade, was Anthroposophie nicht korrigieren will an der gewöhnlichen Medizin, sondern einfach, weil sie sieht, daß die gewöhnliche Medizin überall das aus sich heraus eigentlich verlangt, es hinzufügen will zur gewöhnlichen Medizin. Davon wird man sich überzeugen, wenn demnächst das Buch erscheinen wird, das sozusagen eigentlich die erste Bearbeitung dieses Gebietes ist, das jetzt eben gerade im Druck ist und das darstellen wird die ersten Elemente. Die Dinge werden ja natürlich erst langsam erarbeitet werden können, und es wird lange Zeit brauchen, bis die ersten Elemente, die jetzt vorhanden sind, zu einem so schönen vollkommenen System werden gestaltet werden können, wie es die heutige Medizin nach allen Seiten darstellt, aber der Weg muß eben gegangen werden und der Weg wird gegangen werden, und das erste, was als Produkt nach dieser Richtung erscheint, ist das Buch, das im Zusammenarbeiten von mir und meiner lieben Freundin und Mitarbeiterin auf medizinischem und auf sonstigem geistesforscherischem Gebiete, auf dem Gesamtgebiete der Geistesforschung, Dr. med. Ita Wegman, die das Klinisch-Therapeutische Institut am Goetheanum leitet, entstanden ist. Was in diesem Buche zunächst wenigstens als Anfang wird dargestellt werden — der erste Band ist eben im Drucke -, stellt den einen Anfang dar. Es werden Fortsetzungen folgen, denn dasjenige, was ich Ihnen andeute, ist der Anfang einer ausgebreiteten spirituellen Erkenntnis, an die die Menschheit heute noch wenig glaubt, und man kann verstehen, daß sie noch wenig glaubt. Aber daß schließlich damit auch auf medizinischem Gebiet schon Erfolge errungen werden können, das kann dennoch auch schon in der Praxis studiert werden an dem Klinischen Institut von Frau Dr. Wegman. Und meine Überzeugung ist es, daß diejenigen Persönlichkeiten, welche ohne Vorurteil auf diese Fortsetzung und Ergänzung der Medizin mit demselben guten Willen eingehen, wie man sonst auf die physische Medizin eingeht, daß diese Persönlichkeiten es gar nicht schwierig haben werden, den Zugang zu dieser spirituellen Erfassung des Menschen und der spirituellen Erfassung einer gewissen Heilweise zu finden.
Ich habe versucht, wirklich nur das Prinzipielle anzudeuten. Ich weiß sehr gut, daß man aus solchen Andeutungen wenig gewinnen kann; ich möchte aber dennoch heute dann im dritten Teil die Sache damit beginnen, daß ich, nachdem dieser Teil übersetzt ist, übergehe dazu, zu zeigen, wie aus solchen Voraussetzungen heraus prinzipiell in die Erkenntnis bestimmter Krankheitsprozesse eingetreten werden kann und damit ein Fundament geliefert werden kann, von der Pathologie heraus in die Therapie zu kommen.
Ich darf mir nur noch erlauben, kurz an zwei Beispielen sozusagen die spirituell praktische Ausgestaltung desjenigen, was ich dargestellt habe, zu zeigen. Nehmen wir auf Grundlage dessen, was gesagt worden ist, an: Irgendwie zeigt sich im Menschen vor einer — wenn ich mich so ausdrücken darf - spirituellen Diagnose, daß der Ätherleib irgendwo prädominiert, daß die Tätigkeit des Ätherleibes zu stark ist. Es ist also das Folgende eingetreten: Wir stehen vor der Tatsache, daß einfach sich dem Blicke zeigt, der Ätherleib arbeitet in irgendeinem Organ zu stark. Der astralische Leib und die Ich-Organisation sind nicht in der Lage die astralische Organisation durch Abbau, die Ich-Organisation durch Wiederbeleben -, zu beherrschen diesen prädominierenden Prozeß des Ätherleibes in irgendeinem Organ. So stehen wir vor einer zu schwach gewordenen astralischen Organisation, vielleicht auch vor einer zu schwach gelenkten Ich-Organisation, der Ätherleib präponderiert. Er bringt in irgendeinem Organ die Prozesse des Wachstums, der Ernährung, so zustande, daß der menschliche Organismus zu wenig zusammengehalten wird durch den beherrschenden astralischen Leib, durch die beherrschende Ich-Organisation.
An dieser Stelle des prädominierenden Ätherleibes erscheint der menschliche Organismus zu stark ausgesetzt den zentrifugalen Kräften in den Kosmos hinaus. Im Ätherleib wirken diese. Sie stehen nicht im Gleichgewicht mit den zentripetalen Kräften des physischen Leibes. Und was sich entwickelt, kann der astralische Leib nicht beherrschen. Wir stehen in diesem Falle zugleich vor einem Prädominieren des Kieselsäureprozesses, vor einem Nichtbeherrschen des Kieselsäureprozesses durch die Ich-Organisation.
So etwas erblicken wir immer in der Tumorbildung. Und insbesondere eröffnet sich der Weg zum wirklichen Erkennen der Karzinomprozesse, Cancerprozesse auf diese Weise.
Sie werden immer finden, in bezug auf die Erforschung des Karzinoms, Cancer, werden sehr schöne Ansätze genommen. Man hat gerade in bezug auf diese Untersuchungen die besten Erfolge erzielt, die eigentlich auf physischem Gebiete erzielt werden können. Aber das Karzinom läßt sich nicht begreifen, solange man nicht weiß, daß es sich um ein Prädominieren des Ätherleibes handelt, das nicht zurückgedrängt, nicht abgebaut wird durch ein entsprechendes Wirken des astralischen Leibes, der Ich-Organisation. Und es entsteht die Frage: Was hat man zu tun, um nun partiell für das betreffende Organ die astralische Organisation, die Ich-Organisation zu verstärken, damit die prädominierende Ätherorganisation genügend abgebaut werden kann? Das ist die Frage, zunächst abstrakt aufgestellt, die hinüberführt zur Therapie des Karzinoms, über die ich mir dann erlauben werde, morgen zu sprechen.
Wir sehen also hier aus dem Begreifen des Ätherleibes den Weg eröffnet, eine der allerschlimmsten menschlichen Erkrankungen nach und nach zu durchschauen und durch das Begreifen der spirituellen Wirkungen in den Heilmitteln das Betreffende zu bekämpfen. Das ist ein Beispiel, wo man auf den Ätherleib hinschauen muß, um die Krankheit durchgreifend zu verstehen.
Nehmen wir aber an, der astralische Leib prädominiere, und zwar so, daß der astralische Leib so prädominiert fast durch den ganzen Organismus hindurch, daß man es zu tun hat mit einer allgemeinen, ich möchte sagen, Versteifung des astralischen Leibes, daß der astralische Leib zu stark seine inneren Kräfte entwickelt und eigentlich, ich möchte sagen, sich viel wichtiger macht im Organismus, als ihm zukommt. Was entsteht dadurch? Zunächst, wenn der astralische Leib von der Ich-Organisation nicht beherrscht werden kann, wenn er in seinem Abbau nicht durch einen Wiederbelebungsprozeß in entsprechender Weise paralysiert werden kann, ein Gleichgewicht hergestellt werden kann, dann treten vor allen Dingen Erscheinungen auf, die immer mit einer zu schwachen Ich-Organisation zusammenhängen. Denn wenn der astralische Leib zu stark ist, ist die Ich-Organisation dazu relativ zu schwach. Das ist immer verbunden mit all den Krankheitssymptomen, die von einer zu schwachen Ich-Organisation, zu starken astralischen Organisation herrühren.
Das tritt zunächst auf in den Erscheinungen der abnormen Herztätigkeit. Wir haben also einen Symptomenkomplex aufzusuchen, in dem ein Bestandteil die zu starke Herztätigkeit ist.
Weiter ist ein Ergebnis einer relativ zu schwachen Ich-Tätigkeit in bezug auf den astralischen Leib die hervortretende Tätigkeit der Drüsen. Also mehr oder weniger peripherische Drüsenorgane beginnen, weil sie von der Ich-Organisation nicht genügend beherrscht werden, eine prädominierende Tätigkeit zu entwickeln. Wir sehen zum Beispiel dasjenige auftreten, was diese Drüsen hier (am Halse) anschwellen läßt: die Kropfbildung tritt auf.
Wir sehen weiter, wie durch den sich versteifenden astralischen Leib der Kieselsäureprozef, der in der Reaktion von innen zurückwirken sollte, nach außen gedrängt wird, wie die Ich-Organisation nicht in der Lage ist, gerade in den Sinnesorganen, wo sie entsprechend stark wirken soll, stark genug zu wirken. Wir sehen daher, wie die Augen aufquellen. Der astralische Leib treibt die Augen nach außen. Die Ich-Organisation ist dazu da, dieses Nach-außen-Treiben der Augen zu beherrschen. Unsere Augen sind durch das stabil labile Gleichgewicht zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in ihrer der Organisation entsprechenden Lage gehalten. Wir sehen nun die Augen heraustreten, wie wenn sie aus dem Organismus heraustreten sollten, weil die Ich-Organisation zu schwach ist, sie in dem Organismus in der richtigen Weise zu halten. Wir sehen aber auch eine allgemeine Unruhe auftreten, eine Sensitivität, eine Nervosität. Wir sehen endlich, weil die Ich-Organisation nicht in richtiger Weise die organischen Prozesse, insofern sie der astralische Leib bewirkt, zurücktreiben kann, prädominierend die Tätigkeit des astralischen Leibes. Es tritt dasjenige ein, was eintreten muß, wenn die Ich-Organisation zu schwach ist und der Mensch gewissermaßen getrieben und gestoßen wird von der seiner Ich-Organisation untergeordneten astralischen Organisation, wir sehen Schlaflosigkeit, mit diesem Hervortreten der Augen, mit abnormer Drüsentätigkeit verbunden, kurz, wir sehen, indem wir den Menschen begreifen, Morbus Basedow, wir sehen die Basedowsche Krankheit.
Finden wir uns so zurecht, erkennen wir, daß durch eine Störung des Gleichgewichtes zwischen Ich und astralischen Leib die Basedowsche Krankheit, Morbus Basedow, hervorgerufen wird, dann können wir wieder auf entsprechendem Wege versuchen, die Therapie auszubilden.
Sie sehen, die Dinge können durchaus auf exaktem Wege gesucht werden, sowohl hinsichtlich ihrer pathologischen Lage, wie hinsichtlich der Therapie, und mit Hilfe des spirituellen Durchschauens des Menschen, entsprechend gefunden werden.
Das ist dasjenige, was ich zunächst mir erlaubt habe, vorauszusetzen. Ich werde dann insbesondere mir erlauben, morgen überzugehen von diesen beiden Beispielen, die ich gegeben habe, um zu zeigen, wie eine solche spirituelle Pathologie auch hinüberführt in eine solche spirituelle Therapie. Ich werde ausgehen von diesen beiden, ich möchte sagen, charakteristischen Krankheitsbildern, dem Karzinom und Morbus Basedow, um von da aus zu zeigen, wie man auf diesem Wege zu einer Bereicherung, Ergänzung des Therapeutischen kommen kann, nachdem man zunächst eine wirkliche exakt spirituelle Grundlage für Physiologie und Therapie geschaffen hat.
Auf das Therapeutische, also in bezug auf die beiden Beispiele, werde ich mir erlauben, morgen einzugehen, um daraus ein weiteres Bild von der Therapie zu geben, die aus dieser Fundation folgen kann.