21. «Homunkulus»
Modernes Epos in 10 Gesängen von Robert Hamerling1
A. Richter, Hamburg und Leipzig 1888
Hamerlings Eigenart liegt in einem glücklichen Zusammenwirken einer reichen Phantasie mit einem den Sachen auf den Grund gehenden Tiefsinn. Dadurch scheint er der berufenste poetische Darsteller jener geschichtlichen Epochen zu sein, in welche die Wendepunkte der Menschheitsentwicklung fallen. Sein Tiefsinn lässt ihn überall die treibenden Kräfte, die springenden Punkte in der Geschichte finden, und seine herrliche Phantasie verkörpert dieselben in einer Fülle von Gestalten, in denen sich der ganze Inhalt ihrer Zeit spiegelt und die dabei doch voll individuellen Lebens sind. Hamerling schildert zumeist Zeiten, in denen eine hohe Kulturstufe sich auf ein sinkendes Geschlecht vererbt, das den Aufgaben, die ihm auf der von den Vorfahren erreichten Bildungshöhe gestellt werden, nicht mehr gewachsen ist. In solchen Zeiten ist der Mensch nicht imstande, die Fülle des Geistes zu fassen, der er gegenübersteht, und sie wird deshalb in ihm zum Zerrbilde: die auf dem Höhepunkte angelangte Kultur verkehrt sich in ihr Gegenteil und verzehrt sich selbst. Dies zeigt der Dichter in «Ahasver» für die römische, in der «Aspasia» für die griechische Kultur; im «König von Sion» und in «Danton und Robespierre» ist seine Grundidee ganz die gleiche. Von derselben Idee ist nun auch sein neuestes Epos «Homunkulus» getragen. Es stellt jene Karikatur dar, zu der unsere moderne Kultur wird, wenn man sich vorstellt, dass sie auf den von ihr eingeschlagenen Pfaden bis zu den letzten Konsequenzen kommt. Homunkulus ist der Repräsentant des modernen Menschen. Nichts anderes ist ja für diesen so bezeichnend als der gänzliche Mangel dessen, was man Individualität nennt. Jener Quell immer frischen Lebens, der uns stets Neues aus unserem Innern schöpfen lässt, sodass unser Gemüt und unser Geist mit einer gewissen in sich selbst gegründeten Tiefe ausgestattet erscheint, die sich nie ganz ausgibt, der kommt dem modernen Menschen ganz abhanden. Eine ausgesprochene Individualität ist nichts Überschaubares, denn wenn wir noch so viele Lebensäußerungen derselben kennengelernt haben, so ist es uns nicht möglich, daraus ein solches Bild von ihr zusammenzufügen, dass wir die Summe ihrer weiteren Betätigung vorausschen könnten. Jedes folgende Tun erhält eben immer wieder einen neuen Impuls aus der Tiefe des Wesens, der uns neue Seiten desselben zeigt. Das unterscheidet die Individualität vom Mechanismus, der nur das Ergebnis des Zusammenwirkens seiner Bestandstücke darstellt. Kennen wir diese, so sind uns auch die Grenzen klar, innerhalb welcher sein Wirken eingeschlossen ist. Das Leben des modernen Menschen wird nun immer maschinenhafter. Die Erziehung, die Gesellschaftsformen, das Berufsleben, alles wirkt dahin, das aus dem Menschen zu treiben, was man individuelles Leben, Seele nennen möchte. Er wird immer mehr ein Produkt der Verhältnisse, die auf ihn einwirken. Dieser seelenlose, unindividuelle Mensch bis zur Karikatur gesteigert, ist Hamerlings Homunkulus. Auf chemische Weise, in der Retorte erzeugt, fehlt ihm jede Möglichkeit einer Weiterentwickelung über die Grenzen hinaus, die ihm der Meister der Wissenschaft durch die der Mischung zugesetzten Stoffe bestimmt hat. Dieser menschliche Mechanismus durchläuft alle Stadien modernen Lebens. Bei ihm erscheinen alle Verkehrtheiten desselben auf die Spitze getrieben und dadurch in ihrer inneren Hohlheit. Er unternimmt alles Mögliche. Sein Streben ist aber nie darauf gerichtet, wirklich Positives zu schaffen, sondern nur die Erzeugnisse der Natur und des Menschengeistes zu seinen in sich ganz nichtigen Unternehmungen zu benützen, um so zu Ehren und Ansehen und zur Herrschaft zu kommen. Erst versucht er es durch die Gründung einer großen Zeitung modernen Stils. Indem er da alle Ausschreitungen der heutigen Journalistik bis zum äußersten steigert, scheint er am besten seinen Zweck zu erreichen. Doch genügt ihm der Beruf nicht mehr, als er eine neue Ära «volkswirtschaftlichen hohen Aufschwungs» herankommen sieht. Er wird Gründer und dadurch Billionär. Mit überlegenem Humor bringt hier der Dichter zur Anschauung, wie die ganze Welt im Staube liegt vor der niedrigen Geldgröße und ihr huldigt. Ein großer Krach wirft Munkel von der erklommenen Höhe herunter, und er ist gezwungen, einen neuen abenteuerlichen Lebensweg zu suchen. Es gelingt ihm die Hebung des Nibelungenschatzes, die nur einem vaterlosen Menschen möglich ist, und die Verbindung mit Lurley, der Nixe, die als seelenloses Weib, als Typus echter, moderner weiblicher Unnatur, sich dem seelenlosen Manne gesellt. Sie gründen ein Reich der Unnatur im Eldorado. Da werden alle Begriffe des Natürlichen auf den Kopf gestellt. Die großartige Schilderung des Parteilebens in dieser Staatsmissgeburt wird jeder mit Genuss lesen. Nachdem auch diese «Gründung» missglückt, wirft sich Munkel darauf, jene Affen, die bei der Menschwerdung dieses Geschlechtes noch auf der Affenstufe stehengeblieben sind und die, nach seiner Ansicht, viel unverdorbener sein müssen als ihre entarteten Sprossen, auch noch zu Menschen zu erziehen und einen neuen Staat mit ihnen zu schaffen. Auch dieses Reich krankt an dem Fehler wie alle anderen Unternehmungen des Homunkulus. Es ist der Affe zwar äußerlich Mensch geworden, er lebt sogar in den Formen des Staates, aber es fehlt wieder die Seele. Die Affen sind Mechanismen, ihr Staat ebenfalls. Alles muss sich deshalb schließlich in seiner Unmöglichkeit zeigen. Bald sehnt sich Munkel nach einer neuen Befriedigung seines Tatendranges. Er sucht sie, indem er den Juden die Auswanderung nach Palästina und die Gründung eines neuen Judenreiches predigt. Er stellt sich an die Spitze des Zuges und wird in Jerusalem König der Juden. Aber die Juden brauchen Europa, und Europa braucht die Juden. Und so kehren sie, nachdem sie sich völlig unfähig zur Führung eines eigenen Reiches erwiesen, nach Europa zurück. Homunkulus, ihren König, schlagen sie zuvor ans Kreuz. In diesem Gesang steht Hamerling mit der überlegenen Objektivität eines Weisen sowohl den Juden wie den Antisemiten gegenüber. Man hat hier freilich am ehesten Gelegenheit, diese Objektivität zu verkennen. Die größte Kurzsichtigkeit besteht jedoch darinnen, wenn, wie so vielfach geschehen ist, von überempfindlichen Juden die unbefangene Beurteilung der Verhältnisse schon als ein Fehler angesehen wird. Man hat aber kein Recht, jenen, der nicht ausdrücklich seine Parteinahme für die Juden betont, sogleich der Stellungnahme gegen sie zu beschuldigen. Homunkulus, der schmählich Verlassene, wird mit Hilfe Ahasvers gerettet und erscheint wieder in Europa, um die theoretischen Ansichten des Pessimismus zur Tat werden zu lassen. Es wird ein Kongress einberufen, der den Zweck hat, alle Wesen zu bewegen, an einem Tage durch einmütigen Entschluss dem Dasein ein Ende zu machen. Die Einigung wird erzielt, und das höchste Ideal der Pessimisten scheint durch Munkels Genialität seiner Verwirklichung nahe. Der 1. April soll der Tag des Endes sein, alles geht gut. Da hört man im entscheidenden Augenblicke den Kuss eines Liebespaares, und alles ist wieder vereitelt. Da sieht denn Homunkulus endlich ein, dass mit diesem verderbten Geschlechte nichts mehr anzufangen ist, er baut ein Luftschiff und fährt hinaus in den unendlichen Weltenraum. Ein Blitz schlägt in das Fahrzeug, und so schwebt denn Homunkulus, an den Resten desselben hängend, mit Lurley, die er, nachdem sie ihm wiederholt durchgegangen, stets wiedergefunden, im unendlichen Weltraum, ein Spiel der kosmischen Kräfte, bald von diesem, bald von jenem Weltkörper angezogen und abgestoßen. Er kann nicht sterben, er wird ein Spiel der Elemente, aus denen er maschinenartig zusammengesetzt ist. Der seelenlose Mensch kann nicht glücklich werden. Nur aus dem eigenen Selbst kommt unser Glück. Ein tiefes, gehaltvolles Inneres allein vermag Befriedigung zu geben. Wer ein solches nicht hat, ist im höheren menschlichen Sinne nicht wahrhaft entstanden. Wo dieser Urquell fehlt, erscheint das Leben als eine Irrfahrt ohne Ziel und Zweck. Was einen Anfang in jenem charakterisierten höheren Sinne genommen hat, kann ruhig wieder abtreten, wenn seine Aufgabe erfüllt ist. Homunkulus aber kann nicht sterben, er ist ja nie wahrhaft geboren. Ein bloßer Mechanismus kennt nicht Geburt noch Tod. Deshalb wird er ewig im Weltenraume schweben.
Man sieht, Hamerlings Tiefsinn ist es in herrlicher Weise gelungen, der Zeit ihre Verirrungen vorzuhalten. Wie die Grundidee groß und bedeutend, so ist auch das einzelne lebensvoll. Hamerling ist auch hier der idealistische Dichter geblieben. Dieser hat ja die Aufgabe, die Konsequenzen der Wirklichkeit zu ziehen, über das Zufällige hinweg auf das Tiefere zu schauen. So wie das wahrhaft Große und Würdige im Ideal nur noch gesteigerter, würdevoller erscheint, so wird das Schlechte, Verkehrte beim idealistischen Dichter zur Karikatur. Viele werden sich an diesen Zerrbildern stoßen; sie sollten die Schuld nur nicht beim Dichter, sondern bei der Welt, aus der er geschöpft hat, suchen. Unsere Kritik freilich ist am weitesten von dieser objektiven Beurteilung des Werkes entfernt, sie hat es in den Streit der Parteien hinabgezerrt und in der unglaublichsten Weise dem Publikum gegenüber das Bild desselben zu entstellen gesucht. Wir wollen in einem weiteren Artikel von diesem Verhalten der Kritik zum «Homunkulus» sprechen.
An dem Verhalten unserer Kritik dem «Homunkulus» gegenüber hat sich wieder einmal so recht gezeigt, dass sie alles Strebens nach Objektivität bar ist. Ob sie den Kernpunkt eines Werkes findet, ob sie die Sache in das rechte Licht setzt, das ist ihr gleichgiltig; ihr kommt es nur darauf an, eine Reihe von «geistreichen» Phrasen zu drechseln, um ihr Publikum zu «amüsieren». Das Letztere fragt denn auch zumeist nicht, ob der Kritiker treffend geurteilt hat oder nicht, ob er imstande ist, sich selbstlos in ein Werk zu vertiefen; es fragt nur nach jener witzelnden Geistreichtuerei, die der Feind aller positiven Kritik ist. Diese Kritik bedenkt nie, dass sie völlig unfruchtbar ist, wenn sie sich nicht die ernste Aufgabe stellt, dem Publikum in dem Verständnisse der Zeit und ihrer Erscheinungen voranzugehen. Der Kritiker will nur die produktive geistige Arbeit des wahren Schriftstellers oder Künstlers zum Fußschemel benützen, um seine eigene unfruchtbare Persönlichkeit weithin bemerkbar zu machen. Überall ist es der mangelnde Ernst in der Auffassung ihres Berufes, den man der zeitgenössischen Kritik entschieden zum Vorwurfe machen muss. Musterhafte Kritik haben zum Beispiel die beiden Schlegel geübt, bei denen immer große Kunstprinzipien, eine bedeutende Weltanschauung im Hintergrunde standen, wenn sie urteilten. Jetzt überlässt man sich aber ganz der subjektiven Willkür. Nur diesem Umstande ist es zuzuschreiben, dass ein Kritiker heute Dinge vorbringt, die mit den vor wenigen Monaten von ihm behaupteten im krassen Widerspruche stehen. Wo eine ernste Kunst- und Weltauffassung die Einzelurteile tragen, da ist solches Schwanken nicht denkbar. Von einer Verantwortung vor dem Forum der Weltgeschichte hat die zeitgenössische Kritik zumeist nicht das geringste Bewusstsein. Hamerling hat in dem Gesange «Literarische Walpurgisnacht» die unerquicklichen Zustände unserer heutigen Literatur treffend dargestellt, freilich immer der Aufgabe des Dichters getreu bleibend, dessen Darstellung unbeeinflusst bleiben muss von den Tendenzen und Schlagworten der Parteien. Was aber hat die Kritik aus diesem «Homunkulus» gemacht? Sie hat ihn herabgezerrt in den Streit der Parteien, und zwar in die widerlichste Form desselben, in den Rassenkampf. Es ist gewiss nicht zu leugnen, dass heute das Judentum noch immer als geschlossenes Ganzes auftritt und als solches in die Entwicklung unserer gegenwärtigen Zustände vielfach eingegriffen hat, und das in einer Weise, die den abendländischen Kulturideen nichts weniger als günstig war. Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion allein, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise. Der Unbefangene hätte nun glauben sollen, dass die besten Beurteiler jener dichterischen Gestalt, die Hamerling der eben berührten Tatsache gegeben hat, Juden seien. Juden, die sich in den abendländischen Kulturprozess eingelebt haben, sollten doch am besten die Fehler einsehen, die ein aus dem grauen Altertum in die Neuzeit hereinverpflanztes und hier ganz unbrauchbares sittliches Ideal hat. Den Juden selbst muss ja zuallererst die Erkenntnis aufleuchten, dass alle ihre Sonderbestrebungen aufgesogen werden müssen durch den Geist der modernen Zeit. Stattdessen hat man Hamerlings Werk einfach so hingestellt, als wenn es das Glaubensbekenntnis eines Parteigängers des Antisemitismus wäre.
Man hat dem Dichter einen Standpunkt unterschoben, den er, vermöge der geistigen Höhe, auf der er steht, nicht einnehmen kann. Wir begreifen es nun ganz gut, dass jemand, dessen Name im «Homunkulus» in wenig schmeichelhaftem Zusammenhange genannt erscheint, zu einer objektiven Würdigung des Buches nicht kommen kann. Wenn aber ein großes Blatt wie die «Neue Freie Presse» über den «Homunkulus» nicht mehr zu sagen hat als die in fade Späße gekleideten Wutausbrüche eines notwendig Befangenen, dann weiß man wirklich nicht, ob man sich über solche Leichtfertigkeit ärgern oder über die Unverfrorenheit lachen soll. Muss denn da nicht einfach die Absicht bestehen, in der objektiven Darlegung des Geistes des Judentums schon Antisemitismus zu wittern? Für die Form des Antisemitismus, die, wenn man das entbehrliche Wort schon gebrauchen will, Hamerling eignet, gibt es eine ganz bestimmte Formel: Er nimmt — wie jeder unbefangene, von Parteifanatismus freie Mensch - dem Judentum gegenüber den Standpunkt ein, den jeder von den Vorurteilen seines Stammes und seiner Konfession unabhängige Jude teilen kann. Man verlange nur nicht mehr von einem Geiste, der so ganz mit den abendländischen Idealen verwachsen ist wie Hamerling. Ist das Gebaren der «Neuen Freien Presse» und ähnlicher Blätter dem «Homunkulus» gegenüber im höchsten Grade verwerflich, so ist es nicht minder unverzeihlich, wenn antisemitische Zeitungen Hamerling als einen Gesinnungsgenossen jener Partei hinstellen, die neben der Eignung zum Toben und Lärmen nichts Charakteristisches hat als den gänzlichen Mangel jedes Gedankens. Die Anhänger dieser Partei haben in ihren Blättern einfach Abschnitte aus dem Zusammenhange gerissen, um sie in ihrem Sinne umzudeuten, was ja bekanntlich das Hauptkunststück des Journalismus ist. Hamerling hat sich gegen solche Entstellungen seines neuesten Werkes entschieden verwahrt, erst in einem Brief, der in der «Grazer Tagespost» und in der «Deutschen Zeitung» gedruckt ist, dann in einem Gedichte in der «Schönen blauen Donau». Wir waren hier bemüht, seinen Standpunkt den absichtlich falschen Auslegungen seiner Zeitgenossen gegenüberzustellen.
Wir können nicht umhin, noch der Stellungnahme einiger anderer Kritiker zu gedenken, die auf einer gänzlichen Verkennung des Verhältnisses von Dichter und Dichtung beruht. Man fragt da: Wie muss doch ein Mensch mit sich und der Welt zerfallen sein, der sich zur Schöpfung von solch hässlichen Bildern hinreißen lässt; wie krankhaft muss das Gemüt dessen sein, der seiner Zeit ein solches Spiegelbild entgegenhält? Demgegenüber möchten wir eine andere Frage aufwerfen: Wie muss eine Kritik mit den Prinzipien aller Ästhetik zerfallen sein, die die Beurteilung eines Werkes als solchem auf das subjektive Empfinden des Dichters ablenkt? Es war ein großes Wort, das Schiller einmal Goethe gegenüber aussprach, als dieser sich beklagte, man werfe ihm das Unmoralische mancher seiner Gestalten vor: Kann man Ihnen nachweisen, dass die unsittlichen Handlungen aus Ihrer Denkweise fließen und nicht aus Ihren Personen, so könnte Ihnen das zum Vorwurf gemacht werden, nicht aber weil Sie vor dem christlichen, sondern weil Sie vor dem ästhetischen Forum gefehlt haben. Man sollte glauben, dass solche Grundsätze, die unumstößlich sind, unseren Kritikern längst in Fleisch und Blut übergegangen seien. Wäre das der Fall, dann aber hätten sie gefunden, dass die Zeitgestalten, die Hamerling geschaffen, nicht anders aussehen können, als wie sie eben sind, denn sie haben mit seiner Denkweise über die Zeit nichts zu tun. Das ist aber einer der Hauptfehler unserer Kritik, dass sie nicht, nach dem Vorbilde der Wissenschaft, die Grundsätze in sich aufnehmen will, die einmal als bleibende Axiome da sind. Sie ist da ganz in dem Falle der Gelehrten, die die bereits vorhandenen Grundsätze ihrer Wissenschaft nicht kennen. Wir haben eben keine Kritik, die vollkommen auf der Höhe ihrer Zeit steht, denn was sich dermalen so nennt, ist zumeist nichts als kritischer Dilettantismus.
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Siehe besondere Hinweise, $. 593 ff. ↩