40. Robert Saitschick: «Goethes Charakter»

Stuttgart 1898, Fromanns Verlag

Wer heute ein Buch über Goethe schreibt, muss sich wohl vorsehen, nichts Unnützes zu tun. Wir wissen entschieden zu viel über Goethe. Aber wenig wissen wir doch über die Tiefen seines Wesens. Denn Goethe war eine Natur, deren Empfindungen und Leidenschaften in einem intimen Verhältnis zu seiner Weltanschauung standen. Goethe konnte nur insofern glücklich sein, als sich ihm die tiefsten Weltgeheimnisse offenbarten. Wer das nicht versteht, sollte nie die Feder ergreifen, um ein Wort über Goethe zu schreiben. Robert Saitschick hat es doch getan, ohne auch nur eine Ahnung von dem Zusammenhang von Goethes Weltanschauung mit seiner Natur zu haben. Deshalb ist auch sein Buch «Goethes Charakter» das kläglichste, elendeste Machwerk, das es in der Goetheliteratur gibt. Solchen Goetheanschauern muss man zurufen: «Hand weg» von einem Objekte, das euch so fremd ist, als euch nur irgendetwas sein kann. Mich hat dies Buch wegen seiner tollen Phrasenhaftigkeit und der [Prätention], mit der es auftritt, empört.

German original of Robert Saitschick: “Goethe's Character” · ← Previous · Next →