85. Staatsanwalt und Dichter
Eine Mitteilung, die verdient, in weitesten Kreisen bekannt zu werden, bringt die letzte Nummer der Wiener Wochenschrift «Die Zeit». Der Dichter Wilhelm Schäfer hat in dieser Wochenschrift vor mehreren Monaten eine Novelle «Der Mörder» veröffentlicht. Er schildert die Vorgeschichte einer Mordtat und das weitere Schicksal des Mörders. Was tut der Staatsanwalt? Der Dichter selbst schreibt darüber: «Ich bin beim Erzählen von einem tatsächlichen Mord ausgegangen, der vor einigen und zwanzig Jahren in meiner Heimat uns Kinder in große Aufregung brachte. Der Ermordete wurde damals genau so aufgefunden, wie ich es erzählte: nackt und ohne Kopf. In dieser Geschichte hat der Staatsanwalt eine Reihe von Vorgängen dargestellt gefunden, die seltsamerweise genau mit dem übereinstimmen, was die Untersuchung erst in der letzten Zeit herausgebracht hat, und was außer dem Untersucher niemand wissen konnte, die ich aber durchaus erfunden habe, um die raffinierte Überlegung meines Mörders zu zeichnen. — Auf diese Weise bin ich vorlauter Fabulant in den Verdacht der Mitwisserschaft geraten. Und zwar so sehr, dass ich vorgestern in Sache des «Mordes im Aaperwald» einem Verhör unterzogen wurde.»