Astronomy as Compared to Other Sciences

GA 323 — 12 January 1921, Stuttgart

Zwölfter Vortrag

Heute möchte ich Sie darauf hinweisen, wie sich aus diesen Betrachtungen ein ganz bestimmtes Resultat gezeigt hat. Wir haben auf der einen Seite den Blick gewendet nach den Bewegungen der Himmelskörper, und wenn wir auch noch nicht diese Dinge konkret betrachtet haben - wir werden es noch tun -, so werden wir doch wenigstens im allgemeinen eine Vorstellung davon bekommen haben, daß wir es eben zu tun haben mit einer bestimmten Anordnung von sich bewegenden kosmischen Körpern. Wir haben auf der anderen Seite unsern Blick gewendet nach der menschlichen Gestaltung. Wir haben ab und zu auch einen Blick auf die tierische und pflanzliche Gestaltung geworfen und werden das noch weiter tun, um diese Dinge zur Unterstützung der Sache heranzuziehen. Aber wir haben in der Hauptsache den Blick auf die Gestalt des Menschen gerichtet. Es ist uns dabei aufgegangen, daß diese Gestaltung des Menschen in einem Zusammenhang steht mit dem, was in der Bewegung der Himmelskörper sich ausdrückt — wir wollen unsere Sätze so vorsichtig wie möglich formen.

323-12-01
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Ich habe Sie gestern darauf hingewiesen, daß wir, wo wit auch hinsehen mögen im menschlichen Organismus, überall finden können das Gestaltungsprinzip der Schleife, wenn wir absehen davon, daß die zwei äußersten polarischen Gegensätze die des Radius und der Sphäre sind. So daß wir also im menschlichen Organismus suchen müssen diese drei Gestaltungsprinzipien (Fig. 1): Die Sphäre mit der Wirkung nach innen zunächst; den Radius; dazwischen die Schleife, die Lemniskate. Nun werden Sie in der richtigen Weise diese Gestaltungsprinzipien des menschlichen Organismus beurteilen, wenn Sie die Schleifenlinie, die Lemniskate in sich mit variablen Konstanten denken, wenn ich mich paradox ausdrücken darf; also wenn wir Variable denken an der Stelle, wo sonst eine Kurve in ihrer Gleichung Konstanten hat. Wir haben wohl am deutlichsten ausgesprochen diese Variabilität in demjenigen, was gewissermaßen das Mittelstück des menschlichen Organismus ist. Wenn wir zusammenhalten die ganze Konstruktion von Rippenpaar und Rückenwirbel, so haben wir zwar im Rückenwirbel die eine Hälfte der Lemniskate in einer gewissen Weise sehr zusammengedrückt, zusammengedrängt, und die andere Hälfte in dem Rippenpaar auseinandergezogen (Fig. 2), aber das soll uns nicht darüber täuschen, daß doch als Bildungsprinzip dabei diese Lemniskate zugrunde liegt.

323-12-02
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Denn wir haben einfach uns vorzustellen, daß dasjenige, was im Rippenpaar, bei den Rippen nämlich, die sich vorne über das Brustbein zusammenschließen, geweitet ist in bezug auf den Raum, also gewissermaßen durch ein Dünnerwerden der Materie, beim Rückenwirbel ausgeglichen ist durch das Zusammengedrängtsein der Materie.

Wenn wir aber nun die Gestalt des Menschen von diesem Mittelstück gewissermaßen nach oben und nach unten betrachten, dann finden wir, daß nach oben der Rückenwirbel sich weitet, daß er also übergeht in eine große Ausweitung (Fig. 3), und daß uns gewissermaßen die Äste der Lemniskate entschwinden, daß sie sich gewissermaßen verkriechen in die innere Bildung, daß sie unbestimmt werden. Gehen wir von dem Mittelstück hier (Fig.2) nach unten, betrachten wir zum Beispiel den Ansatz der unteren Gliedmaßen im Becken, dann werden wir finden, daß demjenigen, was da nach unten sich weitet, ein Verkümmern des anderen Teiles der Schleife entspricht. Also, wir haben die in sich bewegliche Schleife zu denken, beherrschend das Mittelstück des Menschen, wo wir nur die Bildungskräfte uns dann so vorzustellen haben, daß bei der Ausweitung eben, gewissermaßen durch das Dünnerwerden der materiellen Kräfte, die eine Hälfte der Schleife ausgeweitet wird, die andere in sich zusammengezogen wird. Wir haben uns also vorzustellen, daß von diesem Mittelstück nach aufwärts der Teil der Schleife, der zunächst im Wirbel zusammengezogen war, sich weitet und der andere, der nach unten offene Teil der Schleife, uns entschwindet; und wir haben den Fall, daß die geschlossene Schleife verkümmert nach unterhalb des Mittelstücks und daß die nach oben (nach dem Haupte) entschwindenden Teile der Schleife sich unten fortsetzen, indem sie gewissermaßen sich angliedern dem Radialen (Fig. 4).

Sie sehen, wenn wir uns hineinfinden in die Möglichkeit, anschaulich zu verfolgen die in sich bewegliche Lemniskate, und wenn wir das Bildungsprinzip dieser in sich beweglichen Lemniskate uns kombiniert denken mit denjenigen Kräften, die entweder sphäroidal sind oder in bezug auf die Erdenmitte radial sind, so haben wir damit ein System von Kräften gegeben, das wir zugrunde liegend denken können - Sie brauchen sich bei «Kräften» nicht irgend etwas Hypothetisches zu denken, sondern lediglich dasjenige, was in der Formung drinnen sich ausspricht -, das wir aber zugrunde liegend denken können der ganzen Formung, der ganzen Gestaltung des menschlichen Organismus.

323-12-04
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Nun, dementsprechend finden wir auch draußen im Weltenraum in den Bewegungen der Himmelskörper eine merkwürdige Konfiguration dieser Bewegungen. Wir haben gestern gesehen, wie wir ja gewissermaßen in der Schleifenbildung der Planeten dasjenige Prinzip außer uns sehen, das in uns als Bildungsprinzip vorhanden ist. Und wenn wir verfolgen dieses Prinzip der Schleifenbildung, so ist ja interessant, daß die Schleife beim Merkur und bei der Venus auftritt, wenn diese Planeten in unterer Konjunktion sind, also wenn sie sich zwischen die Erde und die Sonne stellen, wenn also gewissermaßen dasjenige, was die Sonne für den Menschen ist, durch sie verstärkt wird. Wenn wir die Schleifen aufsuchen für Mars, Jupiter, Saturn, so finden wir, daß diese Schleifen auftreten in der Oppositionsstellung dieser Planeten. So daß wir also aus diesem Gegensatz der Konjunktions- und Oppositionsstellung etwas finden können, was auch entsprechen muß einem gewissen Gegensatz in den Bildungskräften des Menschen. Wenn wir uns vorstellen, daß von Saturn, Jupiter und Mars, weil sie uns ihre Schleifen in der Öppositionsstellung zeigen, diese Schleifen eine ganz besondere Wirksamkeit entwickeln, als Schleifen ganz besonders tätig sind, dann werden wir diese Schleifenbildung in Beziehung zu bringen haben zu demjenigen im Menschen, was - bedenken Sie, es ist die Oppositionsstellung - wenig von der Sonne beeinflußt ist; während wir, weil Venus und Merkur in der Konjunktionsstellung ihre Schleifenbildung entwickeln, diese Schleifenbildung in eine gewisse Beziehung bringen müssen zu demjenigen, was gerade von der Sonne oder durch dasjenige, was der Sonne zugrunde liegt, in den Bildungsprinzipien des Menschen bewirkt wird. Wir werden gewissermaßen uns vorzustellen haben, daß durch Venus und Merkur verstärkt wird die Sonnenwirkung; daß sich gewissermaßen die Sonnenwirkung zurückzieht gegenüber den sogenannten oberen Planeten, die gerade während ihrer Schleifenbildung ausdrücken irgend etwas, was in direkter Beziehung zum Menschen steht, nicht in indirekter Beziehung.

Wenn wir uns das weiter überlegen und uns klar sind darüber, daß der Gegensatz besteht zwischen Radius und Sphäre, dann brauchen wir nur der Form zu gedenken, die da in diesen Bewegungen zum Ausdruck kommt, und wir werden uns sagen müssen: Verwandt müssen sein Mars, Jupiter und Saturn, weil ja gerade ihre Sphären sich entsprechen da, wo sie übergehen in die Schleifenbildung, also gewissermaßen dann, wenn die Sphärenbildung hinaus sich drängt. Es müssen Saturn, Jupiter, Mars, von andern Planeten ganz abgesehen, ihre Wirkungen äußern auf dasjenige, was beim Menschen mit der Sphärenbildung in Zusammenhang steht, also auf das Haupt; dagegen müssen, weil sie wirklich polarische Gegensätze sind, die Schleifenbewegungen von Venus und Merkur sich äußern irgendwie in demjenigen, was auch polarisch entgegengesetzt ist im Menschen der Hauptesbildung, was sich also entparallelisiert der sphärischen Bildung und parallelisiert der radialen Bildung, also in demjenigen, was da bei der Verkümmerung des einen Teiles der Schleife gewissermaßen hineinwächst in die Gliedmaßenentwickelung, in die radiale Entwickelung. Das müssen wir in Zusammenhang bringen mit Venus und Merkur. Aber wir werden dann dazu geführt, uns zu sagen: Bei den oberen Planeten, die in der Oppositionsstellung die Schleife entwickeln, kommt es auf die Schleife an, auf die Entwickelung ihrer Intensität während der Schleifenbildung; bei den unteren Planeten, Venus und Merkur, wird es hauptsächlich darauf ankommen, daß sie wirksam sind durch dasjenige, was nun nicht die Schleife ist, was gerade der Schleife entgegengesetzt ist, also durch den übrigen Teil der Bahn. Und Sie brauchen ja nur sich so eine Schleife zu denken bei der Venus, wenn ich sie jetzt schematisch zeichne (Fig.5), so werden Sie gut zurechtkommen, wenn Sie sich bei ihr diesen Teil so denken, daß er immer unwirksamer wird, je weiter das nach unten geht, das heißt, daß sich das, was sich in der Venusbahn schließt, in den Wirkungen nicht mehr schließt, sondern ins meinetwillen Parabolische übergeht, gerade dutch die Verkümmerung, die in der menschlichen Gliederbildung entspricht den verkümmerten Rückenwirbeln und dergleichen, was dazugehört. Dieses Verkümmern entspricht gerade der Schleife der Bahn, die dadurch nicht voll festgehalten wird, die gewissermaßen nur die Richtung gibt und dann nicht festhalten kann die Richtung. Dasjenige, was sich schließt in bezug auf die Venusbahn, fällt in der menschlichen Bildung auseinander. So daß wir sagen müssen: Mit alle dem, was modifizierend dem menschlichen Gestaltungsprinzip so zugrunde liegt, daß die Metamorphose herauskommt zwischen dem Haupt und den Gliedmaßen mit dem ihnen zugeordneten Stoffwechsel, haben wir das, was im Weltenall dem Gegensatz entspricht zwischen Planeten mit ihren Schleifen in Konjunktionsstellung und solchen, die sie in Opposition entwickeln. Und zwischen beiden drinnen steht also dann die Sonne.

323-12-05
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Daraus aber geht uns etwas ganz Bestimmtes hervor. Es geht uns daraus hervor, daß wir auch mit Bezug auf diese qualitative Wirkung, die wir da konstatieren, in der Sonnenbahn etwas sehen müssen, was auch der Form nach irgendwie drinnen liegt zwischen demjenigen, was uns sind die Formen der oberen Planetenbahnen und die Formen der unteren Planetenbahnen. Und Sie sehen daraus, daß wir zuteilen müssen dasjenige, was sich uns ausspricht in der Bahnbewegung der Sonne, all demjenigen, was beim Menschen hineinfällt in die Mitte zwischen der Hauptesbildung und der Stoffwechselbildung, daß wir also zuteilen müssen das rhythmische System demjenigen, was irgendwie zusammenhängt mit der Sonnenbahn. Daraus werden Sie aber schon sehen, daß wir einen Gegensatz uns zu denken haben zwischen den Bahnen der oberen Planeten, den Bahnen der unteren Planeten und wiederum irgend etwas in der Sonnenbahn, was zwischendrinnen steht. Nun, sowohl mit Bezug auf die Sonnenbahn wie mit Bezug auf die Mondenbahn liegt ja etwas sehr Bedeutsames vor. Es liegt vor, daß weder Sonnenbahn noch Mondenbahn, wenn wir die Bewegungen der entsprechenden Himmelskörper verfolgen, Schleifenbildung zeigen. Sie haben keine Schleife. Wir müssen also in einen gewissen Gegensatz bringen dasjenige, was der Zusammenhang ist von Sonne und Mond mit dem Menschen, überhaupt mit dem irdischen Wesen, und dasjenige, was die Planetenbahnen mit ihren Schleifen sind. Die Planetenbahnen mit ihren Schleifen entsprechen offenbar demjenigen, was im Menschen sich wirbelt, Lemniskatenform annimmt.

Wenn wir die menschliche Gestalt einfach ins Auge fassen und sie in ihrem Verhältnis zur Erde denken, werden wir gar nicht anders können als dasjenige, was in der menschlichen Gestalt radial ist, in einen ebensolchen Zusammenhang zu bringen mit der Bahn der Sonne, wie wir in einen Zusammenhang bringen dasjenige, was lemniskatisch angeordnet ist, mit der Planetenbahn.

Sie sehen, was herauskommt, wenn man den ganzen Menschen, nicht bloß das menschliche Erkenntnisorgan, in ein gewisses Verhältnis bringt zu dem Sternenhimmel. Da kommt das heraus, daß wir in der Vertikalachse des Menschen in einer gewissen Weise werden zu suchen haben dasjenige, was der Sonnenbahn entspricht; daß wir werden zu suchen haben in alle dem, was lemniskatisch angeordnet ist, dasjenige, was den Planetenbahnen entspricht, den lemniskatischen, allerdings variabel lemniskatischen Planetenbahnen. Daraus wird aber etwas außerordentlich Bedeutsames folgen. Wir werden uns vorzustellen haben, daß der Mensch durch seine Vertikale in einer Beziehung steht zur Sonnenbahn. Wo haben wir die Möglichkeit, jetzt an die andere Bahn zu denken, die auch nicht eine Schleife zeigt, an die Mondenbahn? Wir werden natürlich -— Sie brauchen ja nur unbefangen die Bildungen auf der Erde anzuschauen - in dem, worauf wir schon gewiesen haben, in der Linie, welche längs des tierischen Rückgrates verläuft, das der Mondbahn Entsprechende zu suchen haben. Und wir werden in dieser Tatsache, daß des Menschen Rückgratlinie der Sonnenbahn zugeteilt ist, daß des Tieres Rückgratlinie der Mondenbahn zugeteilt ist, zu suchen haben den morphologischen Unterschied des Menschen von dem Tiere.

Also gerade wenn wir aufsuchen wollen den Unterschied des Menschen von dem Tier, können wir nicht auf der Erde stehen bleiben. Es hilft uns nichts, da eine bloß komparative Morphologie zu treiben, sondern wir müssen dasjenige, was wir in der Morphologie finden, dem ganzen Weltenall zuteilen, so daß wir also daraus auch eine Andeutung bekommen werden darüber, wie Sonnenbahn und Mondenbahn zueinander gelegen sein müssen, wenigstens zunächst perspektivisch gelegen sein müssen. Man muß sich immer ganz vorsichtig ausdrücken. Sie müssen so gelegen sein, daß apptoximativ die eine Bahn auf der anderen Bahn senkrecht steht.

Wenn Sie bedenken, daß wir es also bei der menschlichen Vertikalen, oder sagen wir besser bei demjenigen, was der Hauptlinie des menschlichen Rückgrates entspricht, zu tun haben mit etwas, was gegenüber dieser sinnvollen morphologischen Betrachtungsweise ganz entschieden seine Zugeordnetheit zeigt zur Sonnenbahn, dann werden wir nicht anders können, als die Sonnenbahn in einen Zusammenhang zu bringen, den wir allerdings in den nächsten Stunden noch genauer werden zu definieren haben, mit demjenigen, was in irgendeiner Weise zusammenfällt mit dem Radius der Erde, wobei ja die Erde Bewegungen ausführen mag, so daß sie mit vielen Radien zusammenfällt mit der Sonnenbahn. Jedenfalls gibt es eine Vorstellung, wenn wir sagen, es muß die Sonnenbahn in ihrer Richtung radial zur Oberfläche der Erde stehen. Wenn wir uns das vorstellen, so bleibt ja nichts anderes übrig, als daran zu denken, daß die Erde jedenfalls in keiner Weise eine Drehung #7 die Sonne ausführen kann, daß also dasjenige, was man mit vollem Recht sorgfältig herausrechnet als die Drehung der Erde um die Sonne, ganz gewiß die Resultierende sein muß von irgendwelchen anderen Bewegungen.

Nun sind ja natürlich alle Einzelheiten, die dabei in Betracht kommen in bezug auf die menschliche Bildung, so kompliziert, daß die Kürze dieses Kurses nicht gestattet, Ihnen alles auszuführen. Aber wenn Sie die angedeuteten morphologischen, qualitativmorphologischen Darstellungen ernsthaft ins Auge fassen, so werden Sie es der menschlichen Bildung anmerken, daß wir es zu tun haben mit einem Nachfolgen der Erde gegenüber der Sonne, gewissermaßen mit einem Vorauseilen der Sonne und einem Nachfolgen der Erde. Es muß sich also darum handeln, daß Erdenbahn und Sonnenbahn in einer gewissen Art zusammenfallen, daß die Erde in einer gewissen Weise der Sonne nachfolgt, so daß es möglich ist, daß die Radien der Erde bei der Drehung der Erde in die Sonnenbahn hineinfallen, oder wenigstens in einer bestimmten Beziehung zu ihr stehen.

323-12-06
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Nun können Sie ja natürlich einwenden, daß dieses alles widerspreche demjenigen, was die gewöhnliche Astronomie sagt. Aber es ist nicht einmal der Fall, es ist in der Tat nicht einmal der Fall! Denn Sie wissen ja, daß die gewöhnliche Astronomie zu Hilfe nehmen muß, um alle Erscheinungen zu erklären, außer dem Stillestehen der Sonne in einem bestimmten Punkt, der der Brennpunkt einer Ellipse sein soll, in der sich die Erde bewegt, auch noch eine Bewegung der Sonne nach einem bestimmten Sternbilde hin. Wenn Sie sich entsprechende Vorstellungen machen über die Richtung dieser Bewegung, dann werden Sie schon unter Umständen aus Sonnenbewegung und Erdenbewegung, wie sie da konstruiert werden, wiederum eine resultierende Bahn erhalten für die Erdenbewegung, die nicht zusammenfällt mit der gedachten Ellipse, in der sich die Erde um die Sonne dreht, sondern die eine andere Gestalt hat, die also durchaus nicht braucht so zu sein (Ellipse). Ich will Sie nach und nach auf diese Dinge hinführen, will heute nur darauf hinweisen, daß es nicht nötig ist, daß Sie das, was ich hier sage, für besonders umwälzend gegenüber der gewöhnlichen Astronomie halten. Das wichtigere ist die methodologische Betrachtungsweise, die Einordnung der menschlichen Gestalt in das ganze Bewegungssystem der Gestirne. Es handelt sich mir durchaus nicht darum, irgendwie hier eine Revolution der Astronomie vorzutragen. Das ist auch gar nicht besonders der Fall. Wenn Sie sich vorstellen, daß so etwas Bewegung der Erde ist (Fig.6) und die Sonne auch eine Bewegung hat, so werden Sie sich leicht vorstellen können, daß, wenn die Erde hinter der Sonne nachfolgt und die Sonne sich bewegt, es nicht unbedingt notwendig ist, auch nach den gegenwärtigen astronomischen Ansichten nicht, daß die Erde hier vorbeiläuft an der Sonne, sondern daß die Erde irgendwie, wenn hier die Sonne schon entschlüpft ist, nachzieht in der Sonnenbahn selber. Es ist sogar möglich, wenn Sie die hypothetische Geschwindigkeit ins Auge fassen, die ausgerechnet ist für die Sonnenbahn, daß Sie ein sehr nettes rechnerisches Resultat herausbekommen, daß Ihnen die Bildung der Resultierenden aus der angenommenen Erdenbewegung und der angenommenen Sonnenbewegung allerdings eine resultierende Bewegung gibt, sogar mit einer entsprechenden Geschwindigkeit, die sich in die heutige Astronomie einordnen läßt. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, daß die Dinge, die hier vorgetragen sind, durchaus nicht ohne Beziehung zur gegenwärtigen Astronomie vorgetragen werden, sondern mit einer gründlicheren Beziehung dazu als gewisse Theorien, die man, indem man heraussondett einige Bewegungen und die anderen unberücksichtigt läßt, eben als gewisse Theorien vorträgt. Mir kommt es nicht darauf an, hier geradezu eine Revolution der Astronomie Ihnen vorzutragen - ich betone das ausdrücklich, damit nicht Märchen entstehen -, sondern mir kommt es darauf an, das, was menschliche Gestaltung ist, zuzuordnen den Bewegungen der Himmelskörper, überhaupt dem ganzen System des Kosmos. Ich mache Sie im übrigen darauf aufmerksam, daß ja die Dinge durchaus nicht so einfach liegen in bezug auf das Zusammendenken der astronomischen Beobachtungen mit den Bahnen, die man für die Gestirne konstruiert, da ja, wie Sie aus dem zweiten Keplerschen Gesetz wissen, die Bahnformen wesentlich zusammenhängen mit den Radienvektoren, das heißt mit der Geschwindigkeit, die der Radiusvektor hat. Also, die ganze Form der Bahn ist ja abhängig von der Gestaltung des Radiusvektor. Wenn das der Fall ist, dann müssen wir auch in den Bahnformen, die uns entgegentreten, etwas sehen, worüber wir uns unter Umständen beim bloßen Aspekt Illusionen hingeben können. Denn es könnte ja durchaus sein, daß wir in demjenigen, was wir ausrechnen aus der Geschwindigkeit und wiederum aus der Länge des Radiusvektor, schon nicht ursprüngliche Größen hätten, sondern wiederum Resultierende von ursprünglichen Größen, so daß das Scheinbild, das entsteht, auf ein weiter Zurückliegendes weist.

Nun braucht man durchaus nicht einen solchen Ausspruch als etwas Besonderes anzusehen. Denn sehen Sie, wenn Sie im Sinne unserer gegenwärtigen Astronomie den Ort der Sonne zu irgendeiner Tageszeit an irgendeinem Tage ausrechnen wollen, so brauchen Sie ja eigentlich heute zer als bloß eine Rechnung, die etwa davon ausginge, dasjenige zugrunde zu legen, was der einfachen Aufstellung des Gesetzes entspricht: Es bewegt sich die Erde um die Sonne. Man hat es als besonders merkwürdig hervorgehoben, daß in der älteren Mysterien- Astronomie - nicht in der exoterischen - nicht von einer Sonne, sondern von drei Sonnen gesprochen worden ist, daß man drei Sonnen unterschieden hat. Nun, ich muß gestehen, daß ich eigentlich darin nichts besonders Auffälliges finde, denn die gegenwärtige Astronomie hat auch drei Sonnen. Sie hat die Sonne, deren Bahn sie ausrechnet als das scheinbare Gegenbild der Erdenbewegung um die Sonne. Nicht wahr, sie hat diese Sonne, deren Bahn sie ausrechnet. Sie hat dann noch eine Sonne, die eigentlich nur eine gedachte Sonne ist, durch die sie gewisse Dinge, die nicht stimmen, korrigiert. Und dann hat sie auch noch eine dritte Sonne, durch die sie die Dinge wiederum zurückkorrigiert, die dann doch noch nicht stimmen, wenn man die erste Korrektur vorgenommen hat. So daß man in der Tat auch in der gegenwärtigen Astronomie drei Sonnen unterscheidet: die wirkliche und zwei gedachte. Die braucht man, denn dasjenige, was man ausrechnet, das stimmt eben nicht für den wirklichen Sonnenort. Man muß immer korrigieren. Und das weist Sie schon darauf hin, daß wir ja auf unsere Rechnungen nicht allzu stark bauen dürfen, daß es schon anderer Mittel bedarf, um sich adäquate Vorstellungen von den Bewegungen der Gestirne zu machen als diejenigen sind, die aus den Rechnungsansätzen gegenwärtig gemacht werden.

Nun werden wir aber nicht dasjenige, was wir so, ich möchte sagen, an allgemeinen Vorstellungen über die Planetenbahnen bisher herausgerechnet haben, zu großer Bestimmtheit bringen können, wenn wir nicht weitergehen können in der Betrachtung der irdischen Wesen selber. Und da ist es schon notwendig, daß man sich einmal unbefangen anschaut, wie in einer gewissen Hinsicht die Reiche der Natur eigentlich zueinander stehen. Man betrachtet ja gewöhnlich diese Reiche so, daß man sie in einer geraden Linie denkt: Mineralisches Reich, pflanzliches Reich, tierisches Reich. Ich will noch anschließen das menschliche Reich, das ja manche nicht gelten lassen, aber das ist ja gleich. Nun fragt es sich, ob denn eine solche Anordnung überhaupt einen Sinn hat. Diese Anordnung liegt ja vielen unserer gegenwärtigen Betrachtungen zugrunde, hat wenigstens in der Blütezeit der mechanistischen Naturbetrachtung zugrunde gelegen. Gegenwärtig herrscht ja auf solchen Gebieten eine gewisse — Verzweiflung könnte man es nennen, in der Wissenschaft, aber die Denkgewohnbheiten sind doch noch dieselben geblieben, wie sie vor zwanzig oder dreißig Jahren noch in voller Blüte bestanden haben. Am liebsten wäre es da den Leuten gewesen, diese Reihenfolge: Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich, Mensch so verfolgen zu können, daß das Mineralreich das einfachste wäre, dann vielleicht durch eine gewisse Kombination der Mineralstruktur die Pflanzenstruktur zu gewinnen, wiederum dutch die weitere Kombination der Pflanzenstruktur die Tierstruktur, und so bis hinauf zum Menschen. In all den Gedanken, die man entwickelt hat über Urzeugung, generatio aequivoca, in all diesen Dingen spricht sich ja die Tendenz aus, dasjenige, was beseeltes Lebendiges ist, auf das Unbeseelte, das Unorganische, Mineralische zurückzuführen. Und ich glaube, daß es heute noch viele Wissenschafter gibt, welche daran zweifeln, daß man in irgendeiner anderen Weise vernünftig den Zusammenhang in der Reihe der Naturreiche sich denken könne, als eben so, daß man dasjenige, was zuletzt im Menschen erscheint, zurückführt auf das Unorganische. In wie vielen Abhandlungen, Büchern, Vorträgen und sonstigen wissenschaftlichen Offenbarungen, die durchaus ernst und fachmännisch genommen sein wollen, finden Sie überall wie hypnotisiert den Blick darauf hingewendet, auf welche Weise eigentlich irgendeinmal im Naturzusammenhang aus bloß mineralisch zu betrachtenden Atomanordnungen das belebte Urwesen entstanden sein könnte. Nun frägt es sich, ob man in dieser Weise überhaupt die ganze Reihe der Naturwesen ins Auge fassen kann; ob man dann, wenn man sie so ins Auge faßt, auf die bedeutsamsten Merkmale, die ganz offen zutage liegen, Rücksicht nimmt.

Wenn Sie zunächst ein Pflanzenwesen mit einem Tierwesen vergleichen, so werden Sie, wenn Sie alles zusammennehmen, was Ihnen die Betrachtung darbietet, finden, daß in der Tierbildung durchaus nicht etwas liegt, was bloß sich ausnimmt wie eine Fortsetzung der Pflanzenbildung. Man kann sich, wenn man die einfachste einjährige Pflanzenbildung betrachtet, deren Fortsetzung denken in der Dauerpflanze. Aber es ist unmöglich, aus den organischen Bildungsprinzipien irgend etwas herauszufinden, was die Pflanzenbildung in Fortsetzung zeigen würde zur Tierbildung hin. Dagegen ist es sehr wohl möglich, einen polarischen Gegensatz herauszufinden zwischen der Pflanzenbildung und der Tierbildung. Diesen polarischen Gegensatz können Sie einfach ergreifen an der auffälligsten Erscheinung, an demjenigen, was der Gegensatz ist in den Assimilationsprozessen zwischen dem Verhalten der Pflanze und des Tieres zum Kohlenstoff und der eigentümlichen Verwendung des Sauerstoffs. Es muß natürlich durchaus darauf aufmerksam gemacht werden, daß man diese Dinge in der richtigen Weise anschauen soll. Man darf natürlich nicht sagen, das Tier atmet bloß Sauerstoff ein, die Pflanze atmet bloß Sauerstoff aus und Kohlenstoff ein. So liegt ja die Sache nicht. Aber dennoch, im Ganzen der pflanzlichen Bildung ist in bezug auf das organische Leben ein polarischer Gegensatz im Verhalten zum Sauerstoff und zum Kohlenstoff. Es läßt sich am leichtesten dasjenige, was da vorliegt, so aussprechen, daß man sagt: Dasjenige, was beim Tier dadurch eintritt, daß sich der Sauerstoff an den Kohlenstoff bindet und die Kohlensäure ausgeschieden wird, ist beim Tier eigentlich Entbildungsprozeß, Entbildungsprozeß in dem Sinne, daß es aufgehoben werden muß, wenn das Tier bestehen will. Beim Menschen ist es geradeso. Bei der Pflanze aber muß dieses gerade gebildet werden.

323-12-07
323-12-07

Denken Sie sich, daß dasjenige, was da in einer gewissen Beziehung als Ausscheidungsprozeß auftritt, was weg muß beim Tier, gerade den Bildungsprozeß der Pflanze ausmacht. Da ist wirklich ein polarischer Gegensatz mit Händen zu greifen. Sie können sich nicht den Pflanzenbildungsprozeß entsprechend gradlinig fortdenken, um daraus den tierischen Bildungsprozeß zu haben. Aber Sie können sich dasjenige, was beim tierischen Bildungsprozeß verhindert werden muß, umgekehrt aus dem Pflanzenbildungsprozeß vorstellen. Wie weggenommen werden muß vom tierischen Bildungsprozeß der Kohlenstoff durch den Sauerstoff in der Kohlensäure, so können Sie sich geradezu, wenn Sie den Prozeß umdrehen, ihn als den Pflanzenbildungsprozeß vorstellen. So daß Sie in irgendeiner gradlinigen Fortsetzung von der Pflanze zum Tier nicht kommen. Wohl aber können Sie, ohne daß wir hier in eine falsche Symbolik verfallen, sich eine ideale Mitte denken und können auf der einen Seite den Pflanzenbildungsprozß, auf der anderen Seite den Tierbildungsprozeß sehen: ein Gabelungsprozeß (Fig. 7). Dasjenige, was in der Mitte drinnen liegt, das stellen wir uns zunächst als irgendeine ideale Mitte dar, so daß, wenn wir uns den Pflanzenbildungsprozeß gradlinig fortgesetzt denken würden, wir zur Dauerpflanze kommen würden, nicht zum Tier. Aber wenn wir zur Dauerpflanze kommen, dann stellt sich uns ja gleich etwas dar, was wir nur entsprechend weit zu verfolgen brauchen, um zu etwas anderem zu kommen. Wenn Sie sich die Dauerpflanze vorstellen, so werden Sie nicht anders können, als dasjenige, was in gewisser Beziehung in der Fortsetzung dieser Entwickelungsströmung der Dauerpflanze liegt, sich vorzustellen als den Weg zur Mineralisierung. Da haben Sie den Weg zur Mineralisierung. Wir können also sagen: Wir haben in der direkten Fortsetzung des Pflanzenbildungsprozesses den Weg zur Mineralisierung. Suchen wir den polarischen Gegensatz an dem anderen Ast, bei der Tierbildung, so würde natürlich jemand, der schematisch vorgeht, sagen, er muß hier auch die andere Seite, den anderen Ast der Gabel fortsetzen. Das wäre aber kein polarisches Fortsetzen, sondern Sie müssen sich jetzt denken: Beim Pflanzenbildungsprozeß haben wir eine Fortsetzung; beim Tierbildungsprozeß muß ich negativ gehen, muß ich zurückgehen, da muß ich umkehren, muß ich mir vorstellen, daß der Tierbildungsprozeß nicht über sich hinausschießt, sondern zurückbleibt hinter seinem Werden.

323-12-08
323-12-08

Nun studieren Sie einmal dasjenige, was in der Zoologie vorliegt, ich will sagen, durch die Untersuchungen von Selenka über den Unterschied zwischen Mensch und Tier in der embryonalen Bildung, und wie diese Bildung dann erscheint nach der Geburt beim Menschen, wie sie erscheint bei dem höheren Tier, dann werden Sie eine Vorstellung verknüpfen können mit diesem Zurückbleiben. In der Tat verdanken wir unsere menschliche Bildung dem Umstande, daß wir während der Embryonalbildung nicht so weit vorschreiten wie das Tier, sondern zurückbleiben. So daß also, indem wir ganz äußerlich hypothesenfrei diese drei Reiche betrachten, wir allerdings nötig haben, hier eine merkwürdige mathematische Linie zu ziehen, nämlich eine, die bei ihrer Fortsetzung verschwindet, wenn wir vom Tier zum Menschen übergehen, und hier (bei der Pflanze) eine Linie, die sich verlängert (Fig.8). Wiederum eine Erweiterung der Mathematik! Es ist bei der Zeichnung dieses Schemas ein Unterschied, der ein rein mathematischer ist: Es gibt Linien, die, wenn wir sie fortsetzen, länger werden, und solche, die, wenn wir sie fortsetzen, kürzer werden. Das ist eine vollständig gültige mathematische Vorstellung. Wir müssen also, wenn wir schematisch die Reiche der Natur anordnen wollen, sie so anordnen, daß wir irgendeinen idealen Punkt haben, von dem aus sich gabelt Pflanzenreich, Tierreich, und dann müssen wir die Linien fortsetzen, aber wir müssen die Linie im Pflanzenreich so fortsetzen, daß sie länger wird bei ihrem Verlängern, im Tierreich so fortsetzen, daß sie kürzer wird bei ihrer Verlängerung. Das ist durchaus eine mathematische Vorstellung. Dann werden wir die Beziehungen bekommen zwischen den Reichen der Natur, zunächst einfach nebeneinanderstellend die Reiche der Natur. Die Frage entsteht jetzt - und nur diese Frage wollen wir uns jetzt als die Frage vorstellen, die zu beantworten wichtig ist: Was entspricht diesem idealen Punkt in der Wirklichkeit? Und da werden wir ahnen können, wie auf dieselbe Weise zusammenhängen muß die Gestaltung der verschiedenen Reiche der Natur mit diesem idealen Punkt hier, wie im Weltenall irgendwelche Bewegungen zusammenhängen müssen mit irgend etwas, was wiederum diesem idealen Punkt da in der Mitte entspricht.

Das ist dasjenige, was wir uns dann für morgen überlegen wollen.

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