Current Social and Economic Issues
GA 332b — 8 January 1921, Stuttgart
Vortrag an einer Versammlung Stuttgarter Industrieller
Meine sehr verehrten Anwesenden! Es entspricht eigentlich nicht ganz den Meinungen, die ich selber haben muss von dem Fortgange der Ihnen von Herrn Kommerzienrat Molt eben so begeistert auseinandergesetzten Bewegung, wenn ich heute selber vor Ihnen zur Besprechung von wirtschaftlichen Fragen, wenigstens von wirtschaftlichen Richtungen erscheine, sondern ich hätte es im Grunde genommen lieber gehabt, wenn die ja allerdings von mir herrührende und von mir der Welt empfohlene Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus für das wirtschaftliche Gebiet von einem auch seinem Berufe nach im Wirtschaftsleben drinnenstehenden Mann vor Ihnen vertreten worden wäre. Denn man darf schon sagen: Das, was berechtigt ist, kann ja auch auf einem solchen Gebiet nur den richtigen Eindruck machen, wenn derjenige es vertritt, der auch dem äußeren Berufe nach in irgendeinem Zweige des äußeren Wirtschaftslebens voll darinnensteht. Aber es entspricht nun einmal dem Wunsche von befreundeter Seite, dass ich selber zunächst über dasjenige spreche, was wir uns auch als die Gesundung des Wirtschaftslebens denken, und was wir zugrunde gelegt haben der Begründung des «Kommenden Tages», einer reinen Wirtschaftsgesellschaft. Das auf der einen Seite,
Auf der anderen Seite ist es schwierig, heute von einem größeren Gesichtspunkte aus in einer ganz kurzen Zeit über die Gesundung des Wirtschaftslebens zu sprechen. Man kann bei all seinen Handlungen, wie bei der Begründung sogar von etwas, was dem Wirtschaftsleben scheinbar ferne liegt, wie bei der Waldorfschule, bei der Begründung des «Kommenden Tages», diese großen Gesichtspunkte im Auge haben. Aber es ist schwierig gerade gegenüber der heutigen Weltlage, über dasjenige, was man da im Auge hat, ganz kurz zu sprechen. Daher bitte ich Sie, dasjenige, was ich sagen werde, zunächst nur zu betrachten als die große Linie, als Andeutungen, und dann vielleicht die Anregung zu empfangen, manches im Einzelnen nachzusehen in meinem Schriftchen «Die Kernpunkte der sozialen Frage», oder in anderen Schriften, zum Beispiel «In Ausführung der Dreigliederung», in welchen beiden Schriften ich für die verschiedensten Lebenszweige dasjenige dargelegt habe im Einzelnen, was der ganzen Dreigliederungs-Idee zugrunde liegt. Und ich muss auch, da ich wohl annehmen darf, dass nicht alle der verehrten Zuhörer, die heute so freundlich waren, hier zu erscheinen, schon ganz bekannt sind mit der Dreigliederungs-Idee, wenigstens einleitend mit ein paar Worten charakterisieren - nur charakterisieren, nicht beweisen - dasjenige, was der Impuls von der Dreigliederung des sozialen Organismus eigentlich will, um dann erst daran dasjenige zu zeigen, was ich Ihnen heute sagen möchte.
Aus den verschiedensten Untergründen heraus, von denen ich nachher auch ein paar Worte sagen werde, fühlt als das Einzigste Gesundungsmittel für unsere sozialen Schäden mit mir der in Stuttgart begründete Bund für Dreigliederung eben diese Dreigliederung eines jeglichen sozialen Organismus, sei es das Deutsche Reich, sei es irgendein anderer sozialer Organismus, klein oder groß, es kann für jeden Einzelnen durchgeführt werden, und zwar so - teilweise hat es ja Herr Molt schon angedeutet -, dass dasjenige, was bisher im Einheitsstaate abstrakt zusammengefasst war, sodass sich die einzelnen Gesichtspunkte fortwährend durcheinandermischen: Interessen des geistigen Lebens, Interessen des Wirtschaftslebens, Interessen des rein politischen Lebens, namentlich sozial-politische Interessen, [dass] dasjenige, was also so im Einheitsstaate verbunden war, ohne in sich wirklich organisch gegliedert zu sein, in drei Glieder auseinanderzusondern [ist]. Das, was ich Ihnen schildere, ist keineswegs etwas Utopistisches, sondern ein aus der Praxis des Lebens Herausgeholtes. Und vielleicht wird es doch auch heute gelingen, zu zeigen, dass man nicht an irgendeinen fernen Punkte und an eine besondere Verbesserung der Menschheit nach irgendeiner Richtung appelliert, indem man von dieser Dreigliederung spricht, sondern dass man spricht von etwas, was im Grunde genommen jeden Tag auf irgendeinem Gebiet in Angriff genommen werden kann, sodass dann diese Gebiete zusammenwachsen und eine Gesundung des gesamten sozialen Organismus die Folge ist. Es handelt sich darum, dass getrennt verwaltet werden müssen die Angelegenheiten des geistigen Lebens, dem vorzugsweise das Erziehungs- und Unterrichtswesen angehört; die Angelegenheiten des Rechtslebens zusammen mit dem politischen Leben, dem Staatsleben; und dann als drittes Gebiet alle Angelegenheiten des rein wirtschaftlichen Lebens.
Die Angelegenheiten des geistigen Lebens, namentlich die Angelegenheiten des Erziehungs- und Unterrichtswesens, sie können nicht, wenn irgendetwas Gedeihliches für die wirkliche Menschheitsentwicklung herauskommen soll, auf parlamentarischem Wege entschieden werden. Sie können nicht durch Majoritäten irgendwie regiert oder verwaltet werden, sondern es handelt sich darum, dass die geistigen Angelegenheiten, vor allen Dingen Erziehung und Unterricht, auf den Boden einer reinen Selbstverwaltung gestellt werden; dass von der niedrigsten Volksschule bis hinauf zur Hochschule auf allen Gebieten diejenigen Menschen, welche die Unterrichtenden sind, und zwar diejenigen, welche in der Zeit, in der es sich um Verwaltungsangelegenheiten handelt, durchaus aktiv Unterrichtende sind, auch die Verwalter des ganzen Unterrichtswesens sind. Heute haben wir es noch so angeordnet, dass derjenige, der in irgendeiner Weise verwaltend im Unterrichtswesen tätig ist, früher einmal unterrichtet hat, dass er also eigentlich herausgewachsen ist aus dem lebendigen Zusammenhang mit dem tätigen Unterrichten und Erziehen. Daher muss entlastet werden in der Zukunft der Unterrichtende. Selbstverständlich kann das nicht heute durchgeführt werden in seiner Ganzheit; unsere Waldorfschullehrer sind viel zu belastet, als dass alles, was wir uns denken als notwendig, wirklich durchgeführt werden könnte, aber wir arbeiten entgegen einem Zustande, in dem die Lehrer als solche in Bezug auf das Unterrichten und Erziehen nur so viel Zeit zu verwenden haben, dass ihnen neben dieser Zeit noch so viel übrig bleibt, dass sie ein Stück des gesamten Schulwesens mit verwalten können. Damit wird das gesamte Gebiet des Unterrichtens und Erziehens unterstellt den Unterrichtenden und Erziehenden selber. Es würde heute zu weit führen, das im Einzelnen nachweisen zu wollen, und ich möchte heute mehr charakterisieren und anregen als beweisen; aber es wird sich zeigen, dass in einer solchen Verwaltung durch die gegenseitige Anerkennung der Fähigkeiten durchaus der Einzelne so viel zur Geltung kommen wird, als es seinen Fähigkeiten entspricht; dass von Mensch zu Mensch, von Körperschaft zu Körperschaft in einem gar nicht irgendwie ans Parlamentarisieren erinnernden Beratschlagen dasjenige geleistet wird, was für die Verwaltung zu leisten ist. Und jeder, der da will wirklich in der Verwaltung des geistigen Lebens etwas leisten, muss in diesem geistigen Leben selber darinnenstehen.
Ich will auf einem anderen Gebiet dasjenige erläutern, was ich eigentlich meine. Wir haben die Absicht, hier in Stuttgart oder in der Nähe ein Institut zu gründen, welches der Heilkunde gewidmet ist; der Heilkunde, die ja, wie heute jeder eigentlich wissen könnte, der Mediziner ist, eines Einschlages von einer gewissen Seite, namentlich der Seite der Geisteswissenschaft bedarf. Wir werden in der Lage sein, eine ganze Reihe von Heilmitteln, an die heute die Welt kaum denkt, die aber der Welt zum Segen sein werden, herzustellen. Wir haben aber vor, diese Herstellung von Heilmitteln nicht so zu betreiben, dass bloß diese Heilmittel hergestellt werden von einer Reihe von Ärzten; damit würde sich die Gefahr ergeben, dass diese Ärzte verbürokratisieren würden, dass sie immer mehr und mehr herauswachsen würden aus dem lebendigen Erkennen der menschlichen Gesundheit und Krankheit, dass sie mehr zu Bürokraten und Technikern würden. Daher muss mit einem solchen Institut verbunden sein eine, wenn auch noch so kleine, Klinik. Sodass diejenigen, welche Techniker werden, fortwährend in Verbindung stehen mit dem Heilen selber, mit der Kunst des Heilens. Dadurch wird in ihnen lebendig erhalten dasjenige, was zum Schlusse durchdringen muss ihre ganze Handlungsweise, die ganze Art, wie sie sich hineinzustellen, in dem gesamten hygienisch-therapeutischen Prozess mitzuwirken haben.
Das ist dasjenige, was nun auch zugrunde liegt einer lebendigen Auffassung des Unterrichts- und Erziehungswesens, dass nicht da in einem Parlament durch eine Majorität Leute sitzen, die keine Ahnung haben von pädagogischer und didaktischer Kunst, sondern die aus anderen Interessen urteilen, und dass die über pädagogische und didaktische Fragen Bestimmungen treffen, welche dann wiederum ausgeführt werden von Beamten, die entweder nie drinnengestanden haben im Unterrichts- und Erziehungswesen, oder die daraus herausgekommen sind, die nicht mehr damit in lebendigem Zusammenhang stehen. Ein auf sich selbst gestelltes Geistesleben bedeutet ein solches, in dem die darin Arbeitenden zu gleicher Zeit auch die Verwalter dieses Geisteslebens sind.
Nun will ich gleich den anderen Flügel dieses dreigliedrigen sozialen Organismus prinzipiell berühren, das ist der wirtschaftliche Flügel. Da muss man sich klar sein darüber, dass nun wiederum das Wirtschaftsleben so ist, dass unmöglich derjenige über irgendetwas im Wirtschaftsleben urteilen kann, der nicht in diesem Wirtschaftsleben selber sachkundig und fachtüchtig in irgendeinem Zweige drinnen steht. Diese Dinge lassen sich leicht aus Tatsachen beweisen. Ich möchte nur die eine anführen, die ich auch in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» öfter erwähnt habe: Dasjenige Reich, welches so recht gezeigt hat, wie unmöglich sein Weiterbestand war innerhalb des europäischen Chaos, ist Österreich. Ich habe in Österreich die Hälfte meines Lebens zugebracht, nämlich dreißig Jahre; ich kenne die österreichischen Verhältnisse, wie sie sich entwickelt haben gerade in den Siebziger-, Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, wo derjenige, der sie ein wenig studieren und durchschauen konnte, von vorneherein sehen konnte, wie es nach und nach kommen musste; wie es kommen musste nicht bloß aus nationalen Gründen - das ist dasjenige, was man so leicht sagt -, sondern vorzugsweise aus einem anderen Untergrunde heraus. Als in den sechziger Jahren in Österreich unter dem Drang der neueren Zeit der Parlamentarismus eingerichtet wurde, wie setzte man da in Österreich den Reichsrat zusammen? Aus vier Kurien: der Kurie der Großgrundbesitzer; der Kurie der Vertreter der Handelskammern und Gewerbekammern, der Kurie der Städte, Märkte und Industrialorte und der Kurie der Landgemeinden. Also diese Kurien bestanden aus Vertretern von Wirtschaftskörpern und was sie als Vertreter der Wirtschaftskörper wollen mussten, das verquickte sich mit den rein staatlichen, politischen Verhältnissen im österreichischen Reichsrat. Da wurden die Rechtsverhältnisse entschieden, da wurden Gesetze gegeben, aber nicht nach den Gesichtspunkten, die rein politische, rein rechtliche sind, sondern da wurden Gesetze gegeben je nachdem sich die Majorität ergab. Es gab keinen inneren Zusammenhang oftmals zwischen dem, was da als Gesetze gegeben werden sollte, und den Interessen, aus denen heraus über diese Gesetze abgestimmt worden ist. Mit anderen Worten: Derjenige, der da die Verhältnisse sich anschauen konnte, der musste sich sagen: Das ist ja eine völlige Unmöglichkeit. Gerade da, wo die Menschen so zusammengewürfelt waren, dass in diesem Österreich 13 offizielle Landessprachen waren, da zeigte es sich, wie in Kollision mit allen übrigen Verhältnissen eine unmögliche Wirtschaftsvertretung im Reichsrat wirkte. Es zeigte sich, dass vor allen Dingen notwendig gewesen wäre, nicht zu parlamentarisieren mit wirtschaftlichen Dingen, sondern im Parlament nur das vertreten zu lassen, worüber jeder mündig gewordene Mensch, einfach weil er Mensch ist, mitsprechen kann; dagegen alles Parlamentarisieren hinwegzunehmen aus dem Wirtschaftsleben. Im Wirtschaftsleben darf nur derjenige zur Geltung kommen, der auf irgendeinem Gebiet Sachkenntnis hat und fachtüchtig ist. Die sach- und fachtüchtigen Wirtschafter müssten sich zusammenschließen mit anderen, die wiederum auf anderen Gebieten tüchtig sind, und durch diese immer weiteren Zusammenschlüsse würde ein assoziatives Leben entstehen. Sodass tatsächlich, wenn ich mich populär ausdrücken darf, die Sache so vor sich geht: Irgendjemand, der in einem Produktionszweig drinnensteht, oder der sich zum Vertreter irgendeines Gebietes macht, in dem sich die Konsumenten für irgendetwas gesammelt haben, die schließen sich zusammen, assoziativ zusammen; nicht so, dass man eine Behörde darüber hat, die organisiert, sondern dass alles Organisieren durch die gegenseitigen Verhandlungen entsteht. Solch ein assoziatives Prinzip, das kann bei seiner Realisierung dasjenige erreichen, dass von Assoziation zu Assoziation so verhandelt wird, dass ein jeder in die Waagschale der Verhandlungen dasjenige wirft, was er versteht, was der andere nicht versteht. Und aus dem gegenseitigen Verhalten, nicht aus dem Überstimmen, sondern aus dem gegenseitigen Achten desjenigen, was bei den anderen Sachkenntnis ist, aus diesem Prinzip, das nur aus der Assoziation hervorgehen kann, kann sich das Netz der Wirtschaft ergeben, welches die Wirtschaft nun wirklich wirtschaftlich verwaltet.
So haben wir auf der einen Seite ein freies Geistesleben, auf der anderen Seite ein Wirtschaftsleben, das nun nicht auf die einzelnen Persönlichkeiten gestellt ist.
Verzeihen Sie, wenn ich da etwas ausdrücke, was vielleicht Anstoß erregen könnte, was sich aber ergibt, wenn man unbefangen durch Jahrzehnte das wirtschaftliche Leben, das staatlich-politische Leben und das geistige Leben studiert, und wenn man sich frägt: Wer weiß denn eigentlich die wirtschaftlichen Verhältnisse zu beurteilen, insofern verschiedene Wirtschaftszweige in Betracht kommen, oder gar große Staatswirtschaften, oder, wie es in der neueren Zeit war, die Weltwirtschaft in Betracht kam; wer weiß denn da zu urteilen?
Im geistigen Leben entscheidet die Individualität, denn im geistigen Leben handelt es sich darum, dass aus der Individualität heraus die Fähigkeiten in das soziale Leben eindringen, die mit dem Menschen geboren werden, die im Lauf des Menschenlebens aus dem Menschen heraus kommen. Würde man im freien Geistesleben die Einrichtung nicht so haben, dass aus jeder einzelnen Individualität heraus diejenigen Kräfte kommen können, die in ihr liegen, so würde man einfach dem sozialen Menschenleben Kräfte entziehen. Das aber, dass aus jedem Einzelnen die individuellen Kräfte kommen können, die in ihm liegen, als Erzieher oder Unterrichter, das ist im freien Geistesleben möglich.
Im Wirtschaftsleben, das ist eben ein Erfahrungssatz, hat keiner solche Fähigkeiten, die etwa außer einem oder höchstens ganz wenigen Wirtschaftszweigen irgendetwas umfassen. Denn das Wirtschaftsleben fußt auf demjenigen, was man sich durch Jahre hindurch im Umgang mit dem Wirtschaften angeeignet hat. Es ist unmöglich, dass irgendjemand im wirtschaftlichen Leben als Einzelner, als Individualität überhaupt ein sachgemäßes Urteil abgibt. Das mag Anstoß erregen, aber das ist ein Erfahrungssatz, der sich beweisen lässt. Ich möchte Sie nur auf eines hinweisen: Wenn man so liest in den Parlamentsverhandlungen, da wo man darauf kam, alle Wirtschaftsfragen in das Parlamentarisieren hineinzubeziehen um die Mitte oder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aber namentlich um die Mitte, wie viel in den Parlamente gehandelt worden ist über den Segen der Goldwährung. Was ich jetzt sagen will, das sage ich nicht, um gegen diese Parlamentsreden, die damals gehalten worden sind, sowohl von nationalökonomischen Theoretikern wie auch von Praktikern, etwas einzuwenden. Es handelt sich wirklich um sehr gescheite Leute. Ich weiß, dass damals viel Scharfsinniges gesprochen worden ist für die Einführung der Goldwährung. Und unter diesem Scharfsinnigen, was die Leute, aber nicht aus Durchdringung mit einer Einsicht heraus, sondern aus persönlichem Scharfsinn heraus geredet haben, war auch eines, was immer wiederkehrte: dass unter dem Einfluss der Goldwährung besonders der freie Handel gedeihen würde. Diesem Urteil begegnet man immer wiederum, und es waren keine schlechten Gründe, mit denen man das verteidigte. Scharfsinnige Menschen waren es, aber sie erwiesen sich als schlechte Propheten. Denn die Realität des Wirtschaftslebens ging dahin, dass man überall nach Zollgrenzen schrie. Die Schutzzollpolitik wurde eingeleitet. Also das gerade Gegenteil ist eingetreten von dem, was diese scharfsinnigen Menschen aus ihrem individuellen Glauben heraus über die wirtschaftlichen Hergänge gesagt haben. Und man könnte unzählige Beispiele anführen, aus denen sich zeigen würde, dass der einzelne Mensch eben im Wirtschaftsleben ein richtiges, durchgreifendes Urteil nur hat für dasjenige, wo er selber Hand angelegt hat. Daher ist es notwendig, dass in diesem wirtschaftlichen Leben nicht der Einzelne urteile, sondern die Assoziationen, die sich aus den einzelnen Zweigen heraus bilden. Sodass in der Tat das wirtschaftliche Handeln, das Zusammenhandeln unter dem Einfluss des Verhandelns aus der Sachkenntnis heraus geschieht, nicht aus dem Parlamentarisieren, nicht aus der Entscheidung von Majoritäten.
Dagegen berechtigt, nach Majorität zu entscheiden, ganz demokratisch vorzugehen, ist man auf all denjenigen Gebieten, die das Rechtsleben betreffen; die betreffen dasjenige, worüber urteilsfähig ist, weil es das allgemein Menschliche betrifft, jeder Mensch, der mündig geworden ist. Wir wollen uns dabei nicht über die Altersgrenze unterhalten. Also dasjenige, was so in das Urteil eines jeden mündig gewordenen Menschen gestellt ist, das gehört dann dem zu, was als Staat zwischen dem selbstständigen, auf Assoziationen beruhenden Wirtschaftsleben und dem freien Geistesleben drinnensteht.
Es ist ein Vorurteil, wenn man glaubt, dass mit dem Wirtschaftsleben das Rechts- oder Staatsleben so verquickt ist, dass man die beiden nicht voneinander trennen kann. Wer so urteilt, der urteilt eben nach dem, was sich herausgebildet hat in den letzten Zeiten, wo eine solche Verquickung zum Beispiel schon auf sozialpolitischem, wirtschaftlichen Gebiet des Staatslebens mit dem Wirtschaftsleben sich ergeben hat, sodass es heute Naturen gibt, die können überhaupt nicht mehr den Gedanken fassen, dass man das reine Wirtschaftsleben, das verhandelt über Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsum, mit der Tendenz, auf der Grundlage dieses Verhandelns, aus den Verhandlungen der Assoziationen heraus zu einem entsprechenden Preis zu kommen - denn auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens ist das, um was es sich handelt, zuletzt doch, zu dem entsprechenden Preis zu kommen, der den Menschen ein menschenwürdiges Dasein sichert -, die Leute können sich nicht mehr denken, dass diese Verhandlungen getrennt werden können auch in Bezug auf die Verwaltungen, das Verfassungswesen, getrennt werden können von der Behandlung rein menschlicher Fragen wie zum Beispiel der Frage der Arbeitszeit. Die Arbeitszeit würde im Sinne der Dreigliederung nicht innerhalb der wirtschaftlichen Körperschaft zu behandeln sein, sondern innerhalb des Staatskörpers. Da ist es so - und ich kann nicht anders sagen, ich habe mir dieses Urteil durch jahrzehntelanges Studium erworben -, da ist das, was sich ergeben muss, dass in dem Augenblick, wo wir zum Beispiel überwunden hätten durch das Assoziationsprinzip das Zwitterding der sogenannten Gewerkschaften, die im Grunde genommen im wirtschaftlichen Leben drinnenstehen, die aber nach ihrer Verfassung, nach ihrer ganzen Artung nichts anderes sind als Abbilder eines Politisierens, eines politischen Lebens; wenn wir überwunden hätten dieses Prinzip der Gewerkschaften, wo im Grunde Leute sich zusammenfinden, die gar nicht drinnenstehen im wirklichen Wirtschaftsleben, sondern die Forderungen stellen, die nicht hineingehören ins Wirtschaften. Im Wirtschaftsleben soll man kennenlernen dasjenige, was zwischen Warenproduktion, Warenzirkulation und Warenkonsum spielt. Wenn Menschen, die auch als Handarbeiter funktionieren, in der Assoziation drinnenstehen, kann man heute nur sagen, dann - ich bin fest davon überzeugt, und ich war viele Jahre Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule, ich lernte dort die radikalsten Arbeiter und ihre Seelenverfassung kennen; man kann nicht urteilen über die soziale Frage, wenn man sie nur von außen angesehen hat, sondern man kann nur urteilen über das, was die wahre Arbeiterfrage ist, wenn man sich die Leute angesehen hat -, dann hätten wir heute nicht diejenige Agitation auf sozialpolitischem Gebiet, welche im Augenblick unser Wirtschaftsleben zu zerstören droht; wir hätten nicht die ganz abstrakte Forderung nach dem Acht-Stunden-Tag. Würden die Arbeiterassoziationen beteiligt sein am Wirtschaftsleben selber, dann würden sie im Rechtsleben, wo sie einfach zu urteilen haben über die Länge der Arbeitszeit, ihr Urteil geltend machen; sie würden wissen, dass es an ihren eigenen Leib geht, wenn die entsprechende Arbeitszeit durchgesetzt wird. Nur wenn man trennt von dem rein wirtschaftlichen Leben diese Frage, nur wenn man ohne Verquickung mit den wirtschaftlichen Interessen eine Möglichkeit hat, zu urteilen über dasjenige, was rein menschlich ist, was ins Politische, in den Staat hinein gehört, nur dann ist man in der Lage, wirklich objektiv über diese Dinge zu urteilen. Man kann im vollsten Sinne des Wortes ein Herz haben gerade für die Arbeiterfrage, aber dieses Herz sagt einem dann auch, dass vor allen Dingen nötig ist, dass das soziale Leben so verfließe, dass der Arbeiter sich nicht den Boden unter den Füßen untergräbt. Dazu ist allerdings notwendig, dass man mit einem gesunderen Sinn, als das heute vielfach geschieht, unser ganzes wirtschaftliches, rechtlichpolitisches und geistiges Leben ansieht.
Sehen Sie, man müsste viel darüber sprechen, wenn man auf die Gründe besonders der wirtschaftlichen Not, dieser besonderen Not des Deutschen Reiches zum Beispiel, zu sprechen kommen wollte. Und es ist ja heute wirklich schwierig, über die Dreigliederung zu sprechen, weil sie in einem Surrogat nur durchgeführt werden kann. Denn das politische Leben ist ja dasjenige, was heute auch im Großen das wirtschaftliche Leben ruiniert. Der Krieg hat uns das Wirtschaftsleben zwar auch ruiniert, aber man darf eigentlich sagen: Noch mehr, noch viel hoffnungsloser hat uns der Friede dieses wirtschaftliche Leben ruiniert. Es ist also heute sehr schwierig, über diese Dinge zu sprechen, allein ich möchte doch darauf aufmerksam machen, dass wir auch wirtschaftliche Fragen heute nicht in der entsprechenden Weise werden lösen können, wenn wir uns nicht an die Lösung, soweit sie relativ möglich ist, der großen, sozialen Fragen als solche machen.
Sie mögen denken über die Dreigliederung des sozialen Organismus, zunächst indem sie wie eine Art Postulat auftritt, wie Sie wollen; aber über das eine könnte man eigentlich besonders innerhalb des Deutschen Reiches nicht im Unklaren sein, wenn man die Tatsache beobachtet, dass diese Dreigliederung des sozialen Organismus sich eigentlich im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat, dass sie schon da ist, diese Dreigliederung, auf gewissen Gebieten, dass sie aber nur in zerstörerischem Sinne da ist, nicht im aufbauenden Sinn. Und da gestatten Sie mir, dass ich ganz kurz auf Dinge eingehe, die scheinbar dem Wirtschaftsleben ferneliegen, die aber doch für den, der die Dinge durchschaut, innig mit ihm zusammenhängen.
Sie wissen ja alle: Die Sehnsucht nach dem Deutschen Reiche, sie war lange vorhanden. Sie gehört zu den schönsten Blüten im deutschen Leben. Wie trat diese Sehnsucht nach dem Deutschen Reiche zum Beispiel 1848 und auch noch nachher auf? Sie trat auf als ein rein geistiger Impuls. Diejenigen Menschen, die von dieser Errichtung der deutschen Einheit sprachen, sie verfielen förmlich in eine Art von Romantik — das mag einem sympathisch sein oder nicht, es ist eine Tatsache -, wenn sie von dem, was sie erstrebten, von der deutschen Einheit sprachen. Sie wollten ein Reich gründen, in dem zur Geltung kommt dasjenige, was die geistige Substanz des deutschen Volkes ist. Dann wurde ein Reich gegründet aus ganz anderen Gesichtspunkten heraus. Nicht sei daran Kritik geübt; diese Kritik ist in den 70er-Jahren genügend geübt worden; man mag die historische Notwendigkeit zugeben, dass das Deutsche Reich so gegründet werden musste, nicht aus diesem Idealismus heraus, der auch ein falscher sein kann, aber bei zahlreichen Persönlichkeiten nicht falsch war; diese Gründung des Deutschen Reiches hätte im Grunde genommen auch wahrhaftig als Rahmen dienen können für dasjenige, was aus dem besten geistigen Streben der Deutschen nach dieser deutschen Einheit hin wollte.
Aus demjenigen, was 1871 begründet worden ist, hätte man einen Rahmen machen können für die geistigen Angelegenheiten. Die waren da. Und, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn sie sich heute auch noch so verkriechen, sie sind heute noch da, vielleicht am stärksten da, wenn auch nicht an der Oberfläche des Lebens. Aber was ist dann entstanden in dem Rahmen? Auch hier will ich nicht kritisieren, sondern voll anerkennen: Es ist allerdings entstanden eine blühende Wirtschaft; ein im wirtschaftlichen Sinn immer mehr und mehr aufblühendes Deutsches Reich ist entstanden. Nehmen Sie das, was ich sagen will, nicht im wegwerfenden Sinn.
Die Träume der nach deutscher Einheit Strebenden, die hielten sich im Hintergrund als ein zwar nicht öffentlich wirkendes, nicht öffentlich organisiertes, aber im Herzen getragenes freies, geistiges Reich. Es war da, dieses Glied des geistigen Organismus, nur konnte es sich nicht geltend machen gegenüber der äußeren Organisation. Es hatte nicht eine eigene Organisation. Es machte sich immer mehr und mehr eine rein wirtschaftliche Organisation geltend. Man benützte dasjenige, was aus ganz anderen Untergründen geistig und politisch heraufgekommen ist, als den Rahmen für eine große, gewaltige, bewunderungswürdige wirtschaftliche Organisation. Nur leider widersprach diese Organisation demjenigen, was auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr heraufkam durch die Anforderungen der Weltwirtschaft. Es war einfach - man mag das nun bedauern oder in anderer Weise beurteilen -, es war einfach nicht möglich, dass gegenüber den Tendenzen der Weltwirtschaft das, was aus ganz anderen Voraussetzungen, aus geistigen, politischen Voraussetzungen als Rahmen des Deutschen Reiches sich gebildet hatte, ein Wirtschaftsgebiet wurde. Das ist im Grunde genommen doch, wenigstens gegen den Westen hin, die tiefste Kriegsursache geworden; das ist, was unserem tragischen Schicksal in Deutschland zugrunde liegt.
Jetzt haben wir schon zwei Glieder des dreigegliederten sozialen Organismus. Wir haben das heimlich waltende geistige Reich; organisiert wurde aber das Schul- und Erziehungswesen nach den Gesichtspunkten, die obenauf waren. Es wurde sozusagen ergriffen von den Fangarmen des Einheitsstaates, der aber rein wirtschaftliche Gesichtspunkte geltend machte. Wir haben auf der anderen Seite das Wirtschaftsleben. Und dazwischen, ja, dazwischen aufsteigend haben wir ein Fragment, einen Teil des dritten Gebietes; das bloß staatliche, das bloß wirtschaftliche Gebiet. Das steigt nicht von oben herunter; denn da denkt man zunächst die Politik selber so einzurichten, dass sie immer mehr und mehr über die Wirtschaft sich ausspinnen kann; die Politik, die von unten heraufwächst, die in den Forderungen der Sozialdemokratie da ist. Da werden ganz rücksichtslos in Bezug auf das wirtschaftliche Leben, über das am meisten bei der Sozialdemokratie bloß theoretisiert wird, die Forderungen aufgestellt. Da werden die Forderungen aufgestellt ohne Rücksicht auf das Geistesleben, auf die Bedingungen des Wirtschaftslebens. Da werden rein politische Gesichtspunkte geltend gemacht.
Sehen Sie, diese drei Glieder des sozialen Organismus, die wachsen herauf, man sieht es nur nicht; man sieht nicht, dass man das, was da heraufwächst, auch organisieren muss; dass man wirklich dazu kommen muss, diese drei Glieder so zu behandeln, dass sie real ergriffen werden; dass man hat eine eigene Organisation für das Geistesleben, eine eigene Organisation für das Rechtsleben, wo dann nicht mehr diejenigen, die nicht wirklich drinnenstehen in den beiden anderen Organisationen, allein ihre Forderungen erheben, sondern zusammen mit denjenigen, die drinnenstehen, mit den anderen als volle, ganze Persönlichkeiten drinnen arbeiten müssen.
Dann haben wir das Wirtschaftsleben, das eben geführt wurde fortwährend von Gesichtspunkten aus, die nicht rechneten mit den allgemeinen Anforderungen der Weltwirtschaft. Wir haben in großartigem Maße sich entwickelnd gerade in diesem neuem Deutschen Reich die Wirtschaft unter dem Unternehmungsgeiste der technischen Wissenschaft. Aber wir haben diese Wirtschaft nicht sich entwickelnd aus einer Überschau über die Wirtschaftsverhältnisse der Weltwirtschaft. Und diese Weltwirtschaft, sie spielt herein in das Gebiet jedes einzelnen Haushaltes. Sie ist nicht etwas, was über den Gemütern schwebt, sondern was wir bei jedem Frühstück miterleben. Immer mehr und mehr wird sie zu etwas, was wir miterleben, und es wurde immer mehr und mehr zur Notwendigkeit, dass man aus Erkenntnis, aus Einsicht heraus, wie sie sich wiederum nur ergeben konnte aus dem sozialen Leben, sich hineinstellte in dieses Wirtschaftsleben. Das hat man unterlassen. Dann hat uns der Krieg das genommen, was erreicht war in einem Fragment der Weltwirtschaft. Jetzt stehen wir allerdings davor, dass die Politik uns so eingeengt hat, dass es außerordentlich schwierig ist, aus diesem Torso, der ein wirtschaftlicher Torso auch in der Mitte von Europa ist, durch die Dreigliederung des sozialen Organismus viel herauszubringen. Aber wenn man auf die Dreigliederung des sozialen Organismus hinschaut, muss man sagen: Gewiss, sie wird kein Paradies machen können aus dem, was ein wirtschaftlicher Torso ist, aber sie wird das Mösglichste, das Menschenmöglichste herausholen können.
Und auf der anderen Seite beginnt man eigentlich überall einzusehen, dass es notwendig ist, das wirtschaftliche Leben auf der einen Seite herauszuheben aus dem sozialen Organismus und wirklich auf sich selbst zu stellen. Allerdings, bei denjenigen ist wenig Einsicht vorhanden, die aus irgendeinem abstrakten Verstande heraus von Planwirtschaft sprechen und glauben, man könne nun von irgendeiner Zentrale aus das Wirtschaftsleben organisieren. Man sollte überhaupt im Wirtschaftsleben davon abkommen, von Organisieren zu sprechen. Man sollte wissen, dass im Wirtschaftsleben der Tüchtige nur etwas leisten kann, wenn er auch in dem Wirtschaftskreise, der ihm überschaubar ist, drinnenstehen kann, und ein Verhältnis zu den anderen Wirtschaftskreisen so herstellen kann, dass er im Assoziativen drinnensteht, damit durch das Zusammenwirken in den Assoziationen das Richtige geschehen kann; damit sich ein Urteil herausbilde, das der Einzelne nicht haben kann, sondern das nur diejenigen zusammen haben können, die in den Assoziationen drinnenstehen.
Wenn wir die Dinge so ansehen, dann müssen wir sagen: Es ist dasjenige, was wir leisten können, vielleicht etwas sehr Unvollkommenes, aber wir werden doch selbst in diesem Torso von Mitteleuropa das Menschenmögliche leisten, wenn wir zu gleicher Zeit durch die Dreigliederung in Angriff nehmen nicht bloß dasjenige, was rein sozialpolitische Angelegenheiten sind in Konfusion mit wirtschaftlichen Verhältnissen, sondern wenn wir wirklich den Dingen ins Auge schauen und die notwendige Trennung von Politik und Wirtschaft durchzuführen versuchen, soweit es in den gegenwärtigen Verhältnissen möglich ist.
Aber was da heraufkommt, gerade die Revolution hat es uns wiederum mit einem ungeheuer dicht wirkenden Nebel, einem politischen Nebel zugedeckt, und die Propheten mit ihrer Planwirtschaft traten in ganzen Scharen auf. Ein ganz unglückseliger Ausfluss desjenigen, was da in der Politik lebt, ist auch noch der berühmte Absatz 165 der deutschen Verfassung der Republik. Lesen Sie sich diesen Paragraphen einmal durch über die Zusammensetzung von Bezirkswirtschaftsräten mit einem Reichswirtschaftsrat und dann mit demjenigen, was das Reich im Innern sein soll, und versuchen Sie sich eine klare und deutliche Anschauung zu bilden, wie eigentlich da irgendetwas Einheitliches zustande kommen soll. Es ist die trostloseste Verquickung wirtschaftlicher Gesichtspunkte mit politischen Gesichtspunkten gerade in diesem Absatz 165 der deutschen republikanischen Verfassung der Weimarer Nationalversammlung.
Man sieht, es gibt Leute heute, welche durchaus auf das Richtige hinschauen, aber sie tappen im Dunkeln. Sie sehen ein, es muss etwas geschehen, wenn dem Wirtschaftsleben aufgeholfen werden soll. Nehmen Sie den Reichs-Wirtschaftsrat, wirklich eine Versammlung von außerordentlich kundigen Menschen; aber man kann nicht von einer Zentralstelle aus irgendwie organisieren über ein weiteres Gebiet hin, weil in den einzelnen Territorien überall verschiedene Betriebsmöglichkeiten sind. Es handelt sich darum, dass in diesen Betriebsmöglichkeiten diejenigen drinnenstehen, die gerade in diese hineingewachsen sind, und nicht die, die von oben dirigiert werden; die sich selbst verwalten durch Assoziationen, während andere wiederum in anderen Betriebsmöglichkeiten drinnen sind. Das, was zunächst aus politischen Gesichtspunkten heraus urteilt, wird immer wiederum danebenhauen, weil man glaubt, man kann durch irgendeinen Plan das ganze Wirtschaftsleben organisieren. Aber im Reichs-Wirtschaftsrat sitzen ja Leute, die bekannt sind mit demjenigen, was die Bedürfnisse des Wirtschaftslebens sind. Sie haben ausgesprochen, es handele sich darum, dass man das ganze Reich gliedere nach bloßen wirtschaftlichen oder verkehrspolitischen Verhältnissen. Das ist ein bedeutsames Wort, nur würde die Forderung die sein, dass man nun den Einzelnen, die in den einzelnen Betrieben drinnenstehen, überlässt, dass sie sich in Gruppen zusammenfinden, die sich von selbst ergeben, man kann zeigen, dass einfach aus den Bodenverhältnissen oder sonstigen Betriebsmöglichkeiten eine Assoziation, die sich aus verschiedenen Wirtschaftszweigen und Konsumtionszweigen bildet, durch die natürlichen Verhältnisse, durch die Betriebsmöglichkeiten und Konsumverhältnisse eine bestimmte Größe erhält. Zu kleine Assoziationen würden zu kostspielig sein, zu große würden zu unübersichtlich sein. Das ist das, worauf man hinweisen muss.
Auf der einen Seite fordert man heute schon, was die Dreigliederung des sozialen Organismus will, wenn man nur auf sein gesundes Urteil etwas gibt. Aber aus den Verhältnissen heraus werden sich dann andere Organisationen ergeben. Es ist wirklich auffallend, dass aus den heutigen Verhältnissen heraus der Reichswirtschaftsrat gebildet wurde, der sagen muss, er habe zunächst keine Berechtigung, es müsse das Reich gegliedert werden in solche Körperschaften, welche aus ihren Betriebsmöglichkeiten heraus arbeiten. Dazwischen kommen aber immer diejenigen, die starr festhalten am Alten. So haben wir zu verzeichnen, dass in einer Versammlung der Vertreter der Handelskammern gefordert worden ist, es sollte einheitlich eine wirtschaftliche Selbstständigkeit eintreten, aber die Wirtschaftskörper sollten mit den alten Verwaltungsbezirken zusammenfallen, die aus ganz anderen Gesichtspunkten heraus entstanden sind. Da würden die benachbarten Städte auseinandergerissen, die selbstverständlich zusammenfallen müssten. Das ist dasjenige, was sich immer wieder hineinmischt in die Gesundung unseres Urteils, dass die Leute starr am Alten hängen.
Auch auf einem anderen Gebiete hat man sich zu einem recht gesunden Urteil unter Einzelnen schon durchgearbeitet gegenüber Körperschaften, die aus den alten, sogar wirtschaftlichen Notwendigkeiten hervorgegangen sind, die aber keine Berechtigung mehr haben. Es könnte jedem bekannt sein, der sich um solche Dinge kümmert, in welch trauriger wirtschaftlicher Lage die Kommunen, die Städte sind. Das sagt jeder, der sich mit der Materie beschäftigt hat. Sie stehen am Ende ihres Wirtschaftens. Und diejenigen, die hineinschauen in diese Verhältnisse, haben heute schon ein Urteil darüber, dass andere Lasthalter an die Stelle der alten wirtschaftenden Kommunen treten müssen, dass ihnen abgenommen werden muss dasjenige, was sie nicht mehr leisten können, weil sie aus alten Verhältnissen heraus ihre Usancen gewonnen haben. - Was sollen das nun für Körperschaften sein, die das tragen sollen? Solche Körperschaften, die aus den Gesichtspunkten des Wirtschaftslebens selbst heraus gebildet sind und die miteinander Assoziationen bilden. Das ist es, um was es sich handelt. Und so können wir es gerade als ein charakteristisches Kennzeichen unseres heutigen öffentlichen Lebens ansehen, dass bei denjenigen, die sich ernsthaft befassen mit den Dingen, schon die Sehnsucht entsteht, es möge etwas geschehen, das darauf aufmerksam macht: Unter den alten Verhältnissen geht es nicht weiter. Ich möchte sagen, zwischen den Zeilen kann man es lesen, ohne dass die Betreffenden, die die Zeilen schreiben, es wissen. Der vernünftige Wirtschafter hat schon heute den Drang nach dem assoziativen Leben, nach der Bildung von neuen Wirtschaftskörpern, wo nur wirtschaftliche Sach- und Fachkenntnis gelten, Zusammengewachsensein des einzelnen Wirtschafters mit seiner Wirtschaft. Das Gruppieren nach Assoziationen, das ist schon drinnen, aber die Leute haben so viel Respekt vor dem Alten, dass sie nicht herauskommen; dass sie immer wieder versuchen, nicht aus dem Wirtschaftsleben heraus Körperschaften zu bilden, die sich assoziieren, die selbst natürliche Assoziationen sind, sondern sie möchten verquicken, möchten irgendwie in einer Weise hineinschachteln in die alten Rahmen dasjenige, was sie neu aufbauen wollen. Das ist es aber, was uns zurückhält. Es ist ja nur die Mutlosigkeit gegenüber einem neuen Urteilen. Es ist nur das, dass wir mit den Gedanken nicht zu Ende gehen mögen. Das ist es, was zu der äußeren Not noch diese ungeheure innere Not bringt, dass wir in demjenigen Rahmen, der uns noch belassen ist, das Menschenmögliche nicht leisten können. Gewiss, auch sogar mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg, Erfolg in sachlicher Beziehung, entwickelt sich aus industriellen Kreisen selbst heraus das Richtige, nur geht man nicht bis zum letzten Schritt. Es ist zum Beispiel etwas sehr Gutes, dass die Elektrizitätsindustrie in acht Bezirke teilen will die ganze Verwaltung der elektrischen Kraft. Aber sieht man wiederum darauf hin, wie diese Körperschaft doch wieder verquickt sein soll mit dem alten staatlichen Rahmen, so sieht man eben: Die Leute wollen nicht heraus aus den alten Urteilen. Sie können nicht begreifen, dass dasjenige, was Rechtsverhältnisse sind, mit den wirtschaftlichen Verhältnissen erst dann richtig zusammenwirkt, wenn man sie nicht mehr miteinander verquickt, sondern wenn sie richtig ineinandergreifen.
Mancher sagt: Das Recht ist doch verknüpft mit der Wirtschaft. Selbstverständlich. Es wird auch in der Realität verquickt werden. Aber es ist ja kein Hindernis, dass die Dinge zusammenfließen, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse von rein wirtschaftlichen Körperschaften, die rechtlichen Verhältnisse von rechtlich-staatlichen Körperschaften versorgt werden. Dann werden die Menschen, die ihre Rechtsinteressen im Staate, ihre Wirtschaftsinteressen im Wirtschaftskörper vertreten, sich ja nicht halbieren. Sie stellen sich als einzelne volle Menschen ins Leben hinein; sie werden alle das wirtschaftliche, das geistige, das staatlich-rechtliche Leben vertreten. Erst durch den Menschen wird zusammengefügt das, was nur durch die Verwaltung getrennt ist; aber da muss es getrennt werden, sonst kommen wir nicht weiter.
Das ist es, was eigentlich den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus unterscheidet von anderen Bestrebungen heute. Man hat mir oftmals gesagt: Ja, Ihre Dreigliederung, sie will ein selbstständiges Wirtschaftsleben, das will man anderswo auch. Und auch ein freies Geistesleben wird angestrebt. Man weist darauf hin, dass hier etwas ist und da etwas ist, was an die Dreigliederung erinnert. — Da unsere anthroposophische Gesellschaft eine internationale ist, so habe ich mit allerlei Leuten aus allen Ländern der Welt schon darüber gesprochen. Manche sagten mir: Die Dreigliederung ist ja nichts Neues. Auf den Gebieten, wo es die Leute interessiert, versucht man auf allen drei Gebieten das alles auch schon. Ich konnte nur sagen: Je weniger die Dreigliederung neu wäre, desto lieber wäre es mir. Ich strebe ja nicht danach, etwas Neues in die Welt zu bringen mit der Dreigliederung des sozialen Organismus, sondern das, was heute gerade in dieser Zeit für die Menschheitsentwicklung neu ist. Neu ist aber das daran, dass die Bestrebungen auf den einzelnen Gebieten zutage treten und dass man nur weiterkommt, wenn man sich sammelt in dem einen großen Impuls, eben der Dreigliederung des sozialen Organismus.
Ich weiß sehr gut, welche Einwendungen man von den verschiedensten Seiten her machen kann. Ich habe auch die Einwendungen, die man vom Standpunkte der internationalen Interessen machen kann, besprochen in meiner Schrift «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Ich weiß sehr gut, wie wenig Spannweite vorhanden ist für die Entfaltung der Dreigliederung und für ein assoziatives Wirtschaftsleben, in unserem durch den Friedensschluss so beschnittenen Deutschen Reiche. Aber wenn wir das Lebensmögliche und, wie ich glaube, Lebensnotwendige tun, dann wird sich doch - dazu habe ich Vertrauen - das eine ergeben, dass das Beispiel wirkt. Die Sieger, sie werden, wie sie irgendeine andere Erfindung von uns nehmen würden, auch wenn wir besiegt sind, auch eine gute soziale Sache, wenn wir sie zustande bringen, von uns nehmen. Das einzig Schwierige heute, was ich oftmals bedauern muss in unserem Kreise, das ist, dass wir zu wenig Menschen haben, die da wirken.
Sehen Sie, das Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» ist in europäische Kultursprachen übersetzt, überall erschienen; in englischer, in italienischer, in französischer, in norwegisch-schwedischer Sprache. Die englische Übersetzung ist im Mai 1920 erschienen. Im Grunde genommen, trotzdem die Leute immer hingewiesen wurden darauf, dass ein Engländer über dasjenige, was von einem Deutschen ausgeht heute, kein richtiges Urteil haben möchte, sind in kurzer Zeit gerade in England objektive Besprechungen dieses Buches in Hülle und Fülle erschienen. Und wenn wir im Juli die Möglichkeit gehabt hätten, in England Vorträge zu halten von Stadt zu Stadt, wenn wir die Stimmung, die für das Buch gemacht worden ist, hätten benützen können, dann wäre daraus etwas geworden. Dann hätte, davon bin ich überzeugt, eine deutsche Idee selbst unter den heutigen furchtbar ungünstigen Verhältnissen dort einen großen Eindruck gemacht. Wir konnten keine Vorträge halten lassen in England, wir sind viel zu wenig Leute. Die paar Waldorfleute, die wenigen Herren am «Kommenden Tag», die schinden sich, dass man schon sagen kann; für sie ist die Nacht lange Zeiten überhaupt kaum da. Wir haben im Grunde nur ein paar Menschen, und wir brauchten viele, viele Menschen, dann würde es gehen. Denn ich konnte Ihnen nur die Richtlinien geben, es sollten nur Anregungen sein; aber sie sind für uns dasjenige, was, wenn es durch eine genügend große Anzahl von Menschen vertreten werden kann, zur Gesundung des gegenwärtigen Lebens führen muss.
Wir haben auch mit dem «Kommenden Tag», dieser «Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte», angefangen. Sie soll ein rein wirtschaftliches Unternehmen sein. Ich möchte natürlich durchaus darauf hinweisen, dass ja innerhalb des anderen Wirtschaftslebens eine solche einzelne kleine Gesellschaft nicht dasjenige sein kann, was die Dreigliederung will, selbstverständlich. Denn denken Sie doch nur, dass das Wichtigste ist, dass Sonderorganisationen wie zum Beispiel die Gewerkschaften aus der Welt geschaffen werden. Das können wir nicht von heute auf morgen, besonders nicht so wenig Menschen, und besonders auch nicht, wenn einem so etwas passiert, wie mir hier in Stuttgart, als wir begonnen haben, für die Dreigliederung des sozialen Organismus zu arbeiten, ich möchte die Sache gewissermaßen anonym sagen; ich kam ins Gespräch mit jemand aus den Kreisen der Bourgeoisie, der einen gewissen Anhang hat, nachdem es uns gelungen war, gerade unter der Arbeiterschaft viel Verständnis für den Gedanken der Dreigliederung hervorzurufen. Da sagte mir dieser Herr: Ja, ich sehe ein, in diesen Dingen steckt Fruchtbares; mit dem könnte man weiterkommen, wenn man Anhänger gewinnt. Aber um Anhänger zu gewinnen, dazu sind Sie mir mit den paar Leuten, die um Sie sind, doch zu wenig; auf so wenig Augen können wir die Sache nicht stützen. Daher ist es uns lieber - obwohl wir wissen, dass es auch mit Kanonen und Flinten nur noch 10 bis 15 Jahre gehen kann -, es beim Alten zu lassen.
Wir haben es uns doch nicht verdrießen lassen, diesen «Kommenden Tag» zu begründen, obwohl wir nur einen ganz kleinen Teil unserer Ideen darin verwirklichen können. Dieser kleine Teil ist: dass in diesem «Kommenden Tag» und dem parallel damit gehenden «Futurum» in Dornach bei Basel Gesellschaften geschaffen sind, welche jene Schädlichkeiten hinwegräumen, wenigstens zunächst auf einem kleinen Gebiet, die man sieht, wenn man die heutige Wechselwirkung zwischen Bankwesen und Industriewesen studiert. Ich kann das leider jetzt nicht einzeln darlegen, das würde zu weit führen, ich möchte nur das Positive sagen. Der «Kommende Tag» und das «Futurum» sollen solche Gesellschaften sein, in denen das Bankwesen so verwaltet wird, dass es nicht ein reines Bankwesen ist, sondern dass die Verwalter des Bankwesens in den einzelnen Industrieunternehmungen, die assoziativ zusammengeschlossen sind im «Kommenden Tag», drinnenstehen, zu gleicher Zeit tätig sind in der produktiven industriellen Arbeit, der ganzen Organisierung der Arbeit, und auch die Finanzverwaltung selbst besorgen. Eine Zusammenfügung desjenigen, was zum Unheil der Menschheit erst im 19. Jahrhundert getrennt worden ist; eine Zusammenfügung des Bankwesens mit der produktiven Arbeit, mit den industriellen, mit den kommerziellen Arbeiten und so weiter, das soll da geleistet werden. Und das wollen wir auch zeigen, dass dann das ganze soziale Leben wirklich gedeihen kann.
Ich habe vorhin erwähnt, dass wir ein therapeutisches Institut unter gewissen Bedingungen begründen wollen. Wir haben auch einen Verlag begründet. Die Waldorfschule steht in einer gewissen Beziehung auch finanziell in Verbindung mit dem «Kommenden Tag», wenn auch noch heute in einer losen Verbindung.
Wir wollen zeigen, dass, wenn man in der richtigen Weise wirtschaften kann, man daneben geistige Institutionen begründen kann, wenn man nur genügend finanztechnischen Sinn hat, um mit langen Fristen zu rechnen. Denn geistige Institutionen rentieren auch, sie müssen nur lange Fristen dazu haben, und man muss nur einen offenen Sinn für dasjenige haben, was die Menschheit braucht.
Wir sind überzeugt davon, dass die Heilmittel in der Weise, wie wir sie herstellen wollen, nicht irgendein unproduktives Unternehmen einschließen, obwohl kein anderer Gedanke darin verkörpert ist, als der Menschheit zu helfen. Aber gerade wenn man im edelsten moralischen Sinn auf solchen Gebieten wirkt, wirkt man auch im besten Sinne wirtschaftlich. Denn dasjenige, was sich herausstellt, ist: Indem man aus dem, was man auf der einen Seite gewinnt bei kurzfristigen Gewinnen, bei kurzfristigen Gewinnverhältnissen, hineinsteckt in solche Unternehmungen, die langfristigen Verhältnissen unterliegen, und wenn man mit offenen Augen die Dinge durchschaut, begründet man zu gleicher Zeit eine Wirtschaft, die auch das freie Geistesleben, das auch in die Wirtschaft hineingehört, umfasst. Da haben Sie ein Beispiel, dass wir die Dinge nicht nebeneinanderstellen wollen, sondern dass wir sie gerade deshalb gliedern, damit die Dinge in der rechten Weise zusammenwirken. Und wie wir in der Waldorfschule keine Weltanschauungsschule gründen wollen, sondern bloß in der Kunst des Erziehens und Unterrichtens das aus Anthroposophie Gewonnene geltend machen, wie wir dem Kinde nichts einpropfen wollen von irgendeiner Weltanschauung, sondern den Menschen selig werden lassen, wie er will. Die Menschen kritisieren immer, was sie bei uns als Dogmen auffassen. Wir haben keine Dogmen, sondern wir haben eine Methode des Suchens, und von ihr behaupten wir, dass sie nicht bloß in Bezug auf Weltanschauung eine richtige Methode ist, sondern auch in praktischen Fragen. In der Waldorfschule ist uns das Wesentliche die Art, wie wir das Kind zu behandeln haben. Wir lassen den katholischen Kindern von katholischen Lehrern Religionsstunden geben, und den evangelischen Kindern von evangelischen Lehrern, aber wir wollen eine Methodik, die auf wirklicher, durchgreifender Menschenkenntnis beruht. Und so fällt es uns auch gar nicht ein, irgendeine Weltanschauung in wirtschaftliche Unternehmungen hineinzutragen. Das würden wir als Narrheit betrachten. Sondern es handelt sich darum, dass wir im «Kommenden Tag» so wirtschaften, dass der «Kommende Tag», so viel es heute möglich ist, auf das assoziative Prinzip des Wirtschaftslebens begründet ist; dass er dieses assoziative Prinzip, welches lebendig ist, wenigstens in dem einen Punkte realisiert, dass sich assoziieren die Bankhandlung, die Bankmaßnahmen mit den industriellen, den kommerziellen Maßnahmen; dass das ein organisches Ganzes bildet. Wir werden schon vielleicht es erleben, dass, wenn der Sache genügend Verständnis entgegengebracht wird, dieses wirtschaftliche Zentrum sich mehr und mehr ausdehnt und eine wirtschaftliche Assoziation, die dann als Beispiel andere hervorrufen kann, daraus entsteht. Das hängt von dem Verständnis, auch von dem - wie soll ich es ausdrücken - geberischen Verständnis ab, das uns die Mitwelt entgegenbringt. Ich weiß, dass ich das nicht hervorrufen könnte durch diese Andeutungen, aber die Literatur ist ja groß genug; zwei Bücher liegen vor von mir, und jede Woche erscheint die von uns herausgegebene Wochenschrift «Die Dreigliederung», in der wir die Fragen, um die es sich handelt, eingehend besprechen, in der auch in der letzten Zeit die Absichten des «Kommenden Tages» im Einzelnen behandelt worden sind; in der auch Streiflichter geworfen werden auf die Verhältnisse der Gegenwart, auf die Art und Weise, wie die Gegenwart behandelt werden muss, damit allmählich der Impuls der Dreigliederung als ein praktischer Impuls sich in das wirkliche Leben hineinbegeben kann und so weiter. Da wird auch Kritik geübt an dem, was unmöglich zu etwas anderem führen kann als zum Niedergang, jedenfalls nicht zum Aufgang in unserem wirtschaftlichen Leben. Und auch andere Literatur ist noch da. Und es ist der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus vorhanden, der versucht, diese Ideen zu propagieren, eben aus der Meinung heraus, dass nur auf diesem Wege ein Heil zu erringen ist.
Meine sehr verehrten Anwesenden, verzeihen Sie es, wenn ich nur in der Lage war, einige Andeutungen zu geben, und wenn ich Sie verweisen muss auf das, was wir in der zuletzt charakterisierten Weise sonst tun für die Idee. Aber ich hoffe, dass diese Andeutungen doch hinweisen könnten erstens darauf, dass hier doch wenigstens versucht wird, aus den großen Tendenzen, die heute fordernd nach einem Aufbau aus dem Niedergang heraus vor uns stehen, und aus praktischen Ideen heraus, aus Ideen, die mit dem sozialen Leben und mit den wirklichen Menschen der Gegenwart rechnen, dass aus alledem heraus der Versuch gemacht wird, etwas zu tun, was durch ein freies Geistesleben und durch ein auf seinem Gebiet die Menschen befriedigendes Rechts- oder Staatsleben, zu einem gesunden Wirtschaftsleben führt. Wir können heute nicht mit kleinen Mitteln, die wir nur ablesen von dem, was schon verfehlt worden ist im Wirtschaftsleben, vorwärtskommen, sondern wir können nur vorwärtskommen, wenn wir uns entschließen, von großen Gesichtspunkten aus den Untergang des Wirtschaftslebens zu begreifen und daraus Impulse zu erzielen für einen wirklichen Aufgang, für eine Gesundung dieses Wirtschaftslebens.